Der neuer hessischer Finanzminister Michael Boddenberg
Der neuer hessischer Finanzminister Michael Boddenberg

Seit Anfang April ist Michael Boddenberg neuer hessischer Finanzminister. Er übernahm das Amt kurz nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Thomas Schäfer. Boddenberg hat einst als Fleischermeister begonnen, bringt aber auch viele Erfahrungen aus der Politik mit, sogar aus dem Krisenmanagement in einem Ministeramt. Von Sabine Börchers

Im Ministerium war Michael Boddenberg einen Monat nach seinem Amtsantritt persönlich nicht zu erreichen. Wegen der Corona-Pandemie und dem Kontakt zu einer Erkrankten hat er sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben und von zu Hause aus gearbeitet. Das funktioniere gut, sagt er. „Ich werde regelmäßig mit Akten versorgt und die Taktung meiner Arbeit ist genauso, als sei ich im Ministerium.“ Die persönliche Begegnung aber fehle ihm. Sowohl in der Politik als auch als selbstständiger Unternehmer.

Boddenberg ist nach wie vor geschäftsführender Gesellschafter einer privaten Fleischer- und Bäckerfachschule – ist er es gewohnt, täglich viele Menschen unterschiedlichster Herkunft zu treffen. Die Vorstellung, beim Anblick nackter Zahlen einsam in seinem Büro seine Entscheidungen zu fällen, behagt ihm nicht. „Ich finde die emotionale Komponente wichtig, es muss uns immer bewusst sein, dass hinter jeder Entscheidung, die wir treffen, Menschen, einzelne Schicksale stehen.“

Dabei ist der gelernte Handwerker durchaus ein Zahlenmensch und ein schneller Kopfrechner. Schon in der Schule mochte er den Matheunterricht, nach dem Abitur begann er ein BWL-Studium an der Universität in Köln. „Ich bin durch Zufall in den elterlichen Betrieb gekommen, mein Vater hatte ein Schlachtunternehmen in Nordrhein-Westfalen und wurde krank, sodass ich plötzlich einspringen und das Studium unterbrechen musste.“ Er habe es leider nicht geschafft, dieses fortzusetzen und sei in der Branche geblieben, erzählt er.

Gelernter Fleischer

Auch wenn es ihm die meisten Leute, die den schlanken, eher asketisch wirkenden Rheinländer zum ersten Mal erleben, kaum glauben wollen, er absolvierte eine Ausbildung im Fleischerhandwerk sowie die Meisterprüfung. Bis heute isst er gerne ein gutes Steak, wenn auch in Maßen, wie er betont. Und der „Rohstoff“ Fleisch fasziniert ihn immer noch. Nach der Ausbildung wechselte Michael Boddenberg aber schnell auf die betriebswirtschaftliche Seite, leitete eine Firma für Tiefkühlkost, ein Feinkostunternehmen sowie die private Frankfurter Fachschule J. A. Heyne, die mittlerweile seine Frau führt.

Seit er Minister ist, hat sie noch mehr zu tun. „Da lastet jetzt viel auf ihren Schultern“, stellt er fest. Aber auch das hat er nicht alleine entschieden. Als er mit ihr und den drei bereits erwachsenen Kindern besprochen habe, ob er das Ministeramt, das durch den plötzlichen Tod von Thomas Schäfer so kurzfristig zu besetzen war, übernehmen solle, hätten ihm am Ende alle zugeredet. Zweifel daran, das Amt auszufüllen, habe er nicht gehabt, sagt er im Rückblick, nur an den Umständen, wie schnell die Übernahme erfolgt sei. „Aber in meinem Beruf und in den langen Jahren in der Politik bin ich es gewöhnt, schnelle Entscheidungen zu treffen.“

Bereits mit 28 Jahren, im Jahre 1988, ist Michael Boddenberg in die CDU eingetreten. Oder besser, er wurde geworben – immerhin vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann höchstselbst. An den Abend erinnert er sich noch heute genau. Er war damals Fastnachtsprinz und habe mit Wallmann und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Heinz Riesenhuber zusammengesessen und diskutiert. Wallmann habe ihn schließlich gefragt, ob er nicht in die Politik gehen wolle, und er habe noch am selben Abend seinen Beitritt erklärt.

Zunächst war es eine eher passive Mitgliedschaft. Er sei vollauf damit beschäftigt gewesen, die Fachschule zu leiten und zugleich als Selbstständiger ein kleines Beratungs- und ein Feinkostunternehmen auszubauen. „Über Verbandsarbeit und das Thema Tierschutz bin ich dann in die aktive Politik geraten, weil ich Anfang der 1990er-Jahre eine vierseitige Resolution dazu verfasst habe, die in der Presse und beim Deutschen Tierschutzbund gelandet ist.“

Als gefragter Gesprächspartner lernte er bei einer Veranstaltung auch die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth kennen, die ihn schließlich in den ehrenamtlichen Magistrat der Stadt holte. Auf seine Frage, was ein solches Amt an Zeitaufwand bedeute, habe sie gesagt, so zwei Stunden am Freitagvormittag, was sehr untertrieben gewesen sei. „Sie wollte mich eben überzeugen, das hätte ich auch so gemacht.“

Minister in der Krise

Von der Stadtpolitik wechselte er 1999 schließlich in den Landtag, wo er zuletzt Vorsitzender der CDU-Fraktion war. Zuvor hatte Michael Boddenberg schon einmal ein Ministeramt inne. 2009 wurde er Hessischer Minister für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes beim Bund. Auch damals übernahm er das Amt zu einer schwierigen Zeit. Während der Finanzkrise koordinierte er die Seite der Union im Bundesrat.

Auf die Frage, ob er deshalb besonders krisenfest sei, muss er zunächst schmunzeln. Dann stellt er fest: „Ich war damals in den Finanzthemen tief verwurzelt und ich denke, wir, die Länder, der Bund, die Bundesregierung, der Bundestag, haben das damals bei allen auch negativen Folgen ordentlich hinbekommen und die Krise schneller überwunden als gedacht.“

Für die heutige Zeit könne er eine Lehre daraus ziehen: Man müsse die Ärmel hochkrempeln, Dinge neu sortieren, sich Ziele setzen und hart arbeiten. Das habe er sich auch jetzt vorgenommen. „Und die emotionale Erfahrung der damaligen Zeit und das, was wir daraus gemacht haben, hilft hoffentlich bei der Bewältigung der heutigen Krise.“

Ihm persönlich nutze zudem seine Herkunft aus dem Handwerk, glaubt er. Zumindest die Tatsache, dass er es bis heute immer wieder mit Menschen zu tun habe, die mitten im Leben stehen. Auch wenn er sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft der Fachschule zurückgezogen hat, er ist immer noch vor Ort in Weiterstadt oder im Büro in Frankfurt präsent. Nach wie vor begegneten ihm jedes Jahr hunderte junge Leute aus ganz verschiedenen Hintergründen, die sich alle weiterentwickeln wollten. „Die Begleitung unterschiedlichster Typen über 30 Jahre lang hat mich sehr geprägt.“

Darüber hinaus ist Michael Boddenberg nicht nur weiterhin im Vorstand der Fleischerinnung, er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Zentralgenossenschaft des europäischen Fleischergewerbes mit Sitz in Frankfurt, deren Kunden auch aus der Gastronomie, der Hotellerie und dem Catering kommen. „Ich habe dort regelmäßig mit den Geschäftsführern und Vorständen der Betriebe zu tun und bekomme einen ganz guten Gesamtblick auf die Branche und die unterschiedlichen Betroffenheiten. Ich weiß also auch, wie es den Gastronomen geht, die in diesen Zeiten wochenlang keine Einnahmen haben. Das führt natürlich zu einem ganz konkreten Bewusstsein der Probleme unzähliger Unternehmen und zwingt mich, in meinen Entscheidungen als Minister noch mehr abzuwägen.“

E-Gitarre als Ausgleich

Manches Anliegen, manches Leid beschäftige ihn auch über die Arbeit hinaus, räumt er ein, achtet aber auch darauf, dass ihn das Amt nicht zu sehr belastet. „Es darf nicht passieren, dass man selbst unter diesen Dingen leidet“, sagt er auch mit Blick auf das tragische Schicksal seines Vorgängers. Sein Ausgleich zu Hause ist dann die Musik. Seine E-Gitarre, mit der er sogar gelegentlich in Bands aufgetreten ist, hängt derzeit im Keller. Im vergangenen Juli kam eine weitere hinzu. „Meine Frau hat mir zu meinem 60. Geburtstag eine akustische Gitarre des hessischen Herstellers Lakewood geschenkt, zu der greife ich hin und wieder“, erzählt er.

Michael Boddenberg an der Gitarre mit Olaf Cunitz am Schlagzeug und Schlagersänger Markus beim 50. Geburtstag von Bernd Reisig im Ratskeller (2013)
Michael Boddenberg an der Gitarre mit Olaf Cunitz am Schlagzeug und Schlagersänger Markus beim 50. Geburtstag von Bernd Reisig im Ratskeller (2013)

Was ihm zudem hilft, sei sein Grundoptimismus. Boddenberg ist zuversichtlich, dass die Hessen die Corona-Krise bewältigen, auch wenn es bedeute, große Aufwendungen schultern zu müssen. Er lenkt dann gerne den Blick auf Deutschland, den die Menschen anderer Länder haben. Es schade nicht, sich klar zu machen, dass viele gerne hier leben würden, stellt er fest. „Ich höre immer wieder von Menschen den Satz: ‚Bei aller Krise bin ich froh, diese in Deutschland zu erleben.‘“ Am Ende habe seine Zuversicht aber auch mit einem gewissen Gottvertrauen zu tun, sagt Michael Boddenberg. „Und ich glaube, dass wir stark genug sind, das zu schaffen.“

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1 Kommentar

  1. Glückwünsche nachträglich Herr Minister Boddenberg. Für Finanztätigkeiten haben wir zukünftig
    K I auch in unseren Landen. Wir würden aber Herrn Minister empfehlen sich wieder auf seinen
    ehrbaren Beruf als Fleischermeister und als heutiger Vorstand der Fleischerinnung, Aufsichtsratvorsitzender der Zentralgenossenschaft des Europäischen Fleischgewerbes den
    Schwerpunkt nicht zu vergessen, das wir in unseren Städten ein „Sterben des ehrbaren Fleischerhandwerk – Gewerbes “ zu verzeichnen haben. LIDL, EDEKA, und ALDI – Theken sind kein Ersatz, nur verlängerter Absatzmarkt von TOENIS /NRW und anderen 10.000 Schweine Schlachtfabriken in D. und Europa. Ein Fleischwarengeschäft zu führen als FL.-Meister war
    Jahrhundertelang ein ehrbares Handwerk. Anstatt E -Gitarre spielen Sie werter Herr Minister
    laute Musik für das Fleischerhandwerk. In deutschen Städten schließen mehr und mehr Fleischerein wegen den LIDL und EDEKA Theken die „Fleischwaren“ zu Schandpreisen ver-
    kaufen. Hier sollten Sie oder ein Nachfolger als Vostand der Hessischen Fleischerinnung und
    Aufsichtsratsvorsitzender der Zentralgenossenschaft des Europäischen Fleischgewerbes
    aktiver werden, um ehrbares Fleischgewerbe in der Mittelklassengesellschft zu erhalten.

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