Seine Devise lautet „Bomb the Green“: Ingolf Drewitz, bekannt als IngolfPunk, möchte mit den Klischees, die dem Golfsport anhaften, aufräumen und die Freude am Spiel in den Vordergrund rücken. Denn Golf ist keineswegs nur ein Altherrensport oder eine Freizeitbeschäftigung für Besserverdienende. „Golf hat das Zeug zum Volkssport!“ findet er. Denn: „Golf macht süchtig!“. Wie sich das anfühlt, erklärt er in dieser sehr persönlichen Glosse über den Sport, der sein Leben veränderte.

Die Golf-Sucht ist zum Glück nicht heilbar.
Die Golf-Sucht ist zum Glück nicht heilbar.

Sonntag, 6.30 Uhr. Mein Handy-Wecker klingelt, eine kurze Nacht liegt mir schwer in den Knochen und ein Sonnenstrahl blinzelt durch die Jalousie. Ich würde am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und einfach weiterschlafen. Ein Griff zum Nachttisch, um den lärmenden Störenfried verstummen zu lassen, doch da leuchtet es mir verheißungsvoll vom Display entgegen: „TeeTime“. Auf einmal schießt es mir warm in die Glieder, ein unbeschreibliches Gefühl macht sich in mir breit und ich bin schlagartig hellwach. Vorfreude… Wie in Trance starte ich in den Tag, Duschen, Zähneputzen und Kaffeekochen laufen wie nebenher, denn meine Gedanken kreisen nur noch um Fragen wie: Habe ich alles im Bag? Passen die Schuhe farblich zum Rest der Klamotten? Wird das Wetter heute mitspielen?

Endlich im Auto frage ich mich, was zur Hölle ich an einem Sonntagmorgen bei der noch tiefstehenden Sonne hier eigentlich mache. Leicht zittrig und aufgeregt, wie ein Sechsjähriger an Weihnachten, von meiner Sucht wie ferngesteuert, fahre ich zum fruchtbarsten Acker meiner größten Leidenschaft, um mir Linderung zu verschaffen. Nein, es geht nicht um Sex. Und ja, es geht um Lust. Ich bekenne: Ich bin süchtig, und mein Weg führt mich zu einem Golfturnier.

Ingolf Drewitz, bekannt als IngolfPunk
Ingolf Drewitz, bekannt als IngolfPunk
Kaum auf die von Bäumen gesäumte Zufahrtsstraße des Clubs eingebogen, gehen nicht nur die Drehzahlen des Motors runter. Man gleitet förmlich die letzten Meter zum Parkplatz, mit suchenden Blicken auf den Platz, und genießt diese innere Ruhe, die sich beim Anblick der sauber gemähten Fairways und getrimmten Grüns in einem breit macht. Der Puls wird ruhiger, man erblickt bekannte Gesichter gleichsam Getriebener, steigt aus dem Auto, packt sein Equipment und checkt in die „Familie“ der ebenfalls dem Golf Verfallenen ein.

Die geteilte Spielvorfreude gepaart mit dem fantastischen Wetter, das sich mit den wärmenden Sonnenstrahlen für heute ankündigt, lässt alle in einen Endorphin- Rausch gleiten, der sich schlagartig mit dem pünktlichen Kanonenstart und dem ersten Treffmoment zu entladen droht. Nach dem Knall der Kanone, die den Start des Turniers (und manchmal auch den Beginn eines langen Leidenswegs) manifestiert, kämpft jeder mit sich und der kleinen weißen Kugel den Kampf zwischen Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – über die Fairways und/oder weit abseits dieser.

Von viel zu kurz bis Lip-out Putt, Spielbahn für Spielbahn, Loch für Loch, und immer mit von der Partie Gedanken wie: „Leidenschaft ist, was Leiden schafft“, „Den Zweiten kann jeder“ und „Heute hab ich kein Glück, und nun kommt auch noch Pech hinzu“. Sich nach Misserfolgen wieder aufzurappeln, trotzdem dran zu bleiben, das ist der Stoff, der den Virus Golf nährt. Und dann sind da natürlich immer wieder die doch versöhnlichen Momente, wenn ein Schlag funktioniert, den man eben noch vor seinem geistigen Auge sah, der 18-Meter- Putt, der mit der optimalen Geschwindigkeit über das gesamte Grün rollt, jede Welle richtig trifft und mit der letzten Umdrehung zum Birdie ins Loch fällt. Dieses Hochgefühl ist so stark, dass es selbst den versiertesten Golfer innerlich Purzelbäume schlagen lässt.

Reiselust und Golfsucht lassen sich hervorragend verbinden! Zum Beispiel in der Dominikanischen Republik. Der Corales Golf Club in Punta Cana gilt als einer der besten der Welt.
Reiselust und Golfsucht lassen sich hervorragend verbinden! Zum Beispiel in der Dominikanischen Republik. Der Corales Golf Club in Punta Cana gilt als einer der besten der Welt.
Golf ist ein Wechselbad der Gefühle: Eben noch mit breitem Grinsen einen Monster- Abschlag am letzten Loch geschafft, findet man den Ball dann leider im Grünbunker wieder. Dann folgt auf die Freude pure Konzentration und man befördert den Ball aus seiner misslichen Lage – mit viel Emotion und jeder Menge Sand aufs Grün. Das eben noch breite Grinsen wird nun durch ein noch breiteres getoppt, denn man fiebert jetzt dem Birdie entgegen, puttet sich einen Wolf und geht dann mit einem Bogey vom Loch. Die Mine ist kurz erstarrt und von gehobenen Mundwinkeln keine Spur. Jetzt schnell durchatmen und bis Drei zählen… Ja, so ist Golf auch, da muss man eben durch, denn kaum hat man sich bei seinen Mitspielern für die Runde bedankt, den Score notiert und den Putter im Bag versenkt, ist der 3-Putt vergessen und die schönen Momente des Tages sind wieder da. Nachdem die 18-Loch-Runde beendet ist und alle wieder im Clubhaus sind, werden die jeweiligen Spielsituationen unter den Leidenschaftsgenossen bildund gestenreich kommentiert und die Wow-Momente gemeinsam gefeiert. Denn zum Golfen gehört auch die Gemeinschaft, das Wir-Gefühl. Zu einem gelungenen Golftag gehört nicht nur das Spiel, sondern auch „das Spiel danach“ – in spannungsentladender und geselliger Atmosphäre.

Ganz gleich, ob eine Runde auf dem Golfplatz, Crossgolf mit derben Beats und Bier durch den Park oder Acker, Urban Golf durch die Stadt oder Industriebrache – mittlerweile gibt es die verschiedensten Golfvarianten und für Spieler aller Couleur die passende Community. Eins haben sie dann dennoch alle gemeinsam: Sie sind infiziert und bleiben es ein Leben lang. Die Golf-Sucht ist zum Glück nicht heilbar.

Bomb the Green!

Golf mal anders

Um mit dem teilweise altmodisch eingestuften Image des Golfsports aufzuräumen, gibt es immer mehr alternative Arten, Golf zu spielen und so den Spaß am Golfsport auch für ein jüngeres Publikum zugänglich zu machen:

  • Handicap-Hunter
    Ein „Handicap-Hunter“ ist ein Golfer, der in kurzer Zeit sein Handicap verbessern will und dies auch schafft. Unter dem Titel „Handicap-Hunter“ werden auf vielen, als eher einfach einzustufenden Golfplätzen wöchentliche Turniere angeboten z. B. im Golfclub Hof Trages. Eine willkommene Gelegenheit für ehrgeizige Golfer zum Unterspielen und eine gern gesehene Greenfee-Einnahme für den jeweiligen Golfclub.
  • Cashgolfer – Nur Bares ist Wahres!
    Seit 2009 ist Cashgolf im Rhein-Main Gebiet etabliert. Hier gibt es bereits über 250 aktive Cashgolfer. Über 100 Turniere werden im Jahr angeboten und zum Saisonschluss mit einem exklusiven Saisonfinale beendet. Gespielt wird um Geld innerhalb der Amateur Regeln des Deutschen Golf Verbandes. Die Turniere werden u.a. in folgenden Golfclubs veranstaltet: GC Hof Trages, GC Main Spessart, GC Spessart, GC Winnerod und Zimmerner GC.
  • After Work Golf
    Der Green Business Club veranstaltet auf wechselnden Plätzen im Rhein-Main-Gebiet 14-tägliche Business Networking Golfrunden. Hier können während und nach einer gemütlichen 9-Loch Golf Partie bei einem Abendessen neue Business-Kontakte geknüpft und bestehende gepflegt werden. Außerdem werden regelmäßig spezielle Golfreisen zu Sonderkonditionen angeboten.
  • Single Golfen
    Für Golf Singles gibt es seit einigen Jahren den Single Golfclub (online), der neben regelmäßigen Events auch Single Golfreisen organisiert, ein eigenes Magazin herausbringt und Veranstalter des erfolgreichen German Single Golf Cups ist. Hier dürfen die sechs bestplatzierten Spieler dann am European Single Golf Cup teilnehmen. So bleibt kein Golfer ewig allein…
  • International Players Club
    Auch IPC genannt, ist eine Alternative zu einer traditionellen Mitgliedschaft. 59,00€ pro Jahr und man kann in den Clubs, die IPC-Mitglieder anerkennen, spielen. Die IPC-Karte steht nicht in Verbindung mit dem Deutschen Golf Verband. Weitere Vorteile sind reduziertes Green-Fee und organisierte Turniere. Eine gute Alternative.

Golf tut Gut(es)

Deutscher Meister im Para-Golf: Jens Maspfuhl
Deutscher Meister im Para-Golf: Jens Maspfuhl
Dank Golf gibt es für Stressgeplagte immer wieder eine Auszeit vom Job, Termindruck und Telefonterror. Vergessen ist der Alltagsstress, und man findet wieder zu sich. Doch nicht nur für den potentiellen Burnout-Kandidaten ist Golf als Therapie ideal, auch Menschen mit körperlichen Behinderungen oder anderen Beeinträchtigungen können durch das konzentrierte und koordinative Training viel erreichen. Das beste Beispiel ist Jens Maspfuhl, der bereits Golf-infiziert war, bevor ein Unfall vor zehn Jahren seine Leidenschaft zu beenden drohte. Seither ist er querschnittsgelähmt, doch sein unbeugsamer Wille, wieder Golf zu spielen, brachte ihn trotz bzw. mit Rollstuhl wieder auf die Greens. Heute ist er fünffach Deutscher Meister im Para-Golf und engagiert sich mit der DUK-Hilfe e.V. in verschiedenen Projekten dafür, dass auch andere Menschen mit Handicap Golf als Therapie nutzen können. So organisiert er jährlich ein Charity Golfturnier, um Spenden für Hilfsprojekte zu sammeln. Das Besondere: Das Turnier ist ein großes integratives Sport-Event, bei dem behinderte und nicht behinderte Golfer gemeinsam für den guten Zweck spielen und sich sportlich austauschen. Am 27. Juli 2013 findet das Turnier bereits zum zehnten Mal in Friedberg am Löwenhof statt.

www.jens-maspfuhl.de