Ashley Sutton gilt als einer der gefragtesten Interior Designer des asiatischen Raums – obwohl dem exzentrischen Autodidakten diese Bezeichnung weder gerecht wird noch gefällt. Aufgewachsen in Fremantle, an der Westküste Australiens, arbeitete er in jungen Jahren in einer Mine – hier kam ihm die Idee zu seinem Kinderbuch „Iron Fairies“, das seinen weiteren Weg bestimmen sollte.

Treppen, die ins Nichts führen

Die Geschichte über die aus Eisen geschmiedeten Elfen führte ihn nach Bangkok und zu einer Fabrik, in der er die Fantasiegeschöpfe zum Leben erweckte. Aus der Fabrik wurde eine Bar und aus Ashley Sutton der für seine Kreationen gefeierte Inneneinrichter, der er heute ist.

In den von ihm ausgestatteten Szenerien ist alles anders und nichts wie man es erwarten würde: Geheime Durchgänge und Räume verstecken sich zwischen dunklen Steinwänden, Treppen führen ins Nichts.

Ashley Sutton in der Bar 'Dreadnought', die noch 2017 im Avani Riverside Hotel in Bangkok eröffnen wird.
Ashley Sutton in der Bar ‚Dreadnought‘, die noch 2017 im Avani Riverside Hotel in Bangkok eröffnen wird.

Unzählige echte Pfauenfedern schmücken die von ihm eingerichtete Bar „Ophelia“ in Shanghai, im ersten von drei Ablegern seines „Iron Fairies“ in Hong Kong hängen über zehntausend echte Schmetterlinge von der hohen Decke. Bei jedem Luftzug schwingend und flatternd, formieren sie sich zu einem verzauberten, schwebenden Garten. Angebracht hat sie der detailversessene Australier selbst – die dazu beauftragten Arbeiter waren ihm zu langsam.

Bei einer Reise nach Bangkok besuchten wir Suttons Bar „Maggie Choo’s“ und wurden von der surrealen Welt, die er dort im Hinterzimmer eines kantonesischen Restaurants geschaffen hat, sofort in den Bann gezogen.

Der Thresen der Bar Ophelia in Shanghai
Der Thresen der Bar Ophelia in Shanghai

Interview mit Ashley Sutton

Top Magazin Frankfurt sprach mit dem Mann, der mit seinen einzigartigen Konzepten völlig neue Maßstäbe in Sachen Interior Design setzt und gewiss schon sehr bald auch weit über die Grenzen Asiens hinaus bekannt sein wird.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie sich mein Stil beschreiben lässt. Ich bediene mich gewissermaßen an allen Stilrichtungen. Was aber viele Leute über meine Designs sagen ist, dass sie eine Seele haben.

J.Boroski in Hongkong
J.Boroski in Hongkong

Wie gestaltet sich Ihr kreativer Prozess?
Ich sehe einen leeren Platz oder Ort und dann kommt mir auf einmal eine Idee. Vor meinem inneren Auge kann ich dann schon sehen, wie ich alles baue und welche Gestalt es annehmen wird.

Was inspiriert Sie zurzeit?
Momentan beschäftige ich mich viel mit der Produktion von Kurzfilmen, das fasziniert mich. Überhaupt träume ich gern und denke viel über fiktionale Dinge nach, das gibt mir die größte Inspiration. Außerdem interessiere ich mich sehr für die Geschichte des zweiten Weltkriegs und für das Design der Flugzeuge und Schiffe, die damals eingesetzt wurden. Auch die Raumfahrt beeindruckt mich – und Marine-U-Boote!

Wenn man sich Ihr Instagram-Profil anschaut, dann sieht man Sie dort häufig auf dem Meer oder beim Tauchen. Beeinflusst das Ihre Arbeit in irgendeiner Weise?
Ich würde eigentlich nicht sagen, dass die Unterwasserwelt meine Arbeit sehr beeinflusst. Ich wünsche mir aber, eines Tages an Stelle von Bars Boote zu designen.

Was sollen die Menschen empfinden, die die von Ihnen designten Orte betreten?
Ich möchte vor allem, dass sie qualitativ hochwertige Arbeit zu sehen bekommen. Und ich würde mir wünschen, sie mit meinen Designs in andere, bislang versteckte Reiche ihres Geistes führen zu können.

An was arbeiten Sie jetzt gerade?
Ich bin derzeit mit einigen verschiedenen Dingen beschäftigt. Die werden ziemlich beeindruckend sein, wenn sie fertig sind! Momentan arbeite ich zum Beispiel an einem Projekt in Kuala Lumpur, da entsteht ein neues „Iron Fairies“.

'The Iron Fairies' in Hongkong - es folgen weitere in Kuala Lumpur, Tokio und Bangkok.
‚The Iron Fairies‘ in Hongkong – es folgen weitere in Kuala Lumpur, Tokio und Bangkok.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Ein Projekt endlich zu sehen, wenn es nach all der Arbeit dann fertig ist. Und wenn der Auftraggeber glücklich damit ist.

Feenstaub in ‚The Iron Fairies‘ – versessen bis ins letzte Detail

Welches ist Ihr bisheriges Lieblingsprojekt?
Das gibt es noch nicht. Das heißt also, dass dieses Projekt noch kommen wird, nehme ich an…

Was sind Ihre „Design-Träume“? Steht da noch etwas auf Ihrer Wunschliste?
Wenn mir keine Limits hinsichtlich Geld oder sonstigen Ressourcen gesetzt wären, dann würde ich gern ein ganzes Hotel designen. Und eine Serie Motoryachten.

„Ich bin kein sehr großer Fan von Design.“

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Ich hoffe, dass ich dann nicht mehr in Asien sein werde, ich kann es kaum erwarten, auch noch mal etwas Anderes zu sehen. Am liebsten würde ich in fünf Jahren mit meinem Boot die Welt umsegeln. Allein.

Wie sehr wirken sich aktuelle Design-Trends auf Ihre Arbeit aus?
Die aktuellen Trends beachte ich bei meiner Arbeit eigentlich nie, die sind mir egal. Um ehrlich zu sein, bin ich auch kein sehr großer Fan von Design. Ich mag das Meer.

'Sing Sing Theatre' in Bangkok
‚Sing Sing Theatre‘ in Bangkok

Können Sie uns trotzdem einen Inneneinrichtungs-Trend für die nächsten Jahre nennen?
Ich habe das Gefühl, dass Farbe vor allem dieses Jahr eine ganz große Rolle spielen wird. Ich denke, der Trend wird wieder weg von den schroffen, gedeckten Erdtönen hin zu farbenfroheren, helleren Tönen gehen. Der Trend ist Farbe.

Wann wussten Sie, dass Sie Designer werden wollen?
Das wollte ich nie werden. Ich erwecke einfach gerne die Dinge, über die ich nachdenke, auch zum Leben.

Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der Interior Designer werden möchte?
Jeder Mensch ist ein Designer! Ich bin davon überzeugt, dass jeder das Zeug zum Interior Designer hat, ohne vorher dafür extra lange üben zu müssen. Es ist eigentlich nur eine Frage des guten Geschmacks.

Das Interview führte Johanna Müdicken.


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