Bärbel Schäfer sorgte in den 90er Jahren mit ihrer eigenen Talkshow für bunte Unterhaltung im deutschen Nachmittagsfernsehen. Mittlerweile arbeitet sie als Journalistin und Autorin, ihrer Leidenschaft zur Moderation ist sie unter anderem mit ihrem Sonntagstalk im Hessischen Rundfunk treu geblieben. Mit Top Magazin Frankfurt hat sie als Prominente am Herd über Schicksalsschläge, den Mut zur Wahrheit sowie ihre Liebe zum gesprochenen und geschriebenen Wort geredet.

Als sie mit ihrem Fahrrad um die Ecke biegt, erkennen wir sie sofort an ihrem unverwechselbaren hellblonden Schopf. „In der Stadt fahre ich immer mit dem Rad, das ist viel praktischer“, erklärt Bärbel Schäfer, als wir sie nur kurz darauf im Engel & Voelkers Showroom begrüßen, wo wir heute in der Küche des Küchenhaus Süd gemeinsam kochen werden.

Mitgebracht hat die Moderatorin und Autorin uns die Rezepte für ein winterliches Menü, bestehend aus einigen ihrer Lieblingsrezepten: Zur Vorspeise gibt es feurig-süßen Chili-Honig-Schafskäse auf einem Bett aus Feldsalat an frischen Feigen, das Hauptgericht bildet winterlich gewürzter Lachs auf einem Gemüsebett. Als Dessert wartet auf uns zudem ein mit Eis und Walnüssen garnierter Aprikosen-Crumble.

Kleine Sünden

„Familien brauchen ja immer etwas auf dem Tisch, ich koche daheim fast täglich“, erzählt die Mutter zweier Söhne, während sie sich flink unsere Kochschürze umbindet und die Zutaten für den ersten Gang begutachtet. Sie selbst ernähre sich am Abend hauptsächlich ohne Kohlenhydrate, berichtet sie uns, während sie den gewaschenen Feldsalat auf den Tellern verteilt und kurz darauf einige Feigen klein schneidet.

Bärbel Schäfer bereitet die Feigen für die Vorspeise vor.
Bärbel Schäfer bereitet die Feigen für die Vorspeise vor.

„Ich bin da aber nicht dogmatisch, eher pragmatisch“, erklärt die Wahl-Frankfurterin, die in Bremen aufgewachsen ist. „Ein Dessert ist abends schon mal mit dabei.“ Mit gekonnten Handgriffen vermischt sie Schafskäse und Feigenstücke, bevor die Masse in die Feigen gefüllt wird. „Jetzt noch mit Honig und Chili verfeinern – fertig! So schnell geht das“, verkündet sie schon kurz darauf.

Auch bei Schäfer zuhause muss es in der Küche oft schnell gehen. „Man weiß: Es war ein langer Tag, alle haben Appetit“, berichtet die Moderatorin. „Da kommt dann auch einfach das auf den Tisch, was der Kühlschrank noch hergibt.“

Unsere heutige Hauptspeise sei eines der Gerichte, das sie gerne und oft zubereite, erklärt sie, während sie das Lachsfilet mit Zitronensaft beträufelt und mit winterlichen Gewürzen wie Zimt und Koriander bestreut. „Manchmal nervt Kochen natürlich auch. Für eine berufstätige Mutter bedeutet das auch mal Stress“, gibt sie o en zu, unterdessen belegt sie den Fisch mit Blutorangenscheiben. „Ab in den Ofen damit!“

Palette des Lebens

Während der Lachs nun vor sich hin schmort und in der Küche den warmen Duft von Zimt verströmt, werden Fenchel, Zucchini, Paprika, Zwiebeln, Knoblauch, Möhren und Orangen kleingeschnitten. „Zu Talkshowzeiten habe ich eigentlich überhaupt nicht gekocht“, erinnert sich Schäfer, die in den 1990ern mit ihrer Sendung „Bärbel Schäfer“ eines der beliebtesten Nachmittags-Programme des deutschen Fernsehens prägte, zurück.

„Da hatte ich noch keine eigene Familie und war praktisch die ganze Zeit im Studio.“ Ihre damalige Talkshow vermisse sie nicht. „Ich bin dem Gespräch ja treu geblieben“, stellt die 53-Jährige fest, während sie das Gemüse anbrät. Seit sieben Jahren moderiert sie für den Hessischen Rundfunk den hr3-Sonntagstalk, für ihr Radio-Interview mit einer Asperger-Autistin war sie kürzlich für den deutschen Radiopreis nominiert.

Bärbel Schäfer beim Zubereiten des Grillgemüses für die Hauptspeise
Bärbel Schäfer beim Zubereiten des Grillgemüses für die Hauptspeise

„Auch alle anderen Formate, die ich bisher gemacht habe, waren Gesprächsformate“, erzählt sie. „Ob nun Nachmittagssendungen im Privatfernsehen oder Politiksendungen am Abend. Das Gespräch ist mein Zuhause.“ Mit ihrer eigenen Talkshow verbindet sie bis heute trotzdem eine eindringliche Zeit.

„Es war das erste Mal, dass normale Menschen auch am Nachmittag aufgetreten sind – mittlerweile ist das Gang und Gäbe“, erklärt Schäfer. „Wir hatten Politiker da, die mit Erstwählern diskutiert haben, aber auch Themen wie Diäten, Haarschnitte und Sex. Wir haben die ganze Palette des Lebens abgebildet.“

Der Hauptgrund für die besondere Erinnerung an diesen Abschnitt ihres Lebens ist aber ein anderer. „Es war eine intensive Zeit, weil ich dieses Format mit meinem Bruder zusammen produziert habe“, beginnt die Moderatorin zu erzählen. Vor vier Jahren kam dieser bei einem Autounfall ums Leben. Gemeinsam hatten die beiden 1998 die Produktionsfirma „Couchpotatoes“ gegründet, die fortan unter anderem ihre Talksendung produzierte. „Wenn ich jetzt daran zurückdenke, denke ich vor allem an ihn und an all die Verbindungen, die noch da sind.“

Ist da oben jemand?

Der Tod ihres Bruders war nicht das erste Mal, dass die Moderatorin lernen musste, mit dem plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. 1998 starb ihr Lebensgefährte, der Fotograf Kay Degenhard, ebenfalls bei einem Autounfall. „Ich bin immer noch ich“, versucht Schäfer ihren Umgang mit diesen Schicksalsschlägen zu beschreiben. „Aber ich bin verletzbarer geworden. Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn einem der Tod unter die Haut kriecht.“

„Ich wollte für all diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Worte finden.“  Bärbel Schäfer

Oft überfalle sie die Trauer wie ein Tsunami und ohne Vorwarnung. Etwa, wenn jemand das Parfüm trage, das auch ihr einziger Bruder benutzte. „Menschen, die trauern, funktionieren ja im Alltag trotzdem weiter“, stellt Schäfer klar. „Aber wir sind eben doch alle Verwundete, die durch dieses Leben gehen.“ Ihre traumatischen Erlebnisse hat sie niedergeschrieben. „Ist da oben jemand?“ lautet der Titel des Buchs.

„Ich glaube, ich wäre implodiert, hätte ich das nicht getan“, gesteht sie. „Es ist für mich aber dennoch keine Therapie gewesen. Ich wollte nicht nur für mich, sondern für all diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Worte finden.“

Nachmittage mit Eva

Vorspeise und Hauptgang sind inzwischen vorbereitet, nun gehen wir über zum Dessert. Die Aprikosen werden klein geschnitten, aus Mehl, Butter und reichlich Zucker werden zügig Streusel geknetet. Dann wandert die gefüllte Auflaufform in den Backofen. Auch in ihrer neuesten Erzählung hat sich die Autorin einem Thema gewidmet, das keine leichte Kost ist.

In ihrem neuesten Buch schildert Bärbel Schäfer ihre Treffen mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Szepesi.
In ihrem neuesten Buch schildert Bärbel Schäfer ihre Treffen mit der Auschwitz-Überlebenden Eva Szepesi.

„Meine Nachmittage mit Eva. Über Leben nach Auschwitz“ heißt es, in ihm schildert Schäfer ihre wöchentlichen Treffen mit der 85-jährigen Eva Szepesi. Sie ist eine der letzten Überlebenden eines Konzentrationslagers, mit elf Jahren wurde sie nach Auschwitz gebracht.

Bei einer Veranstaltung trafen sich die beiden Frauen zum ersten Mal, aus wiederholten Treffen entstand eine Freundschaft. „Die Begegnung mit Eva war für mich der Anstoß, mich auch auf eine Reise zu den dunklen Schatten meiner Familie zu begeben“, erläutert Schäfer.

„Ich glaube, dass das Schweigen in deutschen Familien keine Ausnahme ist. Ich bin aber der Meinung, dass auch die schlimmste Wahrheit besser ist, als fortwährend zu schweigen oder etwas schön zu reden.“

Vergangenheit trifft Gegenwart

Für sie gehört der Umgang mit dieser Wahrheit zu ihrem alltäglichen Leben. „Ich glaube, dass das Verdrängen und Schweigen in vielen deutschen Familien, wie auch in der meinigen, keine Ausnahme war.“

Seit 2004 ist Schäfer mit Michel Friedman, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, verheiratet, dessen Eltern und Großeltern den Holocaust nur dank Oskar Schindler überlebten. Sie selbst konvertierte nach der Hochzeit zum Judentum. Nicht nur die Geschehnisse der Vergangenheit, auch die aktuellen politischen Entwicklungen seien erschreckend.

„Während all die Nachmittage mit Eva verstrichen, passierte politisch einiges in unserem Land“, berichtet Schäfer nachdenklich und meint damit insbesondere den Einzug rechtsnationaler Parteien in Landtage und Bundestag. „Momentan werden rassistische und antisemitische Sprüche wieder in einer Form geäußert, die es so lange Zeit nicht gegeben hat. Gerade deswegen bin ich der Meinung, dass das Buch genau in diese Zeiten passt.“

Nach einer halben Stunde im Ofen ist der Crumble fürs Dessert fertig.
Nach einer halben Stunde im Ofen ist der Crumble fürs Dessert fertig.

Der Crumble ist mittlerweile fertig, die Moderatorin holt die dampfende und süß duftende Nachspeise aus dem Backofen. „Perfekt – genau so muss er aussehen“, befindet Schäfer zufrieden und verteilt das mit Streuseln überbackene Obst auf den Tellern. Eine ordentliche Kugel Vanille-Eis obendrauf, mit Karamellsoße beträufeln und mit Walnüssen garnieren – et voilà, fertig ist unser heutiges Dessert.

Auch Vor- und Nachspeise landen endlich auf dem Tisch und wir lassen es uns schmecken. „Gleich geht es für mich noch weiter zum hr, den nächstem Sonntags-Talk vorbereiten“, verrät die Moderatorin, während wir unser Menü genießen. So müssen wir uns auch schon wenig später von ihr verabschieden, mit einem letzten Winken in unsere Richtung schwingt sie sich wieder auf ihr Rad. Wir sind uns einig: Bärbel Schäfer hat uns heute nicht nur mit ihren Kochkünsten, sondern außerdem mit überraschend ehrlichen Einblicken in ihr Leben überzeugt.


Danke…

… an den Engel & Völkers Showroom und Küchenhaus Süd für die Location, das Scheck-In-Center Frankfurt für die Bereitstellung aller Zutaten, die Famous Face Academy für das Make-Up von Bärbel Schäfer, Markus Nussbaumer und das Weingut Donnafugata für die korrespondierenden Weine sowie Blütesiegel für die florale Tischdekoration.

Der Showroom auf der Hochstraße ist ein Präsentationskonzept von Engel & Völkers, in dem Marktführer wie das Küchenhaus Süd, die HiFi-Pofis oder Roche Bobois vertreten sind und Einrichtungsideen erlebbar machen.


„Meine Nachmittage mit Eva. Über Leben nach Auschwitz“

'Meine Nachmittage mit Eva - Über Leben nach Auschwitz' von Bärbel Schäfer
‚Meine Nachmittage mit Eva – Über Leben nach Auschwitz‘ von Bärbel Schäfer

Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer die Auschwitz-Überlebende Eva Szepesi. Gemeinsam lachen, schweigen und weinen die beiden Frauen.

In ihrem Buch berichtet die Autorin von den gemeinsamen Nachmittagen und verwebt ihre eigene Lebensgeschichte sowie die Geschichte ihrer Großeltern mit dem Gestern Evas.

Sie spricht über die unfassbaren Erlebnisse, die sie damals als 11-jährige im Konzentrationslager erleiden musste. Eine bewegende Erzählung, die auch auf aktuelle politische Entwicklungen Bezug nimmt.


Rezepte

Chili-Honig-Schaftskäse an frischen Feigen

Chili-Honig-Schaftskäse an frischen Feigen
Chili-Honig-Schaftskäse an frischen Feigen

2 Packungen Schafskäse
1 frische Chili
Etwas Chilipulver
2 TL flüssiger Honig
4 frische Feigen
1 Packung Feldsalat
Etwas Thymian

Den Feldsalat waschen und auf den Tellern anrichten. 2 Feigen, Schafskäse und frische Chili kleinschneiden. Mit Honig und Chilipulver mischen. Restliche Feigen aufschneiden. Chili-Honig-Schafskäse-Feigen-Mischung in Feigen füllen. Mit Thymian garnieren.

Weinbegleitung

Lighea Sicilia DOC / Donnafugata – Zibbido (Moscato)
Strohgelber, frischer Weißwein mit umfangreichem und duftendem Bouquet mit Noten von Orangenblüten und Tellerpfirsich. Belebender Geschmack mit mineralischer Note.

Winterlich gewürzter Lachs auf Gemüsebett

Bärbel Schäfers Winterlich gewürzter Lachs auf Gemüsebett
Bärbel Schäfers Winterlich gewürzter Lachs auf Gemüsebett

500 g Lachsfilet mit Haut
1 Knolle Knoblauch
2 Knollen Fenchel
1 Zwiebel
2 Zucchini
2 rote Paprika
1 Bund Möhren
1 Blutorange
2 Orangen
1 Zitrone
1 Bund Dill
Etwas Meersalz
Ewas Pfeffer
Olivenöl
25 g Korianderkörner
30 g Sternanis
Etwas Zimt

Lachs waschen und abtupfen, mit etwas Zitronensaft beträufeln. Mit Salz, Pfeffer, Zimt, Sternanis und Koriander würzen. Blutorange in Scheiben schneiden und Lachs damit belegen. Bei 200 Grad ca. 30 Minuten in Ofen schieben. In der Zwischenzeit Gemüse und Orangen klein schneiden und in Pfanne anbraten. Wenn fertig, Lachs auf Gemüse betten, mit etwas Dill bestreuen und anrichten.

Weinbegleitung

Floramundi Cerasuolo di Vittoria Sicilia DOCG / Donnafugata
– Nero d’Avola, Frappato
Der rubinfarbene Rotwein bietet ein duftendes Bouquet und passt mit seiner aromatischen Tiefe und frischem Gaumen mit weichen Tanninen auch perfekt zu Fisch-Gerichten.

Aprikosen-Crumble mit Vanille-Eis und Walnüssen

Aprikosen-Crumble mit Vanille-Eis und Walnüssen
Aprikosen-Crumble mit Vanille-Eis und Walnüssen

200 g Butter
3 TL brauner Zucker
3 TL weißer Zucker
1 Tasse Zucker
300 g Mehl
2 Dosen Aprikosen oder 5-6 frische Aprikosen
1 Packung Vanille-Eis
1 Packung Walnüsse

Aprikosen in Stücke schneiden. In Auflaufform auslegen. Mehl, Butter und 6 TL Zucker zu Streuseln kneten. Auf Aprikosen verteilen. Bei 200 Grad ca. 30 Minuten in Ofen schieben. In der Zwischenzeit die Tasse Zucker karamellisieren. Wenn fertig, Crumble auf Teller platzieren. Mit Eiskugel, Walnüssen und Karamellsoße anrichten.

Weinbegleitung

Ben Ryé Passito di Pantelleria DOC / Donnafugata
-Zibbido (Moscato) Bernsteingelb strahlt dieser Süßwein, den intensive Aprikosen- und Pfirsichnoten dominieren. Beeindruckende Komplexität zwischen Süße, Würze und Weichheit.


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