Fast ein halbes Dutzend Mal hat Mateo Hamann bereits seine Fotos öffentlich ausgestellt. Dabei ist er gerade erst 20 Jahre alt geworden. Dank seines besonderen Blicks auf Frankfurts Hochhäuser hat sich der Sohn des Fotografen Horst Hamann schon jetzt einen Namen gemacht.
Text: Sabine Börches, Fotos: Mateo Hamann

Mateo Hamann
Mateo Hamann

Wenn Mateo Hamann den Messeturm fotografiert, dann besteht dieser aus rotbraunen und hellblauen Vierecken. Es sind die Details, die geometrischen Formen, die den jungen Fotografen reizen. Auch deshalb hat er sich die Frankfurter Hochhäuser zum Motiv gewählt.

Gerade mal 13 Jahre alt war Hamann, als er den Messeturm zum ersten Mal ablichtete. Seitdem hielt er ihn immer wieder fest, aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Besonders stolz ist er darauf, dass er vor einigen Jahren den Architekten Helmut Jahn in Chicago traf und dieser ihm eine Skizze seines Lieblingsturmes schenkte. Seitdem sieht er das Bauwerk auch ein bisschen mit den Augen des Erbauers.

Das Japancenter, die EZB, den Main Tower, eigentlich alle Frankfurter Hochhäuser, hielt Hamann ebenfalls mit seinem besonderen Auge für Details fest. Obwohl er in New York geboren ist, ist es die Frankfurter Skyline, die ihn inspiriert und begeistert. „Ich war erst zwei Jahre alt, als meine Familie nach Maine umzog.

Deshalb habe ich Hochhäuser erst in Frankfurt entdeckt“, erzählt er. Mit dem Fotografieren begann er allerdings viel früher, schließlich stammt er aus einem Künstlerhaushalt. Sein Vater ist der bekannte deutsche Fotograf Horst Hamann. Seine Mutter, Marie Préaud, ist Schauspielerin und fotografiert ebenfalls. Schon als Kind hielt er daher eine Kamera in der Hand, von seinen Eltern lernte er die Möglichkeiten der Technik und Gestaltung. Weil sein Vater beruflich viel unterwegs ist, reiste die Familie häufig mit. 2008 seien sie sieben Wochen lang durch die USA gefahren, erinnert sich Hamann. Damals, mit elf Jahren, habe er schon sehr viel fotografiert.

„Frankfurt ist mein New York.“ – Mateo Hamann

Frankfurt statt New York 2009 zogen die Hamanns nach Frankfurt, wo Mateo das Französische Gymnasium Lycée-Français-Victor-Hugo besuchte und nachmittags mit dem Fahrrad die Stadt erkundete. „Frankfurt ist mein New York“, sagt er. Das Faible für die vertikalen Riesen mag er von seinem Vater haben, der mit seiner Bilderserie „New York Vertical“ berühmt wurde, für die er seine Panoramakamera erstmals hochkant stellte und somit eine neue Sichtweise der dortigen Skyline schuf.

 

Mateo will sich mit dem Vater aber nicht vergleichen. Er habe im Gegensatz zu ihm noch nie in schwarz-weiß fotografiert, stellt er fest und fügt ganz zaghaft hinzu: „Mein Vater hat mir gesagt, dass er jetzt auch mal Details fotografiert und sich von mir inspiriert fühlt.“

In seine beruflichen Fußstapfen will Mateo Hamann ohnehin erst einmal nicht treten. Er verlässt Frankfurt im August und geht nach Amsterdam, wo er ein Filmstudium beginnen wird. „Ich würde gerne Werbefilme drehen, am liebsten für die Autoindustrie.“

Die vergangenen Monate hat er bereits genutzt, um durch einige europäische Städte zu reisen und mit seiner Kamera Filmaufnahmen zu machen, um diesmal nicht nur moderne Gebäude, sondern auch Menschen und Bewegung einzufangen. Seine Kamera, die er „seine Waffe“ nennt, kann glücklicherweise beides. Die Fotografie will Mateo Hamann nämlich nicht aufgeben. In Amsterdam gibt es schließlich ebenfalls Hochhäuser. „Sie sind nicht so hoch wie in Frankfurt, aber schön und modern. Ich freue mich auf neue Perspektiven.“

Zuvor aber sind seine Frankfurter Blickwinkel noch einmal öffentlich zu sehen. Noch bis Ende dieser Woche zeigt die Firma Ballwanz Immobilien seine Werke in ihrem Store „Lebenswelten“ in der Bockenheimer Landstraße 64. Einen stattlichen Bildband mit 96 Fotografien gibt es auch bereits, der den schlichten Titel „Frankfurt“ trägt – für alle, die sich inspirieren lassen möchten, ihre Stadt aus einer neuen Perspektive zu sehen.


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