Dr. Marie Nauheimer auf der Primus Linie
Dr. Marie Nauheimer auf der Primus Linie

Hessens größtes und modernstes Schifffahrtsunternehmen hat Grund zu feiern: Seit 140 Jahren gibt es die Reederei Nauheimer, vor 45 Jahren gründete Anton Nauheimer die Primus-Linie. 1880 begann sein Großvater Peter Nauheimer, einen Fährservice für Marktfrauen von Schwanheim nach Frankfurt anzubieten, mit einem Raddampfer. Heute befördert die „Weiße Flotte“ rund 286.000 Passagiere pro Jahr. Seit 2012 führt Ururenkelin Dr. Marie Nauheimer das Unternehmen in der fünften Generation.

Frau Nauheimer, Ihre Kindheit haben Sie quasi auf dem Main verbracht…
Daran habe ich nur positive Erinnerungen. Meine Geburtstage durfte ich auf dem Schiff feiern, das war etwas ganz Besonderes. Eher alltäglich war es für meinen Bruder und mich, im Steuerhaus neben Opa Hans mitzufahren, stehend auf einer Bierkiste. Manchmal durfte ich das Steuerrad selbst in die Hand nehmen, da war ich stolz!

Seit 2012 führt Urenkelin Dr. Marie Nauheimer das Unternehmen in der fünften Generation
Seit 2012 führt Urenkelin Dr. Marie Nauheimer das Unternehmen in der fünften Generation

Hatten Sie auch Pflichten?
An Bord habe ich Tickets aus Papier von der Rolle abgerissen und verkauft, abends musste ich die Tageseinnahmen zählen: Dabei hab’ ich Kopfrechnen gelernt! Mit 13 durfte ich die Nautilus, unser Flaggschiff, taufen. Ich war furchtbar nervös und hatte Angst, dass die Flasche am Bug nicht zerschellt – denn das bringt Unglück. Und ich vergesse nie den legendären Kartoffelsalat meiner Oma, den wir den Gästen an Bord serviert haben.

Wie feiert die Reederei Nauheimer das Jubiläumsjahr?
Wir haben uns ein Maskottchen zugelegt, eine kleine Robbe, was bei den Kindern sehr gut ankommt. Noch sind wir in der Namensfindung, die Vorschläge reichen von Anton, nach meinem Vater, über Robbie bis zu Primi und Primus. Sonderaktionen und Events mit Jubiläums-Rabatten sind wegen Corona leider ausgefallen. Wie die große Jubiläumsfeier im Mai, die wir nun hoffentlich im September nachholen können. Mal sehen, wie die Lage sich bis dahin entwickelt.

Normalerweise bieten Sie ein breites Spektrum von Luxus-, Party- und Event-Cruises. Welche Fahrten kann man zurzeit buchen?
Tagesausflüge in die Region, nach Aschaffenburg über Seligenstadt oder Rüdesheim und St. Goarshausen. Gourmetfahrten, Sightseeing, Barbecue-Trips, die romantische
Skylight-Tour und die Chill-Out Tour mit Lounge-Musik, die wir statt dem Afterwork-Shipping ins Programm genommen haben. Tanzen ist ja leider noch nicht erlaubt. Wir haben viel Zuspruch von Menschen aus der Region, trotzdem fehlen natürlich die Touristen.

Wie sieht die Zukunft der Primus-Linie aus?
Alle fünf Schiffe – Nautilus, Wappen von Frankfurt, Maria Sibylla Merian, Johann Wolfgang von Goethe und Wikinger – liegen in ihrem Heimathafen Frankfurt. Eventuell könnten wir uns vorstellen in der Zukunft noch mehr Präsenz in der Region zu zeigen als bisher; ich denke da zum Beispiel an Mainz oder Wiesbaden, wo wir schon einige Fahrten erfolgreich anbieten.

„Als Kind bin ich neben meinem Opa Hans im Steuerhaus mitgefahren, stehend auf einer Bierkiste.“ – Dr. Marie Nauheimer

Natürlich wäre es schön, wenn die Reederei Nauheimer auch in 50 Jahren noch in Familienhand wäre. Meine Töchter zeigen Neugier und Interesse an der Schifffahrt, aber wir werden kein Kind zwingen, das Unternehmen fortzuführen. Sie sind neun und sechs und feiern ihre Geburtstage mit Begeisterung auf dem Schiff, wie ich in ihrem Alter auch. Die Große kommt manchmal in den Fahrkartenkiosk zu meiner Schwägerin, um beim Ticketverkauf zu helfen. Allerdings hat das keinen Lern-Effekt wie zu meiner Zeit – heute rechnet der Computer.

Das Interview führte Kitti Pohl

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