Es mag daran liegen, dass er auch schon mal im rosa Hasenkostüm zu Interviews erscheint. Doch auch seine Designs – von Porzellanfigurinen für Lladró über bunte Schuhe für Camper bis zu der neuen Badkollektion von Bisazza – wecken Assoziationen zu Lewis Carrolls Wunderwelt. Wir trafen das spanische Enfant Terrible des Designs Jaime Hayón in Frankfurt und sprachen mit ihm über die Dinge, die das Leben bunter und schöner machen. Text: Natalie Rosini, Foto: Michael Hohmann

Jaime Hayón: Enfant Terrible des Designs
Jaime Hayón: Enfant Terrible des Designs

Die erste Begegnung ist, wie ich sie mir vorgestellt habe – auch wenn Jaime heute auf den Puschelschwanz verzichtet hat und in seinem dunklen Anzug fast seriös wirkt. Aber nur fast. Sobald wir uns kurz begrüßt und vorgestellt haben – mit Küsschen natürlich, schließlich ist der Mann Spanier! – fangen seine Augen an zu leuchten und er fordert uns auf, Kamera, Block und Stift erst mal beiseite zu legen, um mit ihm gemeinsam seine neuesten Kreationen „zu sehen, zu spüren, zu verstehen“. Wir folgen ihm und haben Mühe, mit dem kleinen schlanken Mann mit der wilden Frisur und den lebhaften Händen Schritt zu halten. Und irgendwie muss ich wieder an Alice denken, wie sie dem großen weißen Kaninchen in seinen Bau folgt…

Art Déco für die Nasszelle

Wir sind auf der ISH in Frankfurt, wo Jaime Hayón die von ihm entworfene erste Badkollektion von Bisazza vorstellt. Und während an den anderen Ständen Whirlpools sprudeln und bei Pressekonferenzen eindrucksvoll die neuesten sparsamen Toilettenspülungen der Weltöffentlichkeit präsentiert werden, wirkt der Stand des italienischen Mosaikherstellers fast schon ein wenig bescheiden. Doch was ich auf den ersten Blick als Understatement deute, ist in Wirklichkeit die Umsetzung dessen, was Jaime Hayón mit dieser Kollektion bezweckt: Statt weißer Kacheln und blitzender Armaturen in gleißendem Messelicht sehe ich warmes Kupfer, viel Schwarz in Hochglanz, Vitrinenschränke, die ebenso gut im Wohn- oder Schlafzimmer stehen könnten, Wandleuchten, die man weniger über einem Waschbecken als in der Diele einer Art Déco-Wohnung in Barcelona vermuten würde, Duschkabinen, die so gar nichts von den üblichen Nasszellen haben. „Ich wollte weg von dem Gedanken, das Bad nur als sanitäre Anlage zu sehen. Ich wollte Wohnlichkeit und Glamour integrieren.“ Und das wollte Jaime Hayón genau genommen schon vor Jahren, als er für das kleine Unternehmen ArtQuitect anfing, diese Designs für das Bad zu realisieren, über die Top Magazin Frankfurt im Übrigen schon 2006 in der Rubrik Interior berichtete. Da der ursprüngliche Hersteller nicht über die nötigen Ressourcen verfügte, das Projekt weiter auszubauen, setzte Hayón es schließlich in ausgefeilter Form für Bisazza Bagno um.

Träumer, Künstler, Designer

Jaime Hayón hat keinerlei Problem damit, dass er als Träumer bezeichnet wird. Im Gegenteil. Wenn er etwas hasst, dann sind es Kategorien, „und in Träumen gibt es solche Grenzen nicht. Alles ist möglich.“ Und in der Tat hat der Madrilene, der mittlerweile in London lebt und Studios in Barcelona und Treviso sowie ein Haus in Valencia hat – „eine wundervolle Stadt voller Leben und positiver Energie“ –, vom Interior-Design für Geschäfte und Restaurants bis hin zu weltweit gefeierten Kunstprojekten schon alles gemacht, was mit Kreativität und „der Lust am Leben und der Liebe zu schönen Dingen“ zu tun hat. „Es gibt nichts, das ich nicht gerne entwerfen würde. Aber nur, wenn es den Menschen das Leben leichter macht. Ich liebe das Ehrliche.“ Diese Liebe spüre ich, während Jaime über die edlen Materialien seiner neuesten Stücke streicht und man in seinen dunklen, wachen Augen fast schon kindliche Freude erkennt. Und obwohl er zeitweise den Eindruck erweckt, ein Besessener zu sein, der die Kunst vor den Nutzen stellt – dabei denke ich auch an sein überdimensioniertes Hot Dog-Würstchen für das American Chateau-Projekt oder an das Green Chicken – weisen alle seine Designs, ob für Möbel, Leuchten, Dekor oder im Interior-Bereich eine Praktikabilität auf, die fasziniert. Phantasie und Funktion. Geht das? „Todo es posible, si se hace con amor.” Muchas gracias, Jaime.
http://www.hayonstudio.com