Geopolitische Spannungen und gefährdete Handelsrouten setzen die globalen Energiemärkte unter Druck. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist das Vertrauen in eine sichere Versorgung mit Öl und Gas erschüttert. Die explodierten Benzinpreise infolge des Iran-Konflikts haben die Verunsicherung weiter verschärft – und die Frage, ob die Infrastruktur vor unserer Haustür hält, was sie verspricht, drängt sich auf. Immer mehr Menschen und Unternehmen wollen sich aus dieser Abhängigkeit befreien. Aber wie gut ist Frankfurt wirklich aufgestellt?
Inhalt
Privathaushalte, Mittelstand und Großunternehmen suchen in dieser Lage umso mehr nach effizienten und umweltfreundlichen Versorgungsmodellen, die für sie Sinn machen. Die regionalen Energieversorger im Rhein-Main-Gebiet unterstützen alle, die bereit sind, den Hebel umzulegen. Zu ihnen gehört die Mainova AG mit Sitz an der Frankfurter Solmsstraße, einer der großen Energieversorger in Deutschland. „Wir sind bei der Energiewende in eine neue Phase eingetreten. Sie ist bei den Menschen und Unternehmen angekommen. Jetzt kommt es darauf an, sie so wirkungsvoll wie möglich umzusetzen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Maxelon.
Derzeit gebe es „keine physische Angebotsverknappung“ wie zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022, der in kurzer Zeit zu völlig veränderten Lieferketten geführt habe. „Die Lage erscheint im Vergleich zu der vor vier Jahren nicht ganz so dramatisch.“ Der 56 Jahre alte Manager kennt das Geschäft und kann es anschaulich erklären. Für ihn bedeutet der neue Abschnitt, sich systematisch und mit Bedacht auf die eigenen Stärken zu besinnen und nicht die Geduld zu verlieren.
Iran-Krieg als Weckruf für die Erneuerbaren
Nervös wirkt er nicht. Die Mainova wie auch Mitbewerber setzen auf eine vorausschauende Beschaffung, so dass sich Verteuerungen bei Öl und Gas auf den Weltmärkten nicht gleich auf die Energie-Kundenpreise niederschlagen. „Aber die Preisspirale bei den Kraftstoffen an den Zapfsäulen ist schon ein Weckruf für Zögernde, jetzt ernst zu machen mit den Erneuerbaren“, glaubt der erfahrene Branchenkenner.
„Wir sind bei der Energiewende in eine neue Phase eingetreten. Sie ist bei den Menschen und Unternehmen angekommen. Jetzt kommt es darauf an, sie so wirkungsvoll wie möglich umzusetzen.“
Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender Mainova
Ein Wechsel der Energieträger geschehe selten nur aus gutem Willen. Er müsse auch in das jeweilige Budget des Kunden passen. Der Diplom-Physiker erinnert an das bewährte Zieldreieck der Energiewirtschaft aus „Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit“, ein Leitfaden seit Jahrzehnten. Vieles sei schon erreicht worden. „Es ist wie beim Äpfelernten. Man soll sich erstmal dem zuwenden, was ohne Leiter mit Händen zu greifen ist“, mahnt Michael Maxelon. „Und nicht gleich oben in der Krone anfangen.“
Auf dem Weg zur Klimaneutralität könne jeder etwas beitragen. Es gehe darum, die Entwicklung zur Dekarbonisierung pragmatisch zu begleiten. Die Stromversorgung sei schon sehr nachhaltig. „Rund 60 Prozent stammen in Deutschland bereits von Erneuerbaren.“
Photovoltaik und Ökostrom für Privathaushalte
Privatverbraucher mit Solardach auf ihrem Eigenheim fühlen sich in der Tat bereits ganz schön autark. Die Photovoltaik (PV) hat sich zunächst dank reichlicher Subventionen durchgesetzt. Mittlerweile sind PV-Anlagen ein Selbstläufer. Die Energieversorger bieten für den Umstieg eine in der Regel kostenlose Erstberatung an. Stromverbrauch, Dachfläche und Wirtschaftlichkeit werden gecheckt. Zudem weisen die Experten auf Fördermöglichkeiten hin. Geht es um detailliertere Planungen, wird meist eine – überschaubare – Summe fällig. Doch es lohnt sich.
Mehr Eigenstrom mit Batteriespeicher
So verteuern Batteriespeicher zwar die Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage. Dafür erhöht sich der Anteil an Eigenstrom von 30 bis 40 Prozent auf 50 bis 70 Prozent je nach Lastprofil des Haushalts und Speichergröße. Der selbst erzeugte Strom kann auch bei bedecktem Wetter und in den Abend- und Nachtstunden genutzt werden, statt ihn nur ins Stromnetz einzuspeisen.

Die Rechnung geht bei den derzeit hohen Stromkosten schnell auf. Der Effekt steigert sich bei höherem Verbrauch. Etwa durch E-Autos, die über eine Wallbox vor der Haustür aufgeladen werden.
Mainova: Ökostrom ohne Aufpreis und Mieterstrom
Die zu gut 75 Prozent den Stadtwerken Frankfurt gehörende Mainova hat sich ganz auf Zukunft eingestellt. Seit 2022 beschafft sie für alle Privatkunden und seit 2026 für Gewerbekunden 100 Prozent Ökostrom – ganz automatisch und ohne Aufpreis. Die Bezugsquellen, die man über ein Herkunftsregister transparent macht, stammen aus erneuerbaren Energien in ganz Europa. Mieter können außerdem über das sogenannte Mieterstrom-Modell Sonnenenergie direkt vom eigenen Dach beziehen.
Stromnetz Frankfurt: Kapazität wird knapp
„Deutschland hat sich auf einen Sonderweg begeben, der sich auf volatile Energien fokussiert“, fasst Michael Maxelon die Ausgangssituation zusammen. „Die klassische Atomkraft ist abgehakt und wird bei uns nicht wiederkommen. Die steigende Stromnachfrage zu befriedigen, ist herausfordernd.“
Für neu angemeldete Netzanschlüsse großer Stromabnehmer seien bis in die 2030er Jahre kaum noch Kapazitäten vorhanden. „Wir tun aber alles, um das Frankfurter Stromverteilernetz auszubauen“, berichtet der gebürtige Kasseler, der während seines Studiums in Göttingen Wirtschaftswissenschaften im Nebenfach studierte. Planungs- und Genehmigungsprozesse brauchten Zeit. „Doch der Strom geht Frankfurt nicht aus“, zerstreut er Befürchtungen. „Wir gehören zu den bestaufgestellten Städten in Europa.“
„Deutschland hat sich auf einen Sonderweg begeben, der sich auf volatile Energien fokussiert. Die Atomkraft ist abgehakt und wird bei uns nicht wiederkommen. Die steigende Stromnachfrage zu befriedigen, ist herausfordernd.“
Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender Mainova
Im Augenblick liegt die Anschlussleistung bei 1.000 Megawatt, die gleichzeitig aus dem Netz abgerufen werden können. Das ist eine Menge. Doch durch die boomende Digitalwirtschaft in Frankfurt und Umgebung nähert sich die operative IT-Kapazität einer kritischen Grenze. Und die macht einen Netzausbau in ganz neuen Dimensionen notwendig. „Wir wollen die Anschlussleistung bis 2037 schrittweise verdoppeln“, kündigt Maxelon an. „Schon 2026 werden 250 Megawatt zusätzlich bereitgestellt.“

Netzausbau: 500 Millionen Euro und neue Umspannwerke
2020 hat die Mainova rund 140 Millionen Euro im Jahr in Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und Digitalisierung gesteckt. „Mittlerweile sind wir bei 500 Millionen Euro angelangt“, informiert er. Kommunen, Netzbetreiber und Kabelverleger müssten komplizierte Prozesse koordinieren, die hohe Investitionen und aufwendige Genehmigungsverfahren erforderlich machten.

Laien machten sich oft keine Vorstellung, wie schwierig es in einer verdichteten Stadt wie Frankfurt sei, Bauplätze für mindestens zehn neue Umspannwerke zu finden, die bis 2040 entstehen sollen. In diesem Bereich tut sich viel. Vor einigen Monaten wurde im Umspannwerk Frankfurt-Nord Deutschlands erster Phasenschiebertransformator an der Schnittstelle zwischen Übertragungs- und Verteilnetz in Betrieb genommen. „Damit können wir Stromflüsse lenken und das innerstädtische Verteilnetz entlasten“, erläutert Michael Maxelon. „Bei volatiler Einspeisung und wachsender Nachfrage ist das besonders wichtig.“
Der Großteil der Energie-Infrastruktur stamme noch aus der Nachkriegszeit. „Wir treiben die nötige Transformation auf allen Feldern massiv voran. Unsere Baustellen sind im Augenblick nicht zu übersehen.“ Das nerve schon mal, sei aber unvermeidlich.
Klimaneutralität: Die Wärme ist der größte Hebel
Oft würden die Diskussionen um Klimaneutralität zu eng geführt, mahnt Maxelon. „Wir sollten den Blick weiten. Viele schauen nur auf die Stromwende. Wir müssen aber den gesamten Energiebedarf in den Blick nehmen.“ Hier machten die fossilen Energieträger immer noch einen Anteil von rund 70 Prozent aus. Mehr als die Hälfte der verbrauchten Energie in Deutschland werde für die Erzeugung von Wärme verwendet.
„Wir haben eine lange Wegstrecke vor uns. Wichtig ist, das Ziel im Auge zu behalten und unbeirrt in die richtige Richtung zu gehen.“
Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender Mainova
„Wir haben eine lange Wegstrecke vor uns“, resümiert er. Einfallsreichtum sei gefragt. Er hält es für unproduktiv, sich als Land auf ein fixes Zieljahr für einen kompletten CO2-Ausstieg zu versteifen. „Wichtig ist, das Ziel im Auge zu behalten und unbeirrt in die richtige Richtung zu gehen.“
Fernwärme Frankfurt: Ausbau bis 2040
Für die Wärmewende hat Frankfurt beste Voraussetzungen. Das von der Mainova betriebene Fernwärmenetz umfasst eine Länge von rund 315 Kilometern und stellt derzeit rund ein Viertel der Frankfurter Wärmeversorgung sicher. Fernwärme stufen Fachleute als umweltfreundlicher ein als traditionelle Heizsysteme. Die lokalen Emissionen sind geringer und die Energienutzung durch Kraft-Wärme-Kopplung effizienter.
Eine eigene Heizung im Haus ist bei Fernwärme nicht mehr nötig. Das spart Platz, was Investoren aus der Immobilienbranche erfreut. Die jährliche Wärmemenge soll laut Mainova von aktuell 2.000 Gigawattstunden auf 3.200 Gigawattstunden im Jahr 2040 steigen. Die Netzlänge für Fernwärme soll sich bis dahin verdoppeln. Heißes Wasser oder Dampf wird durch unterirdisch verlegte Rohre geleitet. Die nötige Hitze produzieren die Mainova-Heizkraftwerke.
Heizkraftwerk West: Gasturbinen statt Kohle
Beim Heizkraftwerk West wird in diesem Jahr die nicht mehr erwünschte Kohlebefeuerung durch hochmoderne Gasturbinen ersetzt, die weiter Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen. Die Anlage sei so umgerüstet worden, dass sie später ohne größeren Aufwand auch Wasserstoff nutzen könne, berichtet der Mainova-Chef. „Schon durch diesen Umbau werden wir pro Jahr 400.000 Tonnen Kohlendioxid weniger verursachen.“
Großwärmepumpe und Abwärme aus Rechenzentren
Im Stadtteil Niederrad ist eine Großwärmepumpe geplant. Sie gewinnt mittels Strom Energie aus kostenloser Umweltwärme. Auch die Abwärme von Rechenzentren nutzt die Mainova, um Gebäude und ganze Wohnviertel zu temperieren. Zum Beispiel im Neubaugebiet Franky im Gallus.
Dort operiert man mit einer integrierten Wärmeversorgung als Contracting-Lösung. Das Unternehmen plant, baut und betreibt die technischen Anlagen. Der Wärmebedarf des Quartiers liegt bei rund 4.000 Megawattstunden im Jahr. 60 Prozent sollen aus dem benachbarten Rechenzentrum stammen, wenn alles fertig ist. Den Rest ergänzt Mainova durch Fernwärme.
Wasserstoff und Gaskraftwerke gegen die Dunkelflaute
All diese Maßnahmen zielen auf eine Infrastruktur, die die CO2-Belastung schrittweise minimiert. „Irgendwann wird hoffentlich auch ausreichend bezahlbarer Wasserstoff zur Verfügung stehen, der aktuell immer noch knapp und teuer ist“, schaut Michael Maxelon nach vorn. Er vertraut auf den Fortschritt der Wissenschaft.
„Wir sind aufgeschlossen für innovative Konzepte“, stellt er fest. Im Energiemanagement müssten Kompromisslösungen ausgehandelt werden. Wie beim Problem der Dunkelflauten, also für die Zeiten, wo Wind und Sonne keine Energie liefern könnten. Hier verhindere ein stabiles Backup den Stillstand. Das Vorhaben der Bundesregierung, neue Gaskraftwerke zu bauen, hält Vordenker Maxelon deshalb für „absolut richtig“.

Die Transformation der Energieversorgung müsse auf den bestehenden Strukturen aufbauen. „Eine alte Gasheizung für die wenigen kalten Tage im Jahr mit einer Wärmepumpe zu kombinieren, spart Geld und belastet die Umwelt kaum“, empfiehlt der Nordhesse, der seit dem 1. April 2024 an der Spitze der Mainova steht.
So werde Zeit für Optimaleres gewonnen. Niemand lasse sich gern zu Anschaffungen nötigen, die finanziell kaum tragbar seien. Von Vorteilen ließen sich die Menschen aber gern überzeugen.
Süwag: Energiepreise für den Mittelstand abfedern
Mit vorausschauendem Handeln versucht auch die Süwag ihre Kunden möglichst wenig zu belasten. Der zweite große Frankfurter Energieversorger, eine Eon-Tochter, kauft für seine 840.000 Kunden Strom und Gas langfristig im Voraus ein. Mit flexiblen Beschaffungsmodellen gelingt es, Preisspitzen abzufedern.

„Der Überraschungseffekt ist groß“, berichtet Mario Beck, Geschäftsführer der Süwag Vertrieb AG & Co. KG. Er verantwortet dort das B2B-Geschäft. „Als unsere Kunden jüngst von uns Post oder E-Mails über ihre Stromrechnung bekamen, haben sich viele wohl schon auf eine Preiserhöhung eingestellt. Stattdessen haben wir eine Preissenkung verkündet.“ Durch die sinkenden Netzentgelte und eine weitsichtige Tranchenbeschaffung sei die frohe Botschaft möglich geworden.
„Wir dürfen den Anschluss im internationalen Wettbewerb aber nicht verlieren. Die Energieeffizienz in den Betrieben ist – neben geeigneten politischen Maßnahmen – entscheidend.“
Mario Beck, Geschäftsführer Süwag Vertrieb AG & Co. KG
Der Mittelstandspool an der Strombörse
„Unsere vorwiegend mittelständischen Geschäftskunden wissen das zu schätzen“, erläutert der 46-Jährige. Beliebt sei der von der Süwag angebotene „Mittelstandspool“. Wer dabei ist, profitiert handelstäglich von den anderthalb Jahre im Voraus beschafften Energiemengen an der Strombörse. „Preisgipfel werden so vermieden und Preistäler genutzt. Auf diese Weise liegen wir in diesem Jahr 20 Prozent unter dem aktuellen Marktpreis.“ Doch irgendwann kämen die Preissprünge durch internationale Krisen doch bei den Verbrauchern an – wenn auch abgepuffert.
Regionale Erzeugung und Green PPA
Um unabhängiger zu werden, baut die Süwag auf eine regionale Energieerzeugung aus Photovoltaik, Wasserkraft und vor allem Wind. Und das möglichst gemeinsam mit den Kommunen. „Die Energiewende gelingt nur mit der Akzeptanz vor Ort“, konstatiert Beck. Erste Kunden kauften bereits den neuen Ökostrom mittels „Green PPA“.
Netzausbau und Energieberatung für Unternehmen
Auch die Süwag-Gruppe investiert in den kommenden fünf Jahren eine Menge – rund 1,2 Milliarden Euro – in den Netzausbau, damit die Rhein-Main-Region leistungsfähig bleibt. „Künstliche Intelligenz und Robotik treiben die Entwicklung voran. Der Großraum um Frankfurt wird mit seinem Hochleistungs-Internetknoten als Digital-Hub noch wichtiger“, ist der Süwag-B2B-Vertriebschef überzeugt. „Die Netze und die Erneuerbaren Energien müssen synchron ausgebaut werden“, fordert er.
Mario Beck verliert sich nicht in Illusionen. Deutschland werde nie ein Billigstandort, auch nicht für Energie, stellt er fest. „Wir dürfen den Anschluss im internationalen Wettbewerb aber nicht verlieren. Die Energieeffizienz in den Betrieben ist – neben geeigneten politischen Maßnahmen – entscheidend.“
Um dem wachsenden Kundenstamm zur Seite zu stehen, hat die Süwag ihre Beraterteams verstärkt. Das Aufgabenportfolio reicht von der Unterstützung bei Auditierungen bis hin zur Aufdeckung von Druckluft-Leckagen. Grüne Energien spielen naturgemäß eine zunehmende Rolle. Bei der Photovoltaik offeriert die Süwag beispielsweise ein Batteriespeicher-Contracting, das die Netzentgelte optimieren kann. Die Phasen günstiger Kurzfristpreise macht man sich zunutze. Außerdem soll der Eigenverbrauch von PV-Anlagen gesteigert werden. „Persönliche Beratung ist ein Schlüsselfaktor“, lautet Mario Becks Fazit.
Häufig gestellte Fragen zur Energieversorgung in Frankfurt
Geht Frankfurt der Strom aus?
Nein. Mainova-Chef Dr. Michael Maxelon zählt Frankfurt zu den bestaufgestellten Städten Europas. Derzeit können 1.000 Megawatt gleichzeitig aus dem Netz abgerufen werden.
Eng wird es bei neuen Großanschlüssen: Für große Stromabnehmer sind bis in die 2030er Jahre kaum noch Kapazitäten frei. Mainova will die Anschlussleistung deshalb bis 2037 schrittweise verdoppeln, 2026 kommen bereits 250 Megawatt hinzu.
Warum muss das Frankfurter Stromnetz so stark ausgebaut werden?
Vor allem wegen der Digitalwirtschaft. Frankfurt ist mit seinem Internetknoten ein zentraler Standort für Rechenzentren, deren Strombedarf stark wächst. Hinzu kommen E-Autos, Wärmepumpen und eine Infrastruktur, die größtenteils aus der Nachkriegszeit stammt.
Bis 2040 sollen mindestens zehn neue Umspannwerke entstehen. Mainova investiert inzwischen rund 500 Millionen Euro im Jahr in Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und Digitalisierung, die Süwag-Gruppe rund 1,2 Milliarden Euro in fünf Jahren in den Netzausbau.
Wie viel Strom stammt in Deutschland aus erneuerbaren Energien?
Laut Umweltbundesamt deckten erneuerbare Energien 2025 rund 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Beim gesamten Energiebedarf sieht es anders aus: Hier machen fossile Energieträger noch rund 70 Prozent aus.
Der Grund ist die Wärme. Mehr als die Hälfte der in Deutschland verbrauchten Energie wird für die Erzeugung von Wärme verwendet, und dort lag der Anteil der Erneuerbaren 2025 laut Umweltbundesamt erst bei 19 Prozent.
Welche Rolle spielt die Fernwärme in Frankfurt?
Sie deckt rund ein Viertel der Frankfurter Wärmeversorgung. Das Mainova-Netz ist rund 315 Kilometer lang und soll sich bis 2040 verdoppeln. Die jährliche Wärmemenge soll im selben Zeitraum von 2.000 auf 3.200 Gigawattstunden steigen.
Klimafreundlicher wird die Fernwärme unter anderem durch den Kohleausstieg im Heizkraftwerk West, wo wasserstofffähige Gasturbinen jährlich rund 400.000 Tonnen CO2 einsparen sollen. Dazu kommen eine geplante Großwärmepumpe in Niederrad und Abwärme aus Rechenzentren, etwa im Neubaugebiet Franky im Gallus.
Lohnt sich eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher?
Bei hohen Strompreisen in vielen Fällen ja. Ein Speicher verteuert die Anlage, erhöht aber den Anteil an selbst genutztem Strom von 30 bis 40 Prozent auf 50 bis 70 Prozent, je nach Verbrauchsprofil und Speichergröße. Wer ein E-Auto über eine Wallbox lädt, profitiert zusätzlich.
Ob sich die Investition rechnet, hängt von Dachfläche, Verbrauch und Fördermitteln ab. Regionale Energieversorger bieten dafür in der Regel eine kostenlose Erstberatung an.
Wie schützen Energieversorger ihre Kunden vor Preissprüngen?
Durch langfristige Beschaffung. Mainova und Süwag kaufen Strom und Gas weit im Voraus ein, sodass Preisschwankungen an den Weltmärkten nicht sofort bei den Kunden ankommen.
Die Süwag bietet Geschäftskunden zudem einen Mittelstandspool an, dessen Energiemengen anderthalb Jahre im Voraus an der Strombörse beschafft werden. Nach Angaben von Süwag-Geschäftsführer Mario Beck liegt der Pool 2026 rund 20 Prozent unter dem aktuellen Marktpreis.
