Dr. Hubertus Kolster ist einer der jüngsten Honorarkonsuln des Corps Consulaire. Er wurde im Mai letzten Jahres als Vertreter Finnlands bestätigt. Als Rechtsanwalt pflegt er seit langer Zeit Kontakte in das skandinavische Land.

Das Wappen Finnlands
Das Wappen Finnlands

Ein kleines Metallschild mit goldenem Löwen an der Glasfront des Sitzes von Deutschlands größter Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle weist darauf hin, dass im Haus auch ein Land offiziell vertreten wird. In einem der Büros in der Barckhausstraße 12-16 befindet sich das Finnische Honorarkonsulat. Die Nähe zu den Rechtsanwälten ist dabei kein Zufall. Seit Mai dieses Jahres ist der Managing Partner von CMS, Dr. Hubertus Kolster, Honorarkonsul von Finnland.

Wie schnell der 52-jährige Jurist zu dem Ehrenamt gekommen ist, hat ihn selbst überrascht. Der vorherige Honorarkonsul, Professor Alexander Riesenkampff, ebenfalls Jurist, mit dem er lange in der Kanzlei zusammengearbeitet hat, hatte ihm vorgeschlagen, sein Nachfolger zu werden.

„Ich habe mich dann mit der Finnischen Botschafterin getroffen, ihr aber gleich gesagt, dass ich der Meinung sei, es müsse jemand auf den Posten, der mindestens 15 Jahre älter ist und nicht so viel zu tun habe wie ich“, erinnert sich Kolster. Er versprach ihr dennoch, es sich nach dem Gespräch noch einmal zu überlegen.

Einige Monate später erfuhr er, dass das Verfahren zu seiner Aufnahme ins Konsularische 
Corps schon angelaufen war. Man hatte ihm die Entscheidung abgenommen.
Heute ist er froh
darüber: „Es ist für
 mich eine große Ehre, das Land zu vertreten, und es macht mir Spaß“, stellt er fest, betont aber auch, dass er die Aufgabe nicht für jede Regierung übernommen hätte. „Finnland ist ein sehr sympathisches Land, die Menschen sind offen, unprätentiös, direkt, das gefällt mir sehr.“

„Finnland ist nicht kalt, sondern cool.“

Das förmliche Sie gibt es dort nicht, selbst der Staatspräsident, den Kolster bereits traf, sei sehr aufgeschlossen und mache wenig Aufhebens von seiner Stellung. Auch wenn das Land bei uns für seine niedrigen Temperaturen und die lange Dunkelheit im Winter bekannt sei, für ihn gilt: „Finnland ist nicht kalt, sondern cool.“

Für die norddeutsche Seele

Noch hat Kolster nicht das gesamte Land bereist. Doch gerade die lebendige Region um Helsinki mag er besonders. „Die Stadt ist nicht besonders groß und liegt am Meer, das spricht meine norddeutsche Seele an.“ Diese bildete der gebürtige Essener in seiner Kindheit und Jugend aus. Sein Vater war Soldat, so dass die Familie in den Norden zog, als er gerade zwei Jahre alt war. „Wir haben in Hamburg, Lüneburg, Hildesheim gewohnt.“ Sein Abitur machte er in Neumünster, seine Großeltern lebten in Stade. Heute schaut er deshalb immer wieder gerne den Tatort mit Maria Furtwängler als Kommissarin, die in Hannover und in den Dörfern und Städten Niedersachsens ermittelt.

Zum Jurastudium ging Kolster zunächst nach Göttingen, dann nach München. Die Stadt an der Isar sei ihm aber zu perfekt und „chichi“ gewesen,

sagt er. Als sich in der Kanzlei Peltzer & Riesenkampff die berufliche Chance bot, ging er deshalb nach Frankfurt. Das war vor 22 Jahren. „Es war Liebe auf den ersten Blick, ich fand die Stadt toll, weil sie so international ist und so spannend wegen ihrer Gegensätze.“

Auf den zweiten Blick lernte er auch die Lebensqualität am Main schätzen und blieb. Als Anwalt für Gesellschafts- und Unternehmensrecht beriet er häufig Investoren aus dem In- und Ausland bei Käufen und Verkäufen von Unternehmen und Beteiligungen. Unter den Geschäftskontakten waren immer wieder auch finnische Partner, etwa eine Bank oder der Gerätehersteller Fiskars. „Bis heute arbeiten wir auch mit einer finnischen Anwaltskanzlei zusammen.“

Bücher mit Eselsohren

Seit fünf Jahren ist Hubertus Kolster Managing Partner der Sozietät und kümmert sich vor allem um die strategische Ausrichtung der Kanzlei. Viel Zeit bleibt ihm da nicht für Mandate, schließlich ist er für alle acht deutschen Büros mit rund 650 Anwälten zuständig. „Wir haben 220 Partner, die alle selbstbewusste Unternehmer sind, die muss man mitnehmen.“

Dafür ist er viel unterwegs, zumal er auch für die Büros in Moskau, Shanghai und Peking verantwortlich ist. „Dass wir nicht auch Büros in Skandinavien haben, disqualifiziert mich eigentlich für die Tätigkeit als Honorarkonsul“, räumt er lachend ein. Aber die Skandinavier schätzten nun mal ihre Unabhängigkeit, statt sich großen Sozietäten anzuschließen.

Honorarkonsul Finnlands Dr. Hubertus Kolster
Honorarkonsul Finnlands Dr. Hubertus Kolster

Für die strategische Ausrichtung der Wirtschaftskanzlei setzt Kolster auf innovative Themengebiete. Durch die Größe des Unternehmens könne CMS den Klienten leichter eine thematische Vielfalt bieten. Die Hamburger Kollegen verfügen zum Beispiel über eine große Abteilung, die auf Windkraft spezialisiert ist. Auch das fahrerlose Fahren in der Autobranche bietet zahlreiche Rechtsfelder für die CMS-Anwälte.

„Wir beschäftigen uns derzeit viel mit der Digitalisierung und der Kommunikation von Mensch zu Maschine.“ So sehr ihn dieses Thema für die Kanzlei interessiert, persönlich schwört der Vater von drei Kindern auf seinen alten Blackberry, der noch Tasten hat und von dem aus er alle seine Termine abwickelt. „Meine Tochter beschwert sich immer, dass ich kein Whatsapp nutze, aber ich bin ein haptischer Typ. Ich brauche Bücher, in die ich Eselsohren hineinmachen kann.“

Statt in den sozialen Medien präsent zu sein, will er auch mit den finnischen Vertretern in Frankfurt lieber persönliche Kontakte knüpfen. „Ich würde gerne das Gesicht Finnlands in Frankfurt sein.“ Dabei könne er wesentlich unverkrampfter auf die Menschen zugehen, als es etwa der Botschafterin möglich ist, betont er. Sie muss diplomatische Klippen umschiffen und im Kontakt mit manchen Ländern Vorsicht walten lassen. Er solle unbelastet auf alle Menschen zugehen, habe sie ihm geraten. So aufgeschlossen und interessiert wie er im Gespräch wirkt, dürfte ihm das nicht schwerfallen.

Wirtschaftliche Impulse

Natürlich habe die Regie
rung ihn für das Honorarkonsulat ausgewählt, weil
er auch über ein gewisses
Netzwerk verfüge, fügt 
Kolster hinzu, der es sich
zum Ziel gesetzt hat, für
Finnland wirtschaftliche
Impulse am Main zu setzen.
Das beinhaltet vor allem die Kontaktvermittlung für deutschen Unternehmen, die nach
 Finnland gehen oder finnische Unternehmen, die in Deutschland 
Fuß fassen wollen. Das skandinavische Land werde durchaus attraktiver für hiesige Unternehmen, macht er gleich Werbung. Man wolle die Hight-Tech-Branche ausbauen. Zudem sei die geopolitische Lage im Ostseeraum für den Handel wichtig.

Mit der Übernahme seines Amtes bekam Kolster aber auch unmittelbar die Sparmaßnahmen des Landes zu spüren. Aufgrund der wirtschaftlichen Krise und der Einsparungen im Land selbst schließe Finnland derzeit Botschaften, etwa die in Luxemburg, berichtet er. Seine Konsulatsmitarbeiterin, die sich sonst den gesamten Tag über darum kümmerte, Passanträge anzunehmen, Beglaubigungen auszustellen oder weitere Anliegen der rund 1500 Finnen in Hessen – von denen rund 800 im Rhein-Main-Gebiet leben – zu erfüllen, ist jetzt nur noch halbtags angestellt und das Honorarkonsulat im Westend entsprechend kürzer geöffnet. Als gebürtige Finnin, die seit langem in Frankfurt lebt, ist sie aber ein hilfreiches Bindeglied zwischen ihren Landsleuten und dem Konsul, der selbst kein Finnisch spricht.

Ein Fest zur Unabhängigkeit

In Frankfurt hat er künftig einiges vor. Am 6. Dezember 2017 feiert das Land seinen 100. Unabhängigkeitstag. Kolster überlegt bereits jetzt, wie das Frankfurter Konsulat das gebührend feiern könnte, etwa mit einer Themenwoche. „Wir würden gerne gemeinsam mit der Universität etwas machen, finnische Schriftsteller einladen und junge Unternehmen vor Ort präsentieren“, sagt er.

Auch ein großes Fest oder einen Ball könnte er sich vorstellen, um den Frankfurtern die finnische Lebensart näher zu bringen. Verbindungen zwischen Hessen und Finnland gibt es seit langer Zeit, auch wenn sie wenig bekannt sind. Schließlich wurde Friedrich Karl, einstmals Landgraf von Hessen-Kassel und Urgroßvater des heutigen Chefs des Hauses Hessen, kurz nach der Unabhängigkeitserklärung als Fredrik Kaarle zum König von Finnland gewählt. Nur antreten konnte er das Amt am Ende des Ersten Weltkriegs nicht mehr.

Weil die Botschafterin aus Berlin, die selbst gerade erst ihren Posten übernommen hat, gerne bei der Kolsters Amtseinführung dabei sein wollte wurde der Termin auf den 1. 12. und damit nah an den diesjährigen Unabhängigkeitstag gelegt. Eigens dafür hatte sich Kolster auch ein paar finnische Sätze zurechtgelegt, selbst wenn er sich kürzlich bei einer Rede dabei verhaspelte. „Finnisch ist nicht einfach zu lernen“, stellt er fest. Ihm bleibt aber noch ein wenig Zeit zu üben. (sb)