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Bekannt wurde sie durch ihre Portraitserie „Little Adults“, in der sie die Kinder der Superreichen in Russland wie kleine Erwachsene in Szene setzte. Für Top Magazin Frankfurt stellte die deutsch-russische Fotografin Anna Skladmann erstmals Auszüge aus ihrem neuesten Projekt zur Verfügung: Erneut sind es Portraitaufnahmen, und erneut geht es um das Land ihrer Vorfahren. Genauer gesagt um eine ganz bestimmte Generation. Text: Natalie Rosini, Fotos: Anna Skladmann

1991 – Generation Putin.

So der Titel der Serie. Anna Skladmann, die mit nur 25 Jahren bereits auf eine steile Karriere als Fotografin zurückblickt und unter anderem schon mit der New Yorker Starfotografin Annie Leibovitz zusammenarbeitete, zeigt diesmal keine überbordend inszenierten Bilder von Kindern, deren grenzenloser Reichtum ans Absurde grenzt. Keine kleinen Mädchen mit eigenem Heimkino im Dior-Kleid. Die jungen Menschen, die sie für dieses Projekt portraitierte, könnten unterschiedlicher nicht sein: eine Journalistin, eine Sportlehrerin, ein Zirkusartist, ein Leiharbeiter, ein Homosexueller, ein Neonazi. Allen gemein ist ihr Geburtsjahr: 1991. Das Jahr des Zusammenbruchs der Sowjetunion.

Zeitzeugnisse

In ihrer Assistenzzeit bei Annie Leibovitz wurde Anna Skladmann eins klar: „Ich will Portraits machen. Ich will gesellschaftliche Zusammenhänge anhand derer widerspiegeln, die sie erleben, deren Schicksale dadurch geprägt werden. “Und so machte sie sich ein halbes Jahr lang auf die Suche nach jungen Menschen, die exakt im Jahr des Um- und Aufbruchs geboren wurden. An der Seite des Journalisten Moritz Gathmann, der die Begleittexte zu den jeweiligen Portraits verfasste – bewusst in der Ich-Form. „Wir haben sehr persönliche Einblicke erhalten, selbst von denen, die zunächst Angst hatten, sich uns zu öffnen. Wie etwa Mikhail aus Moskau, der es als Homosexueller in Russland nicht leicht hat und darüber gerade ein Buch schreibt. Man kann diese Arbeit als anthropologische Studie bezeichnen.“

Ich habe eine motivierte, lebensbejahende Generation kennengelernt.

Was wäre wenn?

Vom Ergebnis dieser „Studie“ ist Anna Skladmann in doppelter Hinsicht beeindruckt. „Ich habe nicht nur viel über Russland gelernt, sondern auch über mich selbst.“ Denn die Fotografin, die selbst nicht viel älter als die Portraitierten ist, hat sich, wie sie erzählt, im Laufe der Recherchen immer wieder gefragt, wie ihr eigenes Leben in Russland wohl verlaufen wäre. „In einigen Fällen, beispielweise bei den Gesprächen mit Mikhail oder der oppositionellen Journalistin Vera, war ich froh, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin. Umso faszinierender finde ich, dass diese jungen Menschen im Grunde alle sehr positiv in die Zukunft blicken. Ich habe eine motivierte, lebensbejahende Generation kennengelernt.“ (nr)

www.annaskladmann.com

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