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Wer die „Nr. 16“ kennt, weiß um die randgefüllten Gläser genauso wie um die anderen üppigen Portionen. Mengenangaben gibt es nicht. Genauso wenig wie einen Ruhetag. Und auch sonst ist das sardische Restaurant eine italienische Institution: ausgestopfte Enten, Fasane und Eichhörnchen an der Wand tragen genauso zum Kultcharakter bei wie die kapitalen Hirschgeweihe, die die kleine Kneipe, an deren Eingang sich an jedem Wochenende lange Schlangen bilden, zieren. Hier, unweit des Bornheimer Wochenmarktes, saß schon Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer, und ließ sich von Luigi und Luana Cavallaro, die das Lokal vor fast 40 Jahren eröffneten und heute mit Ihren Kindern führen, versorgen. Damals natürlich nicht ohne seine Leibwächter.

Ende Juli ist nun erst mal Schluss mit Kult. Im letzten Jahr wurde das Haus in der Wiesenstraße von einem neuen Eigentümer erworben. Der kündigte zuerst den bestehenden Mietvertrag mit der Brauerei Radeberger, die an das Bornheimer Traditionslokal unterverpachtet hatte. Danach habe der Inhaber ihnen einen neuen Mietvertrag angeboten, berichtet Wirtssohn Vincenzo Dessi, der seit mehr als zwei Jahrzehnten im Restaurant arbeitet. „Die haben die Miete fast verdoppelt“. Vorbei die Ära der kleinen Eckkneipe, an der sich gerne sechs Personen um einen Vierertisch drängeln – von der dicht besetzten Theke ganz zu schweigen.

Doch der in Bornheim aufgewachsene Dessi plant schon einen Neuanfang: „Wir suchen im Viertel neue Räume und haben uns schon einiges angesehen. Das ,Nummer 16’ muss es einfach weiter geben“.

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