Peter Lik
Peter Lik
Phantom ©Peter Lik
Phantom ©Peter Lik
Der Landschaftsfotograf Peter Lik ist wahrlich eine Klasse für sich. Schon früh wurde das Talent des in Melbourne geborenen Sohns tschechischer Immigranten deutlich. Als absoluter Autodidakt griff er mit nur acht Jahren zur Kamera und machte sein erstes Foto: ein Spinnennetz umgeben von Tau. Im Verlauf seiner Karriere machte Peter Lik immer wieder seine Affinität für die Schönheit der Natur deutlich. Heute ist er der meist ausgezeichnete Landschaftsfotograf der Geschichte mit weltweit 14 Galerien. Die Editionen von Peter Lik sind limitiert von 7 bis 950 Stück. Vom Druck, über die Aufhängung und das Rahmen bis zur Auslieferung werden alle Schritte vom Künstler selbst überwacht. Im Jahr 2014 brach er durch den Verkauf seines Bildes „Phantom“ sämtliche Rekorde der Fotografie. Sein Schwarz-Weiß-Bild vom Antelope Canyon in Arizona, das auf dem Bild „Ghost“ basiert, wurde für eine Summe von 6.500.000 Dollar veräußert.

„Mother Nature sets the scene, I simply capture it.“
Peter Lik

Der Unendlichkeit entgegen
Endlose Weiten, einsame Wüsten, majestätische Canyons, Wildwestromantik, die  legendäre Route 66 und Roadmovie-Atmosphäre – für Naturliebhaber und Freigeister gibt es wohl kaum ein schöneres Ziel als den Südwesten der USA. Nirgendwo bekommt man die Gestaltungskraft der Natur in einer solchen Vielfalt zu sehen: Ob am Grand Canyon, dessen Gesteinsformationen uns über zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte in einer atemberaubenden Schönheit offenbaren, oder im Yosemite National Park mit seinen tosenden Wasserfällen, den grandiosen fast senkrecht aufragenden Granitwänden und den Mammutbäumen. Exklusiv für Top Magazin Frankfurt stellte der weltbekannte Naturfotograf Peter Lik seine Lieblingsaufnahmen aus dem Südwesten der USA zur Verfügung und schilderte seine Gedanken zu den spektakulären Fotos.

 

ANGEL’S HEART (Antelope Canyon, Arizona)

Angel's Heart ©Peter Lik
Angel’s Heart ©Peter Lik
Die fließenden Sandsteinreihen der Felsschluchten sind atemberaubend. Wenn die Sonne durch die schmalen Spalten der Felsen scheint, erhellt eine natürliche Lichtshow die unglaublichen Felsformationen und Schatten tanzen überall umher. Angel Arch, der Engelsbogen, war über Jahre vom rauschenden Wasser in den Stein gemeißelt worden und es entstand dieses Meisterwerk als stammte es von einem berühmten Bildhauer. Ich wusste, ich musste diese Aufnahme im richtigen Licht machen und wartete Tage auf diesen einen Moment.

 

ECHOES OF SILENCE (Mesa Arch, Canyonlands National Park, Utah)

Echoes of Silence ©Peter Lik
Echoes of Silence ©Peter Lik
Für mich sagt diese Aufnahme alles – sie verkörpert wahrlich die „Seele Amerikas“. Ich besuchte diesen Ort mehrere Male, um das Licht zu beobachten und ein Gefühl für eine Anordnung zu bekommen, weil ich wusste, dass dies ein wichtiges, definierendes Bild werden würde, und ich wollte es absolut richtig haben. An einem frostigen Wintermorgen angekommen, hatte ich genug Zeit für den Aufbau und um auf die Morgendämmerung zu warten. Als ich an diesem respekteinflößenden Abgrund saß, wurde ich von der schieren Weite des Canyons, der sich vor mir erstreckte, weggetragen. Ich nutzte die Wölbung als perfekten natürlichen Rahmen, und als die ersten zaghaften Sonnenstrahlen auftauchten, wurde die Szenerie in ein warmes, dunstiges Glühen getaucht. Ich wartete auf meinen Moment, wenn die Sonne sich hinter die Wölbung begeben würde, um das Risiko des Flackerns zu minimieren, und hielt dann dieses unglaublich kraftvolle Portrait der Canyonlands fest.

DARK SIDE OF THE MOON (Death Valley, Kalifornien)

Dark Side of the Moon ©Peter Lik
Dark Side of the Moon ©Peter Lik
Die Kraft des Vollmonds berührt mich wirklich. Ich plante einen Ausflug zum Death Valley, in der Hoffnung, ihn einzufangen. Ich stand um vier Uhr morgens auf und stieg über die Salzbänke, die ich am Vortag entdeckt hatte. Die gesamte Landschaft war ruhig und friedlich, beleuchtet vom Vollmond. Die weißen Salzflächen reflektierten das magische Licht und ich verharrte staunend. Einsam und umgeben von den ruhigen Bergen – das einzige Geräusch war das Knirschen des Salzes unter meinen Füßen. Ich war 282 Fuß unter dem Meeresspiegel und das Gefühl war unglaublich. Ein schwaches Leuchten am Horizont kündigte den Sonnenaufgang an und ich suchte diese Mondlandschaft verzweifelt nach den richtigen Salzmustern ab. Es war ein Rennen gegen die Zeit. Als ich die Stelle fand, stellte ich schnell mein Stativ auf und fing diese magische Szene ein. Ich wählte meine Noblex Panorama-Kamera mit spezieller drehbarer Linse, um die Weite und die gesamte Stimmung einzufangen. Minuten später verschwand der Mond hinter den Bergen und der Moment war vorbei.

HARMONY (Aspen, Colorado)

Harmony ©Peter Lik
Harmony ©Peter Lik
Es sieht so einfach aus, ein perfektes Foto in Aspen zu machen. Aber perfekte weiße, gerade Baumstämme zu finden war eine meiner größten Herausforderungen. Außerdem wollte ich eine Tiefe, einen Tunneleffekt, der das Auge des Betrachters in das Bild hereinzieht. Dazu brauchte ich auch einen bedeckten Himmel um dem Foto diesen Look zu geben. Nach 12 Tagen hatte ich das Gefühl, jede Birke in Colorado gesehen zu haben. Endlich fühlte ich, die richtige Gruppe von Birken gefunden zu haben. Es war an einem frischen Herbstmorgen, der Geruch des Waldbodens füllte meine Lungen und diese Bäume standen in absoluter Ruhe. In dem Moment wusste, ich hatte den perfekten Aspen Schuss.

HEAVEN ON EARTH (Grand Canyon, Nördlicher Rand, Arizona)

Heaven on Earth ©Peter Lik
Heaven on Earth ©Peter Lik
Der Grand Canyon muss wohl der meistfotografierte Ort auf Erden sein. Ich hatte viele Ausflüge von Las Vegas zur südlichen Zone gemacht, hatte Hunderte Filme verschossen, aber ich fühlte mich nicht befriedigt. Ich fühlte den Zwang, die Erhabenheit dieses epischen Ortes einzufangen. Nach einer Menge Erkundungen fand ich einen abgelegenen Pfad zur nördlichen Zone und beschloss, diese Chance zu ergreifen. Mein bester Freund Mick aus Australien war bei mir, und auch er hatte Lust auf ein Abenteuer. Die Anfahrt war brutal, wir sahen einen riesigen Sturm auf uns zurollen. Vier Stunden später erreichten wir den nördlichen Rand. Wir sprangen aus dem Truck und schauten über den Rand – direkt runter, 4.000 Fuß senkrecht nach unten. Wir waren völlig hin und weg. Am späten Nachmittag wurden die Klippen in Licht getaucht und der stürmische Himmel gab der Aufnahme eine magische Note. Mick und ich standen am Abgrund und verschossen einen Film nach dem anderen, bis es völlig dunkel war. Ich kann wirklich behaupten, dass das eine der beeindruckendsten Szenen war, die ich jemals festgehalten habe.

ANCIENT SPIRIT (Canyonlands National Park, Utah)

Ancient Spirit ©Peter Lik
Ancient Spirit ©Peter Lik
Ich war komplett überwältigt vom Gefühl der Geschichte und der Spiritualität, die ich im Canyonlands Nationalpark entdeckte. Ich saß stundenlang und sog die Atmosphäre in mich auf, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, meine Erfahrung auf Film zu bannen. Ich war ganz alleine in diesem riesigen Gebiet, aber ich fühlte mich umgeben vom Geist der alten indianischen Versammlungen, die einst hier an diesem heiligen Platz stattfanden. Ich konnte die Ausstrahlung dieses Landes spüren und fühlte Demut von seiner Macht.

GHOST (Antelope Canyon, Arizona)

Ghost ©Peter Lik
Ghost ©Peter Lik
Die wichtigste Lektion, die ich beim Fotografieren gelernt habe, ist, dass Timing alles ist. Egal wie perfekt deine Technik und dein Equipment sind, wenn du nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, wirst du das Foto einfach nicht machen. Ich wußte, in den unterirdischen Sandsteinhöhlen von Antelope Canyon würde die Sonne mittags direkt darüber liegen. Als der Zeitpunkt nahte, an dem ich diese einzige Chance auf mein Foto bekommen würde, schien ein schmales Lichtband durch einen Spalt auf den sandigen Felsboden. Im richtigen Moment drückte ich den Auslöser, mein Guide, ein Navajo-Indianer, warf eine Handvoll Staub in den Lichtkegel. Erst Wochen später erkannte ich, was das Ergebnis war: Eine geisterartige Silhouette hatte sich abgehoben, und ich fragte mich, ob die alten Geister des Canyons an jenem Tag an meiner Seite gewesen waren.