Die Rennstrecke des Michael Schumacher Kart und Event–Center in Kerpen
Die Rennstrecke des Michael Schumacher Kart und Event–Center in Kerpen

Es ist die wichtigste Talentschmiede für den Motorsport: Karting. Der Sport erlebt derzeit allerdings einen Wandel. Die Diskussion um Elektromobilität hat das Kartfahren längst erreicht. Und es tut sich etwas. Nicht nur der übergeordnete Verband lässt sich auf strombetriebene Karts ein, auch ein Frankfurter Unternehmer setzt auf die neuen Technologien. Der erfolgreiche Kartpilot Niklas Gränz hingegen ist skeptisch. Von Niklas Mag

Mit zaghaften fünf Jahren stapfte der kleine Michael Schumacher einst über die Kartbahn in Kerpen. Seinen Helm unter dem Arm, ahnte er nicht, dass aus ihm einer der berühmtesten Rennpiloten aller Zeiten wird. Noch heute gilt: Wer einmal auf dem Siegertreppchen der Formel 1 in Monaco, Hockenheim oder Melbourne stehen will, fährt seine ersten Meter in einem Kart: Sebastian Vettel, Lewis Hamilton und Max Verstappen. Die Liste der Fahrer, die in ihrer Anfangszeit jede freie Minute in den kleinen Rennwagen verbracht haben, ist lang und prominent besetzt.

Kartpilot Niklas Gränz
Kartpilot Niklas Gränz

Organisiert sind junge Kartpiloten in Clubs und Vereinen, die sich um die Ausbildung der Fahrer kümmern. So hat auch Niklas Gränz einmal beim KV Oppenrod, 60 Kilometer von Frankfurt entfernt, angefangen: „Als Dreijähriger habe ich begonnen, Kart zu fahren. Mein Vater hat viel mit Motorsport zu tun und hat mich damals mitgenommen“, berichtet der mittlerweile 21-Jährige.

Gränz studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg und ist erst kurz vor Weihnachten aus Brasilien zurückgekehrt. Dort hat er Deutschland im Dezember bei der Kart-Weltmeisterschaft vertreten. „Ich bin 2018 Deutscher Meister geworden. Dadurch habe ich mich für die Weltmeisterschaft in Brasilien qualifiziert.“ Fahrer aus aller Welt kamen dort im Dezember zusammen, um unter sich den besten Kartpiloten auszumachen.

„Die Qualität der Strecke war der in Deutschland ähnlich. Die Fahrer, auf die man trifft, sind allerdings sehr verschieden“, beschreibt Niklas Gränz seine Erfahrungen. „Viele nutzten auf der Strecke Taktiken und Strategien, die ich noch nicht kannte.“ Damit musste er sich auseinandersetzen. Leider lief die Weltmeisterschaft sehr enttäuschend für den jungen Fahrer aus dem mittelhessischen Hungen. „Wir hatten vor Ort eine Woche, um zu trainieren, doch beim Rennen kam noch Pech dazu, und so hat es nur für Platz 60 von 360 gereicht“, erklärt Niklas Gränz.

Es reizt mich, jede Runde ein klein wenig besser zu werden und dieses Limit nach hinten zu verschieben. – Kartpilot Niklas Gränz

Das entmutigt ihn aber keineswegs: „Ich möchte mich unbedingt wieder für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Das ist mein Ziel“, sagt er. Ihm geht es bei seinem Hobby nicht um Adrenalin oder den Rausch der Geschwindigkeit. Viel mehr reizt es ihn, jede Runde ein klein wenig besser zu werden und dieses Limit nach hinten zu verschieben.

Kart Grand Finals in Conde-Paraíba, Brasilien
Kart Grand Finals in Conde-Paraíba, Brasilien

Leichter zu fahren

Karting ist nicht nur ein Wettkampf-Sport. Auch im Freizeitbereich haben sich die kleinen Rennwagen etabliert. Es gibt Kartbahnen und Eventveranstalter, bei denen sich jeder zum Spaß in die kleinen Rennboliden setzen kann. Der Frankfurter Unternehmer Andreas Weiland baut derzeit im Stadtteil Frankfurter Berg mit seinem Sohn Keven die modernste Kartanlage Europas, „Eco Kart“.

Dessen Besonderheit ist, dass die Fahrzeuge ausschließlich mit Strom betrieben werden. Denn die Branche befindet sich im Wandel, meint Weiland. „Die Bahn soll auf drei Höhenebenen verlaufen und ist etwa 600 Meter lang“, erklärt der Unternehmer sein ehrgeiziges Vorhaben.

Die Anlage komplett auf neue Technologien auszurichten, war Weilands Grundidee und bestand bereits vor Beginn der Planungen. „Wir wollen den Menschen Elektromobilität näherbringen. Das ist die Zukunft“, ist der Unternehmer überzeugt. Die Karts haben eingebaute Boxen und geben beim Fahren den Sound eines V8-Motors wieder.

Die E-Karts werden, anders als Benzin-Karts, mit zwei Motoren betrieben und sind für den Fahrer dadurch deutlich kraftsparender. „Normalerweise sitzt der Motor rechts oder links. Die Karts sind also nicht gut ausbalanciert. Für leichtere oder kleinere Fahrer sind diese schwierig zu steuern“, so Weiland.

Hinzu kommen technische Vorteile. So kann die maximale Leistung der E-Karts bequem am Computer erhöht oder gedrosselt werden. Bis zu 31 Pferdestärken erreichen die Motoren der kleinen Flitzer. Doch Andreas Weiland weiß auch um die Nachteile, die die E-Karts mit sich bringen. „Die Karts können eine Stunde fahren, dann ist der Akku leer. Wir können dann nicht einfach schnell nachtanken, sondern müssen sie aufladen“, schildert der Unternhemer. Damit immer fahrbare Karts an der Bahn bereitstehen, benötigt er fast die doppelte Menge an Fahrzeugen. Aus mehr als 30 E-Karts besteht die Flotte. Fünf Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen von Andreas Weiland in „Eco Kart“. Für die Eröffnung peilt er den Spätsommer dieses Jahres an.

Entwicklungslabor der Industrie

Aber wie sieht es im Wettkampfsport mit der Elektromobilität aus? Der Kartpilot Niklas Gränz verfolgt die Entwicklungen im Kartsport sehr genau und hat auch als angehender Ingenieur eine klare Meinung zur Veränderung, die der Motorsport gerade erlebt: „Grundsätzlich glaube ich, dass der Elektromotor den Benzinmotor ablösen kann. Ich denke aber nicht, dass der Kartsport bereit dafür ist“, findet Niklas Gränz. „E-Karts sind technisch sehr kompliziert. Man muss dafür extra ausgebildet sein.“ Das könnten die Vater-Sohn-Teams, die im Kartsport allgegenwärtig sind, nicht leisten.

„Elektromobilität spielt in allen Bereichen des Motorsports eine große Rolle, weil Motorsport traditionell zu den Entwicklungslabors der Automobilindustrie gehört.“ – Michael Kramp, DMSB

Dennoch tut sich etwas. Das bestätigt Michael Kramp, Sprecher des Deutschen Motorsportbundes (DMSB): „Elektromobilität spielt in allen Bereichen des Motorsports eine große Rolle, weil Motorsport traditionell zu den Entwicklungslabors der Automobilindustrie gehört.“ Der DMSB habe bereits 2013 den Einsatz eines E-Kart-Prototyps bei einem 24-Stunden-Rennen in Köln unterstützt.

Im vergangenen Jahr ist zudem die DEKM (Deutsche Elektro-Kart Meisterschaft) gestartet. Diese weltweit erste rein elektrische Kartmeisterschaft wird unter der Flagge des DMSB ausgetragen: „Für die nächste Generation“, bewirbt der Motorsportbund die E-Meisterschaft online. Somit zeichnet sich auch im Wettkampfbereich ein erster Ruck in Richtung E-Mobilität ab. Welche Auswirkungen das auf den professionellen Rennsport in der Zukunft haben wird, bleibt vorerst Spekulation. Doch wer weiß? Vielleicht ist ja ein zukünftiger Weltmeister unter den Fahrern, die seit vergangenem Jahr rein elektrisch über die Piste rauschen.


Kart bahnen in Frankfurt und Rhein-Main

Wer selbst den Rausch der Geschwindigkeit spüren möchte, hat im Rhein-Main-Gebiet gleich mehrere Möglichkeiten:

Kart Racing Mainz
www.Indoorkart-mainz.de

Fahrwerk, Groß-Zimmern
www.fahrwerk.de

Kartbahn A60, Heidesheim
www.kartbahn-mainz.de

Kartbahn Hungen
www.kartbahn-hungen.de

Limpark Limburg
www.limpark.de


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