Edle Taschen, Portemonnaies, Gürtel aus hochwertigem Leder sind einfach zeitlos schön. Immer mehr Menschen wissen das zu schätzen. Deshalb setzen Firmen wie der französische Luxusgüterhersteller S.T. Dupont wieder verstärkt auf hochwertige Lederwaren. Aber auch in Offenbach, der einstigen Ledermetropole, lebt das traditionelle Handwerk in kleinen Manufakturen weiter.
Von Sabine Börchers

Ledertaschen von S.T. Dupont zeichnen sich durch hohe Qualität des Materials sowie ein zeitlos elegantes Design aus.
Ledertaschen von S.T. Dupont zeichnen sich durch hohe Qualität des Materials sowie ein zeitlos elegantes Design aus.

„Jedes Stück Leder hat seine eigene Persönlichkeit. Es hat bereits gelebt. Nur wenn man ganz behutsam mit ihm arbeitet, mit der Hand, dann kann man seinen Charakter erkennen und ihn in diese wunderbaren Produkte übertragen“, sagt Vincent, Ledermeister bei S.T. Dupont, einem der traditionsreichsten Luxusgüterhersteller Frankreichs. Bis heute ist das die Philosophie des Hauses, das auf höchste Handwerkskunst setzt.

Bekannt ist das Unternehmen heute vor allem für seine Feuerzeuge, Accessoires und extravagante Schreibgeräte – S.T. Dupont entwarf unter dem Titel „Elysée“ zum Beispiel einen Füller für Frankreichs früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy, der das Unternehmen zum Hoflieferanten gemacht hatte. Es steht heute aber ebenso für seine Lederwaren, auf die seit einigen Jahren wieder stärker der Fokus gesetzt wird und die ein Drittel des Umsatzes ausmachen, wie das Unternehmen bestätigt.

„S.T. Dupont war immer führend in der Lederfertigung. Die Balance zwischen Tradition und Innovation ist eine Liaison, die unseren Zeitgeist trifft. So entstehen funktionale Lederprodukte mit französischer Eleganz“, betont der Commercial Director von S.T. Dupont Deutschland, Robert J. Joost. Diese Ästhetik sei modern, sehr gefragt und nicht zuletzt auch eine Kompetenz des Hauses, die es zu bewahren gelte.

Denn als der 25-jährige Franzose Simon Tissot Dupont 1872 seine Manufaktur für erlesene Lederwaren gründete, wurde er mit den eleganten Produkten schnell zur etablierten Luxusmarke. Er entwickelte feine Lederaccessiores, die die Papiere von Geschäftsleuten und Diplomaten schützten. Seine Vision war es, mit auf individuelle Bedürfnisse ausgerichteten Koffern und Taschen das Reisen luxuriöser zu machen. Dafür hatte er schon damals die besten Vertreter aus 17 verschiedenen Handwerkskünsten, darunter Goldschmiede, Graveure und Lederhandwerker für sein Unternehmen gewonnen.

Geschäftsleute, Mitglieder der Pariser High Society, Diplomaten und Vertreter europäischer Königshäuser wie Napoleon III. zählten zum exklusiven Kundenkreis der ersten Stunde. Schließlich wurde die Marke zum offiziellen Zulieferer der französischen Regierung ernannt. Auch heute stammte das Hochzeitsgeschenk des Landes für Prinz William und Herzogin Catherine aus Großbritannien wie auch das Präsent zur Vermählung seiner Großmutter, Königin Elisabeth II., im Jahre 1947 aus dem Hause S.T. Dupont.

Feuerzeuge für den Maharadscha

Dass das Haus neben den Lederwaren auch Feuerzeuge und Füllfederhalter produziert, ist einem Zufall zu verdanken. Als im Jahre 1941 durch den Krieg nicht mehr genügend Leder zu bekommen war, um die Produktion aufrechtzuerhalten, besannen sich Lucien und André Dupont, die Söhne des Firmengründers, auf ein früheres Nebenprodukt. Das Unternehmen hatte bereits 1935 auf Wunsch eines Kunden sein erstes Feuerzeug entwickelt.

Der Maharadscha von Patiala hatte sich damals gewünscht, dass die 100 Schönheitskoffer für seine Hofdamen nicht nur Parfümflakons, sondern auch Feuerzeuge aus purem Gold enthalten sollten. Die damals noch mit Benzin betriebenen Luxus-Feuerzeuge erreichten schnell Kultstatus in der feinen Gesellschaft. Auch James Dean zündete sich damit später seine Zigaretten an.

Die Balance zwischen Tradition und Moderne zeichnet die Produkte des Hauses bis heute aus. „Die Tradition von S.T. Dupont ist die DNA der Marke. Mit über 140 Jahren Savoir Faire verfügt die Manufaktur über Expertisen, die seit Generationen überliefert sind“, betont Joost. Das Wissen um Handwerkskünste wie Leder- und Goldschmiedearbeiten, das Lackieren mit Chinalack oder das Guillochieren gehörten zu einem unersetzbaren Kulturgut, das bis heute einzigartige Produkte erschaffe und in Reinterpretation immer neue Maßstäbe setze.

Seit dem Jahr 1976 gibt es wieder eine innovative Lederwerkstatt im Hause S.T. Dupont. In der firmeneigenen Manufaktur in Savoy in den französischen Alpen sind heute 200 Mitarbeiter tätig. Viele der Angestellten im südfranzösischen Werk arbeiten seit Jahrzehnten im Betrieb, manche schon in der dritten Generation. Die französische Regierung verlieh dem Unternehmen das Gütesiegel „Entreprise du Patrimoine Vivant“ (EPV) für kleine und mittlere französische Unternehmen, die sich durch ihre besonderen handwerklichen und industriellen Fertigkeiten hervortun.

Festigkeit & Finesse

Die Lederfertigung nimmt in dem südfranzösischen Werk eine besondere Stellung ein, da sie der Ursprung der Manufaktur ist. S.T. Dupont verwende nur Leder, das von den besten Produzenten Europas exklusiv für Luxusprodukte reserviert wird, betont das Unternehmen. Es werde nach höchsten Ansprüchen an Gleichmäßigkeit, Geschmeidigkeit, Festigkeit und Finesse ausgesucht und in traditioneller Haute-Couture-Manier verarbeitet. Spezielle Messer schneiden die Lederstücke in etwa 200 Teile – so viele sind notwendig, um einen großen Lederartikel herzustellen.

Bis zu 100 Arbeitsschritte sind bei S.T. Dupont für die Fertigung eines Kleinlederprodukts erforderlich.
Bis zu 100 Arbeitsschritte sind bei S.T. Dupont für die Fertigung eines Kleinlederprodukts erforderlich.

Allein die Fertigung eines Kleinleder-Produktes erfordert bis zu 100 aufeinanderfolgende Arbeitsschritte. Zum Teil werden hauseigene Techniken zur Verarbeitung angewandt. Für die Linie D Soft Diamond Leather, in der es auch den klassischen Weekender gibt, hat S.T.  Dupont zum Beispiel im Jahre 2007 ein selbst entwickeltes Verfahren für die Ledergerbung mit Diamantstaub modernen Ansprüchen angepasst. Das Verfahren ist seit 1929 Teil der Handwerkskunst des Unternehmens. Durch die Weiterentwicklung des Gerbungsprozesses wird das Leder zusätzlich extra weich, verliert dabei aber nicht an Widerstandskraft und erhält zudem einen edlen Schimmer.

Der Clou an allen Ledertaschen von S.T. Dupont: Jedem hergestellten Stück wird am Ende an einer Naht die blau-weiß-rote Tricolore, Symbol Frankreichs, eingestickt. Das Erkennungszeichen der Tricolore wurde erstmals 1947 bei der Reisetasche verwendet, die sich Humphrey Bogart, einer der bekanntesten Filmschauspieler des 20. Jahrhunderts, anfertigen ließ. Die Manufaktur nutzte dafür die Form der klassischen Doktortasche und entwickelte daraus eine Tasche aus leichtem Leinen mit Lederapplikationen und personalisierte sie mit seinen Initialen. Im Jahre 2012 wurde sie neu aufgelegt und trägt als Hommage an die Hollywood-Ikone den Namen Bogie Bag. Die sportive „Cosy Bag“ ist bereits ihre Weiterentwicklung. Die Linie soll, so bestätigt Joost, auch in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Dabei setzt die Marke weiterhin auf Exklusivität. „Wir zielen mit unseren Lederprodukten nicht auf den Massenmarkt und werden auch in Zukunft alle Produkte im südfranzösischen Werk von Hand fertigen lassen“, betont Robert J. Joost. S.T. Dupont habe sich der Pflege eines speziellen seltenen Fachwissens verschrieben, bewahre alte Handwerkskunst und präge zudem das Leben der heimischen Region, indem die Manufaktur einen Beitrag zur wirtschaftlichen und kulturellen Identität leiste. „Das EPV-Siegel ist nicht nur Ehre, es ist auch Verpflichtung und determiniert demnach auch das Wachstum der einzelnen Bereiche.“

Die Lederstadt Offenbach

Traditionelle Manufakturen, die hochwertiges Leder mit der Hand verarbeiten, wie bei S.T. Dupont gibt es nicht nur in Frankreich. Auch in unserer Nachbarschaft sind sie noch vereinzelt zu finden und bewahren die alte, in der Region lange gepflegte Handwerkskunst. Die Stadt Offenbach, einst als die deutsche Lederstadt bekannt, beherbergt bis heute einige kleine, feine Manufakturen, die Taschen und Gürtel herstellen. Das klassische Handwerk der Region, das mit der Schließung großer Namen wie zuletzt Goldpfeil fast untergegangen wäre, erlebt derzeit eine kleine Renaissance. Betriebe, die in Handarbeit fertigen, beliefern heute große Unternehmen wie etwa Rolf Benz, Audi oder Manufactum. Angesiedelt hatte sich die Lederwarenindustrie bereits im 18. Jahrhundert in Offenbach durch so genannte Portefeuille-Fabriken.

Noch heute ist das Gebiet entlang der Ludwigstraße, in deren Nähe die meistern dieser Unternehmen lagen, als Portefeuille-Viertel bekannt. Im dortigen Deutschen Ledermuseum lässt sich die Geschichte im Detail nachverfolgen. Im Jahr 1871 zählte man im Stadtgebiet Offenbach 58 Lederwarenfabriken. Die Industrie umfasste mit ihren Zulieferbetrieben fast 6000 Arbeitsplätze und war der bedeutendste Industriezweig der Stadt.

Etuis in Heimarbeit

Aus zunächst bescheidenen Werkstätten der Heimindustrie entwickelten sich große Fabriken für exklusive Taschen, Koffer und jede Art von Etuis mit einem weltweiten Absatz, die später teilweise in eigenen Ladenketten unter dem Label „Offenbacher Lederwaren“ vermarktet wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist in keiner anderen Stadt des Reiches so viel Leder verarbeitet worden wie in Offenbach. Kleinlederwaren wie Etuis wurden dabei häufig in Heimarbeit hergestellt. Weil diese in der Stadt meist teurer war, lagerte man sie aufs Land aus, so dass Offenbacher Vororte wie Mühlheim, Bieber oder Obertshausen ebenfalls in der Lederverarbeitung Beschäftigung fanden.

Stanzen, beizen, schneiden – Die handwerkliche Fertigung von Lederwaren wie Gürteln bei Kreis ist Präzisionsarbeit. (Foto Joerg Steinmetz)
Stanzen, beizen, schneiden – Die handwerkliche Fertigung von Lederwaren wie Gürteln bei Kreis ist Präzisionsarbeit. (Foto Joerg Steinmetz)

Dort befinden sich bis heute bekannte Leder-Unternehmen wie etwa die 1928 gegründete Firma Picard in Obertshausen. Sie zählt zu den knapp 50 Unternehmen der Lederwarenindustrie mit insgesamt nicht einmal mehr 3000 Mitarbeitern, die deutschlandweit noch existieren. 1974 waren allein in der Region Offenbach noch 11.000 Menschen in der Branche beschäftigt, sechs Jahre später hatte sich die Zahl auch aufgrund der günstigeren Konkurrenz aus Asien schon halbiert.

Doch mittlerweile findet „Made in Germany“ wieder mehr Anhänger, auch international. Besonders in Japan spiele die Herstellung in deutscher Handarbeit eine große Rolle, berichtet Bernd Kreis, Inhaber einer Ledermanufaktur in Obertshausen von seinen Erfahrungen. Kleine Hersteller wie er gewinnen verstärkt Abnehmer weltweit. So auch die 1951 gegründete BB Lederwarenmanufaktur in Offenbach-Bieber. Geschäftsführer Willy Röder verkauft seine handgefertigten Taschen mit dem besonderen Bieberer Amulett bis nach Japan. Auch in Deutschland hat er bekannte Auftraggeber für seine Accessoires, wie den Möbelhersteller Rolf Benz oder Audi, wie die FAZ kürzlich vermeldete.

„Mittlerweile findet „Made in Germany“ international wieder mehr Anhänger, besonders in Japan.“ – Bernd Kreis

Deutschlands ältester Hersteller

Auch der nach eigenen Aussagen älteste deutsche Hersteller von Lederwaren und Reiseaccessoires sitzt in Offenbach. Die Franz Hammann Lederwarenfabrik wurde 1864 gegründet und wird heute in der fünften Generation geführt. Seit 1913 residiert sie im Hinterhaus an der Ludwigstraße und produziert dort Portemonnaies, Visitenkarten- und Maniküre-Etuis, Kulturbeutel oder Reiseaccessoires. Selbst die Deutsche Nationalmannschaft bewahrt ihre Unterlagen in flachen Schreibmappen von Hammann auf. Im Dezember 2012 habe das Sekretariat von Oliver Bierhoff angefragt, daraufhin habe das Unternehmen 15 schwarze Boxkalbleder-Schreibmappen mit taubenblauem Ziegenveloursfutter gefertigt, verrät der Chef Hans-Christian Hammann auf seiner Internetseite.

Das handgegerbte Shell Cordovan-Leder kommt aus der Manufaktur Horween in Chicago und gilt als das beste Leder der Welt.
Das handgegerbte Shell Cordovan-Leder kommt aus der Manufaktur Horween in Chicago und gilt als das beste Leder der Welt.

Gut ein Dutzend Mitarbeiter schneidern, stanzen, kleben und nähen für die Firma. Sie verkauft ihre Waren an Edel-Kaufhäuser in deutschen, französischen, britischen und amerikanischen Großstädten, an Herrenausstatter und namhafte Parfümerieketten auf den Prachtstraßen der Welt. „Wir haben alle Versuche zur Produktionsverlagerung in Billiglohnländer abgelehnt und die dabei gesparte Energie voll und ganz in das Know-How unserer eigenen Mitarbeiter gesteckt“, betont der Chef. Das gebündelte Wissen und die große Anzahl der Spezialmaschinen blieben somit am Produktionsstandort Offenbach erhalten. Der Beweis dafür seien unzählige, patentierte und weltweit einmalige Detaillösungen.

Gürtel aus der Manufaktur

Die handwerklich hergestellten feinen Ledertaschen aus der Manufaktur Kreis sind ein Begleiter fürs Leben.
Die handwerklich hergestellten feinen Ledertaschen aus der Manufaktur Kreis sind ein Begleiter fürs Leben.

Die Gürtel von Bernd Kreis aus Obertshausen sind bereits an ihrer Kante zu erkennen. Jeder einzelne Riemen wird in der Manufaktur von Hand zugeschnitten. Die Schnittkanten werden sorgfältig geschliffen und an den sichtbaren Stellen farblich passend eingefärbt. Dabei erfolgt das Beizen der Kanten einzeln, Riemen für Riemen, und eben nicht, indem möglichst viele von ihnen zusammenspannt und überpinselt werden. Überhaupt ist der Aufbau der Kreis-Gürtel aufwendig. Das Oberleder geht um die Gürtelkante herum bis zur Futterseite und wird dort vom Futterleder abgedeckt. Die Kante ist so um ein Vielfaches widerstandsfähiger. „An der Kante kann man es sehen: Hand- und Qualitätsarbeit oder eben Augenwischerei. Die Kante ist entweder pflegetauglich oder sie bröckelt nach gewisser Zeit“, betont Bernd Kreis. Dass er nur besonders hochwertige vollnarbige Leder verwendet, darunter das legendäre Pferdeleder Shell Cordovan von der Gerberei Horween in Chicago, versteht sich fast von selbst.

„An der Kante kann man es sehen: Hand- und Qualitätsarbeit oder eben Augenwischerei.“ – Bernd Kreis

Das Leder aus der Manufaktur Horween wird bei Kreis verarbeitet, zum Beispiel zu dieser Reisetasche.
Das Leder aus der Manufaktur Horween wird bei Kreis verarbeitet, zum Beispiel zu dieser Reisetasche.

Seit 1963 steht Kreis für handwerklich hergestellte Lederwaren höchster Qualität. Mittlerweile beschäftigt er 15 Mitarbeiter. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er unter anderem für das Unternehmen Manufactum, das sich zum Ziel gesetzt hat, hochwertige und langlebige Waren zu verkaufen, die teils noch traditionell gefertigt werden. Neben den Kreis-Gürteln führt Manufactum auch Portemonnaies und Reisetaschen des Obertshauseners im Programm.

Seine Produkte sind aber auch deutschlandweit bei Herrenausstattern, in anspruchsvollen Schuhgeschäften oder Concept Stores zu finden. 80 Prozent gingen in den deutschen Facheinzelhandel, sagt Kreis. Rund 20 Prozent verkauft er ins Ausland, darunter nach Japan und an spezielle Einzelhändler in Sankt Petersburg, Belfast und in die Niederlande. „Unser internationales Geschäft wächst gerade.“

Die Kontakte zum Fachhandel können die Manufakturen sogar direkt vor der eigenen Haustür knüpfen. Seit mehr als 60 Jahren ist Offenbach Austragungsort der Internationalen Lederwaren Messe, der größten Branchenmesse ihrer Art. Im Februar/März sowie im August/September kommen jeweils fast 6000 Facheinkäufer aus dem In- und Ausland nach Offenbach. An den Ständen sind dann von Cavalli über Valentino, MGM, Aigner bis zu Desigual und Abro+ viele große Marken vertreten. Als Marktplatz für den Handel mit Lederwaren hat die Stadt ihre wichtige Stellung bewahrt, das Gleiche ist auch dem Handwerk zu wünschen.