Eine Barfly ist Jack Savoretti eigentlich nicht. Sitzt er doch am Bartresen, bestellt er gern einen „Old Fashioned“, jenen Whiskey-Klassiker im schweren Glas. So sanft wie ein gereifter Whiskey ist auch seine Stimme, mit der er Lieder intoniert, die tief gehen. Zu Liebe, Hass und Freundschaft. Mit US-Schauspielerin Sienna Miller sang er ein Duett, seine Kuschelsongs kennt man aus so leidenschaftlichen TV-Serien wie „Vampire Diaries“ und „Grey’s Anatomy“. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk. Er liebe die Melancholie, sagt er. Mehr noch: „Musik ist ein Soundtrack der Melancholie, ich pflege dieses Gefühl in meinen Songs.“

Jack Savoretti
Jack Savoretti

Beim exklusiven hr1-Lounge Konzert verwandelte der Sänger und Gitarrist jetzt die legendäre „Jimmy’s Bar“ im Grandhotel Hessischer Hof in ein „Musikstudio“, so verglich er es. Exklusiv erlebten die Gäste den sonst eher scheuen 31-Jährigen, wie er sein neues Album „Written in scars“ stimmgeschmeidig wie einen Schmetterling durch die getäfelte Bar flattern ließ. Jack Savoretti ist quasi neu geschlüpft, vor vier Jahren kehrte er der Musik den Rücken, er wollte nicht als angehender Star angepriesen werden, auch das Business nervte ihn. Doch er ist reifer geworden, Frau und zwei Kinder hat er jetzt. Der Groove kam zurück, seine Single „Tie Me Down“ – wohlig hypnotisch, dieser Gitarrenriff nebst Gesang – steht für den neuen Sound. Diese Rakete kann ihn diesmal ganz nach oben tragen, wenn er denn will.

„Meine Mutter hörte The Eagles, Crosby, Still & Nash und alles von Motown“

Beim Frankfurter Konzert ließ er in Atempausen Anekdoten und Erinnerungen einfließen, vieles überraschte, etwa, dass seine familiären Wurzeln bis nach Deutschland reichen. „Meine Großmutter kam ursprünglich aus Leipzig. 1933 ging die Familie nach Paris, später nach London. Mit deutschem Essen wie Schnitzel und Kartoffelsalat bin ich aufgewachsen, nur Deutsch sprechen kann ich nicht, was ich bedauere.“ Seine frühesten Einflüsse könnten kaum unterschiedlicher sein: „Meine Mutter hörte The Eagles, Crosby, Still & Nash und alles von Motown, mein Vater dagegen spielte hauptsächlich italienische Musik aus den 60er und 70er Jahren. Anders als bei meinen früheren Alben kommt das jetzt sehr zum Vorschein.“

Und da wäre noch Bob Dylan. Dessen bisher nahezu unbekannten Song „Nobody ‘Cept You“ covert er auf dem neuen Album, in der Bar bringt dieser den Raum zart zum Leuchten. Wie lässig ist das. Der Song habe ihn „gerettet“, erzählte Jack Savoretti. „Ich war darauf und dran, alles hinzuschmeißen. Da hörte ich im Jackson Browne Studio in Santa Monica Dylans ‚Bootleg‘. Die Wende.“

Zum Trost für alle, die dieses Juwel live verpasst haben: hr1 sendet die Aufzeichnung des Bar-Konzerts am Montag, 7. Dezember, ab 20 Uhr.

www.hr-online.de

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