Kochen mit Janine Kunze: Wer sich das witzig vorstellt, hat keine Ahnung wie witzig. Denn die schöne Schauspielerin hat nicht bloß einen erfrischenden kölschen Humor, sondern auch tolle Einfälle, wenn’s am Herd mal länger dauert. Text: Natalie Rosini, Fotos: Michael Hohmann

Janine Kunze kocht bei Prominente am Herd für Top Magazin Frankfurt
Janine Kunze kocht bei Prominente am Herd für Top Magazin Frankfurt

Es gibt Hähnchenspieße auf Paprika-Ragout – schön mager und ganz ohne böse Kohlehydrate. Immerhin ist Janine Kunze seit neuestem das Werbegesicht für eine Fitnesskette. Wenn man die zierliche Blonde so anschaut und bedenkt, dass sie Dreifach-Mama ist, glaubt man sofort, dass sie eine Sportskanone ist, die auf ihre Ernährung achtet. „Das bin ich ganz und gar nicht“, lacht sie, während sie das Hähnchenfleisch und die Kirschtomaten im Wechsel aufspießt. „Ich war schon immer ein Sportmuffel und esse viel zu gern, um auf irgendwas zu verzichten.“

Leidenschaft für Rheinisch-Italienisch

„Italienisch funktioniert bei mir immer“, erklärt Janine. Dass sich das im Laufe unserer Kochsession noch bewahrheiten wird, ahnen wir nicht, als wir gemeinsam die Paprika für das pikante Ragout schneiden. Janine und ihr Mann hatten früher selbst ein italienisches Restaurant in Köln, doch „die Gastronomie ist nun mal ein Fulltimejob. Dennoch habe ich den Traum vom eigenen Lokal nie aufgegeben. Nur kleiner. Im Grunde ist das wie die Schauspielerei: Essen macht Menschen einfach glücklich. Und mich macht neben jeder Art von Pasta übrigens auch ein guter rheinischer Sauerbraten glücklich.“

Trüffel vs. Paprika

Janine genießt die Pizza, während Errico und Eustacchio aus dem Scialpi ihr zur Hand gehen.
Janine genießt die Pizza, während Errico und Eustacchio aus dem Scialpi ihr zur Hand gehen.
Es duftet verführerisch nach Paprika, Zimt und Kurkuma. Doch das Ragout muss länger köcheln, um sämig zu werden. Und obwohl Janine als Schauspielerin weiß, wie lange es dauert, um eine Rolle einzustudieren oder am Set eine Szene perfekt zu machen, wird sie allmählich ungeduldig. „Schon beim Einkauf, beispielweise auf dem Markt, und auch später bei der Zubereitung liebe ich es, zu naschen.“ Eisgekühlter Rosé-Prosecco ist schon mal da. Was fehlt, ist ein Amuse-Gueule: „Eine schöne Pizza wäre jetzt perfekt.“ Nichts leichter als das. Direkt neben dem Poggenpohl Studio auf der Hochstraße, wo wir mit Janine in einer der luxuriösen Küchen darauf warten, dass es Zeit wird, die Hähnchen- Spieße auf den Tepanyaki-Grill zu werfen, befindet sich einer der beliebtesten Italiener der Frankfurter City. Nur kurz nachdem „la bella bionda“ den Wunsch nach einem Snack aus dem Steinofen geäußert hat, kommt Inhaber Eustacchio Scialpi persönlich und bringt uns zwei knusprige Pizzen mit frisch geriebenem Trüffel. „Die leckerste Pizza, die ich seit langem gegessen habe“, urteilt Janine und gibt dem stolzen Gastronomen einen dicken „bacio“.

Von Vorurteilen…

Die Pizza ist bis auf den letzten Krümel verputzt, der Prosecco alle und die Spieße brutzeln auf dem Grill. Kurze Zeit später kredenzt uns Janine ihr „fittes Mal“, das vor allem wegen der dezent scharfen Mischung an exotischen Gewürzen hervorragend schmeckt. „Ein Eiweißshake oder zuckerfreier Eistee würde aber jetzt zu weit führen“, erklärt sie, während sie uns einen spanischen Sauvignon Blanc einschenkt, der perfekt mit den Aromen harmoniert. Das Essen mit Janine ist eine wahre Freude: Die als prollige Tochter Carmen in der preisgekrönten Sitcom „Hausmeister Krause“ berühmt gewordene Schauspielerin, die zuletzt „Die Alm“ moderierte, steckt, wenn man es genau nimmt, nicht voller Überraschungen – zumindest, was ihren Humor betrifft: Es werden Anekdoten von missratenen Friseurbesuchen erörtert, peinliche Outfits auf dem Roten Teppich kommentiert, bekannte Synchronstimmen nachgemacht. Janine ist, was sie auch im Fernsehen verkörpert: eine lebenslustige, kluge und selbstironische Frau, ohne jegliche Starallüren. Und sie steht zu dem, was sie macht. „Wenn man als blondes Dummchen durchstartet, erwartet die Boulevardpresse, dass man sich tatsächlich als doof erweist. Und wenn man Menschen zum Lachen bringt, warten die Reporter nur darauf, dass man sich bei der nächsten Gala besonders humorlos gibt, um zu schreiben, ‚Die Kunze ist gar nicht so lustig‘. Ich weiß nur eins: Man sollte gerade das Comedy-Genre nicht unterschätzen.“

… und vom Lachen und Weinen

Wir kochten mit Janine im Poggenppohl Studio Frankfurt
Wir kochten mit Janine im Poggenppohl Studio Frankfurt
In Deutschland, so Janine, tendiere man leider immer noch dazu, Humorvolles mit leichter Kost gleichzusetzen. „Da haben uns die Amerikaner einiges voraus. Während wir denken, dass sich lustig und traurig, seicht und ernsthaft, Lachen und Weinen nicht vereinen lassen, zeigen sie uns, dass es sehr wohl funktioniert. In amerikanischen Sitcoms wird auch geweint, gelitten und gestorben. Und geliebt! In deutschen Produktionen muss man meist lange auf den Satz ‚Ich liebe dich‘ warten, und häufig wird dieser völlig überinszeniert. ‚I love you‘ zwischen Brüdern in einer Serie, Liebenden in einem TV-Film oder Mutter und Tochter in einem Kino- Blockbuster aus den USA kommt hingegen völlig natürlich rüber.“ Wir bitten Janine um ein Beispiel: „Ganz klar: der Film ‚Forrest Gump‘. Tom Hanks bringt die Zuschauer zum Lachen und zum Weinen. Doch vor allem bringt er sie zum Nachdenken. Und auch in einer vermeintlich rein auf Comedy angelegten Serie wie ‚Alf‘ wird erkennbar, was ich meine: Es gibt eine Folge, in der der sonst so lustige Außerirdische ein todkrankes Mädchen im Krankenhaus besucht. Die Amerikaner haben einfach erkannt, dass Lachen und Weinen gar nicht so weit voneinander entfernt liegen. Lieben, hassen, Freude, Trauer – letztlich geht es doch um die fundamentalsten Gefühle.“

Nach der Pizza ein Roman

Janine räumt ab und fängt an, die Küche zu putzen – sie ist so erfrischend normal geblieben. Letztlich, so sagt sie, halten sie Karriere und Familie fitter als jedes Sportprogramm. Und in Sachen Karriere tut sich einiges: „Ich drehe im Dezember einen Piloten und schreibe gerade mein erstes Buch.“ Oha! Noch ein Ratgeber, wie man abnimmt, Kinder erzieht, den Garten bestellt oder zu sich selbst findet? Oder eine weitere Star-Biografie, die bei der nächsten Buchmesse mit viel Tamtam vorgestellt wird und die Frage aufwirft, was ein noch nicht einmal in der Mitte seines Lebens angelangter Mensch, der weder Krieg noch Entführung erlebt hat, auf mindestens 200 Seiten zu sagen hat? Janine hat sicher Höhen und Tiefen erlebt, ist als Pflegekind aufgewachsen und kam über Umwege zum Schauspiel. Doch sie weiß auch, dass sie „jede Menge Glück“ hatte. „Vor allem mit meinem Mann und meiner Familie.“ Und was wird das dann für ein Buch? „Ein Roman mit autobiografischen Zügen.“ Wir freuen uns jetzt schon darauf, die ersten Seiten zu lesen – bei einem Gläschen Prosecco, einer leckeren Pizza und einem Schmunzeln in Erinnerung an diesen lustigen Nachmittag mit Janine Kunze.

Janine Kunze in Aktion mit Top Magazin Chefredakteurin Natalie Rosini
Janine Kunze in Aktion mit Top Magazin Chefredakteurin Natalie Rosini

  • Hähnchenspieße auf Paprikaragout


  • Zutaten für 2 Personen:

    2 rote / 1 gelbe Paprikaschote, 1/2 Zucchini, 1 Thymianzweig, 2 weiße Zwiebeln, 500 ml Gemüsebrühe, 1/2 TL Paprika edelsüß, 1 Msp. Kurkuma, 1 gehackte Knoblauchzehe, 1 EL mildes Olivenöl, 15 g Butter, 1–2 TL Speisestärke, Salz und Pfeffer, 1 Prise Chilipulver, etwas frisch geriebene Zimtrinde, 1 Streifen Zitronenschale, 2 Hähnchenbrüste à 150 g, 12 kleine Kirschtomaten

    Zubereitung:

    Für das Ragout eine Paprikaschote halbieren, entstrunken, entkernen, mit einem Sparschäler schälen und in kleine Würfel schneiden. 1/2 kleine Zwiebel schälen und klein würfeln. In einem kleinen Topf 400ml Brühe mit den Zwiebel- und Paprikawürfeln in etwa 15 Minuten am Siedepunkt weich ziehen lassen. Paprikapulver, Kurkuma, Knoblauch, Olivenöl und Butter dazu geben und mit einem Stabmixer pürieren. Die Speisestärke mit etwas kaltem Wasser glatt rühren, in die leicht köchelnde Sauce einrühren, so dass die Sauce leicht sämig bindet. Mit Salz, Chilipulver, Pfeffer und einem Hauch frisch geriebener Zimtrinde würzen. Die übrigen Zwiebeln schälen, die übrige rote Paprikaschote und die gelbe Paprikaschote halbieren, entstrunken, entkernen und mit einem Sparschäler schälen. Zwiebeln und Paprika in ca. 2 cm große Stücke schneiden. Die Zucchini längs halbieren und in Scheiben schneiden. Zwiebeln und Paprikaschoten in 100 ml Brühe in etwa 10 Minute weich dünsten, bis fast die ganze Flüssigkeit verdampft ist und mit den Zucchinischeiben in die Paprikasauce rühren. Thymianzweig und Zitronenschale dazu geben, einige Minuten am Siedepunkt ziehen lassen und danach entfernen. Mit Salz nachschmecken. Für die Spieße das Hühnchenfleisch in 2 cm große Stücke schneiden. Abwechselnd mit klei- nen Kirschtomaten auf vier Spieße stecken. Eine Pfanne bei mittlerer Temperatur braten (oder auf dem Grill) und 1 TL Öl mit einem Pinsel darin verteilen. Die Spieße darin rundherum hell anbraten, die Pfanne vom Herd nehmen und in der Nachhitze saftig durchziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Paprika-Ragout auf warmen Tellern anrichten und die Spieße darauf legen.


    Alle Zutaten für dieses Gericht erhalten Sie bei Perfetto – Feinkost bei Karstadt in Frankfurt. www.perfetto.info
    Den Orchidea 2010 vom Weingut Inurrieta in Navarra erhalten Sie online bei Amadoro. www.amadoro.de