Das Internet der Dinge ist in aller Munde und mit dem Erfolg der Spracherkennung Alexa scheint es greifbar geworden. Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner haben errechnet, dass es 2020 26 Milliarden Geräte geben wird, die allesamt unermessliche Datenmengen produzieren. Diese Prognose wurde bereits nach oben korrigiert, so dass im Moment eine Geräteanzahl von 50 Milliarden diskutiert wird.

Aber was passiert, wenn das Internet gar nicht zu den Dingen kommt? Wenn also die vorhandene IT-Infrastruktur in den Städten nicht ausreicht, um die wachsenden Datenmengen auf den Weg zu bringen? Eine solche Situation kann sich in Zukunft kein Standort leisten – sie hätte drastische Folgen für Wirtschaft und Privathaushalte.

„Es muss ein stärkeres Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Bedeutung einer funktionierenden IT-Infrastruktur geweckt werden. Vor allem auch für die Wichtigkeit des digitalen Knotenpunkts in Frankfurt. Über ihn laufen alle Daten aus Deutschland und halb Europa. Dafür engagieren wir uns beim Digital Hub FrankfurtRheinMain e.V.“, erklärt Frank J. Zachmann. Der Vorstandsvorsitzende des IT-Interessenverbandes ist ein Mann der ersten Stunde in der Frankfurter IT-Szene.

Frank J. Zachmann
Frank J. Zachmann

Vor 18 Jahren war er zum Start der Internetindustrie in Frankfurt bei der später verkauften Exodus Communications als Geschäftsführer tätig. Später war er bei Equinix und Interxion in führenden Rollen für die Geschäftsentwicklung auf nationaler und internationaler Ebene verantwortlich und hat ein enormes Wachstum in der Branche miterlebt und geprägt.

Maßgeschneiderte IT-Lösungen

2016 hat er mit seinem Partner Jörg Tennigkeit die innovIT360 AG gegründet, die Beratung und Lösungen für maßgeschneiderte IT-Infrastrukturen von Unternehmen anbietet. Das können beispielsweise bedarfsgerechte IT-Umgebungen mit allen zugehörigen Infrastrukturkomponenten – vom Datensafe bis zum eigenen RZ – sein. Der Schwerpunkt dieser Rechenzentrumsmanufaktur liegt in der bedarfsgerechten Bereitstellung von IT-Infrastruktur. Dabei spielen auch positive Energiebilanzen für Unternehmen und Umwelt eine Rolle.

„Die Region Frankfurt ist der globale Digital Hub Nummer 1“ – Frank J. Zachmann

Durch seine ehrenamtliche Arbeit für den Digital Hub FrankfurtRheinMain e.V. möchte Zachmann dem gesamten Thema IT-Hochverfügbarkeit eine höhere Beachtung verschaffen und einen digitalen Masterplan für die Stadt und die Region in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Politik und Anbietern erarbeiten.

Der Interessenverband ist ein Netzwerk aus Rechenzentrumsbetreibern, ITK-Spezialisten, Finanz-, Wirtschafts-, Standort- und Technologieexperten, Infrastrukturanbietern, Hochschulen und Wissenschaftsinstituten, das als gemeinsame Basis für den dauerhaften globalen Erfolg des IT-Standorts Frankfurt-Rhein-Main agieren möchte.

Das Zeug zur IT-Megacity

Frankfurt-Rhein-Main zählt heute zu den Standorten, die eine weltweite Hochverfügbarkeit anbieten können. Das bedeutet, eine kontinuierliche und verlässliche Verbindung mit dem Internet, die für Unternehmen allgemein und Banken insbesondere unabdingbar geworden ist. Die Region erlaubt momentan die beste internationale Konnektivität und ist damit die Schaltzentrale der Wirtschaft und Rechenzentrumshauptstadt in Europa.

Harald A. Summa, Gründer Eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. und Geschäftsführer von DE-CIX
Harald A. Summa, Gründer Eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. und Geschäftsführer von DE-CIX

Das zeigt auch die Studie „Nutzbare digitale Infrastrukturen – Garant für Wachstum der digitalen Wirtschaft in Frankfurt am Main“, die der IT-Interessenverband Anfang des Jahres herausgegeben hat. Danach hat keine andere Region weltweit mit nahezu 50 Terabit pro Sekunde (Tbps) eine höhere, installierte IP-Kapazität als der Großraum Frankfurt am Main.

„Die Digitalisierung ist eine große Chance für den Großraum Frankfurt. Dafür müssen wir alle großen Player an einen Tisch bringen“, erklärt Harald A. Summa, Geschäftsführer von DE-CIX.

Treiber für das Datenwachstum

Das digitale Herz der IT-Infrastruktur in Frankfurt-Rhein-Main ist der DE-CIX, der 1995 gegründete Internetknoten – er ist vom Datendurchsatz her der größte der Welt. Über 1000 Netzbetreiber, Internet Service Provider (ISP) und Content-Anbieter aus mehr als 60 Ländern sind am DE-CIX angebunden.

Der Datendurchsatz liegt in Spitzenzeiten bei 5,6 Terabit pro Sekunde. Diese Übertragungsgeschwindigkeit ermöglicht zum Beispiel den Aufbau von mehr als 80 Millionen simultaner Telefongespräche. Ein großer Treiber für das globale Datenwachstum sind dabei bewegte Bilder wie Video-Streaming, Online Gaming und nutzergenerierte Inhalte in den sozialen Netzwerken wie Youtube oder Facebook. Über den Internetknoten in Frankfurt laufen rund 90 Prozent des deutschen und rund 35 Prozent des europäischen Datenverkehrs.

Das eher abstrakte Gebilde verteilt sich auf die Rechenzentren mehrerer Betreiber im Frankfurter Stadtgebiet. „Die Region Frankfurt Rhein-Main ist heute der globale Digital Hub Nummer 1. Aber um auch in Zukunft gegen aufstrebende europäische und internationale IT-Metropolen zu bestehen, müssen wir weiter denken. Die verlässliche Versorgung durch digitale Infrastrukturen ist dafür eine Grundvoraussetzung“, sagt Zachmann.

Gemeinsame Wachstumsstrategien

Dass das Internet nicht von allein aufs iPad oder iPhone kommt, spürt man meistens erst, wenn es  nicht funktioniert oder Verbindung durch Störungen unterbrochen ist. Jeder von uns weiß, wie ärgerlich es ist, wenn man kurzzeitig nicht an seine Daten kommt, keine E-Mails abrufen kann etc. Bei Unternehmen können sich solche Ausfälle gleich verheerend auswirken.

Backup-Systeme sind deshalb heute unabdingbar, entweder in externen Rechenzentren oder in der Cloud. Aber auch ein cloudbasierter Dienst kann Opfer einer Störung werden, was dann gleich weite Kreise zieht. Alle Unternehmen, ganz gleich, ob sie den Cloud-Dienst direkt, das Content-Delivery-Network (CDN) oder einfach nur das Netzwerk nutzen, sind dann betroffen. Wenn Unternehmen gerade auf die Cloud-Dienste nicht mehr zugreifen können, von denen ihr Geschäftsmodell abhängt, wandern Kunden ab und die Reputation leidet.

„alles, was täglich genutzt wird, hängt von digitaleR Infrastruktur ab.“ – Frank J. Zachmann

Stabile IT-Infrastrukturen basieren auf einem Glasfasernetz, das stetig erweitert wird und eine störungsfreie und schnelle Datenübertragung gewährleistet, sowie auf hochmodernen, leistungsfähigen Rechenzentren. Das alles sind weitere Wettbewerbsvorteile einer Volkswirtschaft, die digitale Dienstleistungen wie Cloud Computing oder die Nutzung mobiler Netzwerkdienste überhaupt erst ermöglichen.

„Fast alles, was tagtäglich produziert und genutzt wird, hängt von funktionsfähigen digitalen Infrastrukturen ab“, erklärt Zachmann. Deshalb setzt er sich in seinem Interessenverband auch für einen Dialog der verschiedenen Akteure ein.

„Anbieter, Wirtschaft und Politik müssen sich aufeinander zubewegen und gemeinsam tragfähige Konzepte für die Zukunft entwickeln, damit Frankfurt im digitalen Wettbewerb weiter mitspielen kann“, wünscht sich Zachmann.

Gemäß der aktuellen Studie des Interessenverbands sind digitale Infrastrukturen der Garant für Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszuwachs. Digitale Infrastrukturen tragen nicht nur mit mindestens einem Prozentpunkt pro Jahr nachhaltig zum BIP-Wachstum bei. Sie schaffen auch Arbeitsplätze und erzielen mit einer Transformationsrate von mindestens 2,4 Arbeitsplätzen positive indirekte Effekte auch bei der Beschäftigungstransformation.

Positive Energieeffizienz

Dabei lassen sich moderne Rechenzentren heute energieeffizient betreiben. Dafür ist es aber wichtig, dass ihre Ausstattung sich immer auf dem neuesten Stand der Technik befindet. Modulare Lösungen und innovative Konzepte beispielsweise bieten für Stromverbrauch, Klimakonzept und Datenverteilung Kostenvorteile, die einen wirtschaftlichen und ökologisch optimierten Betrieb gleichermaßen zulassen.

Johannes Schäfer, Projektleiter Digitale Infrastruktur, mit Wirtschaftsdezernent Markus Frank
Johannes Schäfer, Projektleiter Digitale Infrastruktur, mit Wirtschaftsdezernent Markus Frank

„Auch Rechenzentren werden immer weiter Richtung Nachhaltigkeit entwickelt – und an solchen Konzepten muss man gemeinsam arbeiten, denn die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Arbeitsbereiche nimmt zu. Und die Nutzung digitaler Infrastrukturen ist ein Basiselement, um im Wettbewerb der Talente den Zuzug und das Bleiben hochqualifizierter Arbeitskräfte in einer Metropolregion zu unterstützen“, weiß Zachmann.

Der Digital Hub Frankfurt-Rhein-Main e.V. veranstaltet regelmäßig Symposien zu aktuellen Themen der Digitalisierung am Standort Frankfurt Rhein Main. Mitglieder kommen aus Unternehmen, die zukunftsfähige digitale Infrastrukturen planen, implementieren und betreiben. Sie befassen sich mit den aktuellen wie künftigen Innovationsfeldern der digitalen Wirtschaft und arbeiten gemeinsam für stabile und gesicherte Rahmenbedingungen einer zukunftsorientierten Wirtschaftsmetropole Frankfurt.


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