Die Stadt Frankfurt sieht sich im Hintertreffen gegenüber Berlin und London, wenn es darum geht, die digitale Revolution im Finanzwesen voranzutreiben. Um den Anschluss nicht zu verlieren, investieren die Mainmetropole und das Land Hessen Zeit, Geld und Ideen, um Berlin den Ruf als Zentrum der Fintechs, der Technologien rund um alternative Finanzdienstleistungen, abzunehmen. Ein Fintech-Zentrum soll entstehen.

Wirtschaftsminister Al-Wazir bei der Präsentation der Ideen für ein Fintech-Zentrum in Frankfurt
Wirtschaftsminister Al-Wazir bei der Präsentation der Ideen für ein Fintech-Zentrum in Frankfurt

Acht mögliche Betreiber präsentierten am Mittwoch auf Einladung des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir ihre Konzepte für ein Fintech-Zentrum. Gemeinsam mit der Goethe-Universität hatte das Ministerium in deren Präsidiumsgebäude geladen. Bereits am Freitag diskutierten Vertreter von Frankfurt Main Finance, dem Marketingverein des Finanzplatzes, dem neben der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen zahlreiche Finanzplatzakteure angehören, über die Potenziale dieser Konzepte. Und die waren so divers wie die Teilnehmer, die um den Zuschlag konkurrierten: Immobilienentwickler wie Aurelis oder Tishman Speyer, die Frankfurt School of Management & Finance genauso wie Vertreter der Startup-Szene wie die Black Chili GmbH oder die Main Incubator GmbH oder Company Builder wie die Fintech Group.

Klar war jedoch die Aufgabenstellung: „Frankfurt ist der Finanzplatz Kontinentaleuropas und soll auch der Fintech-Hub Kontinentaleuropas werden. Frankfurt ist die natürliche Wahl, hier ist die Finanzindustrie Zuhause“, sagte Stadtkämmerer Uwe Becker.

Becker, der die Stadt Frankfurt bei Frankfurt Main Finance vertritt, sieht in der Mainmetropole viele Vorteile für die Kreativen: „Die Stadt hat für die kreative Fintech-Szene einiges zu bieten. Die Mainmetropole als internationale und weltoffene Stadt ist einer der wichtigsten Internetknotenpunkte Europas. Darüber hinaus können die internationalen Kontakte sowohl der Stadt als auch beispielsweise der Goethe-Universität genutzt werden, um dem Hub eine internationale Ausrichtung zu geben“.

„Unsere Mainmetropole ist durch die Nähe zum bestehenden Bankensektor gerade für Fintechs interessant und nützlich. Am Finanzplatz Frankfurt sind gebündelte Ressourcen zugänglich, zudem Kunden und Geschäftspartner der Startups angesiedelt. Außerdem finden sich hier viele Talente mit weitreichenden Finanzkenntnissen“, ergänzte Wirtschaftsdezernent Markus Frank.

Ein Fintech-Zentrum in Frankfurt als Leuchtturm für Stadt und Region wäre ein echter Gewinn, da sind sich Becker und Frank einig. In Frankfurt sei bereits eine dynamische Entwicklung der Szene zu verzeichnen. Ein Fintech Center, so Becker und Frank, könne diese vielfältige Landschaft noch befördern. Sie begrüßen es, dass das Land sich klar zum Finanzplatz Frankfurt bekannt hat und man gemeinsam an einem Strang ziehe, um weitere Akteure an den Finanzplatz Frankfurt zu holen und hier zu vernetzen. „Es ist wichtig, das Land als Partner an unserer Seite zu haben“, sagt Frank. „Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadt ihren Teil dazu beiträgt, ein solches Zentrum zeitnah zu realisieren“, sagte Becker.

Einen Nachteil gegenüber der Hauptstadt stellte Wirtschaftsminister Al-Wazir heraus: „Wir sind nicht Berlin. Uns geht es im Vergleich so gut, dass wir nicht mit europäischen Fördermitteln um uns werfen können“, sagte er. Allerdings gebe es hier, anders als in Berlin, die Kundschaft, an denen neue digitale Finanzkonzepte ausprobiert werden könnten. „Und wir haben eine funktionierende Verwaltung. Deshalb spricht viel dafür, dass der Standort die Chancen nutzt, die er hat“, zeigte sich Al-Wazir optimistisch.

Doch nicht alle Besucher vermochten angesichts der vorgestellten Ideen diesen Optimismus zu teilen. Der neue CEO des Mobile Payment-Anbieters Cashcloud, Prof. Moritz Hunzinger, zeigte sich etwas erstaunt, wie „romantisch“ die Vorstellungen mancher Pitch-Teilnehmer waren. Sie setzten auf das Sponsoring der Frankfurter Banken und Projektentwickler zur Finanzierung ihrer Startups.

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