Wie Gartenprofis in Frankfurt mit Hitze umgehen
Wie Gartenprofis in Frankfurt mit Hitze umgehen

Pflanzen brauchen Sonne, um gut zu gedeihen. Zu viel Sonne und Wärme macht ihnen allerdings zu schaffen. Das sich verändernde Klima in Frankfurt trifft Gartenbesitzer, aber auch öffentliche Anlagen wie den Palmengarten. Die dortigen Profis erzählen, wie sie sich auf den Wandel einstellen und geben Tipps für die heimischen Beete. Von Sabine Börchers

Die Sonne scheint tagelang unerbittlich auf den Rosengarten und den Sommerflor. Trotzdem ist im Palmengarten der Rasen grün und die Pflanzen recken ihre Blüten frisch in die Höhe. In Zeiten, in denen sich die Hitze über die Stadt legt und wochenlang kein Regen fällt, sorgen die Palmengärtner dafür, dass sich nicht nur die namensgebenden Palmen in den Tropenhäusern wohlfühlen, sondern dass auch im Freiland alles blüht und gedeiht. Schließlich sind die Pflanzen das Kapital des Gartens, der im kommenden Jahr seinen 150. Geburtstag feiert. „Eine unserer Aufgaben ist es, so viele verschiedene Pflanzen wie möglich zu zeigen“, stellt Jörg Plaßmann fest, der seit acht Jahren im Palmengarten tätig ist und das Freiland und die Galerien leitet.

„Wenn wir den Bestand retten wollen, müssen wir nachhelfen.“ – Landschaftsgärtner Jörg Plaßmann

Nicht nur in den Gewächshäusern, auch im Garten selbst finden sich viele seltene, historische und wertvolle Exemplare, die erhalten werden sollen – von der botanischen Kostbarkeit namens Wollemia nobilis, die lange Zeit als ausgestorben galt und erst 1994 in einem Canyon in Australien wiederentdeckt wurde, bis hin zur etwa 400 Jahre alten Eibe, dem ältesten Baum des Gartens und einer der ältesten Eiben Deutschlands. „Wenn wir den Bestand retten wollen, müssen wir nachhelfen“, bringt es der Landschaftsgärtner auf den Punkt.

Das Halbwüsten-Haus im Tropicarium des Palmengartens
Das Halbwüsten-Haus im Tropicarium des Palmengartens

Darüber hinaus dient der Palmengarten als grüne Lunge der Stadt, die auch im Sommer für Kühle sorgt. „Es ist außerdem unser Beitrag zum Erholungswert unserer Besucher, das Freiland nicht austrocknen zu lassen. Wenn in der Stadt sonst alles verdorrt und braun ist, erleben viele es als wohltuend, durch den grünen Garten zu laufen.“ Damit das möglich ist, sind 26 festangestellte Gärtner und sechs Saisonkräfte im Sommer hauptsächlich damit beschäftigt, die Beete zu bewässern. Das Freiland umfasst rund 15 der insgesamt 22 Hektar des Gartens, schätzt Plaßmann. Es ist aufgeteilt in sechs Reviere. Jeweils eine Gruppe mit drei bis fünf Mitarbeitern hat dort ein eigenes Revier, für das sie verantwortlich ist.

30 bis 40 Prozent mehr gießen

Dass es in Frankfurt mehr heiße Sommer als früher gibt, kann Plaßmann bestätigen, auch wenn langfristige Studien dazu noch fehlen. Er habe den Eindruck, dass die Trockenperioden ausgedehnter seien und die hohen Temperaturen sich länger hinziehen würden. „Wir haben in den vergangenen beiden Sommern jeden Tag gegossen. Der Wasserverbrauch lag, so schätzt er, 30 bis 40 Prozent über dem der Jahre davor. „Entsprechend war auch mehr Arbeitskraft nötig, wir haben kaum noch etwas anderes gemacht als gießen.“

Das liege auch daran, dass es bislang in nur wenigen Bereichen des Gartens eine automatische Bewässerung gebe und die Gärtner Schläuche ziehen und Regner aufstellen müssten, erläutert er. „Manche Pflanzen sind ohnehin so empfindlich, dass sie von Hand gewässert werden müssen.“ Auch dieses Jahr begann für die Palmengärtner mit viel Arbeit, weil es schon sehr früh eine lange Trockenperiode gab. „Wir haben schon im April jeden Tag gewässert, weil es bereits so warm war. Das ist besonders schwierig, weil die Pflanzen gerade zum Austreiben Feuchtigkeit benötigen.“

„Wir haben kaum noch etwas anderes gemacht als gießen.“- Landschaftsgärtner Jörg Plaßmann

Doch nicht nur die zarten Pflänzchen des Gartens sind hitzegefährdet, selbst Bäume und Sträucher müssten ab und zu die ganze Nacht über bewässert werden, sagt der Profi. Trotzdem lassen sich Hitzeschäden nicht ganz vermeiden. Braune und trockene Äste stellen die Gärtner vor allem an den Gehölzen fest, die aus kühlen und gemäßigten Regionen stammen, etwa Kastanien, Eichen, Platanen, erläutert Hilke Steinecke, Botanikerin und Kustodin des Palmengartens. „Besonders Bäume mit großen Blättern geben viel Feuchtigkeit ab, aber auch immergrüne Nadelbäume. Wir haben zum Beispiel einen Lebensbaum und eine Kalifornische Flußzeder, die beide betroffen sind.“ Die in den 1980er Jahren gepflanzten Mittelmeer-Pinien am Rosengarten vertragen die Hitze dagegen besser als heimische Kiefern.

Und noch eine Folge des Klimawandels stellen die Gärtner fest: Die Blütezeit verändert sich. „Viele Pflanzen treiben früher aus und sind deshalb umso anfälliger für Spätfröste“, sagt Jörg Plaßmann. Denn eine Annäherung an ein mediterranes Klima bedeute nicht, dass die Temperaturen generell ansteigen würden. „Wir müssen immer noch ab und zu von kalten Wintern ausgehen.“ Oder zumindest von nasskaltem Wetter mit viel Feuchtigkeit, die die Pflanzen ebenfalls nicht gut vertragen würden, ergänzt Hilke Steinecke.

Hinzu kommen Wetterphänomene wie die Eisheiligen im Mai, bei denen es, so wie in diesem Jahr, zu Nachtfrösten kommen kann, welche die frisch ausgetriebenen Pflanzen schädigen. Insgesamt werde die Vegetationsperiode bei Blumen und Bäumen länger, beschreibt die Botanikerin ihre Eindrücke. Die Bäume würden ihr Laub später abwerfen, teilweise erst im November. Wenn dann noch Trockenheit hinzukäme, bedeute das für die Pflanzen zusätzlichen Stress.

Salbei, Lavendel & Co.

Wasser ist im Palmengarten das A und O, um den häufigeren Hitzesommern zu begegnen. Das gilt auch für den heimischen Garten und noch mehr für die Balkonkästen, die jetzt üppig bepflanzt sind und für Farbe sorgen sollen. Jörg Plaßmann rät generell dazu, die Pflanzen in den Morgenstunden zu gießen, damit nicht zu viel des kostbaren Nass in der Sonne verdunstet. Im Palmengarten beginnen die Mitarbeiter meist schon um sechs Uhr damit. Dennoch reicht die Zeit in den extremen Sommern oft nicht aus, um das gesamte Freiland zu bewässern, sodass sie auch über den Tag verteilt die Beregnungsanlagen aufstellen. „Wir müssen dann einzelne Blattschäden durch die Sonne leider in Kauf nehmen. Am besten ist es, man hat eine automatische Bewässerungsanlage, die man nachts laufen lassen kann.“

Im Palmengarten beginnen die Mitarbeiter meist schon um sechs Uhr mit dem bewässern
Im Palmengarten beginnen die Mitarbeiter meist schon um sechs Uhr mit dem bewässern

Es sei im Garten auch nicht damit getan, jeden Tag ein bisschen zu gießen. „Gerade bei größeren Pflanzen ist es wichtig, dass das Wasser tiefer geht, dass also durchdringend gewässert wird.“ Ebenfalls entscheidend für einen schönen Garten oder eine attraktive Balkonbepflanzung sei es, immer auf die richtigen Standortbedingungen zu achten. Mag eine Pflanze eher Halbschatten, dann vertrage sie einen vollsonnigen Standort nicht. Das gleiche gelte umgekehrt. Jörg Plaßmann und Hilke Steinecke raten Frankfurter Gartenbesitzern dazu, künftig für die Sonnenplätze in den Beeten möglichst hitzeunempfindliche Pflanzen zu wählen, wie sie auf der Steppenwiese des Palmengartens wachsen.

„Am besten ist es, man hat eine automatische Bewässerungsanlage, die man nachts laufen lassen kann.“ – Landschaftsgärtnerin Hilke Steinecke

Präriegräser zählen dazu, „aber auch mediterrane Pflanzen wie Salbei, Lavendel, Rosmarin, die kleine Blätter haben, um die Verdunstung zu minimieren“, stellt Hilke Steinecke fest. Besonders schön, und dazu noch gleichzeitig blühen die gelbe Scharfgarbe und die Blauraute aus dem Kaukasus. Auch verschiedene Beifußarten empfiehlt die Botanikerin. Und selbst heimische Pflanzen wie der rot-violett blühende Blutstorchschnabel kämen gut mit Trockenheit und Hitze zurecht. „Außerdem sind sie gut für die bedrohten Insekten.“

Lavendel zählt zu den hitzeunempfindlichen Pflanzen.
Lavendel zählt zu den hitzeunempfindlichen Pflanzen.

Schatten und Mulch

Die Profis im Palmengarten haben noch ein paar weitere Maßnahmen, mit denen sie dem Klimawandel begegnen. Pflänzchen, die aus der meist dunkleren Gärtnerei frisch in die Erde kommen, gewöhnen sie lieber nach und nach an die kräftige Sonne, damit diese nicht in Stress geraten. „Es gibt Schattentextilien, die man drüberlegen kann“, empfiehlt Plaßmann. Wenn neue Beete angelegt werden, dann werden im Palmengarten außerdem Substrate verwendet, die das Wasser gut halten. „Normale Blumenerde besteht meist zum Großteil aus Torf oder Humus, wir verwenden Erde, die zum Beispiel mit Tonmineralen angereichert ist, die Wasser speichern. Allerdings sind die in kleinen Mengen schwer zu bekommen.“

„Wir verwenden Blumenerde, die mit Tonmineralen angereichert ist, die Wasser speichern.“ – Landschaftsgärtner Jörg Plaßmann

Einfacher ist es da, auf Mulch zu setzen. Auch im Freiland des Palmengartens wird sehr viel davon verteilt, weil er die Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten hält. „Bei Wind trocknet der Boden dann nicht so schnell aus.“ Allerdings gilt das nicht für alle Beete. „Man kann Mulch nicht überall verwenden, man darf zum Beispiel kleine Polsterstauden nicht zudecken.“

Sollten die Auswirkungen des Klimawandels noch stärker werden und wir in Frankfurt weiterhin regelmäßig heiße Sommer bekommen, bliebe auch den Profis im Palmengarten nur, auf hitzeunempfindlichere Pflanzen zurückzugreifen. Das ginge aber ausschließlich an den Stellen des Gartens, die vor allem Schauwert und weniger botanische Bedeutung haben, wie etwa beim Sommerflor, betonen sie.

„Der Rhododendrongarten ist zum Beispiel schon jetzt ein schwieriges Thema in Frankfurt, weil die Pflanzen eine hohe Luftfeuchtigkeit und einen sauren Boden brauchen. Sie leiden unter der Trockenheit, aber je mehr wir wässern, desto kalkhaltiger wird der Boden und dann leiden sie auch“, erläutert Jörg Plassmann. Die Gärtner planen daher, die bestehenden Pflanzen dort in nächster Zeit zu regenerieren. So beliebt der kräftig und üppig blühende Rhododendron bei den Besuchern ist, flächenmäßig werde der Garten nicht weiter ausgebaut, bedauert der Freiland-Chef.

Mulch hält die Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten
Mulch hält die Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten

Und dann schaut er mit seiner Kollegin Hilke Steinecke ein wenig in die botanische Zukunft Frankfurts. Langfristig würden sich das Stadtgrün, aber auch der Palmengarten dem Klima entsprechend wandeln, vermuten beide. „Unsere heimischen Pflanzen werden auf dem Rückzug sein, gerade Bäume wie die Buchen, Linden, Kastanien haben es schwer und werden nicht mehr so groß werden“, sagt Jörg Plaßmann. „Dafür werden andere Bäume eine ungewöhnliche Größe erreichen, von denen wir es nicht erwartet hätten, wie unsere Pinien.“

Und Hilke Steinecke ergänzt: „Gleichzeitig können botanische Gärten – wie wir es sind – wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welche Bäume und Pflanzen dem Klimawandel besser gewachsen sind, weil wir diese schon seit langer Zeit im Garten haben.“ Die spanische Eiche beispielsweise erweise sich als sehr robust. „Sie steht schon seit 100 Jahren im Palmengarten und wirkt sehr vital.“


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