Coworking bei Rent24
Coworking bei Rent24

Die Arbeitswelt wandelt sich. Viele haben ihr Büro mittlerweile auf dem Laptop bei sich. Flexibilität wird immer gefragter, auch beim Arbeitsort. In Frankfurt boomt der Markt der Coworking-Anbieter. Nicht zuletzt, weil immer mehr große Unternehmen die anpassungsfähigen Räumlichkeiten zu schätzen wissen. Von Sabine Börchers 

Die Wände sind dunkel und mit leuchtenden Graffiti verziert. Ein grünes Samtsofa lädt zum Hinsetzen ein, offene Regale teilen den Raum. Daneben steht ein Sessel in Form von einem Bronze-Ei, eine moderne Weiterentwicklung des Egg Chair. Ein Fernseher und ein metallener Billardtisch runden die Einrichtung ab. Was nach einem Wohnzimmer für Millennials aussieht, ist heute die moderne Arbeitswelt. Statt ein stationäres Büro zu nutzen, werden nur noch temporär Schreibtisch und Sitzgelegenheit zur Verfügung gestellt, dafür Räumlichkeiten, die einladend wirken und im besten Falle die Kreativität anregen.

Mithilfe hauseigener Designer hat das Unternehmen Rent24 gerade seine neuen Räume in der Hamburger Allee auf diese Weise eingerichtet – inklusive eines Konferenzraumes, in dem auf einer Tischtennisplatte verhandelt wird, einer Hängematte mit Taunusblick und einem Spielzimmer für Shuffleboard. Schon jetzt wird dort gearbeitet, im Januar sollen die Räume offiziell eröffnet werden.

Rent24 in der Hamburger Allee
Rent24 in der Hamburger Allee

In der 12. bis 14. Etage des Westendgate Tower direkt neben dem Marriott Hotel an der Messe stehen dann auf 3.300 Quadratmetern rund 500 Arbeitsplätze zur Verfügung, die für einen Tag, für einen Monat oder längerfristig angemietet werden können – per Tagesticket oder durch eine Mitgliedschaft, mit der auch die anderen 60 Locations des Unternehmens in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Polen, den USA, Israel und weiteren Ländern genutzt werden können.

Robert Bukvić , Rent24
Robert Bukvić , Rent24

Coworking ist das Stichwort, unter dem eine größtmögliche Flexibilität in die Arbeitswelt eingezogen ist. Mit Rent24 hat einer der größten deutschen Anbieter dieser Büroform nun auch den Weg nach Frankfurt gefunden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Unternehmen, internationale bis zu regionalen, die es Selbständigen, Start-ups, aber auch immer mehr etablierten Firmen erlauben, kurzfristig und bei Bedarf Arbeitsplätze in Büroumgebungen anzumieten.

„Großunternehmen können vom kreativen Umfeld und der rasanten Innovationsgeschwindigkeit von Start-ups profitieren, während diese von der Erfahrung der Großen lernen können.“ – Robert Bukvić, Rent24

Der Vermieter sorgt für eine gemeinschaftliche Infrastruktur, vom Internetanschluss bis zu Besprechungsräumen, und Gelegenheiten zur Kommunikation. Diese sei wichtig, denn gerade Großunternehmen könnten vom kreativen Umfeld und der rasanten Innovationsgeschwindigkeit von Start-ups profitieren, während diese von der Erfahrung der Großen lernen könnten, wirbt Robert Bukvić, Gründer und Geschäftsführer von Rent24 aus Berlin, für das Modell.

Rent24 in Frankfurt
Rent24 in Frankfurt

Coworking Frankfurt: Business-Center mit Familienanschluss

Deshalb bietet das Unternehmen in seiner ersten Niederlassung am Main auch eine Community-Lounge mit Blick über das Frankfurter Messegelände. Auf der Küchenzeile stehen Obst, Wasser, Tee und Kaffee zur freien Verfügung. Eine Popcornmaschine gehört ebenfalls zur Ausstattung. Einmal in der Woche wird ein Community-Frühstück für alle Mieter angeboten.

Die Bandbreite von Coworking-Spaces ist mittlerweile enorm und reicht vom mietbaren Schreibtisch im Großraumbüro mit Wohnzimmeratmosphäre über das klassische BusinessCenter mit Sekretariatsleistungen, wie es das „ecos office center“ auf der Mainzer Landstraße, mit 25 Standorten eines der großen inhabergeführten Business-Center Deutschlands, bietet – und das bereits lange bevor der Coworking-Trend in den letzten Jahren zur Konkurrenz wurde. Auch dort sind die Räume auf insgesamt 2.800 Quadratmetern individuell und persönlich gestaltet.

Einer der 10 Tagungsräume im „ecos office center“ Frankfurt
Einer der 10 Tagungsräume im „ecos office center“ Frankfurt

Verantwortlich dafür ist die Geschäftsführerin Chanda Syed, die vor 12 Jahren als Studentin im Unternehmen anfing und es seit 2012 leitet. In dem modernen Bürogebäude können Digital Natives ihren Laptop für einen Tag aufstellen, auch bei ihr gibt es freitags ein Community-Frühstück in der Lounge im 6. Stock. „Wir haben aber vor allem große, auch internationale Unternehmen, die langfristig oder für Projekte bei uns Büroraum mieten, zum Beispiel die Lufthansa, Siemens, BASF, Check24, Banken oder Softwarefirmen und Anwälte.“

Für sie wird, wenn gewünscht, täglich die Post angenommen und elektronisch weitergeleitet, die Buchhaltung übernommen, es werden selbst Weihnachtskarten und -geschenke verschickt. „Wir sind sehr serviceorientiert, wir helfen auch bei der Gründung einer neuen Firma und bei der Mitarbeiterauswahl“, sagt sie. All das habe natürlich seinen Preis.

Gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Schwestern und Bruder Muhib sorgt die Chefin mit pakistanischen Wurzeln für die entsprechend familiäre Atmosphäre bei den Kunden und beim Team. Zu den 18 festen Mitarbeitern zählen auch die Hausdame und das Putzpersonal. Chanda Syed legt Wert auf Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Und sie gestaltet die Räume immer noch gerne persönlich um. Wenn es ihr Spaß macht auch alle paar Wochen aufs Neue. Das unterscheidet sie sicherlich von der Konkurrenz.

„ecos office center“-Geschäftsführerin Chanda Syed umgeben von Fakhrah Syed-Niazi, Muhib Syed und Hena Javed
„ecos office center“-Geschäftsführerin Chanda Syed umgeben von Fakhrah Syed-Niazi, Muhib Syed und Hena Javed

Coworking in Frankfurt: Luxuslage oder Kreativviertel

Gut 80 Mitbewerber gebe es allein in Frankfurt, schätzt sie. Die meisten Betreiber bieten Paketpreise an, manche auch Tageskarten. Neben den Arbeitsplätzen in offenen Raumkonzepten für Freelancer und Start-up-Gründer werden immer häufiger feste Arbeitsplätze oder abschließbare Büros nachgefragt, bestätigt auch Robert Bukvić. „Das flexible Büronutzungskonzept gewinnt für Großkonzerne zunehmend an Bedeutung.“

Meist würden zusätzliche flexible Arbeitsplätze angemietet. Der Vorteil daran: Die meisten Spaces sind rund um die Uhr geöffnet. Die Kosten für die Infrastruktur entfallen, denn meist sind Technik, Räume und Kaffee im Preis inbegriffen. Und wer feststellt, dass das Konzept nicht überzeugt, kann den Platz kurzfristig wieder kündigen.

Die großen und internationalen Coworking-Anbieter setzen auch in Frankfurt vor allem auf zentrale Lagen und hochwertige Ausstattung. Rent24 legt Wert auf gute Erreichbarkeit und eine Größe von mindestens 2.000 Quadratmetern. „Oftmals bieten wir auch eine besondere Architektur, dabei schrecken wir nicht einmal vorm Denkmalschutz zurück“, betont Bukvić.

Das kürzlich wegen seines gescheiterten Börsengangs in die Schlagzeilen geratene US-Unternehmen WeWork verfügt allein über drei Standorte in Frankfurt, in der Schillerstraße, nahe der Alten Oper und hinter der Goethestraße. Einer der ältesten und zugleich größten Anbieter in der Mainmetropole ist Regus mit mehr als 20 Standorten vor Ort, etwa im Opernturm sowie in den neuen Kornmarktarkaden, und fast 3.000 Geschäftszentren in 120 Ländern weltweit.

Das 1989 in Brüssel gegründete Unternehmen mit heutigem Sitz in Luxemburg bietet ebenfalls ein Hybrid-Modell an, ist also zugleich Coworking-Standort und Business-Center mit Serviceleistungen. Es gehört zum Weltmarktführer, der Schweizer International Workplace Group (IWG), der weitere Coworking-Marken wie No18 oder Spaces vertritt, die aktuell 6.500 Quadratmeter im neuen Omniturm mieten wollen.

Mindspace ist ein internationaler Anbieter mit Sitz in Tel Aviv, der seit 2015 auf dem deutschen Markt vertreten ist und in Frankfurt über fünf Etagen mit mehr als 3.000 Quadratmetern im Eurotheum verfügt. Der Stil dort: Eine Mischung aus Loft, Hotellobby, Kunstmuseum und Szene-Café.

Für Individualität steht die niederländische Marke Tribes, die 3.380 Quadratmeter im Garden Tower an der Neuen Mainzer Straße und darüber hinaus an 23 Standorten in den Niederlanden, Belgien und Deutschland „inspiring workplaces“ für Business-Nomaden anbietet. Der Name „Tribes“, was so viel wie Stämme bedeutet, steht stellvertretend für sie. Jede Niederlassung ist daher einem der weltweiten Nomaden-Stämme gewidmet. Die Frankfurter Räume sind entsprechend mit Fotos des Mongolenstamms der Dukha gestaltet.

Räume in den Hochhäusern im Bankenviertel, für Firmen absolute Luxuslagen, haben allerdings ihren Preis. „Die Mieten in Frankfurt sind enorm hoch, das muss man erst einmal erwirtschaften. Da frage ich mich schon, wie manche Betreiber das auf Dauer machen“, stellt Chanda Syed fest.

Die Lounge im 6. Stock des „ecos office center“ in der Mainzer Landstraße 50
Die Lounge im 6. Stock des „ecos office center“ in der Mainzer Landstraße 50

Lukrativer als auf Freelancer & Co. ist es in jedem Fall, auf größere Unternehmen als Kunden zu setzen, die langfristig Räume mieten. Wohl auch deshalb ködern manche Anbieter wie WeWork neue Kunden, indem sie ihnen mehrere Monate mietfreie Zeit offerieren, wie aus der Branche zu hören ist.

Der größte deutsche Anbieter ist ebenfalls am Main vertreten. Design Offices aus Nürnberg verfügt über zwei Standorte, darunter einen am Wiesenhüttenplatz mit mehr als 300 Arbeitsplätzen, Skylineblick und Dachterrasse. Auch sein Angebot richtet sich stärker an Unternehmen als an Freiberufler. Um junge Start-ups aber auch international agierende Unternehmen wirbt Work Republic in der Neuen Mainzer Straße, nahe der Alten Oper.

Die lokalen Anbieter liegen dagegen eher in den Randlagen der Innenstadt, wie Sleeves Up mit vier Standorten im Gallusviertel, Rödelheim, Sachsenhausen und auf der Hanauer Landstraße oder das kleine und feine Loft von Feinripp in der Mainzer Landstraße. Dafür können sie niedrigere Preise bieten und ziehen daher eher Freiberufler und junge Gründer an. Sie sind entsprechend kreativ eingerichtet.

Eines der buntesten Spaces dürfte das Studio 54 im 25 Hours Hotel in der Niddastraße sein, das im September 2018 eröffnete. Selbst die Wirtschaftsförderung der Stadt Frankfurt betreibt ein Coworking-Büro mit zehn Arbeitsplätzen im Frankfurter Gründerzentrum auf der Hanauer Landstraße – natürlich zu gründerfreundlichen Konditionen.

Fast 150.000 Quadratmeter Coworking in Frankfurt

Entstanden ist der Coworking-Trend durch Outsourcing von IT-Dienstleistungen in den Unternehmen. Diese These jedenfalls stellt eine Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation auf. Danach hätte diese Entwicklung viele externe Dienstleister hervorgebracht, die zumeist als freiberufliche Einzelkämpfer unterwegs sind und keinen festen Arbeitsort mehr haben. Was als Notlösung begann, wurde zum globalen Phänomen.

In New York beträgt das Volumen der angebotenen Coworking-Flächen nach einer neuen Studie der Immobilienberatungsgesellschaft Cushman & Wakefield bereits mehr als 1,2 Millionen Quadratmeter. 1,1 Millionen Quadratmeter sind es in London, knapp 400.000 Quadratmeter in Amsterdam und rund 300.000 Quadratmeter sowohl in Berlin wie in Paris. Der Immobiliendienstleister JLL ergänzt die deutschen Zahlen. Nach Berlin sei München mit 213.000 Quadratmetern Spitzenreiter vor Frankfurt mit 146.000 Quadratmetern.

In den vergangenen drei Jahren sei das Angebot an solchen „Flex-Standorten“ um enorme 70 Prozent gestiegen, stellt JLL fest. Wachstumstreiber seien vor allem die Hybridmodelle, die sowohl Arbeitsplätze im Open Space als auch in geschlossenen Büroräumen anbieten. Und der Trend gehe zu einer noch stärkeren Anpassung der Gestaltung und des Service an den jeweiligen Kunden.

„Die nächste Generation will frei arbeiten, ohne, dass ihr jemand über die Schulter schaut. Zu Hause ist es aber auf Dauer zu einsam. Da ist Coworking das richtige Modell.“ – Chanda Syed, ecos office center

Das kann Chanda Syed nur unterstreichen. Oft gestalte sie die Räume für den Kunden individuell, erzählt sie. „Wir müssen immer mit der Zeit gehen und dafür sorgen, dass der Kunde sich noch wohler bei uns fühlt.“ Deshalb hat sie gerade die Räume im Erdgeschoss neu gestaltet, dort sogar eine Bibliothek eingerichtet. Ihr Ziel ist es zudem, das ecos office center, das sie bisher leitet, im nächsten Jahr als Gesellschafterin zu übernehmen. Bisher gehört dieses noch John Thiele aus Bremen, dem Geschäftsführer der ecos-Gruppe, zu der sich vor genau 20 Jahren 16 Inhaber von Business-Centern zusammengeschlossen hatten. Als Gesellschafterin will Chanda Syed dann auch weiter expandieren.

Library im „ecos office center“ Frankfurt
Library im „ecos office center“ Frankfurt

Robert Bukvić hat ebenfalls Pläne, sein Berliner Unternehmen zu erweitern, das bereits jetzt eine Art Rundum-sorglos-Paket aus Arbeiten, Wohnen und Leben unter Gleichgesinnten ist. Denn neben dem Coworking bietet er mit seinem Coliving-Konzept an vielen Orten sogar entsprechende Übernachtungsmöglichkeiten sowie eigene Gastronomien für die Kunden an. Bis zum Jahresende sollen 20 weitere Coworking-Standorte hinzukommen.

Auch für Frankfurt schließt er eine weitere Expansion nicht aus. Chanda Syed blickt ebenso positiv in die Zukunft. „Die Start-up-Kultur wird zunehmen. Die nächste Generation will frei arbeiten, ohne, dass ihr jemand über die Schulter schaut. Zu Hause ist es aber auf Dauer zu einsam. Da ist Coworking das richtige Modell.“

„Gerade in Zeiten, in denen viele Anbieter auf den Markt drängen, setzen sich diejenigen durch, die hier mit Expertise punkten können.“ – Robert Bukvić, Rent24

Eine Eintrübung der Konjunktur, die laut Experten droht, schreckt Robert Bukvić nicht. Er sieht auch kein Risiko darin, dass das Modell der kurzfristigen Vermietung Leerstand nach sich ziehen könnte: „Wir profitieren von jeder Wirtschaftslage. In guten Zeiten steigt die Nachfrage, in schlechten Zeiten ist gerade eine flexible Lösung oftmals die beste Lösung für viele Unternehmen.“ Der Markt sei noch lange nicht ausgereizt, glaubt er und ist überzeugt: „Gerade in Zeiten, in denen viele Anbieter auf den Markt drängen, setzen sich diejenigen durch, die hier mit Expertise punkten können.“


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