Verspeisen konnte es einst nur der Adel. Wer sein Rezept verriet, war des Todes. Wir machen das einzig wahre, rühmen sich die Italiener. Der Anspruch auf Exklusivität zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte von Speiseeis. Dass der Verzehr heute für jedermann möglich ist, schmälert den Genuss nicht. Im Gegenteil, zeigt doch der Blick auf die Frankfurter Eislandschaft: Seine Qualität ist so vortrefflich wie nie.

Was haben Alexander der Große, Nero und Goethe gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch in kulinarischer Hinsicht teilten Feldherr, Tyrann und Dichterfürst durchaus etwas miteinander: ihre Vorliebe für Eis. Und noch eine Tatsache in der Geschichte der kalten Leckerei überrascht. Auch wenn einem bei Eis sofort die Italiener einfallen – mit seiner Erfindung hatten die nichts zu tun. Aber wer war es dann? Die Chinesen! Bereits um 3.000 vor Christus sollen sie Schnee in unterirdischen Kellern gelagert und mit zerstoßenen Früchten verfeinert haben. Auch die Griechen stellten Vorläufer des heutigen Speiseeises her. Da es von Griechenlands höchstem Gebirge und mythologischem Göttersitz – dem Olymp – stammte, wurde es als „Speise der Götter“ geschätzt. Eis fungierte in der Antike nicht immer nur als reines Genussmittel: Hippokrates etwa riet seinen Patienten zum Verzehr, da er eine gesundheitsfördernde Wirkung unterstellte. Alexander der Große verabreichte den mit Wein, Honig und Apfelsaft versetzten Schnee seinen Soldaten vor Schlachten. Und der für seine Grausamkeit berüchtigte Kaiser Nero war zumindest Gästen, die er am Leben ließ, ein guter Gastgeber: Er servierte ihnen die kalte Köstlichkeit mit Baumharz gewürzt. Mit Untergang des Römischen Reiches ging das Wissen der Eis-Herstellung vorerst verloren. Bis Weltumsegler Marco Polo Ende des 13. Jahrhunderts von seiner Chinareise nach Venedig zurückkehrte. Hier hatte er nicht nur Speiseeis entdeckt, sondern auch Gaststätten, die außer diesem nichts anderes verkauften – die Vorläufer der Eisdielen! Der Kaufmann präsentierte seinen ungläubigen Landsleuten einige aus China mitgebrachte Rezepte. Sie funktionierten. Der Grundstein für die italienische Eisherstellung war gelegt. Der Fairness halber dürfen hier aber auch die Araber nicht unerwähnt bleiben: Auch sie hatten bereits früh Kenntnis von der Herstellung eines Sorbets, aus dem Arabischen von „Sherbet“. Über die Kreuzfahrer fand auch ihr Wissen den Weg nach Europa.

Eis für den Adel – Eis für alle

Corrado Spadotto an der Eismaschine
Corrado Spadotto an der Eismaschine
Aus 1530 datiert ein Meilenstein für die Eisherstellung und hier war dann auch wirklich ein Süditaliener am Werk. Ein sizilianischer Zuckerbäcker erzeugte künstliche Kälte mit Hilfe von Salpeter. Durch diese Entdeckung konnte man Eis nun unabhängig von der Jahreszeit herstellen. In der Folgezeit wurde es besonders am Hofe genossen. Mit anderen teilen wollte die Obrigkeit den neu entdeckten Genuss durchaus nicht. So drohte Karl I. von England dem Eiskonditor seiner Gattin gar mit dem Tod, sollte der seine Eisrezepte preisgeben. Ein Jahrhundert später, 1651, tritt ein weiterer für die Eisgeschichte bedeutsamer Italiener in Erscheinung: Der Sizilianer Procopio dei Coltelli eröffnete in Paris das erste Eiscafé, von Ludwig XIV. dafür sogar mit einer königlichen Lizenz ausgestattet. Auch selbst versuchte der Sonnenkönig aus der Beliebtheit von Eis Profit zu schlagen und führte eine Speiseeissteuer ein. Wennschon  sie nun für die kalte Leckerei zahlen mussten, bedeutete dies einen Vorteil für den einfachen Bürger, denn so wurde auch ihm Eis endlich zugänglich gemacht. In der Folge trat Eis einen wahren Siegeszug durch Europa und Amerika an. In Deutschland war man sich anfangs nicht sicher, ob die neue gefrorene Leckerei auch gut bekomme. Diese Skepsis musste 1759 der zehnjährige Goethe am eigenen Leib erfahren, als ihm von einem Gast seiner Familie eine Portion Eis geschenkt wurde, welche die Mutter zum großen Entsetzen des Jungen einfach weggoss, weil, so schrieb Goethe später, „es ihr unmöglich vorkam, dass der Magen ein wahrhaftes Eis, wenn es auch noch so durchzuckert sei, vertragen könne.“ Ungeachtet dieses schmerzlichen Erlebnisses soll Goethe in späteren Jahren noch reichlich Gelegenheit zum Eisgenuss gehabt haben und ein großer Liebhaber von Himbeereis geworden sein. Und wenngleich Mütter meistens richtig liegen, hier irrte sich die Frau Mama: Eis erwärmt sich im Körper rasch und ist somit in der Regel gut verträglich. Auch in der Neuen Welt wurde Eis im 18. Jahrhundert immer beliebter. Dazu trugen vor allem die ersten amerikanischen Präsidenten bei, die bei Empfängen Eis servieren ließen. Aus Amerika stammt zudem eine wichtige technische Innovation für die Eisherstellung: Die Hausfrau Nancy Johnson aus New Jersey erfand 1843 die erste von Hand betriebene Eismaschine. Doch erst Carl von Lindes Kältemaschine ebnete 1876 den Weg zur Massenproduktion. Strittig ist die Frage nach dem Erfinder des Waffelhörnchens. Die Amerikaner beanspruchen die geistige Urheberschaft für sich und garnieren diese Behauptung mit einer Lovestory: Kirmes-Eismann Charles Menses, verliebt in die Tochter eines Dampfer-Kapitäns, soll 1904 aus Mangel an sauberen Untertassen spontan ein Eis in die Waffel vom Stand eines anderen Ausstellers gestopft haben, um es seiner Angebeteten anzutragen. Eine schöne Geschichte. Doch hier haben die Italiener wirklich das letzte Wort, verweisen sie zu Recht darauf, dass der italienische Einwanderer und Zitroneneisverkäufer Italo Marchiony das Waffelhörnchen bereits acht Jahre früher, 1896, zum US-Patent angemeldet hatte.

Hochgenuss aus tiefem Tal

Der Klassiker bei Eis Christina - Spaghetti-Eis
Der Klassiker bei Eis Christina – Spaghetti-Eis
Überhaupt, die Italiener. Waren Sie am Ende doch nur einer von vielen Akteuren in der Speiseeis-Geschichte? Nein, durchaus nicht. In Italien hatte es nach Marco Polo angefangen, hier gedieh das Eis-Handwerk am prächtigsten. In den 1920er Jahren brachten italienische Immigranten die Speiseeiskultur nach Deutschland. Manche verkauften Eis von ihrem Wagen aus, andere aus ihrem eigenen Wohnungsfenster heraus. Um ihren Kunden den Zugang zur Fensteröffnung zu erleichtern, legten sie Dielen darunter. Aus dieser baulichen Maßnahme leitete sich auch der Name für die Eisläden ab: Eisdielen. Und stammte Eis bei den Griechen einst vom höchsten Berg, jetzt kam es aus einem Tal. Aus dem ‚Val di Cadore‘ nämlich. Aus dieser von den Dolomiten umrahmten Tallandschaft im norditalienischen Venetien zog der Großteil der italienischen Eisdielen-Besitzer nach Deutschland und Österreich, weshalb es auch das „Tal der Gelatieri“ genannt wurde. Folgerichtig lautete dann auch der Name vieler Eisdielen dieser ersten Eismacher-Generation nach ihrer Herkunft: „Dolomiti“.

Eine Waffel voll Glück

Francesco Covre, De Pellegrin
Francesco Covre, De Pellegrin
Viele Jahre blieben die italienischen Eismacher in Deutschland weitestgehend konkurrenzlos. „Bis in die 50er Jahre war da niemand sonst“, erinnert sich etwa Francesco Covre vom Eiscafé „De Pellegrin“ in Bad Homburg. 1952 eröffnete sein Onkel Giustino de Pellegrin diese, die erste italienische Eisdiele in der Louisenstraße. Schnell wurde sie in Frankfurt und Umgebung zum Geheimtipp. Der berühmteste Stammgast: kein Geringerer als Elvis Presley! Als der King 1958/59 im etwa zwanzig Kilometer entfernten Friedberg als Soldat stationiert war, kam er des Öfteren auf einen Eisbecher vorbei. Und auch heute noch würden sehr viele Kunden von weiter her anreisen, um im „De Pellegrin“ ihr Eis zu genießen, erzählt uns Francesco Covre. Der Eisdielenbetreiber mit der Nickelbrille weiß auch, warum: „Unser Erfolgsgeheimnis sind die hochwertigen Zutaten. Hier, schauen Sie mal.“ Er holt eine längliche Vakuum-Box aus dem Lager und öffnet sie. Darin: fingerdicke Vanille-Schoten, prall gefüllt mit ihren aromatischen Samenkörnern. Francesco Covre nimmt eine von ihnen heraus, lässt uns einige Körner zwischen den Fingern zerreiben. „Und nun riechen Sie!“ Ein intensiver, warmer Duft, die pure, satte Vanille, strömt uns entgegen. „Ein echtes Aphrodisiakum, nicht?“, fragt Covre. „Dieses wunderbare, natürliche Parfum hält bis abends an den Fingern.“ Eine Qualität, die Covre einiges wert ist. 270 Euro pro Kilo bezahlt der Eisdielenbetreiber für die Luxus-Schoten, die er aus Haiti bezieht. Auch für den Kunden gibt’s das Eis nicht zum Schnäppchenpreis – eine Kugel kostet ihn 1,20 Euro. Keinen Cent zu viel, findet Francesco Covre und erklärt selbstbewusst wieso: „Ich mache das beste Eis, was es gibt, und verlange dafür den Preis, den es wert ist.“ Der Erfolg gibt ihm Recht, das „De Pellegrin“ ist auch an diesem, einem der ersten Sonnentage des Jahres, bis auf den letzten Platz besetzt. „Eis ist ein Erlebnis. Wir sorgen dafür, dass es dem Kunden in Erinnerung bleibt“, erklärt Covre, „so kommt er immer zu uns zurück“ Der Job als Eisverkäufer sei eine durch und durch erfüllende Aufgabe: „Ich mache Menschen durch meine Arbeit eine Freude. Das Glück ist direkt an den Gesichtern abzulesen. In welchem anderen Beruf hat man das schon?“ Als wir aufbrechen, verrät er uns, wie ein gutes Eis von einem schlechtem zu unterscheiden ist: „Immer auf den Nachgeschmack achten!“ Einen bleibenden olfaktorischen Eindruck haben wir schon mal: Der zarte, angenehme Vanilleduft an den Fingern hält sich tatsächlich.

Bio-Eis auf dem Vormarsch

Experten für Bio-Eis - Lorenzo und Karina Bizzi mit ihren Kindern Elena und Santiago
Experten für Bio-Eis – Lorenzo und Karina Bizzi mit ihren Kindern Elena und Santiago
Eine weniger lange, nichtsdestoweniger äußerst spannende Geschichte steht hinter „Bizzi-Ice“. Nachdem sie bereits seit 2009 für den Handel produzierten, hat das Ehepaar Lorenzo und Karina Bizzi im Sommer 2013 zusätzlich eine eigene Eisdiele in Sachsenhausen und vor Kurzem auch im Nordend eröffnet. Für das italienisch-deutsche Duo steht die Natürlichkeit des Produkts im Vordergrund. Bei „Bizzi-Ice“ gibt es hausgemachtes Bio-Eis ohne den Zusatz von künstlichen Aromen und Geschmacksverstärkern. „Uns geht es um Transparenz“, sagt Karina Bizzi, „und das kommt beim Verbraucher an.“ 2009 sei man mit dem Thema als einer der ersten auf den Markt gekommen. Auch geschmacklich geht „Bizzi-Ice“ neue Wege: Das Ehepaar erweitert sein Sortiment jedes Jahr um immer wieder neue, ausgefallene Sorten wie Mandel-Kardamon, Ananas-Koriander oder Chai-Eis. „Die Ideen entstehen einfach im Alltag oder auf Reisen“, erzählt Karina Bizzi. Wie in einem Urlaub in Marokko. „Hier haben wir Orangensaft und Minztee getrunken und gemerkt, was für eine tolle Kombination das eigentlich ist. Da haben wir dann die Sorte ‚Orange-Minze‘ gemacht – der Topseller im vergangenen Jahr!“ Im Trend lägen zunehmend vor allem „healthy“ Sorten wie ‚Joghurt-Müsli‘. Auch das Thema ‚vegan‘ sei in den letzten Jahren immer wichtiger geworden: „Wir haben mittlerweile einige vegane Stammkunden wegen unserer Sorbets.“ Anders als in den meisten Eisdielen gibt es bei „Bizzi-Ice“ keine Eisbecher. „Wir brauchen das nicht. Unsere Kunden wollen Kugeln“, erklärt Karina Bizzi. Zwei davon würden sich die Gäste im Durchschnitt kaufen. Wie gut diese schmecken, davon zeugt nicht nur der Umsatz, sondern auch der Appetit der Betreiber selbst auf ihre Kreationen: „Lorenzo hat vor kurzem an einem Tag acht Kugeln gegessen! Wie kann man denn so viel auf einmal verschlingen!“, lacht Karina Bizzi. Lorenzo, hinter der Theke, lächelt verschmitzt. „Ich hatte einfach Lust darauf.“ Die treuesten Kunden sind – wie bei Eis wenig verwunderlich – die Kleinen. Auch an diesem Tag sind zahlreiche Kinder im Laden, unter ihnen auch die drei des Ehepaars, glücklich lächelnd, jedes mit einem Eis in der Hand. ‚Grieß-Karamell‘ sei der Favorit der jungen Kundschaft, verrät Karina Bizzi. Wir probieren und stellen fest: Das schmeckt auch den Großen.

Klassiker in vielen Facetten

Eine, wenn nicht die bekannteste Eisdiele Frankfurts ist „Eis Christina“ im Nordend. Benannt wurde der 1974 gegründete Familienbetrieb nach der Tochter der Betreiber Spadotto. „Frühmorgens zwischen 5 und 6 Uhr beginnt für mich, meine Frau und meine Mitarbeiter der Tag“, erzählt Corrado Spadotto. Denn jeden Morgen werden mindestens zehn der über dreißig Eissorten im hinteren Teil des Ladens frisch hergestellt. Die Qualität seines Produkts überprüft der Eisdielenbetreiber täglich. „Immer probieren, immer abschmecken!“ Eine Eiskreation steht bei „Eis Christina“ klar im Fokus: das Spaghetti-Eis. Sechszehn Varianten des beliebten Klassikers – von schokoladig bis fruchtig – hat Spadotto auf einer separaten Spaghetti-Eis-Karte im Angebot. Nicht nur das Eis, auch die Toppings – Schoko- und Erdbeersoße sowie sämtliche Marmeladen – sind dabei hausgemacht. Über zwei Drittel seines Umsatzes bringt die süße Pseudo-Pasta Spadotto ein. Aber auch die Auswahl an anderen Eisbechern ist beachtlich und reicht von sechs Banana Split-Variationen über Tartufo bis hin zu Joghurt-Kreationen mit Heidelbeeren, Erdbeeren oder Fruchtsalat. So bunt die Auswahl, so vielfältig ist auch die Kundeschaft: „Da gibt es keine Altersgrenze. In die Eisdiele geht der 5- wie der 95-Jährige“, sagt Spadotto, „Eis bringt eben alle zusammen. Oder kennen Sie jemanden, der kein Eis mag?“ Nach Kosten eines Spaghetti-Eises mit Amarena-Kirsch sind wir uns einig: Wir können es jedenfalls nicht sein.

Aufregend anders

Die Familie Fontanella eröffnete in den 30er Jahren Frankfurts erstes Eiscafé.
Die Familie Fontanella eröffnete in den 30er Jahren Frankfurts erstes Eiscafé.
Auch in der übrigen Bevölkerung findet sich in der Tat kaum einer, dem die gefrorene Nascherei nicht schmeckt, bestätigen die Statistiken zum Speiseeis-Verzehr. Stolze 110 Kugeln – an die acht Liter – gönnt sich der deutsche Durchschnittsbürger pro Jahr. Allem gestiegenen Kalorienbewusstsein zum Trotz bleibt der Konsum dieses Genussmittels, anders als beispielsweise Tabak, seit Jahren konstant. Alt wie Jung, Männer wie Frauen, Veganer wie Fleischliebhaber – der kalten Verführung kann sich, so scheint es, keiner so leicht entziehen. Da stellt sich die Frage: Liebes Eis, was ist dein Geheimnis? Zu allererst ist da natürlich der Zucker. Zucker geht direkt ins Gehirn, sorgt für ein Energiehoch und aktiviert das Belohnungszentrum. Eine Eigenschaft, die freilich allen Süßigkeiten gemein ist. Dann wäre da die nahezu grenzenlose Geschmacksvielfalt. Da Speiseeis eine schier unerschöpfliche Fülle von Modifikations- und Verfeinerungsmöglichkeiten erlaubt, kann es sich immer wieder neu erfinden. Ein äußerst dankbares Arbeitsfeld für experimentierfreudige Eismacher, die ihren Einfallsreichtum am Produkt voll ausleben können. Dies bringt die verschiedensten ausgefallenen Eissorten hervor. In München beispielsweise gibt es, ganz im Bewusstsein regionaler Essvorlieben, bereits Weißwurst- und Senf-Eis. Krautig wird’s in einer Kölner Eisdiele mit Sorten wie Birne-Petersilie und Sauerrahm-Kresse. Gegenüber japanischen Eis-Kuriositäten wie Tintenfisch- oder Ochsenzungen-Eis muten die hiesigen Geschmacksabenteuer allerdings vergleichsweise harmlos an.

Glaubt man Medienberichten, kann die Zugabe bestimmter Zutaten bei der Eisherstellung gar die Affekte eines Menschen beeinflussen. So soll etwa das Vanilletonka-Eis aus dem Stuttgarter Eis-Bistro „Pinguin“ nicht nur gut schmecken, sondern auch Potenz erwecken. Denn die aus Südamerika und der Karibik stammende Tonkabohne gilt als Aphrodisiakum. Ob das stimmt und die neue Eissorte tatsächlich das Liebesleben der Stuttgarter oder nur die Abverkäufe befeuert, war bei Redaktionsschluss noch unklar. Auch Luxusliebhaber können bei einem Eisdielenbesuch buchstäblich auf ihre Kosten kommen: Wer es ganz besonders exklusiv mag, kann beispielsweise in Dubai eine Portion des wohl teuersten Speiseeises der Welt genießen: Für umgerechnet 719 Euro gibt es hier eine Kugel „Black Diamond“, ein mit Trüffel, Safran und Blattgold verfeinertes Vanilleeis. Immerhin, die Versaceschale, in der das Eis – natürlich mit einem goldenen Löffel – kredenzt wird, darf der Kunde nach dem Verzehr behalten. Zudem zeigt sich Eis wandelbar wie kaum ein anderes Lebensmittel – als Kugel in Becher, Waffel oder Schale, als Topping auf Süßem oder Herzhaftem, als industriell gefertigtes Eis am Stiel, als Softeis oder als Milchshake. Es kann mit allem Erdenklichen kombiniert und garniert werden. So ist etwa der aus Amerika stammende Trend, Eiskugeln durch die Zugabe von Zuckerstreuseln und Soßen sowie das Einbetten in bunt verzierte Schokowaffeln noch leckerer und dadurch zugleich gehaltvoller zu machen, auch in Deutschlands Eisdielen angekommen. Einzigartig jedoch macht Eis vor allem seine Konsistenz. Teils fest, teils cremig sorgt es auf der Zunge für ein haptisches Abenteuer. Und es wechselt zudem seine Temperatur im Mund: von kalt zu warm. Schließlich macht Eis auch die Art seines Verzehrs, das Lecken, reizvoll. Ein kleiner, äußerst schmackhafter Tabubruch: Denn in öffentlichen Situationen ist der sonstige Einsatz der Zunge – in jedweder Form – streng verpönt. Daher haftet dem Eisverzehr per se etwas Spielerisch-Frivoles an. Und nicht erst seit der Magnum-Werbung ist offensichtlich: Eis essen ist sexy. Wie sang noch Entertainer Bürger Lars Dietrich Mitte der 90er: „Sexy Eis … mit Sahne …“

Frieden, Liebe, Eiscreme

Da verwundert es auch nicht, dass in den Medien zuweilen der Versuch gemacht wird, aus den Eisvorlieben eines Menschen auf seine erotischen Präferenzen zu schließen. Zitroneneisfreunde mögen es demnach exotisch, Bananeneis-Befürworter sind überaus leidenschaftlich und Stracciatella-Fans schätzen die Abwechslung. Vorausgesetzt, diese Typologie stimmt, wäre die Eisdiele sicher ein geeigneter Platz für das erste Date mit dem potenziellen neuen Partner. Auch wie das Gegenüber sein Eis verzehrt, lässt unter Umständen Rückschlüsse auf dessen Beziehungsverhalten zu. Vorsicht geboten wäre demnach bei den Eisbeißern. Sie sind impulsiv, zielstrebig, kreativ, aber leider auch untreu. Auch wer des Öfteren am Eis von anderen mitleckt, macht sich verdächtig: Vermutlich nascht er nicht nur von fremden Süßigkeiten! Der Eis-Lutscher hingegen ist in Liebesdingen eine echte Empfehlung: Er ist energiegeladen und seinem Partner uneingeschränkt treu. Doch keine Sorge, der Eisdielenbesuch muss nicht zwangsläufig zur Ehekrise führen, weiß man doch, dass diese Typologien wissenschaftlich niemals anerkannt wurden! Und falls es doch Unfrieden geben sollte, wäre wohl kaum etwas so gut geeignet wie ein leckeres Eis, um diesen effektiv zu bekämpfen. „Peace, love and ice cream“ sang 2008 Sandy Dane. Ihr Lied erzählt von einer Sommerbrise, von Schmetterlingen, Lachen, Freiheit und dem Blick in einen wolkenlosen Himmel. Die niederländische Popsängerin beschrieb damit zutreffend, wofür Eis steht: Denn Eis, dieses seit Jahrtausenden begehrte Genussmittel, ist nicht einfach nur eine gefrorene Süßspeise – Eis ist ein Lebensgefühl.

 

Neben den im Artikel genannten gibt es noch weitere hervorragende Eisdielen in der Region:

10 TOP-Eisdielen in Rhein-Main

  • Wiesbaden
    Palladio, Marktstraße 9
    Unter den vielen cremigen Eissorten aus eigener Produktion finden sich auch außergewöhnliche Varianten wie Buttermilch mit Sanddorn oder Mozart-Eis.
  • Rüsselsheim
    Eiscafé San Marco, Bahnhofstraße 30
    Zentral gelegen, gibt es hier leckere Eiskreationen zum kleinen Preis wie den Erdbeer- oder Nutella-Becher.
  • Seligenstadt
    Eis-Kaiser, Große Maingasse 2
    Opulente Eisbecher, große Kugeln – wer auf XXL-Portionen mit viel Geschmack steht, ist bei Eis-Kaiser bestens aufgehoben.
  • Bad Nauheim
    Dolomiti, Parkstraße 28
    Der Traditionsbetrieb stellt sein Eis seit fast einem halben Jahrhundert her. Geheimtipp: Meringhe, ein Maronen-Eis.
  • Gießen
    Heisszeit, Plockstraße 7
    Hier werden auch die Allergiker glücklich bei Eis ohne Ei und künstliche Zusatzstoffe, aber mit viel Geschmack. Abwechslung gibt’s trotzdem mit Sorten wie Kiwi-Orange oder Rosmarin.
  • Maintal-Dörnigheim
    Eis Costa, Kennedystraße 18-24 und Bahnhofstraße 43
    Seit vielen Jahren bereits eine Pilgerstätte, nicht nur für einheimische Eisliebhaber. Es werden immer wieder sogar Wander- und Radrouten um diese Station erweitert.
  • Darmstadt
    Eis Venedig, Mathildenplatz 3
    Seit über 20 Jahren eine Institution in Darmstadt. Markenzeichen ist die bei gutem Wetter meist überfüllte Terrasse, die für Qualität bürgt.
  • Friedberg
    Eis Café Cortina, Kaiserstraße 73 2013 machte die Friedberger Institution ihr halbes Jahrhundert voll und noch immer kreiert Familie Del Favero mit Herz und Seele Eissorten, mittlerweile sogar schon in der zweiten Generation.
  • Aschaffenburg
    Lido Eis Boutique, Goldbacher Straße 19
    Banana Royal oder Joghurt Spezial klingt im Falle des Lido allein schon wie Musik, aber wirklich innovativ ist das seit 2010 bestehende Eis-Taxi des Lido, das das Eis bis nach Hause, ins Büro oder in die Praxis bringt.
  • Königstein
    Eis Café Dolomiti, Hauptstraße 24
    Hausgemachtes Eis ohne künstliche Aromastoffe lockt hier zahlreiche Gäste sogar von weit her an. Egal, ob direkt im Eis Café oder im nahe gelegenen Kurpark, ein Genuss sind die vielfältigen Eissorten in jedem Fall.