Soll ich jetzt in Gold investieren? Das fragen sich derzeit wohl viele Anleger.
Von Mick Knauff, Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Börsenkorrespondent Mick Knauff als Gastautor und Foto-Model für Top Magazin Frankfurt
Börsenkorrespondent Mick Knauff als Gastautor und Foto-Model für Top Magazin Frankfurt (© Top Magazin Frankfurt)

Wer damit gerechnet hat, dass weitere Sorgen um den Euro und die Eurofinanzkrise die Anleger in den „sicheren Hafen“ Gold treiben würden, der dürfte aktuell wohl eher enttäuscht sein. Vor allem agiert Gold zurzeit als Gegenspieler zum USD und nicht als Angstwährung, wie sonst so häufig. Gold tendiert seit Tagen eher seitwärts und notiert im Rahmen zwischen 1550 – 1600 USD je Unze. Ganz offensichtlich warten die Finanzmarktteilnehmer ab, ob die politischen Unwägbarkeiten in der Eurozone sich weiter zuspitzen. Somit scheinen also nach wie vor noch zu viele Optimisten im Markt zu sein, die dann doch eher daran glauben, dass sich die Lage innerhalb Europas doch noch zum Positiven wenden wird. Die üppigen Geldspritzen – ca. 1 Billion Euro – der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember und Februar haben hier zuerst mal den Höhenflug des Goldpreises gestoppt! Gold als Absicherungsinstrument ist nur dann attraktiv, wenn es dementsprechend auch etwas zum „Absichern gibt“. Kehren also die Unsicherheitsfaktoren wie die Angst vor einem Überschwappen der Schuldenkrise durch Griechenland auf Italien und vielleicht Spanien zurück, dann braucht der Anleger auch wieder eine Zuflucht und die heißt Gold. Dabei ist Gold viel mehr als „nur“ ein Rohstoff, meinen viele Analysten. Die aktuelle Entwicklung – gerade wieder aufgeflammte Sorgen um den Euro-Status von Griechenland – zeigt, dass Gold nicht nur als Inflationsschutz, Angstindikator oder Anti- Dollar dient, sondern auch als Währung, die von der Schwäche der beiden großen Währungen Euro und Dollar profitiert!

Juwelier müsste man (gewesen) sein!

Besonders in Zeiten drohender oder akuter Wirtschaftskrisen steigt der Goldpreis regelmäßig. Rückblickend auf die Achtzigerjahre, konnten viele Juweliere ihre Schmuckläden lukrativ verkaufen, weil sich aufgrund der gut gefüllten Warenlager der Wert plötzlich verdreifacht hatte. Auch die Zentralbanken stockten ab 2010 wieder im großen Stile ihre Goldvorräte auf, nachdem sie rund 20 Jahre lang ihre Golddepots reduziert hatten. Die ungebrochene Nachfrage aus Indien und China gab hier natürlich weitere Impulse. Zum Ende des Jahres 2011 kauften die Notenbanken so viel Gold wie lange nicht mehr.

Indien, China und die Notenbank – Goldig!

„Nach Golde drängt, am Golde hängt – doch alles“ (Johann-Wolfgang Goethe)
„Nach Golde drängt, am Golde hängt – doch alles“ (Johann-Wolfgang Goethe)
In Indien hat Gold eine lange Tradition. Auf dem Subkontinent halten rund 11 Prozent der Menschen ihre Ersparnisse in Münzen und Barren aus dem faszinierenden Metall. Auch Goldschmuck ist hier sehr beliebt, allerdings nicht zur Zierde, sondern als Geldanlage. Im ersten Quartal des laufenden Jahres ist die Goldnachfrage massiv eingebrochen, das lag allerdings eher an der Verdopplung der Einfuhrzölle und einem damit einhergehenden Käuferstreik als an mangelndem Interesse. So konnten die Chinesen dann auch im vierten Quartal 2011 die Inder als weltweit größten Goldverbraucher überholen. Nach Angaben des World Gold Councils fragte die Volksrepublik in den drei Monaten alleine nach 190,9 Tonnen für die Bereiche Schmuck und Investment nach. Im Gesamtjahr stieg die Goldnachfrage in China um 20 Prozent auf 769,8 Tonnen! Zurück zu den Notenbanken: Diese treiben nicht nur mit ihrer Liquiditätsschwemme von Milliarden von Euros indirekt den Goldpreis hoch. Auch als Gold-Käufer sind sie am Markt und stützen so den Preis. Auch hier kann das World Gold Council genaue Angaben machen, und so betrugen die Notenbankkäufe 2011 in der Summe knapp 440 Tonnen Gold. Dies war der höchste Wert seit 1964, als die Notenbanken über 500 Tonnen Gold kauften.

Des Wahnsinns fette Beute

Wahnsinn hin oder her – Gold war in den vergangenen Jahren eines der erfolgreichsten und solidesten Investments überhaupt. In Euro kletterte der Goldpreis auf 12-Monats-Sicht um rund 29 Prozent, in Dollar belief sich das Plus auf 26,5 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax fuhr im gleichen Zeitraum ein Minus von 4,1 Prozent ein. Mehrere Banken haben daher zuletzt ihre Gold-Prognose gesenkt. Die Analysten der UBS glauben nicht mehr, dass die magische Marke von 2.000 Dollar dieses Jahr noch geknackt wird. Sie rechnen daher eher mit einer Seitwärtsbewegung. Ein „Einpendeln“ bei einem Jahresschnitt von 1.680 Dollar wird hier prognostiziert. Nicht alle Banker sind so pessimistisch! Die Analysten der US-Bank Goldman Sachs zum Beispiel sind überzeugt, dass der Goldpreis in den nächsten sechs Monaten wieder anzieht und neue Rekordstände erreicht. Die Bullen unter den Ökonomen und Börsianern sehen Gold weiter im Aufwärtstrend Richtung 2.000 Dollar je Feinunze. Die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken werde zu einem Anstieg der Inflationsraten und weiteren Staatspleiten führen. Das gesamte Papiergeld- System wird somit infrage gestellt. Letztlich, so die Goldoptimisten, schützt nur der physische Besitz von Gold vor drohenden Verlusten.

Gold ist nicht gleich Gold

Großes Aufsehen auf dem Frankfurter Börsenparkett beim Shooting mit Top Magazin Frankfurt.
Großes Aufsehen auf dem Frankfurter Börsenparkett beim Shooting mit Top Magazin Frankfurt. (© Top Magazin Frankfurt)
Die nächste Krise kommt bestimmt, und dann wachen auch die Schwarzmaler und Weltuntergangspropheten wieder auf und raten zu Gold. Fraglich nur – in welcher Form soll man kaufen?! Unverarbeitetes Gold ist als Wertanlage grundsätzlich besser geeignet als Schmuck, da Schmuckgold in den meisten Fällen nicht über einen so hohen Reinheitsgehalt verfügt. Somit sollte man auf dem Goldmarkt geprägte oder gegossene Feingoldbarren mit einem Gewicht von einem bis 1.000 Gramm sowie Münzen ins Auge fassen. Bekannt sind vor allem der Krüger- rand (1 Unze), der Maple Leaf (1 Unze) und der Australische Nugget (1/2 Unze). Mini-Goldbarren gibt es in Stückelungen von 1 Gramm, 2,5 Gramm, 5 Gramm etc. – aufgrund der Wertbeständigkeit eignen sie sich besonders gut als Krisenwährung oder auch als Geschenk. Der prozentuale Anteil zum Vermögen sollte dabei zwischen 5- 10 Prozent liegen, so der Durchschnitt der Kapitalmarktkenner.

Ab in die Schatztruhe!

Aber schön drauf aufpassen, auf das „Goldene Vlies“ und ab und zu mal nachzählen, nicht, dass es Ihnen sonst so geht wie der Deutschen Bundesbank. Denn wir Deutschen besitzen 3.401 Tonnen pures Gold – pro Person immerhin ca. 1.800 Euro! Gelagert in Frankfurt, Paris, London und New York. Die Bundesbank hatte das letzte Mal im Jahr 2007 einen Blick auf die Bestände geworfen. Für die Bild-Zeitung ein Skandal – muss doch von Rechts wegen hier alle 3 Jahre eine Bestandsaufnahme gemacht werden, damit auch ja nichts von dem edlen Metall verschwindet und alles seine Ordnung hat! Zum Glück ist die Geschichte gut ausgegangen, und in Downtown Manhattan – Nummer 33 Liberty Street – im Keller auf der 5. Etage hat man dann doch noch 7.000 Tonnen Gold gefunden, da dürften dann auch ein paar Barren von uns dabei gewesen sein! In diesem Sinne – Ihnen Goldige Zeiten

Das größte Gold-Depot der Welt ist die Federal Reserve Bank (FED) in New York.
Das größte Gold-Depot der Welt ist die Federal Reserve Bank (FED) in New York. (© Top Magazin Frankfurt)
Das größte Gold-Depot der Welt 7.000 Tonnen Gold lagern in 25 Metern Tiefe in den Hochsicherheits- Tresorräumen der Federal Reserve Bank (FED) in New York. Weit mehr also als im legendären Fort Knox. Und da um das Gold selbst auch immer wieder Legenden und Mythen entstehen, rufen diese Reserven gerade in Krisenzeiten Skeptiker und Verschwörungstheoretiker auf den Plan, die bezweifeln, dass die deutschen Goldbarren überhauptnoch dort lagern. Wer selbst mal nachschauen möchte, sollte beim nächsten New York Trip eine Führung durch das größte Gold-Depot der Welt einplanen. Da die Touren streng limitiert sind, empfiehlt es sich, rechtzeitig im Voraus zu buchen: www.newyorkfed.org
Mick Knauff ist Vorstand beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) sowie Börsenkorrespondent bei N24. Er berichtet täglich live vom Frankfurter Börsenparkett und ist ein gefragter Referent zu allen Themen rund um das Marktgeschehen. Eigens für die Fotos zu diesem Artikel ließ sich Mick von Stylistin Nadja Gambert „vergolden“. Großes Aufsehen auf dem Parkett und auf dem Börsenplatz blieben bei diesem Shooting natürlich nicht aus…