Noch bevor sie das Küchenstudio in Frankfurt betritt, hören wir sie lachen: Alexandra Kamp hat sich mit uns zum gemeinsamen Kochen verabredet. Es gibt Lamm aus dem Ofen und Taboulé-Salat. Dazu einen kräftigen Côtes du Rhône und jede Menge witzige Anekdoten der weitgereisten Schauspielerin, die zurzeit auf der Bühne in Frankfurt zu sehen ist. Text: Natalie Rosini, Fotos: Michael Hohmann

Alexandra Kamp bei der Zubereitung ihres Gerichts für Top Magazin Frankfurts "Prominente am Herd"
Alexandra Kamp bei der Zubereitung ihres Gerichts für Top Magazin Frankfurts „Prominente am Herd“

Fenchelknollen, duftende Minze, frische Feigen, saftiges Lammkarree, ein Gläschen Champagner als „Koch-Starthilfe“. Madame liebt es wohl Französisch? „Oh ja, die französische Küche ist mir eine der liebsten“, erklärt Alexandra Kamp, die sich sofort auf die herrlichen Zutaten stürzt und anfängt zu waschen und zu hacken. „Dabei mag ich vor allem die vielen kulturellen Einflüsse, die ich während meiner Zeit in Paris sehr genossen habe. Diese Taboulé-Variante geht zurück auf einen Trick, den eine Freundin aus Frankreich von ihrer marokkanischen Oma hat: Sie röstet das Couscous in einer Pfanne ohne Öl an. Dadurch entwickelt es Röstaromen, die ihm eine feine nussige Note geben.“

Küchentalk

Nach dem Rösten übergießt Alexandra das Couscous mit Gemüsebrühe und lässt es quellen. Derweil schnippelt sie Gurken und Tomaten, welche sie entkernt, „damit das Taboulé nicht matschig wird“, in kleine Würfel, gibt fein gehackte glatte Petersilie und Minze dazu und mischt alles in einer großen Schüssel. Angemacht wird der Salat mit etwas Kreuzkümmel, Zitronensaft, Olivenöl und Fleur de Sel. „Das Rezept ist wirklich supereinfach und schnell gemacht. Ich koche gern für Freunde, da möchte ich nicht ewig am Herd stehen, sondern mich meinen Gästen widmen. Deshalb auch das Lamm aus dem Ofen: Es macht sich quasi wie von selbst, und während es in der ganzen Wohnung duftet, kann schon mal ein Gläschen getrunken und geschnackt werden.“ Und mit Alexandra zu schnacken ist wahrlich ein Vergnügen: Sie hat in spannenden Metropolen wie Paris, Barcelona, London und New York gelebt und gearbeitet und hat dementsprechend viel zu erzählen. So war sie quasi dabei, als Richard Gere Cindy Crawford den Heiratsantrag machte…

Karriere in Manhattan, Wurzeln in Mainhattan

Alexandra Kamp im Gespräch mit Top Magazin Chefredakteurin Natalie Rosini
Alexandra Kamp im Gespräch mit Top Magazin Chefredakteurin Natalie Rosini
„Ich hab natürlich nicht mit am Tisch gesessen und Richard den Ring gereicht“, lacht sie, „aber ich war da, als er Cindy im New Yorker Restaurant Bouley an Tisch 2 um ihre Hand bat. Ich habe damals dort gearbeitet, um mir mein Schauspielstudium zu finanzieren. Und ich scheine das nicht allzu schlecht gemacht zu haben: Ich war Maitre D, also Chefkellnerin, in einem der angesagtesten Lokale Manhattans.“ Gut macht sich Alexandra auch am Herd: Nachdem sie das Lamm auf einem Bett aus Fenchel und bedeckt mit Feigen in den Ofen geschoben hat, ist die Küche nach wenigen Minuten wieder sauber. „Das ist dann wohl deutsche Gründlichkeit. Zumal ich ohnehin ein Fan meiner deutschen Heimat bin. Und natürlich deutscher Küche. Für einen saftigen Schweinebraten, ein schönes Bier und knuspriges rheinisches Brot lasse ich jede noch so teure Delikatesse stehen.“ Auch eine Frankfurter Spezialität hat es Alexandra angetan: „Von Grüner Soße kann ich gar nicht genug bekommen. Immerhin habe ich hessische Wurzeln: Mein Vater hat in ‚Die Hesselbachs‘ mitgespielt, meine Oma hatte lange Jahre ein Restaurant in Frankfurt. Oma Vera und mein Opa Bobbi waren übrigens die letzten, die in der Gedächtniskirche geheiratet haben, bevor sie im Krieg zerbombt wurde. Mich verbinden also viele schöne Erinnerungen mit Frankfurt. Deshalb freue ich mich auch so, wieder hier zu sein.“

Film noir statt Kitsch

Das saftige Lamm, das Alexandra noch mit ein paar Granatapfelkernen garniert hat, sowie das Taboulé, unter das sie vor dem Servieren noch etwas französischen Ziegenkäse mischt, schmecken herrlich zu dem kräftigen Rotwein. Chapeau! Das hätten wir von einer so viel beschäftigten Schauspielerin nicht erwartet. „Wenn man nicht bodenständig bleibt und sich seinen Freundes- und Familienkreis bewahrt, kann der Job einen auszehren. Deshalb habe ich ein weiteres Theater-Engagement nach meiner Zeit hier in Frankfurt abgesagt, um eine Art Winterpause zu machen.“ Und wie muss man sich eine solche „Auszeit“ vorstellen? „Freunde treffen, zusammen kochen, ins Theater, Ausstellungen, Kino und zu Konzerten gehen und einfach mal auf der Couch fläzen und fernsehen.“ Wir wollen natürlich wissen, was Alexandra gerne sieht: „Ich mag die Sitcom ‚Will & Grace‘. Und die Serie ‚The Mentalist‘. Vor allem,dass der Hauptdarsteller sich an jedem Tatort erst mal einen Tee macht. Verschrobene Charaktere gefallen mir. Und ich liebe den Humor von Loriot, Heinz Erhard und natürlich Hape Kerkeling. Was ich hingegen gar nicht gerne sehe, sind Liebes- und Actionfilme. Dann doch lieber einen schönen alten Godard oder Truffaut.“

10.000 Schritte am Tag

Alexandra Kamp ist ein Genussmensch
Alexandra Kamp ist ein Genussmensch
Stolz blickt die Köchin auf unsere leeren Teller und erzählt uns, wie sie es als Genussmensch schafft, so schlank zu bleiben. „Ehrlich gesagt bin ich ein Sportmuffel. Aber weil ich auf gutes Essen nicht verzichten will, habe ich mir vor Jahren angewöhnt, so viel wie möglich zu laufen. Mindestens 10.000 Schritte am Tag. Das kontrolliere ich mit einem Schrittzähler. So bleibe ich in shape und bekomme viel von den Orten mit, an denen ich gerade bin.“ Auch Frankfurt wird sie sich während ihrer Zeit am Fritz Rémond Theater, wo sie bis 16.10. an der Seite von Volker Brandt im Zwei- Personen-Stück „Achterbahn“ zu sehen ist, „erlaufen“. Und erobern wird Alexandra die Mainmetropole sicher auch: mit ihrer Ausstrahlung, ihrer offenen Art und ihrem ansteckenden Lachen, das uns wie ihr köstliches Essen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Merci, Mademoiselle Kamp!

 

 

  • Alexandras Taboulé


  • Alexandra Kamps Taboulé
    Alexandra Kamps Taboulé

    Zutaten für 4 Personen:

    350 Gramm Couscous, 4 Bund frische Pfefferminze, 1 Salatgurke, 1 Packung Cherrytomaten, 3 Bund glatte Petersilie, Kreuzkümmel, 2 Biozitronen, Olivenöl, Fleur de Sel, 250 ml Gemüsebrühe,

    Zubereitung:

    Couscous ohne Fett in einer beschichteten Pfanne anrösten. Gemüsebrühe darüber geben und quellen lassen. Salatgurke und Tomaten entkernen und in kleine Würfel schneiden. Petersilie und Minze fein hacken. Alles in eine große Schüssel geben. Öl, Zitronensaft, Salz und eine Prise Kreuzkümmel vermischen und unter den Salat rühren. Couscous hinzufügen, alles gut verrühren und etwas ziehen lassen. Wahlweise mit etwas zerbröseltem Ziegenkäse oder griechischem/türkischem Joghurt servieren.

  • Lammkarree mit Fenchel und Feigen


  • Alexandra Kamps Lammkarree mit Fenchel und Feigen
    Alexandra Kamps Lammkarree mit Fenchel und Feigen

    Zutaten für 4 Personen:

    4 kleine Fenchelknollen geschnitten, 6 Feigen halbiert, 2 Esslöffel Olivenöl, Fleur de Sel und im Mörser zerstoßener Pfeffer, 3-4 EL Weißweinessig, 2 Esslöffel brauner Zucker, 8 Lammkoteletts im Karree

    Zubereitung:

    Den Ofen auf 200 C vorheizen. In einer feuerfesten Form Fenchel und Feigen verteilen. Öl, Salz, Pfeffer, Essig und Zucker vermengen und darüber geben. Circa 10 Minuten in den Ofen geben, bis der Fenchel etwas weicher ist. Das Lamm mit dem Meersalz und dem zerstoßen Pfeffer einreiben, gegebenenfalls das Fett kreuzweise einschneiden und das Karree auf die Fenchel-Feigen-Mischung geben. Weitere 20 Minuten backen, so dass das Fleisch innen noch schön rosa ist.