Fünfzehn Jahre Frankfurter Stadtentwicklung: in dieser Zeit hat sich viel bewegt. Es sind neue Stadtteile entstanden wie der Riedberg, das Europa- und das Deutschherrnviertel, andere haben sich massiv verändert, wie das Ostend; Frankfurt ist zur europäischen Finanzmetropole aufgestiegen und zu einer der Kulturstädte des Landes. Top Magazin blickt zurück und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Stadt.

Das Jahr 2001 war auf den ersten Blick keines, das die Frankfurter gerne in Erinnerung behalten. Schließlich stieg die Eintracht zum zweiten Mal überhaupt in die 2. Liga ab, spielte plötzlich gegen VfB Lübeck und Wacker Burghausen, statt gegen Bayern und Dortmund. Die Mannschaft verlor ihren Sponsor und drohte sogar, ihre Lizenz abgeben zu müssen und damit in die Amateurklasse abzurutschen. Für die Fans gab es damals noch nicht einmal Online-Plattformen wie Facebook oder Twitter, um die geschundene Fanseele gemeinschaftlich wieder aufzurichten.

Nachdem ich 1995 die erste Wahl gewonnen hatte, hatte ich im Kopf, Du willst wiedergewählt werden“ – Petra Roth

Lediglich die Frauen des 1. FFC konnten in dem Jahr Erfolge feiern. Sie wurden 2001 Meister und Pokalsieger. Auch eine andere Frau blieb vor 15 Jahren auf der Siegerstraße. Oberbürgermeisterin Petra Roth wurde am 1. April 2001 in ihrem Amt bestätigt. Jutta Ebeling als erste Grüne Kandidatin für den Frankfurter OB-Sessel zwang sie allerdings in die Stichwahl, da Roth im ersten Wahlgang mit 48,6 Prozent die erforderliche absolute Mehrheit verfehlte. Sie gewann schließlich mit 53,1 Prozent knapp gegen ihren Herausforderer, den SPD-Bürgermeister Achim Vandreike. „Nachdem ich 1995 die erste Wahl gewonnen hatte, hatte ich im Kopf, Du willst wiedergewählt werden“, erinnert sich Roth heute.

Die kommende Zeit sollte sie, weil 2001 auch Kommunalwahlen stattfanden, mit einem Viererbündnis aus CDU, SPD, Grünen und der FDP im Magistrat die Stadt regieren. Erst ab 2006 wurde die erste schwarz-grüne Koalition geschmiedet, noch bevor diese Konstellation in anderen Städten oder gar in Länderparlamenten üblich wurde.

Roth erarbeitete sich in ihrer zweiten und dritten Amtszeit, die sie 2012 aus freien Stücken frühzeitig beendete, ein hohes Ansehen bei den Bürgern. Für viele Frankfurter war sie eine Konstante und fast gleichbedeutend mit der Stadtpolitik. Ihre Partei kostete sie allerdings durch ihren frühzeitigen Rückzug das Amt, das nun der Sozialdemokrat Peter Feldmann bekleidet.

Hoch hinaus

In den vergangenen 15 Jahren wurden viele Weichen gestellt, die Frankfurt nachhaltig verändert haben, vor allem stadtplanerisch. „Die Stadt hat eine tolle Entwicklung durchlaufen und mehr zu sich gefunden. Sie ist lebendiger geworden, die öffentlichen Räume wie das Mainufer wurden deutlich aufgewertet, und das wird auch national und international anerkannt“, stellt der frühere Planungsdezernent und heutige Projektentwickler Martin Wentz fest.

„Die Stadt hat eine tolle Entwicklung durchlaufen und mehr zu sich gefunden.“ – Planungsdezernant a.D. Martin Wentz

Bereits Ende der 1990er Jahre beschloss das Stadtparlament unter anderem den Hochhausrahmenplan, der an 18 Standorten insgesamt 26 neue Hochhäuser ermöglichte und später noch einmal 14 Standorte auswies, darunter auch den neuen Henninger-Turm. Dieser erinnert mittlerweile wieder an die markante Form des Vorgängers.

Viele weitere der Grundstücke wurden bereits bebaut, wie die des Taunusturms, des Opernturms oder des Tower 185 von Christoph Maeckler an der Friedrich-Ebert-Anlage, der mit seinen 200 Metern zusammen mit dem Main Tower das vierthöchste Hochhaus Deutschlands ist. Zudem wurden durch den späteren Plan Hochhäuser auch jenseits des Banken- oder des Messeviertels möglich, wie etwa nördlich der Innenstadt, wo der Nextower und das Jumeirah-Hotel am Palais Thurn und Taxis, direkt hinter der Zeil, entstanden. Dort ist laut Rahmenplan sogar noch Potential für zwei weitere Hochhäuser.

Wohnen am Fluss

Der Alte Schlachthof in Frankfurt 'gestern'...
Der Alte Schlachthof in Frankfurt ‚gestern’…

Ein zentral gelegenes neues Quartier der Stadt fand vor 15 Jahren bereits seinen Abschluss: das Deutschherrnviertel. Dort wurde auf dem frei werdenden Gelände des alten Schlachthofes auf rund 12 Hektar ein neuer Stadtteil für etwa 2.500 Bewohner geschaffen, der erstmals große Wohnflächen entlang des Mainufers bot und damit das Konzept „Wohnen am Fluss“, das später auch im Ost- und Westhafen umgesetzt wurde, einleitete.

Wer sich damals in der tristen Gegend vorstellen wollte, dass dort einmal stattliche Mietpreise erzielt würden, der brauchte viel Phantasie. Der Anfang war beschwerlich, denn der neue 150 Millionen Mark teure Schlachthof war erst 1989 fertiggestellt worden. Auch wenn der Betrieb nur Verluste einfuhr, war der Abriss politisch schwer zu vermitteln gewesen. „Die CDU war damals absolut dagegen“, erinnert sich Roth noch heute. Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) konnte sich schließlich durchsetzen. „Ich war immer überzeugt davon, dass das Leben und Wohnen am Main eine Zukunft hat“, stellt er fest.

Auch als die Preise für die Grundstücke in der Immobilienkrise Mitte der 1990er Jahre fielen und viele schon vom „teuersten Brachland der Stadt“ sprachen, glaubte Wentz weiter daran. „Und er hat Recht behalten“, stellt Roth fest, „es hat sich hier ein großartiges Viertel entwickelt.“ Im Juni 2001, also vor genau 15 Jahren, konnte die Mainufer-Projektentwicklungsgesellschaft den Verkauf des letzten freien Grundstückes vermelden.

Am westlichen Ende entstanden das italienisch anmutende
Trapezio Fiorentino sowie
das runde Colosseo, in dem die Frankfurter Rundschau
lange ihr Domizil hatte,
und der 88 Meter hohe Wohnturm „Main Plaza“ des
Architekten Hans Kollhoff, der
mit seiner roten Fassade und den vergoldeten Zinnen an die Chicagoer Gotik erinnert. Östlich wird das Gebiet begrenzt von dem einem Schiffsbug ähnelnden Bürohaus „Main-Triangel“, in dem hauptsächlich die Oberfinanzdirektion untergebracht ist.

Heute hat sich das Viertel zur beliebten Wohnadresse in unmittelbarer Nähe zum Museumsufer gemausert. „Ein Grund für den Erfolg war die Entscheidung, dort keine Vorortstrukturen zu schaffen, sondern die Baudichte wie in der Gründerzeit zu übernehmen. Wir haben das städtische Leben aus Sachsenhausen weiterentwickelt“, sagt Wentz. Dem Beispiel folgten die Bebauungen im Westhafen sowie auf der Ostend-Seite, die weiteres Wohnen am Main schafften.

Stadtteil statt Bahnhof

Nachdem das Technische Rathaus abgerissen wurde soll hier bis 2018 eine historisierende Bebauung erfolgen.
Nachdem das Technische Rathaus abgerissen wurde soll hier bis 2018 eine historisierende Bebauung erfolgen.

Auch das Dom-Römer-Projekt mit dem Abriss des Technischen Rathauses und den 35 Gebäuden der Neuen Frankfurter Altstadt ist fast 15 Jahre alt. Es brauchte seine Zeit, bis sich die Stadtpolitik einig war, einen historischen Grundriss mitsamt dem früheren Königsweg nachzuempfinden. Während die Umsetzung der Altstadtpläne erst 2012 begann und bis heute andauert, entstanden in der gleichen Zeit in Frankfurt mehrere neue Stadtviertel.

Bereits 1998 wurde der Betrieb am Güterbahnhof eingestellt, so dass in den darauffolgenden Jahren das Planungsbüro Albert Speer & Partner im Auftrag der Deutschen Bahn einen Rahmenplan für die letzte große Freifläche der City erstellen konnte. Zwischen Frankfurter Hauptbahnhof und der Messe wurde das Europaviertel gebaut, mit dem 172 Meter hohen „Grand Tower“, dem höchsten Wohnhochhaus des Landes sowie dem Großprojekt Skyline Plaza, das ursprünglich als Urban Entertainment Center geplant und lange Zeit umstritten war.

An die 10.000 Menschen sollen künftig in dem Stadtteil leben, der von der Europaallee durchzogen ist. Eine U-Bahn-Anbindung durch die Verlängerung der U5 wird gerade gebaut. Auch die Messe konnte auf dem Areal ihren Standort erweitern und stellte im Jahr 2001 dort die Messehalle 3 und das neue Tor Ost fertig. Auch der Riedberg, eine Großsiedlung aussiebenunterschiedlichen Quartieren für insgesamt rund 15.000 Einwohner im Nordwesten der Stadt, wird seit 15 Jahren entwickelt und soll in den kommenden Jahren abgeschlossen werden.

Das ehemalige Schlachthofgelände und heute
Das Deutschherrnviertel – ein moderner Stadtteil mit schönstem Main-Panorama. Doch nicht immer war das Viertel ein wohnliches Kleinod: Noch Ende der 80er Jahre befand sich auf dem Areal der Frankfurter Schlacht- und Viehhof, der aufgrund wirtschaftlicher Unrentabilität später abgerissen wurde. Im Jahre 2001 wurde das Viertel mit einem Hochhaus, dem knapp 90 Meter hohen Main Plaza bereichert.

 

Das Deutschherrenviertel – ein moderner Stadtteil mit schönstem Main-Panorama. Doch nicht immer war das Viertel ein wohnliches Kleinod: Noch Ende der 80er Jahre befand sich auf dem Areal der Frankfurter Schlacht- und Viehhof, der aufgrund wirtschaftlicher Unrentabilität später abgerissen wurde. Im Jahre 2001 wurde das Viertel mit einem Hochhaus, dem knapp 90 Meter hohen Main Plaza bereichert.

Automeile, Ausgehmeile, Wohnquartier

Als Automeile war die Hanauer Landstraße schon länger bekannt und ist es bis heute. Vor rund 15 Jahren entwickelte sie sich zudem zur Ausgehmeile. Die Keimzelle dazu war das im Zentrum liegende Uniongelände. Auf dem ehemaligen Areal des 1909 von Oberbürgermeister Franz Adickes eröffneten Frankfurter Brauhauses entstand auf Initiative privater Investoren wie Ardi Goldman ein preisgekrönter Büro-, Loft- und Gewerbekomplex. Das alte Malzlager der Union-Brauerei wurde zur Veranstaltungshalle. Rund um den alten Brauereischornstein siedelten sich Kultureinrichtungen wie die Romanfabrik, Gastronomie und der King Kamehameha Club an. Die zumeist kreativen Start-up-Unternehmen und die noch nicht vor der Pleite stehenden Firmen des Neuen Marktes in den angrenzenden Lofts sorgten für entsprechendes Publikum.

Mit dieser Umgestaltung begann der „Aufschwung Ost“. Zunächst genossen Künstler das kreative Umfeld und die noch bezahlbaren Mieten, doch immer mehr Agenturen und Unternehmen siedelten sich an, immer mehr attraktive Lofts entstanden. Als die Europäische Zentralbank im Jahr 2002 das 14 Hektar große Gelände des ehemaligen Großmarktes erwarb, um dort einen Neubau zu errichten, waren endgültig die Weichen für eine massive Veränderung des Ostends gestellt.

Das Areal der ehemaligen Großmarkthalle beherbergt heute den neuen Hauptsitz der EZB.
Das Areal der ehemaligen Großmarkthalle beherbergt heute den neuen Hauptsitz der EZB.

Der stetige Wandel sei mittlerweile zu einem Charakteristikum für das Ostend geworden, das sich im vergangenen Vierteljahrhundert wie kaum ein anderer Frankfurter Stadtteil verändert habe, betonte Bürgermeister Olaf Cunitz unlängst. Im Frühjahr 2008 begannen die Bauarbeiten an der EZB. Teile der historischen Großmarkthalle von Martin Elsaesser wurden abgerissen, der Rest saniert und in den Doppelbüroturm des Architekten Coop Himmelb(l)au integriert. 1,3 Millarden Euro hat sich die Europäische Zentralbank den Neubau kosten lassen, der bis heute für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

So soll die neue Altstadt aussehen.
Wo vor 15 Jahren noch das Technische Rathaus stand, in dem die technischen Ämter der Stadtverwaltung ihren Sitz hatten, manifestieren sich die architektonischen Pläne des Dom-Römer-Projekts. Nachdem das Rathaus vor knapp sechs Jahren abgerissen wurde, soll bis 2018 eine historisierende Bebauung erfolgen, die dem Straßennetz vor dem 2. Weltkrieg nachempfunden ist.

 

Steigende Mieten

Mit den Bankern kamen die Bauunternehmen. An der Sonnemannstraße sprießen derzeit die Neubauten aus dem Boden, das Viertel wird aufgewertet, verdichtet, modernisiert. Um die 2.000 Wohnungen sollen entstehen. Auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwache 1 werden unter dem Titel „The East“ alleine 177 Wohnungen, Einzelhandelsflächen und ein Hotel gebaut.

Entsprechend steigen die Mieten, zwischen 2008 und 2013 um mehr als 18 Prozent, wie Sebastian Schipper vom Institut für Humangeographie der Frankfurter Goethe-Uni in einem Zeitungs-Interview feststellte. Er sieht das Ostend durch rasant steigende Mieten und den Zuzug zahlungskräftiger Bewohner bereits als Schwerpunkt der Gentrifizierung in Frankfurt.

Institutionen wie das Filmhaus Frankfurt mit allen weiteren Initiativen rund um den Film, die seit mehr als 20 Jahren im Ostend ansässig waren, oder das Gründerzentrum Main-Raum müssen weichen. Die Stadt versucht, mit einer Milieuschutzsatzung, die auch für das Ostend angewendet werden soll, gegenzusteuern. Martin Wentz, der sich zu seinem 70. Geburtstag kürzlich daran erinnerte, wie er der EZB einst den neuen Standort vorgeschlagen hatte, sieht die Zentralbank nur begrenzt als Auslöser für diese Entwicklung. „Die höheren Mieten wären sowieso gekommen. Wir haben seit den 1980er Jahren durch ein Sanierungsverfahren das Ostend nach und nach aufgewertet. Die EZB wirkt höchstens auf das Gebiet an der Sonnemannstraße. Auf dem ersten Stück der Hanauer Landstraße aus Richtung Innenstadt besteht sogar noch Entwicklungsbedarf.“

Die Stadt des Euro

Am 17. Dezember 2001 begrüßte Frankfurt mit einem Feuerwerk den Euro als neue Währung. Bereits zuvor waren die neuen Scheine in überdimensionaler Größe an der Fassade der alten EZB erstmals bundesweit präsentiert worden. Frankfurt wurde zur Stadt des Euro und konnte die europäische Zentralbank durch den Neubau im Ostend am Main halten. Dies hat den Ruf der Stadt als eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt entscheidend gestärkt. Heute werden dort währungspolitische Entscheidungen für Menschen in 17 Ländern getroffen. Weitere europäische Aufsichtsbehörden des Finanzwesens wie die europäische Bankenaufsicht haben sich am Main angesiedelt, darüber hinaus die Asian Developement Bank sowie die Chinesische Notenbank.

Wohin die Reise geht, wenn die Frankfurter mit der Londoner Börse fusioniert und der Hauptsitz nach London verlegt wird, ist noch offen. Vorstandschef Carsten Kengeter betonte unlängst bei der Hauptversammlung der Deutschen Börse, Frankfurt werde die Stadt des DAX bleiben. Doch auch in der Kommunikation hat sich Frankfurt
in den vergangenen 15 Jahren zu einem wichtigen internationalen Knotenpunkt
entwickelt. Der DE-CIX, seit 1999 in einem Rechenzentrum an der Hanauer Landstraße ansässig und mittlerweile über die gesamte Stadt verteilt, ist, was das Verkehrsaufkommen angeht, der größte Internetknoten der Welt. Rund 90 Prozent der nationalen und 35 Prozent des europäischen Internetverkehrs laufen über die Datennetze der Mainmetropole, wie die FrankfurtRheinMain GmbH feststellt. Zusätzlich zum 700 Kilometer langen Glasfasernetz in der Stadt gibt es das Netz der Deutschen Telekom, die von Frankfurt aus sämtliche firmeneigenen Leitungen steuert.

Kultur für alle

Die Entwicklung der Kultur als wichtiger Standortfaktor begann bereits in den 1980er Jahren, in denen die Stadt auf Betreiben des Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann begann, das Museumsufer zu entwickeln. 2001 verzeichnete die Museums- aber auch die Theaterszene der Stadt einen Umbruch. Hellmut Seemann verließ als Direktor die Schirn Kunsthalle Richtung Weimar, für ihn kam im Oktober Max Hollein vom Guggenheim-Museum an den Main, der fünf Jahre später auch das Städel und das Liebieghaus übernahm und 15 Jahre lang die Museumsszene erheblich prägen sollte.

Im Museum für Moderne Kunst übergab der charismatische Schweizer Jean-Christophe Ammann, der den Ruf des Hauses weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt hatte, nach zehn Jahren die Leitung an Udo Kittelmann. Der Opern-Intendant Martin Steinhoff verabschiedete sich, ihm folgte Bernd Loebe nach, der zuvor schon künstlerischer Berater an der Oper war. Schauspiel-Intendant Peter Eschberg wurde von Petra Roth in den Ruhestand verabschiedet. Noch im November 2001 trat Elisabeth Schweeger mit der Uraufführung von „Gold“, einem Stück von Peter Greenaway, seine Nachfolge an.

Mit William Forsythe, der kurz darauf seinen Rückzug aus Frankfurt ankündigte, standen alle drei Säulen der städtischen Bühnen vor einem Neuanfang. Einige Monate zuvor musste bereits Judith Rosenbauer für das English Theatre Insolvenz anmelden. Ihr Stellvertreter Daniel Nicolai übernahm die Geschäfte und machte aus dem Theater eine gemeinnützige GmbH.

Qualität erhalten – Wohnraum schaffen

Genau 15 Jahre später wird sich die Kulturlandschaft in Frankfurt erneut verändern, zum einen, weil der langjährige Kulturdezernent Felix Semmelroth sich in den Ruhestand verabschiedet und die SPD künftig die Hoheit über die Kultur hat. Zum anderen, weil gleich zwei Leuchttürme der Szene die Stadt verlassen. Max Hollein wechselt nach San Francisco. Als Kopf von gleich drei wichtigen Museen, allen voran dem Städel, ist er schwer zu ersetzen, weil er es unter anderem verstand, die Stadtgesellschaft in seine öffentlichkeitswirksamen Projekte einzubinden.

„Wir müssen alle daran arbeiten, die enorme Qualität und Vielfalt zu erhalten“ – MMK-Direktorin Dr. Susanne Gaensheimer

Ähnlich präsent in den verschiedensten Kreisen der Stadt ist auch Schauspielintendant Oliver Reese, der zur Spielzeit 2017/18 an das Berliner Ensemble wechselt. „Frankfurt verfügt heute über eine enorme Dichte an hervorragenden kulturellen Einrichtungen mit absoluten Spitzenleuten. Wir müssen alle daran arbeiten, die enorme Qualität und Vielfalt zu erhalten“, betont Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst, einem weiteren Eckpfeiler der Frankfurter Kultur. Das sei für Frankfurt in jeder Hinsicht wichtig, als internationaler Finanzstandort und als Handelsstadt.

„Frankfurt hat alle Ressourcen, in den nächsten fünfzehn Jahren an der Spitze Deutschlands zu stehen und aufgrund der europäischen Institutionen, die hier angesiedelt sind, auch in der Top Ten Europas mitzuspielen, zu der unter anderem London, Madrid und Mailand zählen“, ist Petra Roth sicher. Diesen Ressourcen müsse sich die Stadt aber bewusst sein und sie weiterentwickeln.

Für die Kultur sieht Gaensheimer in den kommenden zehn, fünfzehn Jahren eine Entwicklung hin zu einer noch stärker gemischten Bürgerschaft, der sich auch die Museen stärker öffnen werden. „Die Vielfalt des Publikums wird größer werden, die Besucher werden aus allen Gesellschaftsschichten kommen.“ Darauf werde auch die SPD bei ihrer Kulturpolitik ein starkes Augenmerk legen, nimmt sie an. „Hilmar Hoffmanns Idee einer ‚Kultur für alle‘ wird weiterhin aktuell bleiben.“

Martin Wentz prophezeit Frankfurt ebenfalls eine Entwicklung hin zu einer noch besseren kulturellen Infrastruktur und einem attraktiveren Umfeld. Er sieht zugleich eine große Herausforderung in der entstehenden Wohnungsnot und dem starken Anstieg der Immobilienpreise. „Leute mit geringerem Einkommen werden sich das Leben in der Stadt nicht mehr leisten können. Das wird zu großen politischen Verwerfungen führen.“

Die wichtigste Aufgabe der Stadtplanung sei es daher, Bauland für Wohnbebauung zu schaffen, vorhandene Ackerflächen umzuwandeln oder brachliegende Gewerbeflächen zu nutzen. „Wir müssen einen Riedberg 2, Riedberg 3, und wenn es nicht genügt, auch einen Riedberg 4 bauen. So ist die Stadt früher schon gewachsen, sowohl Ende des 19. Jahrhunderts als auch zur Zeit von Ernst May.“ (sb)

Frankfurt 2001 – 2016
Die wichtigsten Daten und Fakten

Bevölkerungsentwicklung
2000 624.980 Einwohner
2010 656.427 Einwohner
2015 716.277 Einwohner

Ausländeranteil
2000 28,9 Prozent
2010 25,1 Prozent
2014 27,7 Prozent

Schuldenstand der Stadt Frankfurt
2000 2.012.314.000 Euro
2010 1.083.642.000 Euro
2014 1.539.578.000 Euro

Verkehr
2000 368.361 zugelassene Kraftfahrzeuge, 695 auf 1000 Einwohner
2010 345.589 zugelassene KFZ, 626 auf 1000 Einwohner
2014 363.834 zugelassene KFZ, 612 auf 1000 Einwohner

2000 4.402 Verkehrsunfälle, dabei 3.915 Verletzte
2010 4.241 Verkehrsunfälle, dabei 3.450 Verletzte
2014 4.309 Verkehrsunfälle, dabei 3.795 Verletzte

2000 49.369.429 Fluggäste am Flughafen Frankfurt
2010 53.013.771 Fluggäste
2014 59.571.802 Fluggäste

2000 458.731 Starts und Landungen
2010 464.432 Starts und Landungen
2014 469.026 Starts und Landungen

2000 37.870 Container wurden in den Frankfurter Häfen umgeschlagen
2010 40.455 Container
2014 79.685 Container

DAX, jeweiliges Jahreshoch
2000 8.069,98
2005 5.464,00
2010 7.077,99
2014 10.087,12
2015 12.374,73

Wirtschaft
2000 436 beantragte Insolvenzverfahren
2010 1.669 beantragte Insolvenzverfahren
2014 1.445 beantragte Insolvenzverfahren

Tourismus
2003 2.216.947 Gäste, darunter aus dem Ausland 1.071.506
2010 3.621.337 Gäste, darunter aus dem Ausland 1.578.761
2014 4.725.343 Gäste, darunter aus dem Ausland 2.040.558

2000 16.362 Besucher im Kaisersaal
2010 10.010 Besucher im Kaisersaal
2014 10.779 Besucher im Kaisersaal