Dreizehn Jahre ist es her, dass James Blunt mit dem Song “You’re beautiful“ die Charts eroberte. Heute ist der Brite ein Weltstar – wir haben ihn zum Auftakt seiner fünften Tournee um den Globus getroffen und mit ihm über Ed Sheeran beim Skifahren, seine Heimat Ibiza und das unvergleichliche Gefühl des nach-Hause-Kommens gesprochen.
Interview: Annika John, Foto: Michael Hohmann

Haben Sie das Konzert gestern in der Frankfurter Festhalle genossen?

Es war wundervoll. Ich habe schon sehr oft in der Festhalle gespielt – es ist eine besondere Location. Alleine die ganzen Balkone schaffen eine tolle Atmosphäre. Außerdem war das Frankfurter Publikum toll.

Wovon hängt es ab, ob Ihnen ein Konzert in Erinnerung bleibt?

Man muss bedenken: Wenn wir auf Tour sind, spielen wir jeden Tag dasselbe Programm und dieselben Songs. Den einzigen Unterschied macht also das Publikum. Und wenn die Leute mitgehen, so wie gestern Abend, dann macht es riesigen Spaß.

„Musik ist Magie, sie ist wie eine Sprache.“ – James Blunt

Wie gelingt es Ihnen, immer mit Leidenschaft zu performen, selbst wenn es die letzte Station einer Welttournee ist?

Viele Menschen nehmen eine lange Anreise in Kauf oder haben Geld für ein Ticket gespart, um meine Musik zu hören. Die Menschen möchten bewegt werden, sie wollen eine Verbindung zu den Songs und zu mir als Künstler herstellen und es ist mein Job als Musiker, das zu erfüllen.

Musik ist Magie, sie ist wie eine Sprache, auch wenn mein Deutsch wirklich nicht gut und limitiert ist, schafft es die Musik, diese Barriere zu überwinden. Musik transportiert Emotionen, sie ruft Gefühle hervor. Das gelingt aber nur, wenn ich selber daran glaube und einen Song auf der Bühne so performe, als wäre es das erste Mal.

James Blunt
James Blunt

Deutschland war ja für einige Jahre Ihr Heimatland. Wie ist es für Sie, hier zu sein?

Es fühlt sich an, als würde ich nach Hause kommen. Als ich zehn Jahre alt und mein Vater bei der Rheinarmee stationiert war, habe ich eine Zeit lang im nordrhein-westfälischen Soest gelebt.

Ich erinnere mich noch gut an unser Haus, das direkt am Möhnesee lag. Im Winter haben wir auf dem zugefrorenen See immer Eishockey gespielt und im Sommer sind wir gesegelt und geschwommen.

Es war ein unglaublicher Ort zum Aufwachsen und ich habe unzählige Erinnerungen an Deutschland. Auch heute, nachdem ich Karriere als Musiker gemacht habe, werde ich hier immer wieder warm empfangen. Deshalb habe ich meine fünfte Welttournee hier gestartet und auch im nächsten Jahr werde ich hierher zurückkommen.

Ihre Heimat ist momentan aber Ibiza.

Stimmt. Ich bin ein Fan des pulsierenden Nachtlebens und Clubs wie Ushuaïa. Das war einer der Gründe, weshalb ich nach Ibiza gezogen bin. Sicher spielt es aber auch eine Rolle, dass mein Vater zwei Jahre auf Zypern gelebt hat und ich das mediterrane Lebensgefühl einfach mag.

Lassen Sie uns über Ihr neues Album „The Afterlove“ sprechen. Sie haben im Vorfeld über hundert Songs aufgenommen. Wie kam es dazu?

Ich wollte, dass dieses Album ein ganz besonderes wird. Alle vier vergangen Alben waren irgendwie verbunden miteinander, aber dieses Mal wollte ich etwas ganz Anderes machen – etwas, das die Leute überrascht und meine Band auf Trab hält, kurzum, etwas, das ich selber lieben würde.

Ich habe zwei Jahre damit verbracht und tatsächlich über hundert Lieder aufgenommen und ich finde, dass die besten Songs – wie „Don’t give me those eyes“ – darunter sind, die ich jemals geschrieben habe. Auch lustig war, wie der Song „OK“ mit Robin Schulz zustande kam.

In meiner Version mochte ich den Song irgendwie nicht, mir hat einfach was gefehlt. Ich habe ihn verworfen und wollte ihn nicht auf meinem Album haben und dachte, dass ich ihn nie wieder hören würde.

Dann habe ich auf Ibiza zufällig Robin Schulz getroffen und er hat zu mir gesagt: „Hey James, ich habe deinen Song ‚OK‘ gehört und glaube, das könnte ein Hit werden.“ Ich habe geantwortet: „Ich glaube nicht, dass das was wird.“

Aber er hat es einfach gemacht und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Er hat dem Song das Leben eingehaucht, das ich vermisst habe. Jetzt hört man „OK“ auf der ganzen Welt und er stürmt die Charts.

Was bedeutet der Titel „The Afterlove“ eigentlich?

Inspiriert hat mich der Song einer schottischen Band, in der die Zeile „after the love is gone“ häufig wiederholt wird. Das klingt zwar traurig, aber das Ziel des Albums war es, so viele Facetten und Gefühle wie möglich aufzuarbeiten, die eben „danach“ kommen.

Meine Musik ist abwechslungsreicher und emotionaler geworden – in „Someone singing along“ werden ernsthaftere, politische Töne angeschlagen, während es in „Time of our lives“ um unseren Hochzeitstag und in „Make me better“ um meine kleine Familie geht.

Sie haben auf dem Album mit Ed Sheeran und Ryan Tedder zusammengearbeitet. Warum haben Sie sich für die beiden entschieden?

In der Branche geht es immer um Zusammenarbeit. Da muss man nur mich und meine Band betrachten – vielleicht kommen die Leute und erwarten einen Mann mit der Gitarre, der miserable Songs spielt und werden dann von einer grandiosen Band überrascht, die sie total abholt.

„Die Musikindustrie suggeriert, dass es um Wettbewerb geht. Musik ist aber vielmehr ein Miteinander.“ – James Blunt

Die Musikindustrie versucht zwar immer zu suggerieren, dass es um den Wettbewerb geht, aber das macht sie nur, weil es sich besser verkaufen lässt. Musik ist vielmehr ein Miteinander. Ryan Tedder und ich haben schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet – „Bonfire Heart“ war mein erster Nummer 1-Hit in Deutschland.

Damals war ich quasi ein Groupie auf der One Republic-Tour, bin mit den Jungs gereist und habe mit ihnen im Tour-Bus Songs geschrieben. Mit Ed war es so: Wir sind Freunde und haben das selbe Management. Irgendwann waren wir zusammen im Ski-Urlaub – ich habe ihm das Ski-Fahren beigebracht – und am Abend haben wir dann zusammen Songs geschrieben.

Ihr Leben hat sich im letzten Jahrzehnt ziemlich verändert. Wie fühlt er sich an – der Wandel vom Soldat und Captain James Blunt zum Schmuse-Musiker James Blunt?

Es gibt Parallelen und Differenzen. Als Soldat ging es häufig um Leben und Tod, das unterscheidet sich natürlich sehr von meinem jetzigen Leben. Was aber gleichgeblieben ist, ist das Reisen rund um den Globus in einem Team. Auch wenn mein Panzer (Anm. d. Red.: der Tour-Bus) jetzt natürlich ein bisschen komfortabler ist.

Ist Ihr Leben denn ruhiger geworden, seitdem Sie kürzlich Vater geworden sind?

Es ist eine neue Ära und es verändert alle Perspektiven. Du schaust nicht mehr nur auf dich, sondern bist plötzlich auch für andere Menschen verantwortlich. Aber es fällt mir nicht so leicht, das mit Worten zu beschreiben, deshalb singe ich lieber darüber.

Selbst das ist mir früher schwergefallen. Ed Sheeran hat mal zu mir gesagt: „Du bist James Blunt, du bist ein Songwriter, die Leute wollen etwas über dich erfahren. Du darfst dich nicht verstecken.“


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