Olga Polizzi liegt das Hotel-Business im Blut
Olga Polizzi liegt das Hotel-Business im Blut

Olga Polizzi liegt das Hotel-Business im Blut. Sie ist nicht nur die älteste Tochter des Hoteliers Lord Forte, sondern gehört außerdem mit ihrem Bruder Sir Rocco Forte zu den Hauptaktionären des Luxushotelunternehmens Rocco Forte Hotels. Dort ist sie als stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Director of Design tätig. In der Frankfurter Villa Kennedy zeichnet Olga Polizzi für das komplette Interior Design verantwortlich. So auch für die vier Signature-Suiten, die kürzlich eröffnet wurden. Top Magazin Frankfurt traf die Innendesignerin zum Gespräch. Von Johanna Müdicken

Frau Polizzi, Sie sind in der Forte-Familie groß geworden, wussten Sie also schon immer, dass Ihre berufliche Zukunft in der Hotel-Branche liegt?

Nicht wirklich. Neben meinem Bruder Rocco waren wir fünf Töchter. Mein Vater war immer der Meinung, Frauen sollten zu Hause bleiben und sich um die Familie kümmern. Rocco war also immer derjenige, der einmal das Business übernehmen sollte. Ich hingegen ging zur Kunstschule und habe bereits mit 19 geheiratet. Mein Mann starb bei einem Autounfall, als ich noch sehr jung war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwei kleine Kinder.

Da sagte mein Vater: „Jetzt musst du arbeiten.“ Und brachte mich in sein Unternehmen. Da ich kunstinteressiert war, fing ich dort in der Abteilung für Interior Design an. Wir hatten damals etwa 800 Hotels, es gab also sehr viel zu tun. Als das Business 1995 schließlich von Granada übernommen wurde, wollte mein Bruder, der die Forte Group zuletzt geführt hatte, eine neue Hotelkette gründen. Ich wollte das allerdings überhaupt nicht – ich hatte eigentlich genug von Hotels.

Eine der vier Signature-Suiten von Olga Polizzi in der Villa Kennedy
Eine der vier Signature-Suiten von Olga Polizzi in der Villa Kennedy

Am Ende bin ich den Weg dann doch mit ihm gemeinsam gegangen und habe ihn bei der Gründung von „Rocco Forte Hotels“ unterstützt. Damals hat es gerade erst angefangen, dass man sich für Hotel-Design interessierte – das ist heute ja ganz anders, heute wünschen sich die Leute zum Teil sogar, ihr eigenes Zuhause wäre so eingerichtet wie manche Hotelzimmer. Ich habe mir schon zum damaligen Zeitpunkt Mühe gegeben, dass jede Inneneinrichtung speziell und auf die jeweilige Umgebung angepasst ist.

Die jeweilige Stadt, in der sich ein Hotel befindet, nimmt also großen Einfluss auf ihr Design?

Ja, definitiv. Meine Inspiration ziehe ich aus der Stadt und aus der Landschaft, in der sich das Gebäude befindet. Ich muss wissen, was die Menschen dort tun, wie sich das Leben dort anfühlt. Bei manchen Städten ist das einfacher als bei anderen. Als ich zum Beispiel zum ersten Mal in Brüssel war, fand ich es zunächst schwierig, herauszufinden, was die Stadt ausmacht. Ich habe mir also Zeit genommen, mich umgesehen und festgestellt, dass Brüssel sogar eine sehr starke Persönlichkeit hat. Darauf habe ich dann auch das Innen-Design angepasst. Eine Stadt wie Rom sagt hingegen etwas ganz Anderes aus, man assoziiert mit ihr sofort den Papst, mit Farben wie lila und rot. Und in Frankfurt kommen mir wiederum helle Farben in den Sinn, mehr grün und blau.

Johanna Müdicken im Interview mit Olga Polizzi
Johanna Müdicken im Interview mit Olga Polizzi

Momentan arbeite ich am Design eines Hotels in Apulien und mir hat sich natürlich die Frage gestellt, wie ich die Zimmer dort gestalten könnte. Ich bin also für sieben Tage hingefahren und habe mich vor Ort umgeschaut. Ich habe mir angesehen, wie die Leute dort arbeiten und habe mich davon inspirieren lassen. Das Korbflechten und Weben ist dort sehr verbreitet, also lasse ich diese Elemente in das Hoteldesign miteinfließen. Da sich das Hotel außerdem auf dem Land befindet – das Gebäude war einmal ein Bauernhof – versuche ich, alles recht simpel zu halten. In den Badezimmern haben wir lokales Gestein und Mosaikplatten verbaut. Darüber hinaus gibt es viele Textilien aus Leinen, keine schweren Vorhänge. Ich versuche auch immer, mit lokalen Handwerkern zusammenzuarbeiten.

Welche besonderen Herausforderungen stellen sich beim Innendesign von Hotels?

Eigentlich sind die Herausforderungen immer die gleichen: Es muss gemütlich und komfortabel sein. Sie brauchen ein bequemes Bett, Sie brauchen ein Licht am Bett, mit dem Sie lesen können, Sie brauchen einen guten Schreibtisch, um arbeiten zu können, Sie brauchen Steckdosen an den richtigen Stellen. Außerdem versuche ich seit einigen Jahren, Holzböden in den Zimmern zu verlegen, denn Teppiche nutzen sich schnell ab und sind sehr teuer. Im Bad brauchen Sie außerdem Platz, um Ihre Sachen abzustellen. Das sind eigentlich alles sehr offensichtliche Dinge, aber trotzdem sind sie in Hotelzimmern oft nicht vorhanden. Und erst nach diesen grundlegenden Anforderungen kommen dann die schönen Sachen, die Details.

Olga Polizzi in einer der neuen Suiten der Villa Kennedy
Olga Polizzi in einer der neuen Suiten der Villa Kennedy

Ich habe bis jetzt noch nie ein perfektes Hotel gesehen – das gibt es nicht. Hotels sind wie Menschen. Perfektion gibt es bei beiden nicht. Generell vergleiche ich Hotels gerne mit Personen – ich finde zum Beispiel, dass unser Hotel in Rom eher eine wohlhabende, gesetzte Dame mit gutem Geschmack ist, während das Hotel in Florenz eher die freche, junge Schwester ist. Und leider spielen auch Textilien eine große Rolle bei der Gestaltung eines Hotelzimmers.

Ich sage leider, weil ich in vielen Hotels Trevira-Stoffe verwenden muss, die schwer entflammbar sind, aber dafür nicht immer schön. Zum Glück gibt es auch einige Firmen, die sehr gute Trevira-Fasern herstellen, die zum Beispiel wie Seide aussehen. Zudem müssen wir etwa alle sieben Jahre ein Re-Design vornehmen. Dann schaue ich mir auch die aktuellen Trends an. Viele Stoffe kann man auch nach ein paar Jahren gar nicht mehr bekommen, dann muss man sowieso von vorne anfangen und sich auf dem Markt umschauen.

Was haben Sie in den Suiten der Villa Kennedy alles verändert?

Die Suiten waren meiner Meinung nach vorher etwas langweilig – denn als wir sie damals gestaltet haben, waren Farben wie beige und grau angesagt und alles war sehr simpel, reduziert. Damals wollte niemand Vorhänge haben, deswegen gab es Blenden an den Fenstern. Das haben wir nun geändert. Außerdem gibt es jetzt Bücherregale und eine neue Beleuchtung.

Zuletzt war Olga Polizzi für das komplette Interior Design der Frankfurter Villa Kennedy verantwortlich
Zuletzt war Olga Polizzi für das komplette Interior Design der Frankfurter Villa Kennedy verantwortlich

Ich habe alles etwas gemütlicher gestaltet und Farben gemixt. Außerdem wurde alles etwas verbessert: Es gibt jetzt eine kleine Bank zum Abstellen des Gepäcks und Leselampen am Bett. In den Wohnzimmern haben wir Holzböden verlegt. Das Ergebnis gefällt mir – aber richtig zufrieden bin ich nie, das ist schlimm! Ich glaube, wenn ich es wäre, würde ich diesen Job nicht mehr ausüben. Ich versuche, es immer noch ein bisschen besser zu machen.

Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Sie gerne noch an einem Hotel arbeiten würden?

Am besten nicht allzu weit weg. Ich reise nicht mehr gerne. Aber in Mailand würde ich gerne noch etwas machen, auch Madrid ist spannend. Mein Bruder will unbedingt ein Hotel in Paris eröffnen, aber es ist schwierig, dort zu arbeiten. Und auch, wenn es weit weg ist: New York wäre toll. Ich liebe die Stadt.


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