Die Konkurrenz um junge Talente bei den Firmen ist groß. Hochqualifiziertes Personal in den Führungsebenen wird immer gefragter. Um ein solcher High Potential zu werden, sind heute die besten Schulen und Hochschulen gerade gut genug. Ihre Absolventen können sich die Stellen mittlerweile aussuchen.

Jedes Unternehmen möchte die besten Nachwuchskräfte haben. Doch der Konkurrenzdruck steigt. Das ist besonders bei den Kräften der Fall, die die Entwicklung einer Firma am stärksten beeinflussen, die so genannten „High Potentials“. Diese Mitarbeiter mit überdurchschnittlichem Potential sind diejenigen, aus denen spätere Vorstände und Aufsichtsräte rekrutiert werden. Sie sind in der Regel bestens ausgebildet, haben einen Hochschulabschluss, Auslandserfahrung und mehr.

Viele Eltern setzen auf Internationale Privatschulen, von denen es mehr als ein Dutzend in Frankfurt und Umgebung gibt.

Eine solche Ausbildung beginnt heute meist schon im mehrsprachigen Kindergarten und in der sorgfältig ausgewählten Schule. Viele Eltern setzen dabei auf Internationale Privatschulen, von denen es mehr als ein Dutzend in Frankfurt und Umgebung mit insgesamt mehr als 10.000 Schülern gibt. Sie haben sich darauf ausgerichtet, nicht nur mehrere Sprachen zu unterrichten, sondern das Potential jedes einzelnen Schülers besonders zu fördern.

So wirbt etwa die 2009 in Dreieich gegründete Strothoff International School, die schon ein Programm für Drei- bis Fünfjährige anbietet, in ihrer Broschüre damit, dass sie den Schülern Führungseigenschaften vermitteln und Anleitung zur Verantwortung für die Gemeinschaft geben möchte.

Dabei wird auch auf außerschulische Aktivitäten wie Sport, Kunst und soziale Projekte gesetzt. Und die von der Stadt Frankfurt, dem Land Hessen sowie international tätigen Unternehmen gegründete International School Frankfurt Rhein-Main in Sindlingen bietet neben europäischen Fremdsprachen auch Unterricht in Koreanisch oder Japanisch an und empfiehlt sich online unter anderem mit „einer eindrucksvollen Liste von Hochschulzusagen; nicht nur für Deutschland, sondern auch weltweit.“ ISF-Absolventen studierten in München, Heidelberg, aber auch in Oxford, Yale und hätten im Jahr 2015 allein vier Studienplatzzusagen für Cambridge bekommen.

Wie wird man Toptalent?

Beste Voraussetzungen also für Toptalente. Wie aber wird man „High Potential“? Der Begriff stammt aus dem Amerikanischen. Das auf Talente-Management spezialisierte US-Forschungszentrum International Consortium for Executive Development Research und die Harvard Business School definierten ihn bereits im Jahr 2010. Dafür untersuchten sie anhand von 45 weltweit agierenden Unternehmen, wie diese ihre Toptalente identifizieren und fördern. Sie stellten fest, dass „High Potentials“ regelmäßig ihre Kollegen übertrafen und die Fähigkeit bewiesen, schneller und effektiver im Unternehmen zu wachsen und Erfolg zu haben als die Vergleichsgruppen.

Die Forscher geben aber auch Anhaltspunkte, was Mitarbeiter beachten müssen, um als Toptalent eingestuft zu werden. Angetrieben würden sie vom unbedingten Willen zum Erfolg. Dafür gaben sie sogar ihr Privatleben nahezu völlig auf. Sie entwickelten neue Ideen und setzten alles daran, diese erfolgreich umzusetzen. Dabei fehle ihnen jegliche Versagensangst oder Risikoscheu.

Weil sie ähnlich wie Hochbegabte Situationen schneller erfassen als andere Mitarbeiter, könnten sie zur richtigen Zeit handeln. Und das ist die schlechte Nachricht für alle, die auf eine solche Karriere schielen: Es lässt sich demnach nicht einfach lernen, sich wie ein Toptalent zu verhalten. Ohnehin, so besagt die Studie, ist neben einem guten Netzwerk auch ein Quäntchen Glück notwendig, um entsprechend Karriere zu machen.

„We care“

Vor allem aber ist es heute die Wahl der richtigen Hochschule. Dabei haben die privaten Hochschulen häufig die Nase vorn. Gründe dafür sind unter anderem die Größe der jeweiligen Institution: „Wir haben keine 30.000 Studierenden, sondern ohne die berufsbegleitenden Programme weniger als 2.500. Unser Konzept lautet ‚we care‘, wir kümmern uns um unsere Studierenden“, betont Karin Reuschenbach-Coutinho, Head of Career Services an der Frankfurt School of Finance & Management (FS).

Acht Mitarbeiter sind dort allein für die Karriereberatung der Studierenden zuständig, das sei für eine Business-School in Deutschland sehr viel. Absolventen der FS sitzen heute im Vorstand der Deutschen Bank und anderen Kreditinstituten und Unternehmen. Durch ihre Alumni hat die FS beste Kontakte in die Firmen, um aktuelle Absolventen zu vermitteln.

Der Campus der EBS in Östrich-Winkel
Der Campus der EBS in Östrich-Winkel

Ähnlich klein sind auch die Lerngruppen an der EBS-Universität in Oestrich-Winkel, die Studierende aus aller Welt anzieht. „In unseren Master-Studiengängen haben wir mehr als die Hälfte internationale Studierende“, erklärt die Pressesprecherin Jana Stelz. Es werde gemeinsam gelebt und gelernt, was für eine sehr familiäre Campus-Atmosphäre sorge. Auch die EBS verfügt über ein „Career Service Center“, das die Studierenden auch mithilfe von Psychologen und Coaches auf Bewerbungssituationen vorbereitet und über Praktikumsstellen in den Unternehmen informiert ist.

„Das netzwerk ist einer der Hauptgründe für Studierende, unsere Hochschule zu wählen.“ – Jana Stelz (EBS)

Die Zusammenarbeit mit den Firmen unterschiedlichster Branchen sei ein Teil der DNA der privaten Wirtschaftsuniversität am Rhein, sagt Stelz. „Das starke Unternehmensnetzwerk ist einer der Hauptgründe für Studierende, unsere Hochschule zu wählen.“ Die Chancen, schon während des Studiums den späteren Arbeitgeber kennenzulernen, ist damit besonders groß.

War for Talents

Der demographische Wandel kommt den Talenten dabei immer mehr entgegen. Die Konkurrenz wird zunehmend kleiner. In Zeiten von Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen wird es im Gegenzug für Unternehmen immer schwieriger, solche „High Potentials“ zu finden. Je flexibler die gut ausgebildeten Absolventen sind, desto größer ist die Gefahr, dass es sie ins Ausland zieht.

Besonders rar sind solche Talente seit Jahren schon in den Sparten Forschung und Entwicklung sowie IT, wie Studien zeigen. „War for Talents“ ist das geflügelte Wort, das den Wettstreit von Unternehmen um den talentierten Nachwuchs beschreibt. Dieser ist nicht neu. Der Begriff stammt von Steven Hankins, der bereits 1997 im Rahmen einer McKinsey-Studie den Wandel in der

Personalwirtschaft untersuchte. Unternehmen müssen sich mittlerweile immer mehr einfallen lassen, um den Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern zu schaffen. So umgarnen sie längst auch die Absolventen privater Hochschulen. Dort präsentieren sie sich auf Unternehmensmessen und in den internen Stellenbörsen. Immer wieder finden sich dort äußerst verlockende Einladungen, die zeigen, wie viel manches Unternehmen bereit ist, in die Nachwuchssuche zu investieren. Etwa, wenn zum Kennenlernen ein Segeltörn veranstaltet, zu einem Rennwochenende, in die Schweizer Berge oder gar nach Schanghai eingeladen wird.

Frauen sind gefragt

Die Frankfurt School of Finance & Management, eine der ersten Adressen, wenn es um den Nachwuchs in der Banken- und Finanzbranche sowie im Management geht, arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, wie Karin Reuschenbach-Coutinho bestätigt. „Wir veranstalten unter anderem Workshops und Events auf dem Campus sowie in den Unternehmen selbst, bei denen immer der Netzwerkaspekt eine Rolle spielt“, sagt sie und kann von einer neuen Entwicklung berichten.

Der neue Campus der Frankfurt School of Finance & Management
Der neue Campus der Frankfurt School of Finance & Management

Viele Unternehmen würden mittlerweile spezielle Events nur für Studentinnen ausrichten, um mehr Frauen zu animieren, sich zu bewerben. Der Andrang der Unternehmen insgesamt sei an der FS ungebrochen, sagt Reuschenbach-Coutinho. Derzeit verzeichnet die Hochschule mehr Anfragen von ihren Alumni, die bereits in den Führungsetagen tätig sind. „Sie kommen gerade verstärkt auf uns zu und nutzen die gewachsenen Kontakte.“ Auch sei die Nachfrage nach Bachelor-Studenten höher geworden. Der „War for Talents“ fange mittlerweile unten an.

„Früher haben sich die Firmen vor allem auf Master-Studenten konzentriert. Heute sind auch die Bachelor-Studenten schon sehr erfolgreich.“ In der Regel arbeiteten sie schon neben dem Studium bis zu 20 Stunden und lernten nicht selten ihren späteren Arbeitgeber als Werkstudent kennen. Das gelte nicht nur für die Bank- und Finanzbranche, sondern sehr stark auch fürs Consulting und IT-Consulting.

Der Pitch um den Job

Auch an der 2010 gegründeten EBS-Universität gibt es feste Formate der Begegnung zwischen Studierenden und Unternehmen. Von der Online-Jobbörse bis zum Karriere-Forum, einem Messe-Format, bei dem die Unternehmen ihre Vorzüge als potenzieller Arbeitgeber herausstellen können. Vor Ort werden bei dieser Gelegenheit häufig bereits erste Bewerbungsgespräche mit zuvor ausgewählten Studenten geführt, bestätigt Jana Stelz.

Eine bei Studierenden und Unternehmen geschätzte Zusammenarbeit an der EBS-Universität besteht darin, dass die jungen Leute in Workshops von den Firmen selbst ausgewählte Aufgabenstellungen lösen können. „Sie arbeiten dann sechs Wochen bis drei Monate als Prüfungsaufgabe an unternehmensrelevanten Fragestellungen, etwa für Daimler oder Google, die sich davon jungen, kreativen Input versprechen und sehen können, wie der einzelne Studierende arbeitet.“

Für die Porsche AG hätten Studierende etwa eine Präsentation zum Thema „The New Workplace“ entwickelt und direkt dem Vorstand vorstellen können. „Die waren so begeistert von der Idee eines Bachelor-Studenten im 4. Semester, dass diese jetzt umgesetzt wird. Das ist für ihn natürlich eine tolle Erfahrung.“ Er werde nach dem Studium sicher ein Angebot von Porsche bekommen, sagt Stelz.

Die EBS in Östrich-Winkel
Die EBS in Östrich-Winkel

Das Interesse der Unternehmen an den Absolventen der EBS-Universität sei klar gestiegen, bestätigt die Sprecherin. Vor allem Firmen aus der Beratungsbranche konkurrieren um die Studierenden. „Wir verzeichnen aber auch eine steigende Nachfrage von kleinen und mittelständischen Unternehmen, speziell von Start-ups.“

Die Firmen seien zudem daran interessiert, neue Formate zur Kontaktpflege mit den Studierenden auszuprobieren und deren kreatives Potential sichtbar zu machen. „Wir arbeiten gerade daran, dass Studierende ihre Persönlichkeit in einer Art Pitch wie bei dem TV-Format ‚Die Höhle der Löwen‘ präsentieren können. Das wird dann wie ein kleiner Wettbewerb um einen Job.“

Überlaufene Schulen

In erster Linie stehen aber die Unternehmen im Wettbewerb um die Absolventen. Und wenn in den Hochschulen bereits Andrang herrscht, liegt es nah, dass manche Firmen noch einen Schritt weiter gehen. „Wir gehen heute schon in die Privatschulen hinein und schauen, welche künftigen Talente wir dort fördern können“, bestätigt der Personalchef eines großen Frankfurter Unternehmens unter der Hand.

Das Internat Lucius bei Echzell
Das Internat Lucius bei Echzell

Die Internatsschule Institut Lucius in Echzell bei Friedberg kann dies zwar nicht bestätigen, bietet ihren Schülern aber Karrieretage, an denen sehr gute Hochschulen sich vorstellen, und sogenannte „Burggespräche“, in denen Ehemalige und Referenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur für den weiteren Ausbildungs- und Berufsweg sensibilisieren. „Viele unserer Ehemaligen, die erfolgreiche Geschäftsleute geworden sind, bieten den heutigen Schülern an, sie als Mentor durch das Studium zu begleiten oder bieten einen Praktikumsplatz an“, berichtet Vera Y. Kissner von der Internatsleitung der Oberstufe.

Vera Y. Kissner vom Internat Lucius
Vera Y. Kissner vom Internat Lucius

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die privaten, speziell die internationalen Schulen den Weg in die
 Chefetagen der Banken und Unternehmen in jedem Fall erleichtern. Entsprechend gefragt sind die Plätze dort.

Das führt zu einem Paradoxon: Während sich die Absolventen privater Hochschulen die Führungspositionen fast schon aussuchen können und die Arbeitgeber immer häufiger ihren Fokus auch auf Bewerber richten, die fachlich vielleicht keine Bestnoten haben, dafür aber mit Persönlichkeit punkten können, liegt die größte Schwierigkeit für künftige „High Potentials“ am Beginn ihrer Schullaufbahn und der praktischen Frage, wie sie einen Platz an einer internationalen Schule bekommen.

Brexit & Schulplatzgarantien

Frankfurts Banken, die mit den Schulen eng kooperieren, haben in der Regel Kontingente an Plätzen für die eigenen Führungskräfte. Bei der Frankfurt International School, der mit 1.800 Schülern in Oberursel und Wiesbaden größten internationalen Schule Deutschlands, wird aber maximal jeder zehnte Platz für Firmenkunden-Partner reserviert. Im Dezember hätte die Schule so viele Anfragen bekommen wie im gesamten Vorjahr, bestätigte diese kürzlich.

Die Frankfurt International School (FIS)
Die Frankfurt International School (FIS)

Das ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass aufgrund des Austritts Großbritanniens aus der EU weitere englischsprachige Führungskräfte mit ihren Familien nach Frankfurt strömen. Auch ihre Kinder sollen natürlich eine internationale Schule besuchen. Sowohl die Deutsche Bank, Goldman Sachs, als auch Morgan Stanley und J.P. Morgan sollen sich bereits Schulplatzgarantien vertraglich gesichert haben.


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