Wenn man über Karrieren im Musikbusiness spricht, kommt man an ihm nicht vorbei: Dieter Bohlen, Komponist, Produzent, TV-Star, Werbegesicht. Top Magazin Frankfurt lernte jemanden kennen, der nicht nur in der Rolle des „Poptitan“ kein Blatt vor den Mund nimmt. Erfrischend ehrlich sprach er mit uns über das Geheimnis seines Erfolges und die kompromisslose Treue zu bestimmten Werten. Text: Natalie Rosini, Foto: Michael Hohmann

Dieter Bohlen: „Ich weiß ja, was ich erreicht habe. Und das hat mir niemand geschenkt.“
Dieter Bohlen: „Ich weiß ja, was ich erreicht habe. Und das hat mir niemand geschenkt.“ (© Top Magazin Frankfurt)

Vor einigen Tagen ist die erste Folge der DSDS-Jubiläumsstaffel angelaufen. Alle Medien reißen sich natürlich um Dieter Bohlen. Umso erfreulicher, dass wir bei seinem Kurzbesuch in Frankfurt als einzige neben seinem Heimatsender RTL ein Interview bekommen. Am erfreulichsten jedoch ist die Offenheit, mit der uns „der härteste Juror der Welt“ begegnet. „Was wollen Sie wissen?“ fragt der Mann im silberglänzenden Anzug, der sich seit neuestem auch als Tapeten-Designer betätigt und seine Kollektion auf der Messe Heimtextil vorstellte. Zu Anfang vielleicht: Warum Tapeten? „Das war eigentlich ein Zufall, der aus der Not heraus geboren ist: Carina suchte welche für unser Haus, fand aber nichts, was ihr gefällt. Da bot der Geschäftsführer des Gummersbacher Herstellers „P+S International“ an, uns zu besuchen und so kamen wir gemeinsam darauf, eine eigene Kollektion zu machen. Ich mag es, mich kreativ auszutoben. Und im Grunde macht die Arbeit ja die Designerin. Ich steuere nur die Ideen bei, die ich auf meinen Reisen so sammle und mit der Kamera festhalte.“

Pferd vs. Strauß

Ob die Kollektion „It’s different“ ein Erfolg wird, wissen wir nicht. Aber schlecht stehen die Chancen nicht, denn fast alles, was Dieter Bohlen anfasst, wird zu Gold. Oder? „Ich kenne auch Misserfolge. Und die tun natürlich weh, vor allem, wenn man wie ich, stets mit viel Herzblut arbeitet. Aber ich gehe anders als viele mit Dämpfern oder Niederlagen um. 80 bis 90 Prozent der Leute gehen in Deckung, reagieren wie der Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, oder das Reh im Scheinwerferlicht. Ich hingegen gebe dann besonders viel Gas.“ Welches Tier sich hier wohl als Vergleich heranziehen ließe? Bohlen muss einen Moment überlegen und erinnert sich dann an den Steven Spielberg-Film „Gefährten“, in dem ein Pferd in den Wirren des Ersten Weltkriegs Mut, Loyalität und Kampfgeist beweist. „Das hat mich sehr berührt. Zumal das Tier ganz auf sich allein gestellt war. Das ist bei meiner Arbeit natürlich anders. Da kann ich Entscheidungen nicht allein treffen. Ich bin zwar sehr hartnäckig, aber wenn 20 Leute nach links wollen und man ist der einzige, der nach rechts will, klappt das leider nicht immer mit der Überzeugungsarbeit.“ Und dann fügt er schmunzelnd hinzu: „Dabei habe ich meistens Recht.“

Hauptsache glücklich

Dieter Bohlen: „Wer mit Wattebäuschen schmeißt, kann aus so einem Kampf um die Spitze sicher nicht als Sieger hervorgehen.“
Dieter Bohlen: „Wer mit Wattebäuschen schmeißt, kann aus so einem Kampf um die Spitze sicher nicht als Sieger hervorgehen.“ (© Top Magazin Frankfurt)

Die Liste seiner Erfolge ist lang: Mit Modern Talking stürmte Dieter Bohlen auch international die Charts, andere Künstler verschiedenster Genres – von Andrea Berg bis Yvonne Catterfeld – landen mit von ihm produzierten Songs Hits und heimsen Preise ein, die Gewinner der bisherigen DSDS-Staffeln haben zumindest mit der ersten Single stets einen Nummer-Eins-Erfolg. Und nicht nur musikalisch läuft es für Dieter Bohlen mehr als rund: Als Markenbotschafter und Werbegesicht ist er heißbegehrt, ebenso als Gast in Talkrunden und bei Unterhaltungsshows, seine Skandalbiografie „Nichts als die Wahrheit“ war eine der erfolgreichsten deutschen Buchveröffentlichungen der letzten Jahre, weitere Buchhits folgten. Dabei spaltet er wie kaum ein anderer die Nation: Man liebt Dieter Bohlen, oder man hasst ihn. Dazwischen lässt der einstige Revoluzzer (ja, Bohlen war in jungen Jahren mal bekennender Kommunist!) und Diplomkaufmann wenig Spielraum. Mit Spott und Häme seiner Kritiker geht er gelassen um. „Ich weiß ja, was ich erreicht habe. Und das hat mir niemand geschenkt.“ Doch sind es wirklich die Goldenen Schallplatten, die Bestsellerlisten-Plätze seiner Bücher, die (wenn auch in den letzten Staffeln etwas schwächeren) Einschaltquoten von Formaten wie DSDS und Supertalent, die den Erfolg für ihn persönlich ausmachen? „Natürlich auch. Wenn man leidenschaftlich an etwas arbeitet und das von den Menschen honoriert wird, dann macht das stolz und glücklich. Aber an Zahlen allein lässt sich Erfolg meiner Meinung nach nicht messen. Mein größter Erfolg ist – beruflich gesehen –, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich tue. Es gibt so viele Menschen, die Milliarden auf dem Konto haben und dennoch nicht glücklich sind, weil sie ihr Geld vielleicht mit etwas verdienen, das ihnen im Grunde gar nicht am Herzen liegt. Und dann gibt es da die Kinderkrankenschwester irgendwo in der Dritten Welt, die im Verhältnis zu dem, was sie tut, völlig unterbezahlt ist, die aber in ihrer Aufgabe vollends aufgeht. Ich will meine Arbeit selbstverständlich nicht mit einer so ehrbaren Berufung vergleichen, nur deutlich machen, worauf es mir ankommt: Ich bin mit dem, was ich tue, und mit mir selbst im Reinen. Dafür bin ich jeden Tag aufs Neue dankbar.“ Zurück zur Einschränkung „beruflich“: Was ist für Dieter Bohlen der größte private Erfolg? „Meine Familie.“

Ehrlich währt am längsten

Um erfolgreich Karriere zu machen, braucht man jedoch nicht nur Talent, Können, Disziplin und, wie Dieter Bohlen einräumt, „natürlich auch eine Portion Glück“. Gerade im Musikbusiness ist der Grat zwischen Erfolgsstreben und Ellbogen doch sicher schmaler als in anderen Branchen. Und immerhin lautet der Titel von Bohlens Erfolgsrategeber „Planieren statt Sanieren“. „Naja, kämpferisch und willensstark muss man schon an die Sache rangehen. Und wer mit Wattebäuschen schmeißt, kann aus so einem Kampf um die Spitze sicher nicht als Sieger hervorgehen.“ Ein gesundes Konkurrenzdenken trichtert „Onkel Dieter“ seinen Schützlingen bei DSDS stets ein, dennoch ist er kein Freund von Ehrgeiz auf Kosten anderer: „Man muss nicht link sein, um im Wettbewerb zu bestehen. Ganz im Gegenteil: Irgendwann bekommt man das dann zurück. In meiner gesamten Karriere musste ich nie jemanden austricksen oder bescheißen, um meine Ziele zu erreichen. Ich habe nie etwas nicht eingehalten und bin nie jemandem auch nur einen Cent schuldig geblieben. Mein Weg war und ist stets gerade und ehrlich.“ Bleibt die Frage, wohin dieser Weg Dieter Bohlen noch führen wird, was er noch erreichen will. „Da ich im Gegensatz zu vielen Casting-Kandidaten meine Grenzen sehr gut kenne, weiß ich, dass ich wohl nie ein guter Koch oder Handwerker werde. Mein Talent liegt in der Unterhaltung, und damit werde ich wohl noch eine Weile weitermachen.“ Und dann verrät er abschließend, was die Privatperson Dieter Bohlen sich für die Zukunft wünscht: „Ich bin kürzlich zum fünften Mal Vater geworden. Es gibt nichts Schöneres. Deshalb lautet mein Ziel: 6., 7. und 8.“