Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Hochtaunus, die als „Meine Bank“ firmiert
Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank im Hochtaunus, die als „Meine Bank“ firmiert

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus, die als „Meine Bank“ firmiert, hat sich für die Zukunft gewappnet. Seit Jahren fährt die Bank einen konsequenten Expansionskurs. Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender seit 2010, freut sich über die Dynamik. „Als ich 2008 in den Vorstand eintrat, bezifferte sich die Bilanzsumme auf 200 Millionen Euro“, erzählt er. „Heute liegt sie bei rund 620 Millionen Euro.“ In den vergangenen Jahren sei man jährlich um 20 bis 25 Prozent gewachsen, sagt der 51-Jährige. Der gebürtige Unterfranke führt den Erfolg auf ein florierendes Immobiliengeschäft und die rigorose Trennung von Filial- und Online-Bank zurück. „Entscheidend ist das richtige Geschäftsmodell.“

Kommt der Besucher in die Zentrale nach Bad Homburg, überrascht der weite Blick in die Landschaft. Links erhebt sich der Taunus und rechts in der Ebene erstreckt sich die Skyline von Frankfurt. Damit ist das Spannungsfeld einer immer noch recht kleinen Raiffeisenbank umschrieben, die ihren regionalen Mitgliedern verpflichtet ist und gleichzeitig Antworten auf globale Herausforderungen finden muss.

In diesem Jahr wird die Bank, die bis vor kurzem noch Raiffeisenbank Oberursel hieß, 150 Jahre alt. Sie residierte jahrzehntelang in einem altehrwürdigen Gebäude im Oberurseler Ortsteil Oberstedten – einem 6.000-Seelen-Dorf. Doch nicht erst mit dem Umzug nach Bad Homburg in ein modernes Bürohaus im Sommer 2018 begann die neue Zeit.

Spezialität Immobilien

Zielstrebig haben Brunner und Kollegen schon vorher ein Team von Immobilienfachleuten aufgebaut. Inzwischen betreuen die Spezialisten bundesweit 180 Projektentwickler. „Das ist der Motor unserer Entwicklung“, erläutert der Vorstandschef. Bei der Finanzierung hole man sich immer wieder Partner mit ins Boot. „Wir genießen große Anerkennung und fungieren häufig als Konsortialführer“, berichtet er.

„Wir sind für die Immobilienbranche eine feste Größe und können auch komplexe Finanzierungsvorhaben dank unseres großen Netzwerks umsetzen“ – Achim Brunner, Meine Bank

80 Prozent der Vorhaben betreffen zur Zeit den Wohnungsbau, der Rest ist gewerblich. Bauträger, Immobilienprojektentwickler und Investoren vertrauen auf die umfassende Expertise und die schnellen und verlässlichen Entscheidungen des Finanzinstituts. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus etablierte überdies mit der Tochter GENOPORT Kreditmanagement GmbH eine digitale Plattform, um die Prozesse mit den Geschäftspartnern zu strukturieren und abzuwickeln. IMAXX, eine weitere Tochtergesellschaft, hat sich als Ansprechpartnerin für den Kauf und Verkauf sowie die Vermarktung von Wohn- und Gewerbeimmobilien in der Region Rhein-Main zusätzlich etabliert. „Wir sind für die Immobilienbranche eine feste Größe und können auch komplexe Finanzierungsvorhaben dank unseres großen Netzwerks umsetzen“, resümiert Brunner.

Null-Euro-Konto

Für großes Aufsehen hat die „Firewall“ gesorgt, die zwischen der Filialbank und der Online-Bank gezogen wurde. Der Schnitt vollzog sich am 1. August 2017. Wer seine Bankgeschäfte nur noch digital abwickelt, zahlt seither keine Gebühren mehr. Ein unentgeltliches Girokonto bieten nur ganz wenige Kreditinstitute noch an. Wer allerdings weiter von einer Filiale betreut werden möchte, ist mit monatlich 30 Euro für die Kontoführung dabei. Das ist nicht gerade wenig, wie Brunner einräumt. „Dafür bieten wir eine umfassende Betreuung inklusive Kreditkarte mit Versicherungsschutz an“, erklärt er. „Außerdem haben wir unsere Filialen in Oberursel, Kalbach, Steinbach und Wehrheim erhalten können.“

Kundige Beratung

Mit 38 Prozent hätten sich überraschend viele Kunden für das Premiumangebot entschieden. „Mit einem so hohen Prozentsatz hatte ich gar nicht gerechnet“, meint Brunner rückblickend. Auch viele jüngere Kunden hätten für das Rundumsorglospaket votiert. Es gebe über die Generationen hinweg Menschen, die einfach beraten werden wollten und ihre finanziellen Angelegenheiten am liebsten über Gespräche mit geschulten Mitarbeitern regeln. Dafür halte man die entsprechende Infrastruktur vor. „Unser Vorgehen ist fair und transparent“, hebt der Vater von vier Kindern hervor. „Jeder hat die Wahl.“

Nur ganze fünf Prozent seien nach der Einführung der Trennung in Online-Bank und Filialbank abgesprungen, berichtet ergänzend Christian Zilch, der Bereichsleiter Vertrieb. „Das haben wir aber längst mit neuen Kunden wettgemacht.“ Der geschützte Name „Meine Bank“, der auch als Werbebanner in der Commerzbankarena bei Spielen der Frankfurter Eintracht zum Einsatz kommt, sei auch für die Akquise im Online-Banking attraktiv.

„In acht bis zehn Minuten haben wir ein Konto elektronisch eingerichtet. Zur Identifikation reicht es, den Ausweis vor die Kamera zu halten“- Achim Brunner, Meine Bank

Online-Konto in Minuten

„Er muss natürlich auch mit gutem Service eingelöst werden“, konstatiert Achim Brunner. „Das ist bei uns der Fall. In acht bis zehn Minuten haben wir ein Konto elektronisch eingerichtet. Zur Identifikation reicht es, den Ausweis vor die Kamera zu halten.“ Die Digitalisierung wird in den Augen Brunners das große Thema der nächsten Jahre bleiben. Derzeit stünden wir erst am Anfang. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Berufswelt seien noch gar nicht abzusehen. „Man kann aber sicher davon ausgehen, dass das Massengeschäft der Banken künftig digital verlaufen wird.“

Jetzt über eine eigene Direktbank zu verfügen, die deutschlandweit tätig ist, betrachtet der Vorstandsvorsitzende von „Meine Bank“ als große Chance. Seit gut 15 Jahren liege das Thema Digitalisierung auf dem Tisch, stellt er fest. Der Bankensektor habe sehr spät reagiert. „Wir mussten dann schnell handeln und uns Gedanken machen, wie wir eine Genossenschaftsbank mit neuen Konzepten in die Zukunft führen.“ Dies sei gelungen. Die eigene Online-Bank biete ein großes Potential. „Die meisten Menschen schauen auf den Preis und werden sich für diese Form entscheiden“, bemerkt er. „Außerdem sind inzwischen sogar viele Ältere ab 60 im Netz unterwegs, um nach passenden Finanzangeboten zu suchen.“

Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender „Meine Bank“
Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender „Meine Bank“

Direktbank bundesweit

Wenn ein Online-Kunde doch einmal eine Beratung benötige, finde er immer einen Ansprechpartner, führt Brunner aus. „Allerdings muss er oder sie dann pro Viertelstunde 25 Euro zahlen.“ Macht man den Abschluss in einer der Filialen, wird das Geld zurückerstattet. Die Beratungsgebühr ist offenbar kein Hindernis, wenn es um größere Vorhaben wie eine Baufinanzierung oder eine Vermögensanlage geht. „Im Gegenteil. Dass sich bei uns ein Fachmann auf Wunsch mit einer Problematik auseinandersetzen kann, ist gegenüber klassischen Direktbanken ein echter Vorteil.“

150. Geburtstag

Brunner sieht das eigene Haus im Jubiläumsjahr gut aufgestellt. Man verfügt über rund 10.000 Privatkunden und 1.000 Geschäftskunden. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus hat außerdem eine klare strategische Ausrichtung. Allein an der Kostenschraube zu drehen, sei nicht gerade zielführend, meint der engagierte Banker mit einem Blick aus dem Fenster zur 250 Meter entfernten Taunussparkasse. Diese teilt sich mit der Frankfurter Volksbank neuerdings in der Region die Filialen. Das sei fast so, als wenn tageweise mal Aldi und mal Lidl ein und denselben Supermarkt führen würden, meint Brunner. „Kann das gutgehen?“ Er bleibt skeptisch.

Selbstständig bleiben

Seinen Mitarbeitern verspricht er, „dass wir auch noch in zehn Jahren selbständig sein
werden“. Brunner hält nicht viel von Fusionen. Es komme darauf an, gute Produkte und maßgeschneiderte Dienstleistungen zu entwickeln. „Dann kann man in jeder Größenordnung auf dem Markt existieren.“

Der Franke Brunner, der sich mit Krafttraining und Crosswalk fit hält, fühlt sich in Bad Homburg pudelwohl. Hier könne man die Annehmlichkeiten einer schönen kleineren Stadt mit der Natur vor der Haustür genießen. „Und doch ist man in weniger als einer halben Stunde im internationalen Frankfurt.“ Achim Brunner ist ein großer Fan der Eintracht, deren Mannschaftsgeist er für das Erfolgsgeheimnis der letzten Jahre hält. Teamgeist wird auch bei „Meine Bank“ großgeschrieben. Während die meisten Finanzinstitute Personal abbauen, stellt die Raiffeisenbank im Hochtaunus noch Leute ein. „Wir machen eben manches anders“, lacht der Banker.

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