Die Lauf-Clubs der Stadt machen aus dem wöchentlichen Solo-Lauf einen festen Termin – mit Intervallen, Kaffee, Aperol und manchmal auch Austern.
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Wenn sich die Büros in der Frankfurter Innenstadt leeren, füllt sich das Mainufer. Dann tauchen zwischen Spaziergängern und Radfahrern plötzlich Gruppen in Funktionsshirts auf. Meist mit musikalischer Untermalung in Form einer portablen Musikbox. Sie starten vor Cafés, Sportgeschäften oder Kiosken. Die einen trainieren für den nächsten Halbmarathon, die anderen suchen nach Feierabend einfach etwas Bewegung oder sie sind neu in der Stadt und möchten Kontakte knüpfen – willkommen sind alle, solange sie Schritt halten. Den Abschluss bilden Pizza und Drinks. Die „Run Clubs“ sind die moderne Antwort auf den klassischen Sportverein.
Warum Run Clubs in Frankfurt boomen
Der Boom lässt sich messen. Die Initiative „Frankfurt in Bewegung“ führt inzwischen mehr als 30 Frankfurter Laufgruppen auf ihrer Karte. Sie verteilen sich über verschiedene Stadtteile und Wochentage. Vom lockeren Community Run über den reinen Frauenlaufclub bis hin zum leistungsorientierten Training ist für alle etwas dabei. „Diese mehr als 30 Gruppen hat niemand geplant, kein Verband, nicht die Stadt und auch nicht wir. Die Läuferinnen und Läufer haben sich ihre Laufszene selbst gebaut“, betont Andreas Bechmann, Initiator sowie Geschäftsführer der Frankfurter Sportagentur. Feste Trainingszeiten würden für viele nicht mehr in den Alltag passen, ein offener Treffpunkt am Main aber schon.
Frankfurter Laufshop: Lauftreff seit 15 Jahren
Der Montagslauftreff des „Frankfurter Laufshops“ spürt die positive Entwicklung ebenfalls. Seit 15 Jahren startet die Gruppe direkt am Geschäft in der Innenstadt. „Wir waren die ersten, die in Frankfurt am Start waren“, erzählt Jost Wiebelhaus, Gründer und Inhaber des Laufshops. Anfangs kamen etwa 30 bis 50 Teilnehmer, heute sind es meist 80 bis 100. Als Marathon-Vizeweltmeister Amanal Petros im Frühjahr 2026 zu Gast war, wurden die 250 geknackt. „Laufen ist ein absoluter Trend. Der Frankfurt Marathon steuert auf einen Teilnehmerrekord hin“, sagt Wiebelhaus. „Es ist eine der schönsten Sportarten. Man braucht nur gute Schuhe, ein bisschen Bekleidung und dann kann man es überall machen.“ Jede Woche kämen neue Läufer zu seinem Laufshop, darunter zunehmend jüngere Menschen.
Kraft Runners: Gemeinschaft statt Solo-Lauf
Auch für Paul Dösch, Mitinitiator des Laufclubs „Kraft Runners“, stehen die Gründe für den neuen Hype fest: „Laufen ist niedrigschwellig. Gleichzeitig macht es in der Gruppe einfach mehr Spaß und es fällt leichter, dranzubleiben. Viele Menschen suchen nach Offline-Begegnungen und einem Ausgleich zum digitalen Alltag. ‚Run Clubs‘ verbinden Bewegung mit Gemeinschaft und genau das trifft gerade den Nerv der Zeit.“
Mainufer, Ostpark, Stadtwald: Frankfurts Laufstrecken

Frankfurt bietet dafür gute Bedingungen. Am Mainufer führen flache Strecken über viele Kilometer. Im Ostpark und Grüneburgpark trainieren Gruppen Intervalle. Für längere Runden weichen sie in den Stadtwald aus. Viele Treffpunkte liegen so zentral, dass sich der Lauf direkt an den Arbeitstag anschließen lässt. „Frankfurt hat eine Kulisse, die für viele überhaupt erst der Grund ist, mit dem Laufen anzufangen“, sagt Bechmann.
„Run Clubs verbinden Bewegung mit Gemeinschaft und genau das trifft gerade den Nerv der Zeit.“
Paul Dösch, Mitinitiator der „Kraft Runners“
Vom Asphalt zum Aperol: Laufen mit Afterwork
Das Besondere bei den Laufclubs ist die Mischung aus Sport und Freizeitevent. Während die Solo-Runde meist direkt auf dem Sofa endet, geht es in der Community nach dem letzten Kilometer nochmal richtig los. Häufig ist das Event danach für die Wahl des passenden „Run Clubs“ ebenso entscheidend wie die Pace, also das Lauftempo in Minuten pro Kilometer.

Pizza am Kiosk, Kaffee in der Innenstadt
Die „Kraft Runners“ treffen sich Donnerstagabend am „Rimed Kiosk“ im Ostend. Sie starten mit einem Warm-up, laufen Intervalle und beenden das Training mit einem Cool-down. Anschließend gibt es Pizza und Getränke am Kiosk. Beim „Irregular Practice Run Club“ beginnt der Samstagmorgen an der „drei Kaffeebar“ in der Innenstadt. Die Gruppe läuft in mehreren Tempogruppen. Danach bleiben viele zum Kaffee oder ziehen gemeinsam weiter zur Kleinmarkthalle.
Athlez Run Club: Austern nach fünf Kilometern
Wem das nicht genügt, schließt sich den Läufern des „Athlez Run Club“ an: Die Fünf-Kilometer-Runden enden je nach Termin bei Bagels, Kaffee oder Austern mit Champagner. Die Treffpunkte variieren dabei und werden auf Instagram bekannt gegeben. Andere Gruppen verbinden ihre Läufe mit DJ-Sets. Der Sport ersetzt das Ausgehen nicht. Manchmal eröffnet er aber den Abend.
Lauftreff für Anfänger: Ist das was für alle?
Fast jede Gruppe erklärt, dass sie unterschiedliche Geschwindigkeiten willkommen heißt. In der Praxis zählen die Details. Gibt es mehrere Tempogruppen? Können Anfänger eine kürzere Strecke wählen? Bleibt jemand bei den Langsamsten?
Tempogruppen beim Frankfurter Laufshop
Der „Frankfurter Laufshop“ teilt seinen Treff in mindestens fünf Gruppen ein. Die Tempi reichen von 4:30 bis 6:30 Minuten pro Kilometer. Manchmal kommt eine Gruppe mit sieben Minuten pro Kilometer hinzu. So werden Freunde und Paare mit unterschiedlichem Leistungsstand zusammengehalten. Sie starten gleichzeitig, laufen in verschiedenen Gruppen und treffen sich nach einer Stunde wieder am Geschäft.
Neulingen rät das Team, beim ersten Mal lieber langsamer zu starten. In der folgenden Woche können sie eine schnellere Gruppe ausprobieren. Wer noch mit sich und dem Laufsport hadert, dem raten sie: „Einfach mal vorbeikommen. Wenn man eine Stunde noch nicht schafft, kann man bei uns auch super abkürzen, da wir ja am Main laufen.“ Wenn die Puste ausgeht, biegt man einfach „eine Brücke früher“ in Richtung des Laufshops ab.
„Laufen ist eine der schönsten Sportarten. Man braucht nur gute Schuhe, ein bisschen Bekleidung und dann kann man es überall machen.“
Jost Wiebelhaus, Gründer und Inhaber des „Frankfurter Laufshops“
Offene Angebote ohne feste Tempovorgabe
Ein Tempo von sechs oder sieben Minuten pro Kilometer kann Anfänger trotzdem fordern. Beim „Irregular Practice Run Club“ werden Läufer außerhalb der vorgesehenen Tempi ermutigt, vorab Kontakt aufzunehmen. „Niemand soll stehen gelassen werden“, erklärt das Team. „Bad Habits“ bietet zusätzlich eine Runde ohne feste Tempovorgabe an.

Auch der „Nidda parkrun“ setzt auf einen offenen Zugang. Jeden Samstag um neun Uhr führt die Strecke fünf Kilometer durch den Niddapark. Die Teilnehmer können laufen, joggen oder gehen. Freiwillige organisieren den kostenlosen Termin. Beim ersten Mal wird um eine kostenlose Anmeldung gebeten.
Run Club oder Sportverein?
Die größere Hürde bestünde laut Andreas Bechmann (Frankfurter Sportagentur) sowieso nicht in der Pace, sondern der ersten Überwindung, zu einem der Laufclubs zu kommen: „Die Clubs, die jemanden abstellen, der sich gezielt um Neue kümmert, wachsen am schnellsten. Eine Laufstadt misst sich daran, wer alles mitlaufen kann.“
Klassische Vereine bieten feste Trainingspläne und langfristige Betreuung. Die neuen Clubs versprechen mehr Spontanität. Dazwischen entstehen Formate, die beides verbinden: ernsthaftes Training ohne sofortige Mitgliedschaft und neue Kontakte ohne steife Networking-Kultur. Aber: „Gegen den Verein würde ich das trotzdem nicht ausspielen. Der Run Club ist für viele der Einstieg, der Verein liefert Struktur, ausgebildete Trainer, Wettkampf und Jugendarbeit. Frankfurt hat beides, über 400 Vereine und eine starke Laufclub-Szene. Für uns gehört das zusammen“, erklärt Bechmann.
Frankfurt Marathon 2027 als Ziel der Laufclubs
Die Frankfurter Sportagentur bindet die Clubs bereits in eigene Veranstaltungen ein. Beim ersten „Run N Rave“ Ende Juli kamen nach Angaben der Veranstalter trotz 34 Grad mehr als 150 Menschen aus der Frankfurter Start-up-Szene zusammen. Der gemeinsame Lauf sollte Gründer und Gründungsinteressierte auch abseits klassischer Networking-Formate miteinander ins Gespräch bringen.

Und die junge Agentur denkt bereits ein paar Kilometer weiter: „Der Frankfurt Marathon 2027 ist unser erklärtes Ziel, dafür haben wir uns bei der Stadt beworben. Einer der zehn Punkte unseres Plans ist die ganzjährige Einbindung von Vereinen, Schulen und Communities und dafür sind die Clubs die wichtigste Struktur in dieser Stadt. Der Marathon soll der Tag sein, auf den diese Stadt das ganze Jahr über hinläuft, getragen von den Gruppen, die hier jede Woche unterwegs sind“, sagt Bechmann.
Entschieden ist das nicht. Die Stadt will den Marathon spätestens ab 2029 per Ausschreibung vergeben, für 2027 und 2028 steht eine Entscheidung aus. Neben der Sportagentur interessieren sich auch der bisherige Veranstalter und die A.S.O., Ausrichter des Radrennens Eschborn-Frankfurt, für den Lauf.
Zurück zum Start am Mainufer
Was aus den gemeinsamen Kilometern entstehen kann, erleben die „Kraft Runners“ seit zehn Jahren: Freundschaften, Beziehungen und gemeinsame Reisen. Am Ende landen alle wieder am Startpunkt: am Kiosk, im Café oder vor dem Laufshop. Die einen müssen heim, die anderen bleiben auf Pizza und Drinks. Und wenn sich die Büros in der City zum Feierabend das nächste Mal leeren, füllt sich das Mainufer wieder.
Hier läuft die Stadt: Lauftreffs in Frankfurt
Frankfurter Laufshop (8–11 km)
Jeden Montag, 19:30 Uhr
Große Friedberger Straße 37–39, Frankfurt
Irregular Practice Run Club (7–8 km)
Jeder 2. Samstag im Monat, mehr Infos via Instagram und Strava
Kraft Runners, Intervalltraining
Jeden Donnerstag, 19:00 Uhr
Rimed Kiosk, Schichhausstraße 13, Frankfurt
Nidda parkrun (5–10 km)
Jeden Samstag, 09:00 Uhr
Am Ginnheimer Wäldchen 4, Frankfurt
Gut zu wissen: Die gesamte Community von Frankfurt bis Rhein-Main gibt es interaktiv zum Durchklicken auf www.frankfurt-in-bewegung.de
