Mit Leidenschaft zum Erfolg

Was sind die wichtigsten Zutaten für eine erfolgreiche Karriere? Können, Willen, Mut zum Risiko, Ehrgeiz, Ausdauer, Disziplin – das sind einige der Attribute, die einem dazu einfallen. Doch was bedingt diese Eigenschaften? Was ist der entscheidende Faktor dafür, selbst den widrigsten Umständen zu trotzen, um seinen Traum zu verwirklichen? Die Antwort lautet: Leidenschaft. Von Natalie Rosini

Work-Love-Balance – Mit Leidenschaft zum Erfolg
Work-Love-Balance – Mit Leidenschaft zum Erfolg

Altbundeskanzler Helmut Schmidt sagte einmal: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Sicher kein allzu ernst gemeinter Rat des Hanseaten mit dem trockenen Humor. Denn auch er steht für einen Lebensweg, der zahlreiche Hürden bereit hielt und ihn dennoch bis an die Spitze des Staates brachte. Ohne die „Vision“, ein neues Deutschland zu schaffen, aber vor allem ohne die nötige Überzeugung und Leidenschaft wäre er heute nicht die rauchumwobene Politikerlegende, die er ist. Und im Grunde bestätigt er das auch. Zwar äußerte er im Gespräch mit Ulrich Wickert (Die Welt, 20. Dezember 2008), Ehrgeiz sei ein Begriff, den er auf sich nicht anwenden würde, auch wenn ihm natürlich an öffentlicher Anerkennung lag, „aber die Antriebskraft lag woanders. Die Antriebskraft war typisch für die Generation, der ich angehört habe: Wir kamen aus dem Kriege, wir haben viel Elend und Scheiße erlebt im Kriege, und wir waren alle entschlossen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass all diese grauenhaften Dinge sich niemals wiederholen sollten in Deutschland. Das war die eigentliche Antriebskraft.“

Erfolgsfaktor Barriere

Ein Schüler von 15 Jahren erkrankt von heute auf morgen an einer seltenen Augenkrankheit, die ihn über Nacht 80 Prozent seiner Sehkraft verlieren lässt. Doch statt den Rat der Ärzte zu befolgen und auf eine Blindenschule zu gehen, fängt er an, seine auditiven Fähigkeiten voll auszuschöpfen, lässt sich von der Mutter und der Schwester aus den Schulbüchern vorlesen und nimmt weiter am Unterricht teil. 1989 macht er das Abitur und strebt eine Ausbildung zum Hotelfachmann an. Unmöglich, meinen alle. Doch er schließt die Lehre 1992 erfolgreich ab. Nicht bloß ohne auf den Rat anderer gehört zu haben, sondern auch und vor allem ohne seinen Arbeitgeber darüber informiert zu haben, dass er quasi nichts sieht. Er verfährt weiter so, wird Kellner, bringt es zum eigenen Restaurant. Von seiner fast vollständigen Blindheit ahnt weiterhin keiner etwas. Das ist nur ein Teil der Geschichte von Saliya Kahawatte, die weitere schwere Erkrankungen und Rückschläge sowie den Absturz in Drogen- und Alkoholsucht beinhaltet. Heute ist er als Unternehmensberater, Business-Coach, Dozent, Motivationstrainer, Vortragsredner und Buchautor tätig. International erfolgreich und zu 100 Prozent schwerbehindert.

Sprungbrett statt Krücke

„Wenn man liebt, was man tut, hat man’s geschafft.“ Saliya Kahawatte
„Wenn man liebt, was man tut, hat man’s geschafft.“ Saliya Kahawatte

„Ich kann mit Fug und Recht behaupten: Ich habe alles erlebt“, erklärt Saliya Kahawatte, der nach psychischem und physischem Absturz 2006 sein Krankheitsbild öffentlich machte und trotz mittlerweile absolviertem Abschluss des Studiums der Hotelbetriebswirtschaftslehre (im Übrigen als weltweit erster Student mit einem Restsehvermögen von nur fünf Prozent) keine Anstellung fand. Die Folge: Hartz IV. „Wahrlich keine schöne Erfahrung. Es war im Grunde eine weitere Behinderung. Andere ziehen für dich die Grenzen. Heute berate ich ehrenamtlich Hartz-IVEmpfänger und versuche, ihnen klarzumachen, wie ich es geschafft habe, diese Grenzen zu überwinden. Hartz-IV ist wie ein Holzbalken. Du kannst dich daran hochziehen und dann hast du die Wahl: Schnitzt du dir daraus eine Krücke oder ein Sprungbrett? Oder gar die nächsthöhere Hürde?“ Saliya Kahawatte entschied sich für letzteres und gründete sein eigenes Unternehmen „minusVisus“, mit dessen Namen er die Sehbehinderung („minus“ und „visuell“) zur mittlerweile erfolgreichen Marke in den Bereichen Consulting, Coaching, Training und Eventorganisation gemacht hat. Seine 2009 erschienene Autobiografie „Mein Blind Date mit dem Leben“ soll in Kürze verfilmt werden, zudem soll dieses Jahr sein zweites Buch erscheinen, ein Lebensratgeber mit Schwerpunkt Buddhismus und Ayurveda, nach deren Lehren Saliya Kahawatte lebt und die in seine Beratungs- und Coachingtätigkeiten einfließen. Auch trainiert der Hamburger seit 2010 täglich, um 2016 im Langstreckenschwimmen bei den Paralympics anzutreten. Und was kommt als nächstes? „The sky is the limit.“

Herz und Portemonnaie

„Natürlich kann nicht jeder meine Mentalität haben“, relativiert Saliya Kahawatte seine letzte Äußerung. „Und auch ich kenne meine Grenzen. Dass ich keinen Stock benutze, bedeutet nicht, dass ich mir meiner Behinderung nicht bewusst wäre. Das ist etwas, das ich vor allem sehr erfolgsverwöhnten Mandanten immer wieder klar mache: Man muss auch seine eigenen Schwächen kennen. Nur so erkennt man auch wirklich seine Stärken und kann diese weiter ausbauen. Ich mag Menschen nicht, die sich zu wichtig nehmen. Ich sage dann immer: Wichtig kommt von Wicht.“ Beim Erfolg, so Kahawatte, komme es vor allem darauf an, effektiv aus Fehlern zu lernen. Wer glaube, vor ihnen gefeit zu sein, gehe Gefahr, an Niederlagen zugrunde zu gehen. „Das passt im Grunde auf fast alle Menschen, die zu mir kommen. Diejenigen, die immer funktioniert haben, bei denen alles reibungslos lief. Bis zu dem Punkt, an dem sie nicht weiter kommen. Das muss nicht unbedingt gleich einen Karriereknick bedeuten. Bei vielen läuft der Job weiter perfekt. Man merkt ihnen nichts an. Doch innerlich gehen sie zugrunde, wenn sie nicht die Reißleine ziehen.“ Und wie ändert Saliya Kahawatte das Leben derer, die mit einem solchen Problem zu ihm kommen? „Ich ändere gar nichts. Ich bin nur so etwas wie ein Copilot, gehe mit meinen Mandanten durchs Leben, teile mit ihnen Ängste, Sorgen, Hoffnungen – sowohl privat als auch beruflich. Es klingt zwar abgeschmackt, aber im Grunde leiste ich nur Hilfe zur Selbsthilfe. Und wenn ich alles richtig gemacht habe, erkennt der Mandant das, was auch ich zu meinem Credo gemacht habe: Die Arbeit muss sowohl das Portemonnaie als auch das Herz füllen.“ Work-Love-Balance also? „Ja, die Wortkreation trifft’s. Das Leben ist zu kurz, um auf etwas zu verzichten. Wenn man liebt, was man tut, hat man’s geschafft.“

Leidenschaft macht frei

Beispiele für jene, die es, wie Saliya Kahawatte sagt, „geschafft haben“, gibt es viele: Microsoft-Gründer Bill Gates, mathematikinteressiert und hochbegabt, war in der Schule ein Außenseiter, galt als Nerd, gründete mit 19 sein Unternehmen und zählt heute zu den reichsten Männern der Welt; Schriftstellerin Joanne K. Rowling schaffte unter Pseudonym den Aufstieg von der Sozialhilfeempfängerin zur Bestseller-Autorin; Oprah Winfrey hatte eine harte, von Gewalt, Missbrauch und Sucht geprägte Kindheit und Jugend und gilt heute als einflussreichste Amerikanerin. Allen gemein ist der bereits angesprochene Faktor, sich von Widrigkeiten nicht bremsen zu lassen. Fragt man sie, was sie dazu motiviert hat, selbst die größten Hürden zu überwinden, spielt die Leidenschaft immer wieder eine maßgebliche Rolle. „Die Leidenschaft ist das Geheimnis jedes großen Erfolges“, sagt auch Michael Dell, der sein Computerunternehmen mit gerade mal 1.000 Dollar Startkapital gründete. Denn Leidenschaft macht vor allem eins: mutig. Und Mut, das schreibt auch Speaker und Business-Expert Hermann Scherer in seinem Buch „Glückskinder“, unterscheidet diejenigen, die ihre Chance ergreifen, von jenen, die es nicht tun. Sie haben den Mut, Chancen zu erkennen und beim Schopfe zu packen. Sie sind frei. „Mit unserem Wunsch nach Sicherheit sind wir Gefängniswärter geworden und ketten uns ein Leben lang an, auch an ein Reihenhaus. So streben wir nach einer Sicherheit, die wir wahrscheinlich nie wirklich erlangen, opfern Freiheit und Selbstbestimmung für ein höheres Einkommen. Und kaufen damit Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.“

Der Griff nach den Sternen

Zum leidenschaftlichen Erfolg gehört also auch, dass man den Traum der Ratio vorzieht. Dass man an die eigene Idee glaubt, selbst wenn man dafür hohe Risiken eingehen muss, selbst wenn alle davon abraten. „Das Unrealistische zu versuchen, damit dürfen Sie nie aufhören“, rät Hermann Scherer. Und das ist nicht allein als Motivation gemeint, sondern hat durchaus auch einen rationalen Grund: „Es ist nämlich oft leichter, das Unrealistische zu erreichen, als das Realistische. 99 Prozent der Menschen auf dieser Welt glauben nicht daran, dass sie in der Lage sind, etwas Großes zu vollbringen, und streben nur nach dem Mittelmaß. Folglich ist gerade bei den realistischen Zielen der Wettbewerb am schärfsten. Deshalb ist es paradoxerweise besonders zeit- und energieaufwendig, solche vermeintlich einfachen oder normalen Ziele zu erreichen.“ Zwar spricht der Erfolgsexperte in dem Buch nicht direkt vom Erfolgsfaktor Leidenschaft, sondern von Chancenintelligenz, und bezeichnet jene, die sie besitzen, als „Glückskinder“, doch im Grunde lässt sich mit seinem folgenden Fazit abschließend noch einmal belegen, wie wichtig Hingabe, Passion und Liebe zu dem, was man tut, sind, um aus einer Idee etwas Großes entstehen zu lassen oder einen Traum zu verwirklichen: „Wenn wir die Idee verstehen, die hinter IKEA, McDonald’s, Facebook, Apple, SAP oder Mercedes-Benz steckt, wenn wir die Chance erkennen, die ein Ingvar Kamprad, ein Ray Arthur Kroc, ein Mark Zuckerberg, ein Steve Jobs, ein Dietmar Hopp oder ein Gottlieb Daimler einmal ergriffen haben. Wenn wir verstehen, was die großen Innovatoren mit Nelson Mandela, Rumi oder den Lazy Beggars verbindet, wenn wir allmählich ermessen können, was Chancenintelligenz bewirken kann, dann beginnen wir, auf unser Herz zu hören.“

Sie haben es geschafft. In ganz unterschiedlichen Branchen, mit teils klaren Zielen und teils kühnen Ideen. Was sie jedoch alle gemeinsam haben, das ist die Leidenschaft, mit der sie zum Erfolg gelangt sind…

Ivan Dikic
Ivan Dikic

Prof. Ivan Dikic, Krebsforscher an der Goethe Universität Frankfurt, der jüngst sowohl mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis als auch dem Ernst Jung-Preis für Medizin ausgezeichnet wurde „Ich habe mich immer auf Fragestellungen konzentriert, die mich fasziniert haben. Diese Begeisterung und die Möglichkeit, zusammen mit meinen Kollegen und Studenten an einem Projekt zu arbeiten, geben mir die Energie, es erfolgreich abzuschließen.“

 

Wolfgang Steubing
Wolfgang Steubing

Wolfgang Steubing, Gründer der Steubing AG, der sich wie kaum ein anderer in Frankfurt für Stiftungen, Sport und Institutionen engagiert. „Mich beeindruckt die Biographie von Warren Buffet. Sein Grundsatz ‚Investiere nur in das, was Du auch verstehst‘ ist eine verlässliche Leitlinie. Trotz seines Milliarden-Erfolgs ist er bodenständig geblieben, wohnt noch heute im gleichen Haus, das er 1958 in Omaha gekauft hat. Buffet zeigt, dass sich Ausdauer und Disziplin auszahlen. Auch sein soziales Engagement und seine Spendenbereitschaft halte ich für vorbildlich.

Horst Veith
Horst Veith

Horst Veith, Unternehmer, Lizenzgeber und Erfinder des Knickstrohhalms, der Moon Boots und des Sicherheitsgurts für Kindersitze „Das wirkliche Geheimnis meines Erfolges bleibt geheim, weil es zu viele Diebe gibt. Aber die Ergebnisse können gekauft werden.“

 

 

Joanne K Rowling
Joanne K Rowling

Joanne K. Rowling, die es von der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin zur Bestseller-Autorin und einer der reichsten Frauen der Welt schaffte „Ich glaube an harte Arbeit und glückliche Umstände, und dass eines oft zum anderen führt.“

 

 

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel, gebürtiger Heppenheimer, Red Bull-Pilot und jüngster dreifacher Formel 1-Weltmeister aller Zeiten „Siegen macht süchtig.“

 

 

 

 

Hilmar Hoffmann
Hilmar Hoffmann

Prof. Hilmar Hoffmann, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, Erfinder des Museumsufers, jüngst ausgezeichnet mit dem Hessischen Kulturpreis und Verfechter des Mottos „Kultur für alle“ „Persönlicher Erfolg ist, wenn er auch anderen nützt.“

 

 

Oprah Winfrey
Oprah Winfrey

Oprah Winfrey, die es aus der Unterschicht zur Talkshow-Ikone brachte und seit Jahren die Forbes-Liste der bestverdienenden Prominenten anführt „In diesem Augenblick das Beste zu tun, bringt dich in die beste Situation für den nächsten Augenblick.“