Ein Luxus-Handy, das eigentlich 24.000 Euro kostet und bei einer Internetauktion zum Starpreis von nur einem Euro angeboten wird, ist kein Schnäppchen, sondern ganz offensichtlich eine Fälschung. Das sieht der Bundesgerichtshof jedoch anders…

Luxus ist keine Frage des Preises
Luxus ist keine Frage des Preises

Der Text, mit dem der Verkäufer das vermeintliche Luxushandy bei Ebay anpries, lautete wie folgt: „Hallo an alle Liebhaber von Vertu – Ihr bietet auf ein fast neues Handy (wurde nur zum Ausprobieren ausgepackt). Weist aber ein paar leichte Gebrauchsspuren auf (erwähne ich der Ehrlichkeit halber). Hatte 2 ersteigert und mich für das gelb-goldene entschieden. Gebrauchsanweisung (englisch) lege ich von dem gelb-goldenen bei, das andere habe ich auch nicht bekommen. Dazu bekommt ihr ein Etui, Kopfhörer und Ersatz-Akku. Privatverkauf, daher keine Rücknahme. Viel Spaß beim Bieten.“

Der Startpreis von einem Euro ließ einige Bieter wohl doch ihren Realitätssinn über Bord werfen, und so ging das begehrte Stück für 782 Euro (auch dieser Preis mehr als dubios) an den späteren Kläger. Er behauptete, es handle sich um eine Fälschung, und forderte mehr als 23.000 Euro Schadenersatz – den Differenzbetrag zu einem echten Handy der Luxusmarke. In den Vorinstanzen hatte er mit der Klage keinen Erfolg, und so landete der Fall vor dem Oberlandesgericht, das prüfen musste, ob nach den konkreten Umständen der Kauf eines Originalprodukts vereinbart war. Doch der findige Verkäufer hatte den Markennamen in seinem Angebot geschickt verpackt und richtete sich darin an „Liebhaber von Vertu“, ohne zu versprechen, dass es sich um ein echtes Markentelefon handelt.

Dementsprechend begründet der Vorsitzende Richter des BGH Wolfgang Ball das Urteil wie folgt: „Der Startpreis besagt nichts über den Wert des Angebots. Ein niedriger Startpreis schafft Anreize und senkt die Angebotskosten.“ Und vor allem lässt er viele manchmal vergessen, was im Grunde jeder weiß: Luxus hat seinen Preis. (nr)