An der Supermarktkasse einfach das Handy zücken, die Zugfahrkarte mit dem Smartphone lösen oder die Tankrechnung mit einer App begleichen – mobile Bezahlverfahren erlebten in diesem Jahr einen regelrechten Boom. Doch das Zahlen ohne Bargeld steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Mit dem gerade erschienenen NFC-fähigen iPhone 6 könnte sich das ändern. Denn damit treibt Apple die Entwicklung des Mobile Payment erheblich voran. Ein entscheidender Impuls für das Zahlverfahren der Zukunft?

Wussten Sie, dass 75 Prozent der Smartphone-Nutzer ihr Telefon auch auf der Toilette benutzen? Denn das Smartphone ist überall dabei und ein ständiger Begleiter geworden. Seit Beginn der massenhaften Verbreitung von Smartphones ist das Bezahlen mit dem Handy ein Thema. Diese noch junge Form des Geldverkehrs rührt vom Mehrwert, den moderne Mobiltelefone mit sich bringen. Denn seit wir mit dem Handy im Internet surfen können, haben sich die Möglichkeiten für das neue Zahlungsverfahren vergrößert. Längst experimentieren Händler, Geschäfte und Gastronomieketten mit dem Bezahlen im Vorbeilaufen. Auch immer mehr Verbraucher setzen bei ihren Transaktionen auf Mobile Payment und lassen die Geldbörse einfach zu Hause. Doch was genau ist eigentlich Mobile Payment? „Genau gesehen ist Mobile Payment ein Bezahlvorgang, bei dem zumindest ein Beteiligter mobile Kommunikationstechniken sowie mobile Endgeräte für die Initiierung, Autorisierung oder Realisierung der Zahlung nutzt“, weiß Elke Moebius von der GFT Group, dem globalen Technologiepartner für digitale Zukunftsthemen.

Wer knackt die Nuss?

Mobile Payment erlebte 2014 einen regelrechten Boom. Internetgrößen wie Google und Paypal begannen, das Bezahlen mit dem Handy voranzutreiben. Ein Wettkampf um ein Milliardengeschäft. Mit Apple hat sich nun ein weiteres US-Unternehmen in den Markt für mobile Zahlungssysteme eingeschaltet. Der kalifornischen Firma trauen Experten sogar zu, Mobile Payment zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen, schließlich habe der Computergigant mit dem iPhone oder Diensten wie iTunes große Erfolge gefeiert.

Das neue iPhone 6 kann der Entwicklung jetzt also den entscheidenden Impuls geben. Ein eingebauter NFC-Chip, mit dem der kontaktlose Austausch von Daten per Funktechnik möglich ist, und der integrierte Bezahldienst Apple Pay sollen dabei helfen. Voraussetzung dafür wäre, dass Händler ihre Kassensysteme erneuern und an das NFC-System angleichen würden. Mit NFC, der Near Field Communication, reicht es nämlich aus, das Gerät über den NFC-Scanner zu halten und die Transaktion dann mit dem Handy zu bestätigen. Bezahlen wird so zum einhändigen Vorgang. Der Apple-Konzern konnte in Amerika für sein Vorhaben bereits hunderte Partner gewinnen. Wann der Dienst in Europa an den Start geht, ist noch nicht bekannt.

Lustfaktor gesucht

Zahlen wir in Zukunft also alle per Handy? Die Idee des Mobile Payment ist jedenfalls nicht neu: Bereits seit Jahren wird unter Fachleuten über das bargeldlose Bezahlen mit dem Mobilfunktelefon diskutiert. Anstatt mehrere Kreditkarten im Geldbeutel herumzutragen oder ständig nach Kleingeld suchen zu müssen, sei es für das Parkticket oder die Getränkedose, soll es jetzt reichen, nur noch das Handy dabei zu haben. Doch was in Afrika, Asien und Amerika bereits Alltag ist, steckt hierzulande noch in den Anfängen. Im internationalen Vergleich waren deutsche Nutzer bislang zu zurückhaltend was das Thema Mobile Payment angeht. Schließlich war es bisher auch nicht gelungen, ein halbwegs einheitliches System zu etablieren. Viele Dienste scheiterten an ihrem Versuch, den Markt zu erobern, um das Rennen um das Zahlungsverfahren der Zukunft zu machen. Keine einheitliche Lösung, zu viele Anbieter auf dem Markt, die ungenügende Sicherheit der Systeme und eine zu komplexe Bedienung verhinderten, dass die Akzeptanz der mobilen Bezahlverfahren in der Bevölkerung steigt. Noch nicht ganz den Kinderschuhen entwachsen, sieht sich das Mobile Payment schon mit einer Vielzahl von Betriebssystemen und einer rasanten Entwicklung der Technologien konfrontiert. „Die Sicherheitsbedenken der Konsumenten waren die ganze Zeit einfach zu groß. Viel mehr Menschen würden inzwischen die Rechnung mit dem Smartphone oder einer App begleichen, wenn die Bezahlung bequem wäre und überall auf die selbe Art und Weise funktionieren würde“, sagt Elke Moebius. Auch laut dem Institut für Handelsforschung in Köln verfüge Mobile Payment eigentlich über großes Potenzial bei den Mobilfunknutzern: In einer Umfrage gaben 58 Prozent der Nicht-Nutzer an, dass sie mit dem Handy bezahlen würden, wenn die Verbreitung weiter voranschreitet. Und das tut sie.

Frankfurts Kassen

Denn in den vergangenen Monaten wuchs die Rolle der innovativen Bezahlfunktion stetig – auch im Rhein-Main-Gebiet. In Frankfurt kann es bald öfter vorkommen, dass an der Kasse nicht mehr der Geldbeutel, sondern das Handy gezückt wird: Seit diesem Sommer können Kunden in verschiedenen Restaurants, Cafés und Bars bargeldlos bezahlen. Ob Snacks und Getränke aus dem Bahnhofsautomaten, Benzin an der Tankstelle oder das Waschmittel an der Supermarktkasse – an immer mehr Stellen in der Stadt kann man die Einkaufsrechnung mit dem Handy begleichen. Die Unternehmen und Betriebe in Rhein-Main, die diese mobilen Zahlungssysteme eingeführt haben, gehören damit natürlich zu den Vorreitern.

Chance für Händler

Concardis-Geschäftsführer Marcus W. Mosen
Concardis-Geschäftsführer Marcus W. Mosen

Eines dieser großen Unternehmen ist die Concardis GmbH in Eschborn. Das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen gehört mit rund 30 Jahren Erfahrung im Bereich der Kartenakzeptanz zu den führenden Anbietern für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa. Als eines der ältesten Payment-Unternehmen Deutschlands treibt Concardis natürlich auch die aktuelle Entwicklung im bargeldlosen Zahlungsverkehr mit großen Schritten voran. Dabei setzt Concardis nicht auf Lösungen für den Verbraucher, sondern die Händler. „Wir sind quasi das Unternehmen, das die Technologie für bargeldloses Bezahlen auf den Markt bringt sowie die Vertriebsplattform dafür. Als innovatives Unternehmen stellt sich Concardis jetzt verstärkt dem Thema Mobile Payment“, sagt Marcus W. Mosen, Geschäftsführer für den operativen und kaufmännischen Bereich, der Ende 2013 in die Geschäftsführung eingestiegen ist. Der studierte BWLer war zuvor für die komplette Abwicklung des Zahlungsverkehrs von 30.000 Onlineshops zuständig. Er kennt sich also mit innovativen Zahlungsmethoden aus und ist selbst ein begeisterter Kreditkartennutzer. „Ich habe zwar noch einen Geldbeutel, darin finden Sie allerdings kein Bargeld, sondern nur Quittungen und Karten. Ich bin ein Payment-hyperaffiner Typ und zahle grundsätzlich mit Karte – wo es geht. Bargeldloses Bezahlen ist einfach praktischer und schneller“, sagt Mosen.

Laut Mosen ist Deutschland auch noch, was das Kartenzahlungssystem angeht, in weiten Teilen ein Entwicklungsland. Jedoch, so denkt er, wird das Thema bargeldloses Bezahlen auch hierzulande zunehmen. „Die Mobile Payment-Entwicklung wird sich bald beschleunigen. Weil es eine kostengünstige Lösung für den Handel ist“, weiß der Concardis-Geschäftsführer. „Wir werden es in den nächsten Jahren öfter sehen, dass man sich im Geschäft nicht mehr in die Schlange stellt, sondern beim Verkäufer an der Kleiderstange bezahlt. Denn so wird das Zahlen auch für den Händler im Geschäft effizienter“. Schon jetzt trifft man in den großen Städten auf mobile Bezahllösungen. Sei es im Taxi, in der Tankstelle oder bei Starbucks. Denn das Thema ist in aller Munde. Auch das Eschborner Unternehmen geht mit dem Trend und bietet seit Kurzem als erstes deutsches Acquiring-Unternehmen ein Terminal für Kartenzahlungen via Smartphone an. Concardis OptiPay nennt sich die neue Mobile Payment-Lösung, die speziell für Händler entwickelt wurde. „Wir haben die Produktpalette um eine eigene Mobile Payment-Lösung erweitert. Bereits 2000 hatte ich ein Pilotprojekt für die Einführung eines Handybezahlsystems initiiert. Heute gibt es einige Marktteilnehmer, die reale Geschäftsmodelle in den Markt bringen.“

Die Kartenzahlungslösung sei eine preisgünstige und zukunftsweisende Alternative für Händler, die bislang kein klassisches und kostspieliges Kartenterminal genutzt hätten. „Auch mobile Gewerbetreibende – beispielsweise Handelsvertreter, Marktverkäufer, Taxifahrer oder Handwerker, die keine große Kasse mit sich herumtragen können – haben so mit ihrem Smartphone und einem kleinen Chip- und PIN-fähigen Kartenlesegerät die Möglichkeit, ortsunabhängig Zahlungen mit Kredit- oder Debitkarte anzubieten“, erklärt Marcus Mosen. Denn alles, was man für die Bezahlung mit Optipay benötigt, ist ein Smartphone mit der Optipay-App und ein Kartenlesegerät. „Der Händler nutzt quasi sein Smartphone als Kasse. Der Kartenleser ist per Bluetooth mit dem Handy verbunden. Gibt der Kunde dann seine PIN-Nummer ein, erfolgt die Zahlung. Wer möchte, bekommt noch einen Zahlungsbeleg per E-Mail. Der Händler kann im Nachhinein mit der App alle Transaktionen überblicken.“ Aufgeweckte Händler, die sich kundenorientiert weiterentwickeln, sind bereits jetzt von den flexiblen Zahlungsmöglichkeiten begeistert.

Runde Sache

Bagel Brothers-Geschäftsführer Andreas Bolze
Bagel Brothers-Geschäftsführer Andreas Bolze

Einer, der den Trend des Mobile Payment schon früh erkannt hat, ist Andreas Bolze. Sein Franchiseunternehmen „Bagel Brothers“ in der Kaiserstraße zählt zu den ersten Gastronomiebetrieben in Frankfurt, die mit ihrem iPad-Kassensystem von Orderbird mobile Paypal-Zahlungen annehmen. Seit rund einem halben Jahr kann man dort seine Bagels und Zimtschnecken ganz ohne Geldbörse bezahlen. Alles, was Kunden dafür benötigen, ist die Paypal-App auf dem Smartphone. „Nutzer des Dienstes geben über die Anwendung an, dass sie sich im Laden befinden. Dann sagen sie dem Personal, dass sie über ihr Paypal-Konto bezahlen wollen. Zuletzt erscheint das Foto des Kunden auf dem Tablet an der Kasse“, erklärt Bolze den Vorgang. Ein letzter Blick, ob es sich um die richtige Person handelt – schon fließt das Geld. Ohne Münzensuchen, Unterschrift oder PIN-Eingabe. „Wir sind ein sehr innovatives Unternehmen und fast hundert Prozent unserer Nutzer haben Smartphones. Die Bezahlmöglichkeit, die Paypal zusammen mit dem iPad-Kassensystembetreiber Orderbird entwickelt hat, fand ich genial. Wir wollten keine große Kasse, sondern nur ein kleines Tabletsystem. Die Transaktion dauert nur zirka 15 Sekunden, dann bekommt der Kunde eine Bestätigung und wir haben das Geld sofort auf dem Konto“, so der Betriebswirt. „Man muss sich nicht mal an der Kasse anstellen, sondern kann einfach im Laufen bezahlen. Das Publikum hier im Bahnhofsviertel eignet sich gut dafür. Den vielen Touristen ist Mobile Payment viel eher ein Begriff. Bei uns ist das Sicherheitsdenken noch anders. An einem Tag zahlen bei uns zurzeit zirka zwei, drei Kunden mit dem Handy. Aber in drei Jahren sieht die Quote bestimmt anders aus“, ist sich der Geschäftsführer sicher, denn er hofft auf die Zukunft. „Ich sehe da ein gewaltiges Entwicklungspotenzial. Das mobile Bezahlen per Smartphone wird ein großes Thema werden.“

‚Paij‘ Dein Taxi

Auch bei den Frankfurter Taxis ist Mobile Payment schon ein Thema. Nach einer Fahrt bleibt einem jetzt nämlich auch das Kramen nach Bargeld erspart. Möglich macht das der mobile Zahlungsdienstleister Paij aus Wiesbaden. Das Startup möchte wie viele andere das mobile Zahlen massentauglich machen. Die Idee für das Payment-System kam von der Redpixtec GmbH mit dem Ziel, neue Maßstäbe im Bereich Mobile Payment zu setzen. Alles, was man für die Bezahlung mit Paij braucht, ist die kostenfreie App auf dem Smartphone. Scan to pay nennt sich das. Mit dieser App scannt der Kunde bei der Bezahlung einen QR-Code, der entweder im Taxi oder an der Kasse hängt, und bestätigt dann die Zahlung. „Die App macht das Taxi-Business bereit für die Zukunft. Denn Paij bietet gerade unseren jüngeren Kunden ein neues Zahlungsmittel an und beweist, besonders im Zusammenhang mit neuen Konkurrenten wie Uber & Co., dass das Taxigewerbe zukunftsfähig und serviceorientiert ist“, sagt Florian Hofmann, Co-Founder von Paij. Der 32-jährige Wahl-Wiesbadener gründete während seines Studiums in der hessischen Landeshauptstadt den Startup-Inkubator Redpeppix, der die Mobile Payment-App Paij hervorgebracht hat. „Wir arbeiten seit 2012 daran, mobiles Bezahlen überall möglich und genauso einfach, sicher und komfortabel zu machen wie One-Click-Shopping im Internet“, erzählt der Firmengründer, „Quasi Mobile Payment made in Germany. Die Idee dazu entstand spontan. Alle Zahlungsmittel, die wir kannten, entsprachen einfach nicht mehr dem modernen Lifestyle. Der erste Prototyp unserer App entstand dann im Urlaub auf dem Balkon. Sechs Wochen später hatten wir unsere Gründungsfinanzierung gesichert“, so Hofmann. Inzwischen arbeiten 25 Mitarbeiter rund um die Uhr in seinem Unternehmen. Bis zu 500 Transaktionen am Tag wickeln Händler mittlerweile über Paij ab. Ziel der Firma ist es, dass Nutzer die App in ihren Alltag integrieren. „Wir setzen keine Grenzen. Technologisch steht uns die Welt offen. Unsere Vision ist, dass man sich in Frankfurt künftig bargeldlos bewegen kann. Den ersten Schritt haben wir mit 1.200 Frankfurter Taxen bereits gemacht, jetzt folgt die Gastronomie rund um den Opernplatz und die Hanauer Landstraße“, sagt Florian Hofmann.

Der Duft von Mobile Payment

Douglas-Kassenaufsicht Gabriele Weckesser
Douglas-Kassenaufsicht Gabriele Weckesser

Auch in den acht Douglas-Filialen in Frankfurt kann man per NFC-fähigem Smartphone bezahlen. Als innovatives Unternehmen hatte sich Douglas dazu entschlossen, dieses neue bargeldlose Bezahlverfahren einzuführen. „Wir verstehen diese modernen Zahlungsmethoden als einen weiteren Service für unsere Kunden, den wir gern anbieten. Seit November bieten wir mit Yapital sogar noch ein weiteres mobiles Bezahlverfahren an. Zum Bezahlen scannt der Kunde mit der Yapital-App auf seinem Smartphone nur noch einen QR-Code vom Kartenterminal – schnell, einfach und sicher“, sagt Douglas-Sprecherin Tanja Stephani. Das führe, da das mobile Bezahlverfahren noch sehr jung sei, mitunter zu „interessierten Blicken“ an der Kasse, „jedoch sind beide Methoden einfach und kurz in der Handhabung, sodass es an der Kasse ganz sicher keine Verzögerungen gibt“. Viele Kunden wüssten allerdings gar nicht, dass ihre EC- und Kreditkarten bereits mit NFC ausgestattet sind.

„Bei der Bekanntheit gibt es regionale Unterschiede in unseren Filialen. In Hamburg zum Beispiel, wo auch die ersten Karten mit dieser Technik ausgegeben wurden, wird diese Zahlungsmethode viel häufiger genutzt als in Frankfurt“, weiß Stephani. Jedoch ist die Anzahl der Frankfurter Kunden, die das mobile Zahlungsverfahren nutzen, gering. „Manche zahlen mit der mobilen Douglas Card, die seit Juni 2014 Teil der Douglas Mobile App ist und mit der Douglas-Kunden ganz bequem per Barcode-Scan an der Kasse zahlen können“, bestätigt Gabriele Weckesser, Kassenaufsicht im Douglas Flagship Store auf der Zeil, die dem neuen Mobile Payment nicht viel abgewinnen kann. „Aber das ist wohl meine Generation. Mein Sohn dagegen bezahlt oft mit dem Handy.“

Bargeldlos bezahlen – kein Käse!

Als einer der ersten Wochenmarkthändler in Frankfurt nutzt Jörg Diener das Bezahlsystem Optipay.
Als einer der ersten Wochenmarkthändler in Frankfurt nutzt Jörg Diener das Bezahlsystem Optipay.

Sogar das Zahlen am Point of Sale erfährt mittlerweile eine neue Mobilität. Auf den Wochenmärkten an der Konstablerwache und der Schillerstraße ist es bereits möglich, ohne Bargeld zu bezahlen. Seit Juli bietet Jörg Diener von der Bauernkäserei Herbertsmühle in der Rhön seinen Kunden diesen Service am Stand. Gemeinsam mit seiner Frau Gudrun steht er jeden Donnerstag, Freitag und Samstag mit seinem Käsewagen in Frankfurt. Er nutzte als einer der ersten Händler in Frankfurt ein bargeldloses Bezahlsystem. „Wir durften die ersten sein, die mit Optipay von Concardis Kartenzahlungen, also EC, Mastercard und Kreditkarten, am Käsestand auf dem Markt durchführen konnten. Das war quasi ein Pilotprojekt“, erzählt Diener. Schon früher nutzte er ein Kartenzahlungssystem an seinem Marktstand, bis dieses ihm aber zu teuer wurde. „Für die geringe Nutzung hat sich das nicht gelohnt. Ich habe mehr bezahlt als eingenommen. Mit Optipay ist das anders. Ich musste ausschließlich den Kartenleser für 80 Euro kaufen. Auf mein Smartphone habe ich die Händler-App geladen und nutze es jetzt als Kasse. Dafür musste ich nur einen Akzeptanzvertrag abschließen. Eine praktische und kostengünstige Lösung für unseren mobilen Stand. Echt klasse“, urteilt Diener. Und das System kommt gut an: Bisher haben Kunden das Angebot gerne angenommen. „Manche Kunden reagieren aber sehr erstaunt auf ‚Zahlen per Handy-App‘. Das liegt aber sicher auch an unserer Ansprache à la: Wir haben hier ein brandneues System … zahlen per App“, erklärt Diener. Trotzdem würden rund drei bis vier Kunden pro Markttag auf das Bezahlsystem zurückgreifen. „Für uns hat sich Optipay gelohnt. Minimale Investitionskosten, keine Kosten bei Nichtnutzung, sehr moderate Kosten pro Buchung, keine aufwendige und platzraubende Hardware, leicht zu handhaben und umsatzfördernd. Und wenn der Kunde möchte, bekommt er einen schriftlichen Beleg per E-Mail nach Hause.“

Die Lehre vom Bezahlen

Prof. Dr. Peter Roßbach
Prof. Dr. Peter Roßbach

In der Frankfurt School of Finance & Management ist Mobile Payment sogar schon ein Studienthema. „Die Technologie dazu gibt es ja auch bereits seit vielen Jahren“, weiß Professor Dr. Peter Roßbach. Ob in Seminaren, Vorlesungen oder Workshops – seine Studenten diskutieren darüber bei jeder Gelegenheit. Als Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere angewandte Wirtschaftsinformatik und Informationstechnologie an der Frankfurt School, ist Electronic Business natürlich eines von Roßbachs Spezialgebieten. Bereits vor zehn Jahren schrieb er einen Artikel über das digitale Zahlungsverfahren. Heute kommt das Thema in seinen Vorlesungen vor allem dann auf, wenn es um die technische Sicherheit des Zahlungsverkehrs in der digitalen Geschäftswelt geht. „Die Geschichte zum Mobile Payment beginnt ja quasi in den 90er Jahren mit dem Electronic Payment, dem Zahlungsverfahren, das für das Internet entwickelt wurde. Daraus hat sich das Mobile Payment entwickelt. Mittlerweile sind sehr viele Unternehmen mit sehr vielen unterschiedlichen Systemen zum bargeldlosen Bezahlen an den Start gegangen. Doch im Prinzip funktioniert es eigentlich über vier Techniken: via SMS, über den NFC-Chip, QR-Codes oder die Bluetooth-Funktion. Aber im Großen und Ganzen ist für mich Mobile Payment, wenn ich das Mobilfunkgerät als Medium benutze, um mein Payment zu machen“, sagt Roßbach.

Unbequeme Sicherheit

Er selbst steht Mobile Payment aufgeschlossen gegenüber, bezahlt hat er aber noch nicht auf diese Weise. „Ich bin noch zurückhaltend. Zunächst müsste ich auch wissen, wo ich hier in Frankfurt per Mobile Payment zahlen kann, denn bisher habe ich das nur im Rewe-Supermarkt entdeckt. Wegen der Sicherheit mache ich mir aber keine Gedanken, die halte ich bei den aktuellen Systemen für ausreichend“, sagt Roßbach. Vor allem dann nicht, wenn das Zahlungssystem auf kleinere Beträge ausgerichtet sei.

Das Problem sieht Professor Roßbach viel eher in der Akzeptanz in der Bevölkerung. „Viele wissen gar nicht, wie es funktioniert und halten es deshalb für unsicher. Mobile Payment muss also erst hip werden, damit es jeder benutzt. Das ist wie mit Apple. Die Deutschen sind sehr eigen, wenn es um ihre Zahlungsgewohnheiten geht. Bargeld ist einfach anonymer und ich denke, das spielt eine Rolle bei der Verbreitung des Mobile Payments“, so Roßbach. Den traditionellen Finanzdienstleistern empfiehlt der Professor deshalb, sich zusammenzuschließen. „Ich verstehe nicht, dass sie es nicht schaffen, ein einheitliches System zu entwickeln. Sie müssten sich zusammenfinden und gemeinsam ein System für den deutschen Markt planen. Doch zu allererst müssten sie sich von dem Gedanken lösen, dass das System übertrieben sicher sein muss. Wenn ein System so sicher sein soll, dann wird es gleichzeitig auch unbequem von der Bedienung her. Letztendlich ist der Ruf der Banken in der Bevölkerung derzeit nicht sonderlich gut, aber das Vertrauen in die Bank ist immer noch größer als das in Google“, sagt er.

Die Herausforderung am Mobile Payment sei es, laut Roßbach, ein System zu finden, das sicher, bequem und schließlich verbreitet ist. Denn zurzeit gäbe es einfach zu viele Insellösungen und kaum Möglichkeiten in der Stadt, mit dem mobilen Zahlungsverfahren seine Rechnung zu begleichen. „Zu viele Anbieter, zu viele Systeme. Das macht die Sache immer undurchschaubarer für den Verbraucher.“ Trotzdem rechnet der Professor dem Mobile Payment große Zukunftschancen aus, denn er sieht viele Vorteile in der innovativen Bezahlvariante. „Es ist einfach praktisch, man spart sich das Bargeldproblem und hat mit dem Smartphone ein universelles Zahlungsmittel zur Hand. Jedoch ist es schwer zu sagen, welcher Anbieter schließlich den Markt erobert. Aber es wird garantiert ein großer sein.“

Bezahlen der Zukunft?

So sind sich Experten sicher, dass wir schon mal das Smartphone an der Kasse auspacken können, denn in Zukunft würde die Rechnung viel öfter ohne Bargeld beglichen. Das Marktvolumen würde in den kommenden Jahren rasant zunehmen. „Das mobile Bezahlen per Smartphone wird ein großes Thema werden“, sagt Elke Moebius von der GFT Group. Sie rechnet vor allem dem Elektronikhersteller aus Kalifornien große Chancen aus, den Deutschen das Smartphone als Geldbörse schmackhaft zu machen. Gefordert seien jetzt nur die Finanzdienstleister: „Die deutsche Bankenlandschaft wird jetzt mit Apple Pay, das man auf dem neuen iPhone 6 findet, unter Druck gesetzt. Es ist dem Internet-Konzern mit integriertem NFC-Chip plus Touch ID und Secure Element Chip zuzutrauen, dass er erneut eine Lösung aus der Nische in den Massenmarkt führt. Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland sind nun gefordert, die Zeit bis zur Markteinführung in Deutschland zu nutzen, um sich als starke Einheit aufzustellen. Nur so können sie als Partner auf Augenhöhe von Apple & Co. die Entwicklung mobiler Zahlungssysteme mitgestalten. Setzen sie weiter auf Insellösungen, werden sie über kurz oder lang an den Rand gedrängt“, ist sich Moebius sicher. „Wir haben mittlerweile tatsächlich auch in Deutschland schon einiges an Mobile Payment-Lösungen zu bieten – nämlich viele Insellösungen, die hier und dort mal in einer Nische ihre Tauglichkeit bewiesen haben. Ein einheitlicher Lösungsansatz, den Banken, Einzelhandel, Technologie- und Kommunikationsunternehmen gemeinsam entwickeln, ist bislang noch nicht in Sicht“, so Moebius.

Damit sich Mobile Payment als gängige Zahlungsweise hierzulande durchsetzt, müsse das Zahlen mit dem Handy genau so einfach und nachvollziehbar werden, wie die Entnahme von Münzen oder Banknoten aus dem traditionellen Portemonnaie. Zudem müsse es gelingen, die bislang bestehenden Sicherheitsbedenken der potenziellen Nutzer auszuräumen. Dann könnte die Kundenzahl bis 2020 in den zweistelligen Millionenbereich ansteigen. Mit Apple Pay seien die deutschen Banken zwar mächtig unter Druck geraten, aber vielleicht läge gerade darin auch eine neue, große Chance. Der Markt für neue mobile und elektronische Zahlungssysteme sei laut Experten gerade erst dabei, sich zu vergrößern. Noch sei Zeit, um mitzumischen.