Als Bremerin ist sie mit Fisch aufgewachsen. Dass Petra Roth auch mit dicken Fischen umgehen kann, hat sie als Oberbürgermeisterin häufig bewiesen. Schließlich stand sie schon zur Wiederwahl, als 2001 das erste Top Magazin Frankfurt erschien. Zum 15. Geburtstag des Heftes zeigt sie erstmals ihre kulinarischen Qualitäten und bereitet einen köstlichen Wolfsbarsch und einen Erdbeer-Cheesecake zu.

Das Mürbeteig-Gebäck hat sie in eine Plastiktüte gefüllt. Petra Roth greift zum Nudelholz und schlägt zu – so vehement, dass es knallt und jeder politische Gegner es früher sicher mit der Angst bekommen hätte. Von den Keksen bleiben nur Krümel übrig, die für den Nachtisch anschließend mit Butter zu einem Teig verarbeitet werden. „Zu Hause würde ich das aber nicht so umständlich machen, da würde ich alles in den Mixer tun“, stellt die Oberbürgermeisterin außer Dienst anschließend trocken fest.

Petra roth bearbeitet den Mürbeteig mit dem Nudelholz
Petra roth bearbeitet den Mürbeteig mit dem Nudelholz

Eine etwas ungewöhnliche Rolle ist es, in der sie am Herd des Küchenstudios der italienischen Marke Valcucine im Florentinischen Viertel steht. Als Köchin ist sie in ihrem politischen Leben, das die vergangenen fast 45 Jahre ausfüllte, selten aufgetreten. „Ich koche aber gut. Ich esse gerne und interessiere mich für die Zusammensetzung und die Geschmacksnuancen“, betont sie. Als Oberbürgermeisterin musste sie auf Terminen jedoch bis zu fünf Mal am Tag essen, zum Kochen am eigenen Herd blieb da keine Gelegenheit.

Jetzt, wo sie erstmals seit langen Jahren ein Privatleben hat, steht sie durchaus mal am Herd. „Mit meiner Cousine koche ich gerne, dann experimentieren wir, am liebsten asiatisch mit vielen Gewürzen.“ Sie habe auch schon mit ihren Enkeln Kaiserschmarrn gemacht und für ihren Neffen einen Schweinebraten mit Kruste zubereitet, erzählt sie, mit Kartoffeln, Bohnen und Speck, wie es sich in Norddeutschland gehört, wo sie geboren ist.
Petra Roth entstammt einer Bremer Kaufmannsfamilie. Als junges Mädchen war sie in der Küche wenig gefordert, denn im Hause Martin gab es eine Hausgehilfin. „Als ich 17 war, schickten mich meine Eltern deshalb zu einem mehrwöchigen Kurs auf die Hauswirtschaftsschule.“ Dort lernte sie Fleisch zu tranchieren, Fisch auszunehmen und zu filetieren.

Schuppe als Glücksbringer

„Ist der nicht schön“, stellt sie fest und hebt den rohen Wolfsbarsch in die Höhe, schaut hinter die Kiemen, streicht über die Schuppen. Ihr sei es wichtig, das, was sie esse, respektvoll zu verarbeiten. Auch das lernte sie bei ihren Eltern. „Bei uns gab es an Weihnachten immer Karpfen. Mein Vater hat stets eine Schuppe davon behalten und das ganze Jahr über im Portemonnaie bei sich getragen. Das sollte Glück und Geld bringen.“
Vorsichtig legt sie die beiden Fische auf das Backblech, greift dann zum Messer, um den frischen Rosmarin, Salbei, Thymian und Majoran zu hacken. Sie habe einen Messertick und einen großen und gut gefüllten Messerblock zu Hause. „Ich wäre früher auch gerne Chirurgin geworden“, sinniert sie dabei. Von Christoph Böger, Gastronom und Geschäftsführer der CB Küchendesign GmbH, die Valcucine vertritt, lässt sie sich dann zeigen, wie die Küchenprofis mit dem Messer umgehen und Kräuter schneiden. So ganz klappt es bei ihr noch nicht, aber das könne sie ja jetzt üben, sagt sie und steckt sich dabei ein Stückchen Rosmarin in den Mund, wie sie auch sonst gerne zwischendurch nascht und alles anfasst: „Kochen muss man mit den Händen.“

Petra Roth und Top Magazin Redakteurin Annika John
Petra Roth und Top Magazin Redakteurin Annika John

Ist der Fisch einmal im Ofen, konzentriert sich Roth auf die Sauce Béarnaise. „Die mache ich zum ersten Mal selbst, das wollte ich schon immer ausprobieren“, erzählt sie und nimmt sich ein Beispiel an ihrem Lebensgefährten Robert Raeber. Er mache in der Küche auch vieles selber. Mit schnellen Handgriffen legt sie alles bereit, was sie braucht, wirft die Abfälle weg und wischt nach der Arbeit immer wieder die Arbeitsflächen sauber.

Ausprobieren kann sie sich nach der Beendigung ihrer politischen Karriere nun auch in diversen Aufsichtsräten, Vorständen und Kuratorien, in denen sie tätig ist. Die Bandbreite reicht vom Versicherungskonzern Axa über die Konrad-Adenauer-Stiftung bis hin zum Kuratorium der Hertie-Stiftung, der Commerzbank-Kulturstiftung und Unicef. Die meisten Mandate hätten sich aus ihrer Tätigkeit als Oberbürgermeisterin entwickelt und sie seien ihr allesamt angetragen worden, sagt sie.

Keine Parteipolitik

Sobald sie über Inhalte spricht, etwa über das Thema demografischer Wandel, mit dem sie sich für die Stiftung Schloss Ettersburg beschäftigt, sieht man sie sofort wieder am Rednerpult engagiert für eine Sache kämpfen. „Nur dass es jetzt nicht mehr um die Geschicke Frankfurts, um Wachstum und Versiegelung, geht, sondern um die Revitalisierung des ländlichen Raumes“, stellt sie fest. Ein politisches Amt will sie allerdings nicht mehr ausüben, das habe sie seit 1972 gemacht und will die Arbeit nun Jüngeren überlassen.

„Ich bin ein politischer Mensch, aber ich mache keine Parteipolitik, das habe ich schon als Oberbürgermeisterin nicht gemacht“, sagt sie und erinnert sich an ihre erste Wiederwahl vor genau 15 Jahren. Nachdem sie 1995 gezeigt hatte, dass sie Wahlen gewinnen konnte, habe sie eigentlich gedacht, sie habe ihre Pflicht erfüllt und könne wieder in den Landtag zurückkehren. Doch ihr wurde schnell klar, dass das nicht möglich sein würde. „Deshalb habe ich beschlossen, jetzt kniest Du Dich in Frankfurt richtig rein. Wirkliche Veränderungen sieht man ohnehin erst im siebten oder achten Jahr der Regierungszeit.“

Die schnelle Reaktion, die sie in ihren Jahren als Oberbürgermeisterin ebenfalls gelernt hat, zeigt sie nun auch am Herd. Sie schlägt die Eier und die Weißwein-Reduktion für die Sauce Béarnaise über dem Wasserbad auf. Sehr vorsichtig gibt sie die lauwarme geklärte Butter hinzu und freut sich, dass die Soße die richtige Konsistenz bekommt. Doch plötzlich droht diese, zu fest zu werden. „Ich brauche noch ein bisschen Butter und ich versuche es nochmal mit einem Eigelb“, sagt sie. Dann nur noch abschmecken. Am Ende ist sie sehr zufrieden, dass ihr die Béarnaise beim ersten Versuch gelungen ist.

Auch aus ihrer Amtszeit gibt es durchaus Projekte, auf die sie stolz ist. „Wenn ich mir so die Altstadt anschaue, das wird großartig, was die Architekten da geleistet haben, bei den heutigen Gesetzen und Vorschriften.“ Die ersten Entwürfe vor fast 15 Jahren hätten noch Flachdächer vorgesehen. „Es war damals nicht einfach, einer anderen gestalterischen Entscheidung zur Mehrheit zu verhelfen, die lange über uns alle hinaus wirken wird. Dafür habe ich lange gekämpft und fühle mich stark verantwortlich.“

Auf dem Sprung

Petra Roth richtet den Wolfsbarsch an
Petra Roth richtet den Wolfsbarsch an

Als der Fisch schließlich dampfend aus dem Ofen kommt, ist Petra Roth wieder in ihrem Element. Mit Gabel und Fischmesser löst sie vorsichtig die Haut, schiebt sie zur Seite und legt die Mittelgräte frei. Dann serviert sie jedem ein Stückchen Filet, gibt ihre Soße über die Kartoffeln und lässt es sich auch selbst schmecken. Das will etwas heißen, denn zuvor hatte sie noch erzählt, dass sie derzeit Trennkost mache und dadurch schon einige Kilo abgenommen habe. Doch der Moment des Genießens dauert nicht lange, dann ist sie schon wieder auf dem Sprung. Zwar habe sie heute keine acht bis zehn Termine mehr pro Tag, aber immer noch zwei bis drei, wenn auch selbstgewählte, sagt sie. Außerdem verreise sie viel. Eine Petra Roth, die nicht ständig unterwegs ist, wäre auch nur schwer vorstellbar.


REZEPTE:

Wolfsbarsch mit Kräuterfüllung und Sauce Béarnaise

Zutaten:
4 Wolfsbarsche (à ca. 400 Gramm)
4 Zweige Rosmarin
2 Stiele Salbei, 10 Stiele Thymian, Majoran
Salz, Pfeffer, eine Zitrone
Backpapier

Für die Sauce:
1 Schalotte, 1 TL Öl
1 TL weiße Pfefferkörner
4 Stiele Estragon, 3 Stiele Kerbel
3 EL Estragonessig
100 ml Weißwein
4 Eigelb, 200 ml geklärte Butter
Salz, Pfeffer, Zitronensaft

Zubereitung

Kräuter waschen, trockenschütteln, Blättchen bzw. Nadeln von den Stielen oder Zweigen zupfen und hacken. Fische putzen, waschen, von innen und außen mit Salz, Pfeffer und Kräutern würzen. Fische auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Im vorgeheizten Backhofen (E-Herd: 200C/ Umluft: 175C/ Gas Stufe 3) 20 bis 30 Minuten garen. Zitronen waschen, trocken reiben und in Spalten schneiden. Fertige Fische mit Zitrone anrichten.

Wolfsbarsch mit Kräuterfüllung und Sauce Béarnaise
Wolfsbarsch mit Kräuterfüllung und Sauce Béarnaise

Für die Sauce Schalotten pellen und in feine Ringe schneiden. Pfefferkörner im Mörser grob zerdrücken.

Beides ohne Farbe im Öl anschwitzen. Einen Estragonstiel, Essig und Weißwein zugeben, auf 100 Milliliter einkochen und abkühlen lassen. Die Eigelb in einen Schlagkessel geben, die Reduktion durch ein Sieb dazugießen. Über dem heißen Wasserbad cremig aufschlagen. Abkühlen lassen. Restlichen Estragon und den Kerbel hacken. Lauwarme geklärte Butter zuerst tropfenweise, dann in dünnem Strahl unterschlagen. Mit gehackten Kräutern, Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen. Zusammen mit dem Fisch servieren.

Am besten passen dazu Salzkartoffeln.

Erdbeer-Cheesecake

Zutaten:
150 g Shortbread, 50 g Butter
400 g Erdbeeren, 7 Blatt weiße Gelatine
1 TL + 75 g Zucker, 250 g Magerquark
100 g Schlagsahne, 250 g Mascarpone
1 Päckchen Vanillin-Zucker
je ca. 50 g weiße + Zartbitter Kuvertüre, Öl
1 großer Gefrierbeutel, Backpapier

Zubereitung:

Petra Roths Erdbeer-Cheesecake
Petra Roths Erdbeer-Cheesecake

Shortbread in einen Gefrierbeutel geben und mit einer Teigrolle fein zerdrücken. Butter schmelzen, mit Keksbröseln vermischen. Den Boden einer Springform (18 cm) dünn mit Öl bestreichen. Bröselmasse auf dem Boden verteilen und gleichmäßig festdrücken. Ca. 30 Minuten kalt stellen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. 350 g Erdbeeren waschen, abtropfen lassen und putzen. Die Früchte pürieren. 80 g Erdbeerpüree abwiegen und mit einem Teelöffel Zucker verrühren. Ein Blatt Gelatine ausdrücken, auflösen und mit dem Erdbeerpüree verrühren. 10 – 15 Minuten kaltstellen. In der Zwischenzeit Sahne steif schlagen. Mascarpone, Quark, 75 g Zucker, Vanillin-Zucker und 250 g Erdbeerpüree verrühren. 6 Blatt Gelatine auflösen. Ca. 2 Esslöffel Creme in die Gelatine rühren, dann unter die restliche Creme rühren. Sahne unterheben. Ca. die Hälfte der Mascarponecreme in die Springform geben. Die Hälfte des Erdbeerpürees darauf verteilen und mit einer Gabel locker unterheben. Restliche Creme und übriges Erdbeerpüree darauf geben und mit einer Gabel marmorieren. Torte über Nacht kalt stellen. Torte aus der Form lösen, mit Schokoladen-Erdbeeren verzieren.

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