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Die goldenen Zeiten der einstigen Architekturikone Zeilgalerie sind passé – in wenigen Monaten wird das 1992 erbaute Einkaufszentrum abgerissen. Folgen wird an gleicher Stelle ein fulminanter Glaskomplex mit 15.000 Quadratmetern auf sieben Etagen.

Die Shoppingmeile Zeil, die täglich über 500.000 Besucher frequentieren, wird schon 2018 um einen architektonischen Prachtbau reicher. Der geplante Neubau heißt Upper Zeil, trumpft mit einer 45 Meter breiten, gläsernen Ladenfront auf und wirkt wie ein exorbitantes, in den Himmel ragendes Schaufenster. Die sieben Etagen gliedern sich optisch in vier Ladengeschosse, von denen bereits drei Areale vermietet sind. Dabei wird alleine der Kaufhof-Konzern über 10.000 Quadratmeter der insgesamt 14.800 Quadratmeter großen Fläche übernehmen und seine benachbarten Räumlichkeiten in den neuen Komplex hausübergreifend erweitern.

Das Upper Zeil soll 2018 eröffnen.
Das Upper Zeil soll 2018 eröffnen.

Wie genau die Kaufhaus-Kette die neuen Räumlichkeiten nutzen will, möchte Kaufhof aber noch nicht preisgegeben: „Der geplante Anbau ist eine erstklassige Chance, unseren Kunden noch mehr hochwertige Marken und Produkte anbieten zu können“, wurde lediglich verraten. Unter Dach und Fach ist ebenfalls, dass der Telefonkonzern Vodafone und die polnische Modekette Reserved in das neue Haus am Platz ziehen, dessen Entwurf vom Frankfurter Architektenbüro KSP Jürgen Engel stammt.

Noch im Frühjahr soll die Zeilgalerie abgerissen, das Kellergeschoss entkernt und die Baumaßnamen für das Upper Zeil eingeleitet werden, für die es – Nomen est Omen – hoffentlich höher hinaus geht als für den ungeliebten Vorgänger, der nicht einmal sein 25-jähriges Jubiläum erlebte.

Die in Frankfurt ansässige RFR Holding der beiden deutschstämmigen Immobilien-Investoren Aby Rosen und Michael Fuchs hatte das Areal in 2014 erworben. Da der zunächst angedachte architektonische Anschluss der Zeilgalerie an das MyZeil oder den Kaufhof statisch nicht umsetzbar gewesen sei, entschied man sich, das Schneider-Denkmal einfach abzureißen.

2010 wurde mit einem Umbau ein letzter Versuch unternommen, das langjährige Sorgenkind der Zeil aufzuhübschen...
2010 wurde mit einem Umbau ein letzter Versuch unternommen, das langjährige Sorgenkind der Zeil aufzuhübschen…

Was nun bald in Schutt und Asche zerfallen soll, wurde noch zur Galerie-Eröffnung vor 24 Jahren als eine zukunftsweisende Institution angepriesen. Sie sollte innovative Architektur mit einem „20.000 Quadratmeter Einkaufserlebnis“ verbinden, wie Bauherr Jürgen Schneider seinerzeit vollmundig verkündete. Doch die ersten Monate markierten die einmalige Spitze der Erfolgsbilanz. Bereits kurze Zeit später begann die Fassade an allen Stellen zu bröckeln.

So führte Baulöwe und Zeilgalerie-Gründer Schneider seine Kreditgeber hinters Licht, indem er die reale Verkaufsfläche der horizontalen Galerie nach oben korrigierte und sich so Kredite in Millionenhöhe erschlich. Schließlich wurde der gebürtige Frankfurter fünf Jahre nach der fulminanten Les-Facettes-Eröffnung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt.

Aber auch unter den neuen Eigentümern, die sich im Akkord ablösten und Millionenbeträge in das Einkaufszentrum pumpten, wurde die Zeilgalerie nicht zum gewünschten Publikumsmagneten. Zu bunt war der Mix aus Piercing- und Nagelstudios, Headshops und Bekleidungsgeschäften, die letztlich weder die Belange der Zeilbesucher erfüllten, noch die hohen Mieten stemmen konnten. Als dann im Jahre 2009 die gläserne Shopping Mall MyZeil seine Pforten öffnete, war der Niedergang der 41 Meter hohen Luftnummer vorgezeichnet.

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