Feurig wie nie war unser Get-together am Herd mit Let’s Dance-Jurorin Motsi Mabuse. Und das lag nicht allein an dem Rezept aus ihrer südafrikanischen Heimat, mit dem sie uns geschmacklich auf unsere Botswana-Reise einstimmte: Als wär’s eine Tanzfläche fegte sie durchs Küchenstudio und heizte uns mit Chakalaka und ihrer ansteckenden positiven Ausstrahlung mächtig ein. Text: Natalie Rosini, Fotos: Michael Hohmann

Motsi Mabuse
 
Motsi Mabuse
 

Ist die klein, denken wir, als wir Motsi begegnen. Ein zierlicher Wirbelwind, der sich bereits mit der gesamten Belegschaft vom Küchenstudio Möbel Braum in Bad Homburg bekannt gemacht hat und sich nun besorgt zeigt, dass das Essen vielleicht nicht für alle reichen könnte. „Für uns Südafrikaner gibt es nichts schlimmeres, als dass jemand hungrig bleibt“, sagt sie und ehe wir fragen können, was zu tun ist, hat sich Motsi auch schon die Schürze umgebunden und fängt im Jive-Tempo an, die Zutaten zu waschen und zu zerkleinern. „Noch schlimmer ist es, wenn ich hungrig bin“, lacht sie und beginnt, ihre „leckerste Kindheitserinnerung“ zuzubereiten.

Der Duft nach zu Hause

„Das Zeug heißt nicht nur Pap, es macht auch pappsatt“, erklärt Motsi, die energisch das Maismehl rührt und sich dabei ein nostalgisches Lächeln nicht verkneifen kann. „Damals hat meine Mutter diesen Brei zum Frühstück zubereitet. Mit Zucker. Für mich ist das der Duft meiner Kindheit, der Duft nach zu Hause.“ Dieses Zuhause war zunächst ein kleines Dorf in der damaligen Republik Bophutatswana im Süden Afrikas, das nach dem Zerfall des Apartheitsregimes der Republik Südafrika angegliedert wurde, und dann Pretoria, wo Motsi den Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbrachte und wo ihre Eltern bis heute leben. Dort studierte sie zunächst Jura, bevor sie das Tanzfieber packte. Ein ganz schöner Gegensatz. „Ja und nein“, sagt sie. „Dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten wollte, der eine Anwaltskanzlei hatte, lag an meinem unbändigen Gerechtigkeitssinn. Damals trieb mich natürlich auch die Geschichte meines Landes an. Im Tanzen dann fand ich meine wahre Berufung und Leidenschaft, doch mein kompromissloses Streben nach Gerechtigkeit bestimmt auch heute noch mein Handeln. Ich denke, gerade in meiner Funktion als Jurorin wird das auch immer wieder deutlich. Schließlich weiß man beim Tanzen nicht, warum man verloren hat, es hat viel mit subjektiver Wahrnehmung zu tun.“

Die Mabuse-Connection

Motsi Mabuse
 
Motsi rührt und rührt, bis der Brei so ist, wie er sein muss: „Fest und klebrig.“ Sie verrät uns, dass es vor unserem Treffen eine kleine Familienkonferenz gab, bei der ihre Eltern aus Pretoria Tipps gegeben haben, wie sie das Essen auch ja richtig macht. „Wir sind über alle Medien verbunden: What’s app, Skype, Facebook, Instagram, Twitter… Schließlich kann ich viel zu selten in Pretoria bei meinem Vater und meiner Mutter sein, eine meiner Schwestern lebt in Kapstadt, die andere in Fürth. Aber die Technik macht’s möglich, dass mir meine Familie immer zur Seite steht. Auch in Kochfragen. Mein Vater hat mich so nervös gemacht, dass ich das Essen letztes Wochenende schon mal ausprobiert habe, um ja nichts falsch zu machen. Jetzt hofft mein Mann, dass etwas übrig bleibt, also muss es wohl schmecken.

Motsi’s Südafrika-Tipps

Wie gesagt: Motsi hat ein Tempo drauf, bei dem uns ganz schwindelig wird. Ehe wir ihre doch sehr vagen Mengenangaben – „Ich koche eher aus dem Bauch heraus.“ – notieren können, hat sie auch schon das Pap auf Tellern verteilt und serviertes mit der fruchtig-tomatigen Salsa, dem saftigen Hähnchen und dem feurigen Chakalaka. „Lecker!“ Dazu trinken wir passenderweise einen südafrikanischen Rotwein: Vet Rooi Olifant von Pfälzer Winzer Markus Schneider, der diesen in Stellenbosch zusammen mit seinem Kollegen Danie Steytler anbaut. Ein Rotwein Joint Venture, das, wie Motsi bekundet, „nach der Sonne des Kaps schmeckt.“ Von einer gebürtigen Südafrikanerin wollen wir natürlich wissen, was man sich bei einer Reise in ihre schöne Heimat nicht entgehen lassen sollte: „Natürlich darf man sich Kapstadt nicht entgehen lassen, Robben Island, die Garden Route. Wer aber das wahre Leben in Südafrika kennenlernen will, muss Johannesburg besuchen. Die Menschen dort sind unvergleichlich, offen, warmherzig, lebenslustig.“

Verrückt zum Erfolg

Motsi Mabuse 3
 
Das klingt ein wenig wehmütig. Heimweh? „Natürlich vermisse ich manchmal meine Familie, doch ich lebe sehr gerne in Deutschland, fühle mich hier zu Hause. Ich war, bis ich meine internationale Karriere begann und dann nach Deutschland kam, ein echtes Mamakindchen. Hier bin ich erwachsen geworden.“ Und erfolgreich: Nachdem sie 1999 beim weltgrößten Turnier, den British Open in Blackpool, den Tänzer Timo Kulczak kennen- und lieben lernte – sie heirateten 2003 und leben heute in Aschaffenburg – wurde das Paar 2009 und 2010 Deutsche Meister in den lateinamerikanischen Tänzen, Motsis größte Leidenschaft, die sie sogar mit einer kleinen Tätowierung auf dem Unterarm kundtut: „Mi vida loca“, mein verrücktes Leben auf Spanisch. Nach einem kurzen Abschied vom Hochleistungssport packte Motsi erneut das Tanzfieber und so setzt sie ihre Karriere auf dem Parkett weiter fort. Neben TV-Auftritten in Let’s Dance und anderen TV-Formaten sowie ihrer Tätigkeit als Choreografin, Tanzsporttrainerin und Wertungsrichterin trainiert die amtierende Deutsche Meisterin in den lateinamerikanischen Tänzen für ihr internationales Comeback bei der WM in Los Angeles im September. „Für so ein Programm muss man wohl ein wenig verrückt sein.“

    Motsi Mabuses Rezept (Für 4 Personen)

  • Hühnchen mit Salsa, Chakalaka und Pap

    Zutaten:

    3 Karotten, 3 Fleischtomaten, 1 Gemüsezwiebel, 1 Brühwürfel, Baked Beans aus der Dose, 250 g Pap (Maismehl), 1 Glas Acha (südafrikanisches Mango-Chutney), 4 Hähnchenkeulen, Olivenöl, Sonnenblumenöl, 1 l Wasser, Salz, Pfeffer

  • Zubereitung:

    Einen Teil des Wasser in einem Topf erhitzen und das Pap nach und nach unterrühren.

    Motsi Mabuse Hühnchen mit Salsa, Chakalaka und Pap
    Motsi Mabuse Hühnchen mit Salsa, Chakalaka und Pap
    Salzen. Immer wieder etwas Mehl hinzugeben und unter ständigem Rühren bei geringer Hitze das Wasser beimengen, bis ein sämiger, fester Brei entsteht. Die Hähnchenkeulen mit Olivenöl bestreichen, salzen und pfeffern und etwa 45 Minuten bei 170 Grad im Ofen schmoren Für die Salsa die Tomaten reiben und dabei die Haut entfernen. In etwas Öl mit einer halben gehackten Zwiebel andünsten, etwas Wasser und den Brühwürfel hinzugeben, köcheln lassen, bis die Soße sämig ist. Für das Chakalaka die Möhren fein reiben, eine halbe Zwiebel fein hacken und alles in Sonnenblumenöl andünsten. Köcheln lassen, bis alles schön glasig ist und die Baked Beans samt Sud hinzugeben. Kurz vor dem Servieren zwei bis drei große Esslöffel Acha unterrühren (Vorsicht: scharf!) Das Hähnchen mit Pap, der Salsa und dem Chakalaka servieren.