Musiker Klaus Hoffmann
Musiker Klaus Hoffmann

Bücher, Filme und Hunderte Songs: Klaus Hoffmann ist erfolgreich, kreativ und seit Jahrzehnten im Geschäft. Doch er ruht nicht, sondern veröffentlichte vor wenigen Monaten sein 48. Album und tourt derzeit durch die Bundesrepublik. Mit Top Magazin Frankfurt spricht er über den kreativen Prozess beim Schreiben neuer Musik und ob er gerne wieder vor der Kamera stünde. Von Niklas Mag

„Ich glaube, du musst hier viel Geld haben“, sagt Klaus Hoffmann, angesprochen auf seinen kurzen Aufenthalt in Frankfurt. Gerade hat er sich in eine tiefe schwarze Couch fallen lassen, wirkt entspannt und auch etwas müde, denn es ist bereits dunkel in der Mainmetropole.

Während auf den Straßen rund um die Frankfurter Messe die Rushhour tobt, ist es in der weitläufigen Lobby des Maritim Hotels an der Messe recht ruhig. „Ich mag Frankfurt aber sehr gerne“, ergänzt Hoffmann nach einigen Momenten des Nachdenkens. Minuten vor unserem Treffen ist der Musiker im Hotel angekommen, nach einer langen Bahnfahrt, wie er erzählt.

Ausverkauft seit 40 Jahren

Doch so ist das Leben auf Tour, ein Leben, das dem Berliner bestens bekannt ist. 40 Jahre ist seine erste ausverkaufte Tournee durch Deutschland mittlerweile her: „Ich habe vorhin hier im Hotel drei Mal das Zimmer gewechselt, ich bin ein sogenannter Zimmerwechsler“, berichtet er. „Es war zuerst eine Riesen-Suite, aber ganz am Ende des Ganges im siebten Stock. Suiten sind mir immer zu dunkel und es steht ein riesiger Tisch darin. Ich weiß gar nicht, wer da kommen soll“, wundert er sich.

Klaus Hoffmann im Gespräch mit Niklas Mag
Klaus Hoffmann im Gespräch mit Niklas Mag

Mit dunklem Hemd und schwarzem Sakko bekleidet spricht Klaus Hoffmann, antwortet verträumt, schweift dabei gerne ab und kehrt schließlich doch wieder zum Ausgangspunkt seiner Ausführungen zurück. Sympathisch, ehrlich und ja, auch ein wenig schrullig wirkt der 68-Jährige auf uns. Doch zugleich auch absolut routiniert. Interviews machen ihn nicht mehr nervös. Klaus Hoffmann verstellt sich nicht und spielt auch keine Rolle. Das hat er einfach nicht mehr nötig. Sogar die Zeit, sich unsere Namen einzuprägen, nimmt er sich und überlegt nicht lange, bevor er auf unsere Fragen antwortet.

Vor Leidenschaft und Kreativität sprüht Klaus Hoffmann geradezu, nicht nur für seinen Beruf, sondern für alle Kunstformen. Denn obwohl er seit 1968 Musik macht, konnte sich der Berliner auch schon vor der Kamera und auf der Theaterbühne beweisen. Nach verschiedenen Theaterengagements und einem Schauspielstudium spielte der Berliner die Hauptrolle im Film „Die neuen Leiden des jungen W.“ und erhielt dafür 1976 die Goldene Kamera.

Erinnerungen, die in ihm den Wunsch wecken, wieder zur Schauspielerei zurückzukehren: „Klar möchte ich gerne wieder drehen und ich habe sogar mal versucht, ein Drehbuch aus meinen Büchern zu schreiben. Aber das ist sehr schwierig“, sagt er, rutscht dabei auf der Couch nach hinten und blickt an die Decke der Hotel-Lobby. „Aber das wird sich finden“, ergänzt er.

Konzert in Frankfurt

Klaus Hoffmann hat bereits 48 Alben Veröffentlicht
Klaus Hoffmann hat bereits 48 Alben Veröffentlicht

In Frankfurt wird der Musiker am kommenden Sonntag sein neues Album „Aquamarin“ vorstellen. Seine 48. musikalische Veröffentlichung. Rund 600 Lieder hat Hoffmann in seiner Karriere schon veröffentlicht, um eine weitere beeindruckende Zahl zu nennen. Das erweckt den Eindruck, dem Musiker würden diese ganz einfach aus der Feder fließen, das ist aber nicht der Fall. „Ich setze mich beim Schreiben schon sehr unter Druck. Am besten ist es, ohne Kopf zu schreiben. Wenn man das schafft.“

Dabei entstehen die Songs einzeln für sich, nicht das Album als Gesamtkunstwerk: „Es kommt darauf an, wie frei man ist. Ich bin nicht sehr frei.“ Und doch hat sich die Mühe ein weiteres Mal gelohnt: „Das Album mag ich sehr. Da habe ich etwa eineinhalb Jahre dran gesessen. 16 Titel, 16 Monate.“ Die Passion für seine Arbeit ist Klaus Hoffmann anzumerken. Voller Emotion steckt sein Album „Aquamarin“, wie jedes seiner bisher veröffentlichten.

Tipp

In der Berliner Philharmonie-Aquamarin
10 Bewertungen
In der Berliner Philharmonie-Aquamarin
  • Audio CD – Audiobook
  • Stille Music / Indigo (Publisher)

Es geht um Liebe, um Sehnsucht und um die Kindheit in seiner Heimatstadt Berlin: Lieder erfüllt von Pathos. Der Musiker horcht auf, als wir ihm einen Satz vorlesen, den er vor einigen Jahren in einem Interview mal unkommentiert stehen gelassen hatte. Damals hatte er von seinem Verhältnis zu seiner Heimatstadt Berlin gesprochen und es als innig, aber auch gespalten bezeichnet. Klaus Hoffmann denkt kurz nach und sagt dann: „Ich habe von einem Lateiner einen tollen Satz gelesen. ‚Ich bin da zuhause, wo es mir gut geht‘, lautet dieser. Und mir geht es nicht immer gut in Berlin.“

Doch ist die Stadt für ihn mehr Nostalgie, denn seit vielen Jahren lebt er schon auf dem Land vor den Toren der deutschen Hauptstadt. „In die Berliner Innenstadt gehe ich fast wie ein Tourist. Was so toll ist an Berlin, ich entdecke völlig neu, wie viel Geschichte darin steckt. Und viel Zerstörtes.“

Noch lange nicht fertig

Dass uns mit Klaus Hoffmann an diesem Abend nur wenig Zeit bleibt, wussten wir. Doch nicht ein einziges Mal schaut er auf die Uhr. Gleich muss er noch zu einer kurzen Besprechung mit seinem Management, doch seine Ruhe nimmt ihm keiner. Weitere Alben sollen noch erscheinen, verrät uns Hoffmann. Denn er ist noch lange nicht fertig: „Ich werde bald 68 und saß gerade in der Bahn und merkte, dass wir endlich sind. Das treibt mich sehr um.“

Routiniert, erfahren und gefasst ist Klaus Hoffmann auf der einen Seite. Immer in Gedanken, ruhelos und ständig auf der Suche ist er aber auch: „Wenn Sie mich jetzt fragen, wonach ich Sehnsucht habe, das ist sehr vielerorts. Ein inneres Zuhause. Als einer, der sein Leben lang schauspielert, tanzt oder malt, bist du angetrieben durch etwas, das du vielleicht nicht erklären kannst.“

Konzert-Tipp

Klaus Hoffmann – Aquamarin
Sonntag, 15.12.2019, 20:00

Friedenskirche Frankfurt
Frankenallee 150
60326 Frankfurt am Main

 


Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Print-Ausgabe. Sie wollen schneller informiert sein? Hier können Sie ein Abonnement abschließen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here