…Geborgenheit, Einsamkeit, Freude, Leid, Vertrauen, Angst, Bereicherung, Belastung, Liebe, Hass. Familie ist das, was uns emotional am meisten prägt – positiv wie negativ. Und selbst wenn man beim Wort Familie häufig noch das klassische Bild Vater-Mutter-Kind vor Augen hat, so ist Familie doch für jeden etwas anderes. Von Dr. Jutta Failing und Natalie Rosini

1955: Zur Hochzeit von Erika und Günter Arndt gab’s rote Nelken. Die Aufnahme stammt vom jüngeren Bruder Rudi Arndt, dem späteren Frankfurter Oberbürgermeister.
1955: Zur Hochzeit von Erika und Günter Arndt gab’s rote Nelken. Die Aufnahme stammt vom jüngeren Bruder Rudi Arndt, dem späteren Frankfurter Oberbürgermeister. (© Top Magazin Frankfurt)

Während die 68er Generation gegen die verstaubten Wert- und Moralvorstellungen ihrer Eltern ankämpfte, sehnen sich junge Menschen heute laut Shell-Jugendstudie mehr und mehr nach dem alten Vater-Mutter-Kind-Modell. Und auch die Medien beschäftigen sich zunehmend mit Partnerschaft und Zusammenleben: TV-Formate, in denen Landwirte nach der besseren Hälfte oder Mütter nach Schwiegertöchtern suchen, boomen. Gibt es eine „neue“ Sehnsucht nach Familie? Ist Familie Trend? Diese Frage stellten wir dem Psychologen Dr. Holger Schlageter, der sich in Büchern wie „Die liebe Familie“ und „Das Geheimnis gelassener Erziehung“ intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Man sehnt sich immer nach dem, wovon man zu wenig hat. Heute sind Familien weniger statisch als in den 70ern: Es gibt die verschiedensten Konzepte des Zusammenlebens, von Patchwork bis zum Singlehaushalt.Das führt zu mehr Schwierigkeiten, sich zu orientieren und zu mehr Unsicherheit“, erklärt der psychologische Experte der ARD und Leiter des Schlageter-Instituts in Wiesbaden. „Man sehnt sich mehr nach Stabilität, Verlässlichkeit, Treue. Dass das mit dem Vater-Mutter-Kind-Prinzip assoziiert wird, ist allerdings eher ein Resultat der traditionell-christlichen Gehirnwäsche. Als ob das automatisch mehr Sicherheit böte. Das ist in sehr vielen Fällen ein Trugschluss, wie wir Psychologen nur zu genau wissen…“

Ab wann ist man „wir“?

Es heißt ja, „Blut ist dicker als Wasser“. Was ist dran an diesem Sprichwort? „Nicht viel“, meint Dr. Holger Schlageter. „Wahr ist,dass wir genetische Prädispositionen, z. B. zur Depression, haben.Aber was davon sich dann wirklich ausprägt, hängt von Umwelteinflüssen und meinen Reaktionen darauf ab. Falsch ist zu meinen, dass Beziehungen zu Blutsverwandten automatisch inniger sind. Oft ist das Gegenteilige der Fall.“ Ist Familie also eine Frage der individuellen Interpretation? Ab wann ist man (gefühlt) Familie? „Wenn die klassischen Familienwerte die gelebte Beziehungskultur maßgeblich prägen: Zuneigung, Treue, Loyalität, Offenheit, gegenseitige Verantwortungsübernahme, Sorge um den anderen. Das alles sind Zutaten zu einem entstehenden Wir-Gefühl. Das kann zwischen allen Menschengruppen geschehen und sogar zwischen Mensch und Tier.“ Auch in der Soziologie hat dieses heterogene Bild von Familie längst Einzug gehalten, bestätigt Dr. Detlev Lück vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. „Die Familie hat sich mit dem gesellschaftlichen Wandel verändert. Während in den 50er Jahren noch die starre Definition vom heterosexuellen, verheirateten Paar mit mindestens einem Kind galt, knüpfen wir Familie in der Forschung heute nicht mehr an Parameter wie Ehe oder Nachwuchs. Heute heißt Familie, dass zwei Menschen eine auf Dauer angelegte Solidargemeinschaft eingehen. Dazu gehören weder Kinder noch Trauschein. Nicht einmal ein gemeinsamer Haushalt.“ Die Sehnsucht nach Familie, so der Soziologe, unterliege seiner Meinung nach keinen Trends. „Der Mensch hat von Naturaus ein Bedürfnis nach Nähe, Liebe, Geborgenheit. Die öffentliche Diskussion um Familie im klassischen Sinne, also Nachwuchs inklusive, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Deutschen im Vergleich mit anderen Industrienationen nur sehr wenig Kinder bekommen.“

Ein Trend, der keiner ist?

Wenn wir uns also wirklich nach diesem klassischen Konstrukt sehnen, warum bekommen wir dann immer weniger Kinder? Nur 1,4 im Durchschnitt. „Die Realisierung der Familie mit Kind ist schwieriger geworden“, erklärt Dr. Detlev Lück. „Das Erstgeburtsalter hat sich nach hinten verschoben. Dafür gibt es mehrere Gründe – wirtschaftliche und psychologische. Zum einen ist die Ausbildungsdauer heute länger, der Arbeitsmarkt härter. Bis Studium oder Lehre abgeschlossen sind und sie einen festen Arbeitsplatz finden, sind viele Frauen Mitte zwanzig und älter. Zum anderen haben wir nach wie vor die Vorstellung, erst eine Familie gründen zu können, wenn wir eine ökonomisch stabile Basis geschaffen haben: das gemachte Nest.“ Ohne Planungssicherheit also keine Kinder. Und je höher der Bildungsgrad, desto später erreichen die meisten diese Sicherheit. Viele erreichen sie nie, fürchten, dass Kinder einen Karriereknick bedeuten. „Dahinter steckt vor allem Angst. Angst, dass man sich nicht selbst verwirklichen kann, wenn man Kinder hat. Angst, man könne den Kindern nicht genug bieten. Angst, dass man eine Verantwortung übernimmt, der man sich nicht gewachsen fühlt. Angst vor Erwartungen, die ans Elternsein gestellt werden. Hier täte mehr Entspannung gut. Eine Vier minus reicht“, meint Dr. Holger Schlageter. Zu dieser Entspannung, so der Soziologe Dr. Detlev Lück, könne vor allem die Politik beitragen: „Die Zahlen belegen es: Die Schweden bekommen durchschnittlich 1,8 Kinder, die Franzosen 2. In diesen Ländern ist es gelungen, gesetzliche und unternehmenskulturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, um Karriere und Kinder unter einen Hut zu kriegen.“ Sterben wir Deutschen also aus? „Diese Befürchtung geistert schon seit den 70er Jahren durch die Medien“, lacht Dr. Detlev Lück. „Ich denke aber, dass wir mit einer familienfreundlicheren Infrastruktur in den nächsten 10 Jahren einen Geburtenanstieg erreichen können. Dafür ist allerdings auch ein Umdenken nötig. Noch immer sind wir kulturell sehr stark geprägt vom Bild der Mutter, die selbstverständlich bei den Kindern bleibt. Franzosen oder Skandinavier haben weniger Probleme mit der gerechten Aufgabenverteilung zwischen Vater und Mutter. Und sie haben weniger Probleme mit der Fremdbetreuung ihres Nachwuchses.“

Familienforschung boomt

Historische Dokumente helfen bei der Ahnenforschung
Historische Dokumente helfen bei der Ahnenforschung
Die Sehnsucht nach Familie führt viele auch immer häufiger auf die Spuren ihrer Vorfahren: Woher komme ich? Wer sind die Ahnen, die einmal ein Leben hatten, wie wir selbst? Die Suche nach den eigenen Wurzeln begeistert immer mehr Menschen, und oft spornt sie die Hoffnung an, ein prominentes Familienmitglied oder blaues Blut aufzustöbern. Das Internet hilft beim ersten Klettern im Stammbaum, aber wer es genauer wissen will, darf das aufwändige Recherchieren in Kirchenbüchern, Chroniken oder Passagierlisten von Auswandererschiffen nicht scheuen. Man braucht Geduld: Je tiefer man einsteigt, desto mehr Ahnen tauchen auf – schon nach zehn Generationen sind es 1024 Personen! Und man braucht Mut: Wer sucht, der findet, manchmal auch böse Überraschungen, Peinliches oder tragische Fakten. Einfacher ist es, wenn ein Vorfahre bereits seit Generationen in der Familie und Öffentlichkeit bekannt ist und dessen Leben gut dokumentiert vorliegt. Wie bei dem berühmten Vorfahren von Olaf Kaestner…

Frankfurter Familiengeschichte(n)

Im Stoltze-Museum begegnet Olaf Kaestner seinem Ur-Ur-Urgroßvater Friedrich Stoltze. (© Top Magazin Frankfurt)
Im Stoltze-Museum begegnet Olaf Kaestner seinem Ur-Ur-Urgroßvater Friedrich Stoltze. (© Top Magazin Frankfurt)
Ein paar Ähnlichkeiten sind schon da. Die Stirn beispielsweise. Oder die journalistische Tätigkeit, obgleich diese bei Olaf Kaestner nicht politisch-revolutionär motiviert ist. Der Frankfurter Filmemacher und Berater für Medienprojekte ist ein direkter Nachfahre von Friedrich Stoltze (1816-1891), jenem dichterischen Urgestein, von dem das legendäre Statement stammt: „… es will merr net in mein Kopp enei: wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ Stoltze sei „kein Dialekt babbelnder Schwafler“ gewesen, so Kaestner, sondern ein klar denkender und auch hochdeutsch schreibender Autor, außerdem Verleger und Herausgeber der „Frankfurter Latern“, einer politischen Satirezeitschrift.„Stoltze war ein Freigeist“, erklärt Kaestner weiter, „und unkonventionell war auch sein Privatleben“. Seine Ehe mit Marie Messenzehl ging er erst ein, als das dritte Kind schon unterwegs war. Nicht allein das stellte für die damalige Zeit einen Skandal dar, noch dazu war seine Frau katholisch, Stoltze evangelisch. „Adolf Stoltze (1842-1933) ist mein Vorfahre, Friedrichs unehelicher Sohn, der bekannte Bühnendichter“, betont Kaestner. Dieser entstammte aus der Liaison Stoltzes mit der Bürgerstochter Maria Christina Retting, wurde heimlich geboren und wuchs nach dem frühen Tod der Mutter bei seiner Großmutter auf, weil Christinas Vater die Verbindung mit dem demokratisch gesinnten Stoltze ablehnte. Kaestner kennt sich gut aus mit den alten, privaten Einzelheiten, erzählt von seiner 1914 geborenen Großmutter, der besonders das idyllische „Ostereiersuchen im Bockenheimer Haus“ von Adolf Stoltze in Erinnerung geblieben ist. Von Generation zu Generation werde außerdem ein Grüne Soße-Rezept mit einer „Geheimzutat“ weitergegeben. Eine Vererbung bestimmter Talente sieht Kaestner nicht, erkennt aber im unabhängigen Denken eine Vorbildfunktion und in der Familiengeschichte ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen, vom Vormärz bis heute. Der 40-jährige Nachfahre blickt weit nach vorne und kommt auf die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt zu sprechen. Friedrich Stoltzes Vater betrieb dort den Gasthof „Zum Rebstock“, der als „gefährliches politisches Widerstandsnest“ galt, unter polizeilicher Beobachtung stand, und in dem der junge Friedrich manches hörte, was „nicht für unschuldige Kinnerohrn bestimmt war“. Die Rekonstruktion des Hauses ist mittlerweile beschlossene Sache. „Ich könnte mir vorstellen, wenn ich mal 65 bin, dort eine Kneipe mit Kultursalon zu eröffnen“, schwärmt Kaestner. So würde sich ein Kreis schließen.

Den Ahnen auf der Spur

Mit etwas Geduld findet man vielleicht einen prominenten Ahnen. Die Genealogische Zentralstelle hilft bei der Suche.
Mit etwas Geduld findet man vielleicht einen prominenten Ahnen. Die Genealogische Zentralstelle hilft bei der Suche.
„Wir alle sind das Ergebnis vieler glücklicher Umstände“, resümiert Dr. Hans Nill, Mitarbeiter der Genealogischen Zentralstelle, die seit Jahrzehnten im Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst untergebracht ist. Im Archiv kann jeder nach seinen Ahnen forschen, rund 750 000 digitalisierte Karteikarten sowie tausende Akten und Bücher geben Auskunft über deutschsprachige Personen- und Familiengeschichte(n), weltweit und einschließlich deutscher Enklaven, etwa in Südamerika. „Ehepaare mit 17 Kindern waren früher keine Seltenheit, wie uns etwa Leichenpredigten aus dem 16. Jahrhundert verraten“, weiß Dr. Nill. „Doch viele Kinder starben früh an Typhus oder Diphtherie. Hinzu kamen Kriege und Pestilenzen.“ Das in Europa einmalige Archiv, betreut von einer gemeinnützigen Stiftung, sammelt außerdem Orts- und Firmenchroniken. „Das Frankfurter Bankhaus Metzler haben wir bei uns“, erläutert Geschäftsführer Andreas Bellersen. Der versierte Genealoge und Erbenermittler hilft mit seinem ehrenamtlichen Team allen Interessierten bei der Recherche, liest mit ihnen beispielsweise die historische Kurrentschrift. Wer sich mit Geduld an die Abschriften aus Kirchenbüchern, an Adelsgotha und Sippenbücher setzt, findet mitunter prominente Ahnen oder stößt sogar auf dunkle Geheimnisse. „Nur die Mutter kennt den wahren Vater, heißt es in der Genealogie“, sagt Bellersen schmunzelnd. Und mindestens einen waschechten Promi-Ahnen habe fast jeder, dank unzähliger Verzweigungen. Bestes Beispiel sei Karl der Große, „mit ihm sind wir über 21 Generationen verwandt“.

Was wirklich zählt

Das Ehepaar Arndt aus Frankfurt geht seit 57 Jahren Hand in Hand.
Das Ehepaar Arndt aus Frankfurt geht seit 57 Jahren Hand in Hand.
Betrachtet man die Scheidungsraten, wird es in Zukunft immer weniger Paare geben, die Goldene Hochzeit feiern dürfen. Wir sprachen in Sachsenhausen mit einem Ehepaar, das seit über einem halben Jahrhundert Hand in Hand geht, liebevoll und voller Respekt. Ein aktuelles Foto möchten sie nicht, lieber zeigen Erika und Günter Arndt ihr Hochzeitsbild von 1955. Der Name Arndt ist nicht nur Frankfurtern ein Begriff. Günter Arndt stammt aus einer sozialdemokratischen Dynastie, sein VaterKonrad war Gewerkschafter und Widerstandskämpfer, der nach KZ Aufenthalten 1940 unter ungeklärten Umständen starb, seine Tante Johanna Kirchner verurteilten die Nationalsozialisten zum Tod. Der jüngere Bruder Rudi Arndt wurde 1972 Oberbürgermeister von Frankfurt. Seit 1955 ist der heute 87-Jährige mit seiner Frau Erika verheiratet, die beim Kennenlernen für einen großen Versicherungskonzern arbeitete. Das kinderlose Paar verbindet ihr großes politisches wie soziales Engagement. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagen sie, und nie habe es in all der Zeit einen ernsthaften Krach gegeben. „Ich hatte zwar einen Koffer im Keller, für alle Fälle, aber ich habe ihn nie gebraucht, denn mein Mann ist eine Seele von Mensch, handzahm“, erzählt Erika Arndt schmunzelnd. „Wir haben mit nichts angefangen, und als ich nach der Währungsreform das erste Geld hatte, kaufte ich mir einen Badeanzug, einen knallroten!“, erinnert sie sich. An ihrem Hochzeitstag fand in Frankfurt eine Großdemonstration gegen die Notstandsgesetze statt, was etliche Gäste nicht auf den Sitzen hielt. Der Brautstrauß, rote Nelken, wurde kurzerhand geteilt, und mit dem Parteisymbol ging‘s zur Demo. Haben die Arndts ein Rezept für eine glückliche Ehe? Die gleichen Interessen seien wichtig, da sind sich beide einig, „wir waren schon früh in der Arbeiterbewegung, auch durch unsere Familien.“ Basis sei ein hundertprozentiges Vertrauen in den Partner, auch wenn man mal einen Fehler gemacht habe. „Man erfährt sich selbst im anderen“, resümiert Erika Arndt. Das sympathische Paar, das noch viel Zeit am PC verbringt, Twitter und Facebook kennt, hatte immer ein offenes Haus , viele junge Gäste, war Anlaufstation für Menschen in Not und ist bis heute bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) engagiert. „Sie ist immer für positive Überraschungen gut“, neckt Günter Arndt und schaut seine Frau zärtlich an. Es scheint, so geht Ehe.

Zwei Männer, eine Ehe

Carsten Wolf und Thomas Bäppler-Wolf (Bäppi La Belle).
Carsten Wolf und Thomas Bäppler-Wolf (Bäppi La Belle). (© Top Magazin Frankfurt)
Hinter dem Pseudonym Bäppi La Belle verbirgt sich der Tanzlehrer und Entertainer Thomas Bäppler-Wolf. Seit zwei Jahren ist er „verpartnert“ mit Carsten Wolf. Die beiden haben sich vor 12 Jahren über das Tanzen kennengelernt, heute betreiben sie gemeinsam eine Tanzschule und das Theater Theatrallalla. „Unsere Familien haben sich erst bei der Hochzeit (in Weiß) im Römer kennengelernt“, erzählt Bäppler. „Nach der Trauung ging’s in eine Kochschule, wo wir mit den Trauzeugen und der Familie das Mittagessen selbst gekocht haben.“ Das Paar arbeitet eng zusammen, sieht sich als eingespieltes Team. „Er ist mein Dr. Sauer, wie der Ehemann von Angela Merkel“, sagt Bäppler schmunzelnd, „bei einer Premiere geht Carsten lieber über den Nebeneingang als über den roten Teppich rein.“ „Wenn es hart auf hart kommt, bin ich stur“, ergänzt Wolf, „dann knallt‘s und jeder zieht den Kopf ein.“ Beide möchten harmonisch leben, „aber man braucht auch jemanden, der einem Kontra bietet“, so Wolf. Für ihre Eltern war es nicht einfach, „meine Mutter hat mein Schwulsein bis zu ihrem Tod nicht verkraftet, da blieb sie eisern, auch wenn sie auf meine Erfolge stolz war“, erinnert sich Bäppler. Beim Vater, der Tonmesstechniker beim Hessischen Rundfunk war, blieb das Thema zeitlebens tabu. Bäpplers Bühnenbegeisterung scheint vererbt. „Ich habe alles von meiner Großmutter väterlicherseits, Tante Käthe aus Rosenheim, sie war Kellnerin im Hofbräuhaus, später Stammgast im Meier Gustl in Frankfurt, wo sie das Orchester dirigiert hat. Die war richtig auf Juchee!“ Gerade schreibt Bäppler an einem Krimi, inspiriert durch seinen großen Erfolg als hessisch babbelnder Guide in der Tutanchamun-Ausstellung. Und ab 9. Juni spielt er im Frankfurter Volkstheater eine Hauptrolle im Klassiker „La Cage aux Folles“, den er selbst ins Hessische übertragen hat. Das passt zum Credo des Paars: „In unserer Familie, zu der auch unser Team gehört, ist immer was los!“