Er ist CEO des in Frankfurt gegründeten Technologieführers Techem und stellt eine klare Diagnose: Ohne die radikale Digitalisierung von Gebäuden wird die Energiewende scheitern. Bei den Wirtschaftsgesprächen am Main erklärte Matthias Hartmann, wie sein Unternehmen den Wandel anführt – und warum er dabei auf neue, globale Investoren setzt.
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Im exklusiven Rahmen des Steigenberger Icon Frankfurter Hof versammelten sich auf Einladung der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain rund 100 Meinungsbildner und Führungskräfte der Region. Im Mittelpunkt der 119. Wirtschaftsgespräche: Matthias Hartmann, CEO des Eschborner Energiedienstleisters Techem. Doch der Mann, der die digitale Energiewende in Millionen von Gebäuden vorantreibt, ist mehr als ein reiner Technokrat. Vorgestellt als ehemaliger Schlagzeuger in drei Bands und passionierter Eintracht-Fan, verkörpert er eine moderne, nahbare Führungskultur.
Das intelligente Zuhause als Klimaretter
Hartmanns zentrale Botschaft war unmissverständlich: Die Stabilität unserer Stromnetze und der Erfolg der Energiewende entscheiden sich zukünftig in unseren eigenen vier Wänden. Den Grund dafür skizzierte er anschaulich: Während früher wenige, verlässliche Giganten wie Kohle- oder Atomkraftwerke für einen konstanten Stromfluss sorgten, speisen heute Millionen dezentraler Quellen – von Solardächern über Windräder bis zu Balkonkraftwerken – unvorhersehbar Energie ins Netz ein. Dieses System aus unzähligen, wetterabhängigen Erzeugern auf der einen und Millionen individueller Verbraucher auf der anderen Seite droht ohne intelligente, digitale Steuerung zu kollabieren.
„Ohne Digitalisierung keine Energiewende“ – Matthias Hartmann, CEO Techem
Hartmann sparte dabei nicht mit Kritik an der nationalen Umsetzung und zeichnete das Bild eines Landes, das bei dieser Schlüsseltechnologie dramatisch zurückliegt. Während Länder wie Spanien den Rollout intelligenter Stromzähler längst abgeschlossen haben und Italien bereits die zweite Gerätegeneration installiere, stecke Deutschland bei einer Quote von gerade einmal fünf Prozent fest.
Für Hartmann ist die Konsequenz klar: „Ohne Digitalisierung keine Energiewende“, plädierte er. Wo früher einmal im Jahr ein Ableser klingelte, sollen künftig intelligente Zähler in Echtzeit für Transparenz sorgen. Ziel sei es, den Bewohnern ein Bewusstsein für ihren Verbrauch zu geben. „Wenn ich monatlich weiß, was ich verbrauche, habe ich eine ganz andere Beziehung zu den Kosten“, erklärte Hartmann.
Für Techem bedeutet dies eine radikale Transformation: weg vom reinen Abrechnungsdienstleister, hin zum digitalen Manager für alles, was im Gebäude Energie verbraucht – von der optimierten Heizung über den Solarstrom vom Dach bis zur Ladesäule in der Tiefgarage.
Zwischen Anspruch und Kundenservice
Hartmann sprach dabei die Herausforderungen offen an. Die gesamte Branche, so seine selbstkritische Einschätzung, sei „kein Weltmeister in Kundenservice“. Gerade die digitale Transformation decke Schwachstellen schonungslos auf und zwinge zu mehr Effizienz und Präzision. Dass dieser Weg noch nicht abgeschlossen ist, machte er deutlich. Eine offene Haltung, die im Publikum Anklang fand. Sein Ziel sei es, die Kundenzufriedenheit spürbar zu verbessern. Die Kündigungsquote habe man in den letzten Jahren bereits halbiert.

Einblicke in einen geplatzten Deal
Doch warum setzt ein etabliertes Unternehmen wie Techem auf globale Finanzpartner? Hartmanns Antwort liegt im Geschäftsmodell selbst: Die Transformation zum digitalen Energiemanager und die Vorfinanzierung von Millionen intelligenter Messgeräte erfordern enorme Kapitalinvestitionen. Es ist eine Wachstumsdynamik, die sich aus dem laufenden Geschäft nur schwer finanzieren ließe.
Vor diesem Hintergrund gerieten seine Einblicke in den jüngsten Eigentümerwechsel zu einem Moment seltener Offenheit. Ein geplanter Verkauf für 6,7 Milliarden Euro an ein Konsortium um die amerikanische Texas Pacific Group (TPG) scheiterte in letzter Minute an unerwarteten wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU. Stattdessen, so Hartmann, bleibt nun der bisherige Schweizer Mehrheitseigner an Bord und führt ein neues Konsortium an.
Seine Schilderungen lieferten ein authentisches Bild der Realität hinter globalen Milliardentransaktionen und der monatelangen Anspannung im Management. Hartmanns Fazit ist pragmatisch: Die strategische Ausrichtung bleibt, das Wachstum geht weiter. Techem habe den Anspruch, ein „europäischer Champion“ zu sein, der aus der Rhein-Main-Region heraus die Energewende mitgestaltet.
