In Anlehnung an die jüdische Tradition temporärer Bauten errichtet das Jüdische Museum auch in diesem Spätsommer elf Tage – vom 7. bis 17. September – einen eigens gestalteten Ort im öffentlichen Raum.

Während sich das Pop Up Boat im vergangenen Jahr in der Freizeitzone des Mainufers befand, verlagert das Museum in diesem Jahr seine Aktivitäten mitten in die Stadt und macht den Frankfurter Stadtraum selbst zum Thema.

In Zusammenarbeit mit dem Künstlerkollektiv raumlaborberlin nimmt es eine temporäre Intervention auf dem Willy-Brandt-Platz vor und schafft ein Monument, das in seiner Form den temporären und fragilen Charakter jüdischer Orte als solche reflektiert. Es handelt sich um eine aufblasbare und begehbare Blase aus transluzentem Material, die von außen Einblicke in das Geschehen im Innern und von dort Ausblicke auf die Stadtlandschaft gewährt.

Bei der Eröffnung am Donnerstag, 7. September, um 19 Uhr, sprechen Oberbürgermeister Peter Feldmann, Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Julia Cloot, Geschäftsführerin des Gemeinnützigen Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, und Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt. Um 20 Uhr folgt ein Konzert von Trio Scho.

Als eine Skulptur im öffentlichen Raum, die jeden Morgen aufs Neue aufgeblasen wird und nachts wieder in sich zusammenfällt, nimmt das Pop Up Monument sowohl Bezug auf andere Denkmäler an öffentlichen Plätzen und Orten der Stadt, unterscheidet sich von diesen aber durch seinen temporären Charakter. Es erinnert dementsprechend weniger an historische Ereignisse oder Persönlichkeiten, sondern lenkt den Blick vielmehr auf die Gegenwart und thematisiert die Fragilität wie auch die Pluralität jüdischer Kulturen in der Diaspora.

In unmittelbarer Nähe zu dem im Werden begriffenen neuen Jüdischen Museum dient das Pop Up Monument untertags als ein Lab für die neue Dauerausstellung. Besucher können nicht nur anhand ausgewählter Gegenstände, interaktiver Elemente, Raumpläne und dreidimensionaler Modelle einen Ein- und Überblick in die fortgeschrittenen Raum- und Ausstellungsplanungen gewinnen, sondern auch einzelne Sammlungsobjekte des Museums näher kennenlernen und in kuratorischer Begleitung eingehend studieren. In Workshops mit eigens eingeladenen Besuchergruppen werden einzelne Ausstellungssegmente eingehend vorgestellt und deren Verständlichkeit überprüft.

Zwei partizipative Ausstellungselemente laden die Besucher überdies ein, sich an der konzeptionellen Weiterentwicklung der neuen Dauerausstellung zu beteiligen. Eines dieser beiden Displays befindet sich außerhalb des Monuments auf einem eigens produzierten Tisch und stellt ihnen die Frage: „Welche jüdische Persönlichkeit möchten Sie gerne näher kennen lernen?“. Hier werden die Biografien bedeutender Personen präsentiert und darum gebeten, die Frage auf einer Postkarte zu beantworten.

Ein zweites Ausstellungselement umkreist die Frage: „Was ist ein jüdischer Ort für Sie?“ Dieses Display besteht aus einer großen Stadtkarte von Frankfurt am Main, die die Besucher dazu einlädt, jüdische Orte aus der Vergangenheit oder der Gegenwart zu markieren. Hands On-Materialien animieren dazu, Texte zu diesen Orten zu verfassen; eine begleitende Crowdsourcing-Aktion in den Sozialen Medien ruft zum Hochladen von Fotos auf, die jüdische Orte in Frankfurt zeigen und sich dann auf der Karte wiederfinden werden.

Abends verwandelt sich das Pop Up Monument in eine Plattform für jüdische Gegenwartskultur. Mitten im Stadtraum finden Lesungen, Filmvorführungen, Konzerte und Diskussionen statt, in denen die Vielstimmigkeit der jüdischen Gegenwart zum Ausdruck kommt.

Ein Highlight des Programms stellen die Konzerte von Trio Scho mit dem Projekt Odessa Express und von der Sängerin Maya Saban mit der Formation Jewdyssee zu Beginn und zum Abschluss des Festivals dar.

Weitere Höhepunkte bilden die Lesung der Journalistin und Kolumnistin Linda Rachel Sabiers, die ihre Facebook Posts als „Prosa-Momente in der Metropole“ versteht und zu einem Berlin-Roman ausbaut, sowie die Lesung der Schauspielerin, Theaterregisseurin und Schriftstellerin Adriana Altaras aus ihrem neuesten Buch „Das Meer und ich waren im besten Alter: Geschichten aus meinem Alltag“.

http://popupmonument.juedischesmuseum.de/