Hendrik Nachtsheim ist Komiker, Sänger und Autor. Vater, Hundebesitzer und Saxophonist. Vor allem aber Fußballfan. Ein Interview unter Freunden von Tina Meyer

Hendrik Nachtsheim von Badesalz
Hendrik Nachtsheim von Badesalz (© Top Magazin Frankfurt)
Auf Wikipedia steht der grandiose Satz: „Badesalz ist ein hessisches Humorduo“. Was gibt es Neues an der Komikerfront?
Wow… „ Komikerfront“, klingt irgendwie nach Comedykrieg! Aber wie auch immer… Im Moment ist es so, dass wir noch ein paar Mal unser Programm spielen, es aufzeichnen, und dann diese Tour beenden. Danach machen wir die obligatorische Pause, in der Gerd sein neues Soloprogramm schreibt und damit auch auf Tour geht, während ich an einem Buch arbeite, das im Frühjahr 2013 erscheinen wird. Im Mai 2013 wird es dazu auch eine Tour geben, bei der ich zusammen mit Rick Kavanian und dem Keyboarder meiner Band, Martin Johnson, eine Art Lesung veranstalten werde. Sobald das alles steht, gehen Gerd und ich an das nächste Programm!

Dazu hast Du Deine Band mit Ali Neander, die ruht aber gerade, oder?
Die ruht tatsächlich, aber das soll kein Dauerzustand bleiben!

Du bist aktuell auf Lesereise für Dein zweites Buch der Eintracht-Kolumnen „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht“. Kommen eigentlich dieselben Leute, oder hast Du unterschiedliche Fans bei den unterschiedlichen Projekten?
Meinst Du „Band“ und „Buch“?
Ja genau!
Ja, eine kleine Schnittmenge gibt es schon, aber da ich viel in Kleinkunstläden spiele wie z.B. im Neuen Theater Höchst oder der Käs, kommt dort vor allem ein eher, ich sage mal: „sprachorientiertes Publikum“.

Was ist für Dich das wichtigste Projekt? Badesalz, die Band oder das Soloprojekt als Autor?
Badesalz ist das Zentrum, mit den meisten Zuschauern und auch den meisten Terminen! Was aber nicht heißt, dass Gerd und mir unsere anderen Projekte nicht genau so viel Spaß machen! Wir genießen diese Mischung und die damit verbundene Abwechslung!

Und wer sind Deine Helden? Von wem würdest Du sagen, bist Du selbst ein echter Fan?
Generell habe ich wohl so ein Gefühl immer dann jemandem gegenüber, wenn ich nicht nur mag, was er macht, sondern sehe, dass er dabei authentisch bleibt und seine eigene Note hat.

Das ist mir zu allgemein!
Okay… Meine absolute Schauspielheldin ist Laura Linney, mein Fußballheld war und bleibt Jürgen Grabowski, und mein Musikheld ist genannter Ali Neander, weil er so viel von Musik versteht, wie sonst niemand in meinem Umfeld! Reicht Dir das als Heldenauswahl?

Ja, ist okay. „Erbarme, zu spät, die Hesse komme“, ein Song von Dir damals bei den Rodgau Monotones, wird bis heute in den Fußballstadien gespielt, und Du hast der Eintracht Frankfurt mit „Herz schwarzrot gestreift“ ein Liebeslied geschrieben. Welche Fußball-Hymne ist Dein Favorit?
Ich steh ziemlich auf „You`ll never walk alone…!“, weil das kompositorisch alles andere als schlicht und eigentlich auch gar nicht so einfach zu singen ist. Wenn das ein komplettes Stadion anstimmt, berührt mich das, ob ich will oder nicht.

In Deinen Kolumnen kommt die Mannschaft nicht immer ganz so gut weg. Wie geht es nächste Saison weiter mit der Eintracht?
Meine Kolumnen sind ja keine Berichterstattungen oder Spielanalysen. Wenn ich also was bemäkele, dann eher Verhaltensweisen oder Dummheiten. Zur neuen Saison: Der Plan ist, mit möglichst vielen jüngeren Spielern erst mal nicht gleich wieder abzusteigen, um sich dann möglichst nach oben zu orientieren! Und das traue ich Bruno Hübner und Armin Veh absolut zu!

Wie ist Dein Verhältnis zum OFC?
Entspannt! Ich bin kein Kickers-Hasser, das ist mir zu plump! Ich wünsche mir, dass er wieder nach oben kommt, und dass es irgendwann wieder Derbys gibt.

Stichwort Fußball-Berichterstattung im deutschen Fernsehen: Wer oder was nervt Dich, und wen oder was findest Du gut?
Ich finde, dass es mehr gute als schlechte Übertragungen gibt, das gilt auch für die Kommentatoren. Was Fußball angeht, ist allerdings Sky für mich das Maß aller Dinge! Zwischen der Sportschau und „Alle Spiele, alle Tore“ liegen Welten. Von der Bildregie, vom Studio, von den Details usw.

Was sagst Du über Fans, die in Stadien Bengalos abfackeln?
Dass es keine Fans sind, weil sie ihrem Verein damit schaden, statt ihn zu unterstützen. Sie nerven mich!

Hast Du eigentlich selbst Zeit, Sport zu treiben?
Nein, außer Spaziergängen mit meinem Hund nicht.

Was war Dein größter Fußballmoment?
Bei der Eintracht der Gewinn des Uefa-Cups. Und ich selbst habe mal bei einem Spiel mit der SKG Sprendlingen eine Flanke geschlagen, und der Ball schien so kurz außerhalb des 16 Meterraums zu landen. Doch plötzlich kam ein wahnsinniger Windstoß, und auf einmal war er im Winkel!

Und Dein schlimmster Fußballmoment?
Als einer unserer Trainer in der A-Jugend nach dem Training zu uns unter die Dusche kam. Der hatte einen dermaßen brutal langen… ich sage es anders… ein Pferd ist nix dagegen! Wir waren danach monatelang traumatisiert und haben bis zum Saisonende nur noch verloren!

Wenn ich gerade Deine Dogge Mathilda im Körbchen liegen sehe, muss ich es fragen. Die Hundetötungen in der Ukraine im Vorfeld der EM haben viele Menschen zum Boykott bewegt. Was sagst Du dazu?
Generell kommen immer vor so einem Turnier Sachen ans Licht, um die sich sonst nur sehr viel weniger Leute kümmern. Das Töten der vielen Hunde ist grausam, aber noch viel schlimmer ist vor allem der Umgang mit der inhaftierten und schwer erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko und vielen anderen politischen Häftlingen! Ein Boykott würde aber mit großer Wahrscheinlichkeit nichts ändern, sondern eher eine Trotzreaktion erzeugen. Und wir würden es irgendwann wieder vergessen. Es mag naiv klingen, aber ich glaube, es ist gut, wenn dort viele andere Nationen in Form von Fans auftauchen, das wird in der Bevölkerung vermutlich mehr bewirken als ein Boykott.

Welche Chancen hat die deutsche Mannschaft bei der EM?
Sie können das Turnier gewinnen, aber der Knacks der Bayernspieler ist schon auch eine schwierige Hypothek. Da hat Jogi Löw keine beneidenswerte Aufgabe vor sich.

Du sagtest, es gäbe ein neues Buchprojekt? Kannst Du was verraten?
Nur so viel… Bei einer archäologischen Ausgrabung im Odenwald wurden Textrollen mit brisantem Inhalt gefunden! Und um die geht es!

Und meine übliche Abschlussfrage: Welcher ist Dein liebster Ort in Frankfurt?
Hanau!

TOP 5

Hendriks beste Fußballspieler aller Zeiten

  • 1. & 2. Grabowski und Hölzenbein, weil sie unglaublich gute Techniker, schnell, unberechenbar und auch noch torgefährlich waren.
  • 3. Pelé… Klar! Es gibt ein Video mit ausschließlich Szenen von ihm, da fällt Dir nix mehr ein.
  • 4. George Best, weil er Weltklasse gespielt und trotzdem gelebt hat wie ein Rockmusiker.
  • 5. Lothar Schämer! Der war Vorstopper bei der Eintracht und hat mal vor einem Heimspiel gegen Hertha BSC beim Aufwärmen aus 40 Metern aufs Tor geschossen und dabei versehentlich Bernd Hölzenbein getroffen, der daraufhin mit einer Gehirnerschütterung umgefallen ist wie ein gefällter Baum. Hat mich bis heute beeindruckt!

http://www.henninachtsheim.de