Die meisten Frankfurter Geschäftsleute kennen Prof. Dr. Mathias Müller als Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. Seit Oktober 2013 ist der gebürtige Mainzer auch ehrenamtlicher Vertreter des Sultanats Oman. Von Sabine Börchers

An seinem Revers trägt Mathias Müller ein goldenes Abzeichen mit zwei gekreuzten Krummschwertern und dem Khanjar-Dolch. Ursprünglich das Emblem der Sultansdynastie des Oman, ist es heute auch das Nationalsymbol des gesamten Landes. Bei seiner Ernennung zum Honorarkonsul des Oman vor gut eineinhalb Jahren bekam Mathias Müller das Abzeichen, das im Sultanat sogar als Schmuck an einer Halskette getragen wird, vom Botschafter geschenkt. Auch die Flagge, die in der Ecke des Büros in der Industrie- und Handelskammer steht, trägt auf dem roten Balken den Dolch und die beiden Schwerter.

Prof. Dr. Mathias Müller, Honorarkonsul des Oman
Prof. Dr. Mathias Müller, Honorarkonsul des Oman
In einem eigens dafür angemieteten Raum im gerade frisch sanierten IHK-Gebäude betreibt Müller das Konsulat. Publikumsverkehr gibt es dort eher selten und nur nach Voranmeldung. Die Omaner in Deutschland seien nur eine kleine Gemeinschaft, sagt er und schätzt sie auf einige Hundert, viele davon Studenten. Bleibe ein Reisender des Landes einmal bei der Abfertigung am Flughafen hängen, sei das Konsulat die erste Anlaufstation. „Das können wir meist mit ein paar Telefonaten regeln.“ Offizielle Papiere und Visa gibt Müller ohnehin nicht aus. „Die einzige siegelführende Stelle in Deutschland ist die Botschaft in Berlin“, erläutert er. Neben ihr betreibt er jedoch das einzige Honorarkonsulat des Landes in der Bundesrepublik, mit einer Zuständigkeit, die von Hessen über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen bis nach Bayern und ins Saarland reicht. Ein großes Gebiet, wie er selbst einräumt, auch wenn er in der Regel nur selten zu Empfängen oder Gesprächen nach Stuttgart oder München reist. „Mittelfristig ist sicher zu überlegen, ob nicht ein weiteres Honorarkonsulat, etwa in München sinnvoll wäre, um den Süden besser abzudecken.“

Ohne eigenes Zutun

Gekommen ist Mathias Müller zu der ehrenamtlichen Aufgabe ohne eigenes Zutun. Die Staatskanzlei in Wiesbaden habe bei ihm angefragt, ob er sich vorstellen könne, das Amt zu übernehmen, weil der vorherige Konsul verstorben sei, erzählt er. Es war nicht die erste Anfrage, eine solche ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen, die an ihn gerichtet wurde, bestätigt er außerdem. IHK-Präsidenten sind wegen ihrer Wirtschaftskontakte in der Regel gern gesehene Honorarkonsuln. Doch der Oman war das Land, bei dem Müller zusagte. Und das nicht nur, weil er in den frühen 90er Jahren regelmäßig in den Golfstaaten unterwegs war. „Ich denke, der Oman ist ein Land, das sich im Aufbruch befindet und das sehr konkrete Vorstellungen davon hat, die sozialen, bildungs- und ökonomischen Fragen anzugehen und auszutarieren.“ Das Sultanat setze besonders auf die Bildung seiner jungen Bewohner und denke damit über die Zeit hinaus, in denen die Rohstoffe nicht mehr sprudeln.

Wichtige Wirtschaftskontakte

S. E. Khalid S. Ba’Omar überreicht Prof. Dr. Mathias Müller die Ernennungsurkunde.
S. E. Khalid S. Ba’Omar überreicht Prof. Dr. Mathias Müller die Ernennungsurkunde.

Müller, der seit 2009 Präsident der IHKFrankfurt ist, sieht daher seine Hauptaufgabe darin, wirtschaftliche Kontakte zwischen dem Sultanat und deutschen Firmen aufzubauen. „Der Botschafter in Berlin ist sehr wirtschaftsaffin, sodass diese Begegnungen ausdrücklich gewünscht sind“, sagt Müller. Dabei kann er beide Ehrenämter durchaus miteinander verbinden. In der kurzen Zeit, in der er Honorarkonsul ist, hat er bereits mehrfach Unternehmer aus beiden Ländern zusammengebracht. So veranstaltete er im vergangenen Jahr gemeinsam mit der IHK einen Businesstag Oman mit rund 120 Gästen, zu dem auch der Staatssekretär für Wirtschaft des Sultanats nach Frankfurt kam. Die Gegeneinladung folgte schnell. Im Februar 2015 reiste Müller mit einer entsprechenden Delegation und dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in den Oman, wo sie Gespräche über Themen wie erneuerbare Energien und Medizintechnik führten. Die Entwicklung im Land mit Großprojekten wie dem Eisenbahnnetz, das einst alle Golfstaaten von Kuwait bis in den Oman verbinden soll, aber auch einem Tiefsee-Containerhafen und einem großen Logistikzentrum sei für deutsche Unternehmen interessant, betont der Honorarkonsul. „Sie rollen den Deutschen keinen roten Teppich aus, aber Made in Germany hat im Oman einen Ruf wie Donnerhall.“ Beim Thema Wirtschaft ist Müller in seinem Element, das ist schnell zu merken. Drei- bis viermal im Jahr reist er in den Oman, um dort Gespräche mit der Außenhandelskammer zu führen, die die deutschen Unternehmen betreut. Viele würden den Oman als Sprungbrett Richtung Afrika oder Indien sehen und sich deshalb dort ansiedeln. „Der Schlüssel dazu ist es, den richtigen Partner zu finden, einen so genannten Sponsor“, erläutert Müller. Dieser habe die richtigen Verbindungen, helfe bei den Genehmigungsprozessen und bekomme dafür einen gewissen Geschäftsanteil.

Hotel mit Eisbahn

Wappen Omans
Wappen Omans

Müller verfolgt die Entwicklung im Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten seit vielen Jahren. Anfang der 90er Jahre, als er noch im Konferenz- und Messegeschäft tätig war, habe er für das Institute for International Research überwiegend in Dubai Messen aufgebaut. „Damals gab es statt der Hotels noch viel Sand. Aber das erste Haus am Platz hatte eine Eisbahn, das war schon skurril“, erinnert er sich. Später wechselte er in die Immobilienbranche, in der er heute noch hauptberuflich als Geschäftsführender Gesellschafter der Immobilienwirtschaftlichen Beratung GmbH in Hofheim tätig ist und als Honorarprofessor an der Dualen Hochschule in Baden-Württemberg lehrt. Dass Müller ursprünglich aus einer ganz anderen Richtung kommt, wissen wohl die Wenigsten. „Ich war mal Sozialarbeiter“, erzählt er. Schließlich studierte er Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität und promovierte anschließend über eine erfolgreiche Umschulungsmaßnahme. Auch er wechselte daraufhin die Branche und ging erst zu einem IT-Unternehmen in Sulzbach und dann als Geschäftsführer ins besagte Messegeschäft. Dubai sei bis heute ein wichtiger Messestandort, wo unter anderem die von der Frankfurter Messegesellschaft organisierte weltgrößte Sicherheitsmesse Intersec stattfinde; damit ist er gleich wieder beim Thema Wirtschaft angelangt.

Medizinisches Netzwerk

Für die deutsche Medizinbranche nicht unerheblich dürfte die Tatsache sein, dass die Angehörigen der Herrscherdynastien und andere wohlhabende Familien aus den Golfstaaten häufig nach Deutschland kommen, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Es ist auch ein Thema, mit dem sich Müller als Honorarkonsul ab und zu beschäftigt. In Deutschland habe sich ein Netzwerk von medizinischen Einrichtungen herausgebildet, die sich auf diese Patienten spezialisiert haben, indem sie entsprechende Suiten und Verpflegung anbieten. „Wir geben solche Informationen auf Anfrage weiter“, sagt Müller. Auch das Staatsoberhaupt des Oman, Sultan Qabus ibn Said, wurde kürzlich acht Monate lang in Deutschland medizinisch behandelt. Er besitzt seit langem ein Anwesen in Garmisch-Partenkirchen. „Ich habe ihn aber noch nicht kennengelernt“, sagt Müller. Dass der Oman eine absolute Monarchie ist, deren Oberhaupt in Personalunion Premierminister, Außen-, Verteidungs- und Finanzminister sowie Oberkommandierender der Armee ist, hielt den IHK-Präsidenten nicht davon ab, das Ehrenamt des Honorarkonsuls zu übernehmen. „Der Sultan regiert nicht alleine, es gibt demokratische Regularien und der Einfluss der mehr als 150 Berberstämme im Land ist groß“, erläutert Müller. Der Sultan habe es mit politischer Behutsamkeit geschafft, Schritt für Schritt die Gesellschaft zu modernisieren und das Land für den wirtschaftlichen Fortschritt zu öffnen. Anders als in anderen Golfstaaten gebe es beispielsweise viele Frauen in der Geschäftswelt. An der einzigen deutschen Universität auf der Arabischen Halbinsel, der ersten privaten Universität im Oman, sei die Hälfte der Studenten weiblich. Auch als touristisches Ziel lohne sich der Oman, betont Mathias Müller. „Das Land legt viel Wert auf Nachhaltigkeit und setzt zum Beispiel auf Ökotourimus.“ Eine Reise in den Golfstaat lohne sich in jedem Fall. „Wenn man sich persönlich kennenlernt und austauscht, versteht man auch die Werte und das kulturelle Selbstverständnis des anderen besser.“