Moses Pelham gehört zu den Pionieren des Deutsch-Rap und ist ein echter „Frankfurter Bub“. Bekannt wurde er mit dem „Rödelheim Hartreim Projekt“, welches er gemeinsam mit Thomas Hofmann Mitte der 90er Jahre gründete.

Der Sohn eines amerikanischen Musikers bewies einen untrüglichen Instinkt für Talente: Sabrina Setlur, Xavier Naidoo und Cassandra Steen, Frontfrau der Band Glashaus, feiern an der Seite eines der erfolgreichsten deutschen Produzenten ihren musikalischen Durchbruch.

Wir haben Moses Pelham im Büro seiner Produktionsfirma 3p zum Gespräch getroffen. In seiner lässigen Art erzählte er uns von den Sonnen- und Schattenseiten seiner eigenwilligen musikalischen Vita.

Moses, du hast im Alter von zwölf Jahren, während eines USA-Urlaubs, deine Leidenschaft für Rap entdeckt. Wie bist du erstmalig mit Rap in Berührung gekommen?

Wir haben die Familie meines Vaters besucht. Mit meinen Cousins und deren Freunden aus der Nachbarschaft hingen wir häufig auf der Straße ab und die Jungs rappten Songs nach, die zu der Zeit im Radio liefen. Da ich zweisprachig aufgewachsen bin ist es mir nicht schwergefallen, spielerisch mitzumachen. Das war für mich total faszinierend, denn Rap war mir völlig neu. Aus diesem Urlaub habe ich ein paar Platten mitgebracht und auch meine Freunde mit Rap in ziert.

Der Frankfurter Rapper Moses Pelham
Der Frankfurter Rapper Moses Pelham

Nach deiner ersten Single „Twilight Zone“ und dem Album „Raining Rhymes“ hast du entschieden, unter die Produzenten zu gehen. Warum?

Ich war von „Raining Rymes“ sehr enttäuscht, denn es ist letztendlich ein Dancefloor-Album geworden, ich wollte jedoch rappen. Mir wurde klar, dass ich selbst produzieren musste, wenn ich meine Vorstellungen von Musik verwirklichen wollte. Ich spürte eine Mischung aus Verzweiflung und Mut, die mich antrieb, jede Nacht alleine im Studio zu arbeiten.

Eine Songzeile im Rödelheim Hartreim Projekt beschreibt diese Zeit gut: „Ich hab gepennt in der Schule, die Klasse hat gelacht, dann bin ich aufgewacht, hab die Nacht im Studio verbracht.“ Es war eine schwere, manchmal von Selbstzweifeln geprägte Zeit.

„Ich wollte, dass meine Musik eine Bedeutung hat.“

Warum hast du dich für Songtexte in deutscher Sprache entschieden?

Ich wollte, dass meine Musik eine Bedeutung hat für die Menschen, die sie hören. Dafür ist es notwendig, dass sie jedes Wort und jede Zeile verstehen und nachfühlen. Dennoch war ich sehr skeptisch und konnte mir nicht vorstellen, in deutscher Sprache zu produzieren. Bis ich eines Tages bei einem Freund einen deutschen Song hörte, der mich emotional umgehauen hat! Es waren die „Böhse Onkelz“ mit „Es ist soweit“. Damit war meine Entscheidung gefallen.

1992 hast du mit Thomas Hofmann das „Rödelheim Hartreim Projekt“ gegründet. Euer Debütalbum „Direkt aus Rödelheim“ verkaufte sich schon im ersten Jahr 160.000 Mal. Was war das für ein Gefühl?

Ich habe lange an diesem Album gearbeitet. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ein Produkt zu kreieren, durch welches dein Blut fließt, denn genau so fühlt es sich an. Natürlich ist mir die Gewissheit, dass es Leute gibt, die unsere Musik hören möchten, wichtig. Wenn Menschen, die du überhaupt nicht kennst, sagen: „Deine Musik gibt mir Trost und Halt“, dann ist das Balsam für die Seele.

Kannst du uns den Entstehungsprozess deiner Songs beschreiben?

„Dieser Prozess ist vergleichbar mit Bildhauerei.“

Zuerst entstehen ein paar Takte. Diesen Beat höre ich, wie in einem Meditationsprozess, in Endlosschleife. Gibst du dich der Musik hin, löst sie eine Stimmung aus und Gefühle werden aus deinem Inneren zu Tage gefördert. Auf diesem Wege entsteht Text, an welchen dann wieder die Musik angepasst wird.

Dieser komplexe Prozess ist vergleichbar mit Bildhauerei. Das Faszinierende dabei ist, dass ich keine Kontrolle habe über was da entsteht. Manchmal habe ich Eingebungen, die sich wie ein Geschenk anfühlen, und ich frage mich: „Wow, wo kommt das denn jetzt her?“ Das sind große Glücksmomente. Meine Stücke sind das Abbild eines Gefühls.

Sabrina Setlurs Debütalbum „S ist soweit“ wurde 1995 mit dem Echo ausgezeichnet. Mit ihrem Song „Du liebst mich nicht“ habt ihr 1997 den ersten Nr.1-Hit gelandet und 300.000 Exemplare verkauft. Wie würdest du aus heutiger Sicht Sabrinas Erfolg erklären?

Ich war von Anfang an überzeugt, dass Sabrina, als weibliche Rapperin, mit ihrer Musik bei den Leuten gut ankommen würde. Mit einem so großen Erfolg hat jedoch niemand von uns gerechnet. Mir wurde klar, dass Sabrina als Frau Türen öffnen konnte, die uns Jungs, alleine aufgrund unserer äußeren Erscheinung, verschlossen blieben. Stell dir vor, an der Straße stehen drei Anhalter. Zwei Typen in Bomberjacken, die böse schauen, und ein cooles Mädchen. Wen nimmst du mit?

Moses Pelham auf seiner Tour "Herz" in der Batschkapp
Moses Pelham auf seiner Tour „Herz“ in der Batschkapp

1998 hast du dein erstes Solo Album „Geteiltes Leid I“ veröffentlicht. Sechs Jahre später kam „Geteiltes Leid 2“ und 2012 „Geteiltes Leid 3“. Wie ist der Zusammenhang zwischen den drei Alben?

Ich hatte seinerzeit beschlossen, eine Trilogie zu veröffentlichen, weil ich es künstlerisch interessant fand. Die inhaltlichen Schwerpunkte „Ich fühle mich ungerecht behandelt“ und „Wir müssen das ändern“, ziehen sich durch alle drei Alben. Wenn du diese Alben jetzt nacheinander hörst, wirst du spüren, welchen Weg dieser Mensch zurückgelegt hat und wie sich seine Perspektive im Laufe der Jahre verändert.

Du wirst Zeuge sein, wie ich erwachsen und vernünftig wurde, wie ich den Teufelskreis, den ich in meinen Liedern beschreibe, den ich möglicherweise sogar mitgestaltet habe, zu durchbrechen versuche. Ich bin schon derselbe Mensch, aber mit anderen Erfahrungen und Perspektiven.

Im gleichen Jahr erschien Xavier Naidoos Album „Nicht von dieser Welt“. Dieser Erfolg muss doch eure kühnsten Erwartungen übertroffen haben, oder?

„Nicht von dieser Welt“ ist das erfolgreichste Newcomer-Album aller Zeiten. Egal, welche Erwartungen wir hatten, niemand rechnet damit, über eine Million Exemplare zu verkaufen und heute noch zu den erfolgreichsten Alben in Deutschland zu gehören.

Nicht lange danach ist Xavier Naidoo gegen dich vor Gericht gezogen. Zerstört Erfolg Freundschaften?

So ein Streit ist tatsächlich nur möglich bei extrem großem Erfolg. Dieser führt dazu, dass neue Leute an den Tisch kommen, die ihre eigenen Interessen vertreten und partizipieren möchten.

Diese Geschichte hat viel Tragik in unser beider Leben gebracht. Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen, sondern nur entscheiden, ob wir in der Vergangenheit leben möchten oder nach vorne schauen. Wir haben uns für letzteres entschieden und das Album „Nicht von dieser Welt 2“ wieder gemeinsam produziert und 2016 veröffentlicht.

2017 warst du Teilnehmer der VOX-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“. Mit „Meine Heimat“, deiner Interpretation von Lena Meyer-Landruts Lied „Home“, hast du die Nation zu Tränen gerührt. Warum hast du dieses Stück gewählt?

Bei diesem Song hatte ich sofort eine Assoziation, der Impuls war einfach da! Es ist nicht meine Absicht, Menschen zu Tränen zu rühren, aber dieses Stück ist unter Tränen entstanden und das Gefühl, welches in dem Song steckt, überträgt sich offenbar ganz gut.

2017 war ein aufregendes Jahr für dich. Im März erschien das neue Glashaus Album „Kraft“, im Mai wurde „Sing meinen Song“ auf VOX ausgestrahlt, im August hast du dein aktuelles Album „Herz“ vorgestellt – gutes Timing, oder?

Kann man so sagen. Wer sich das ausgedacht hat, muss wirklich eine Marketing-Maschine sein! (lacht)

Deine „Sing meinen Song“-Kollegen waren von deiner Sanftmütigkeit beeindruckt, was du mit „Nach dieser Sendung ist mein ganzes Gangster-Image im Arsch“ kommentiert hast. Prägt die Tatsache, dass du Stefan Raab bei der Echo-Verleihung 1997 das Nasenbein gebrochen hast, etwa immer noch dein Image?

„Ich bin unfassbar dankbar für die Liebe und Bestätigung, die ich in Frankfurt bekomme.“

Mein Spruch war ein Scherz, ich war nie ein Gangster, sondern schon immer ein friedliebender Mensch. Die Story mit Stefan Raab ist nun zwanzig Jahre her! Wäre ich ein Gangster gewesen, hätte ich Stefan Raab nicht das Nasenbein gebrochen, sondern hätte ihn einfach verschwinden lassen. (lacht)

Ich glaube, dass acht Wochen TV-Präsenz mit einer vier Millionen Einschaltquote mir Gelegenheit gegeben haben, einem großen Publikum zu zeigen, wer ich wirklich bin.

Oberbürgermeister Peter Feldmann überreicht Moses Pelham die Goethe-Plakette.
Peter Feldmann und Moses Pelham

Als Krönung eines erfolgreichen Jahres wurde dir im Kaisersaal des Römer die Goetheplakette der Stadt Frankfurt überreicht. Was bedeutet dir die Auszeichnung, die an Frankfurter Persönlichkeiten des kulturellen Lebens verliehen wird?

Ich bin unfassbar dankbar für die Liebe und Bestätigung, die ich in Frankfurt bekomme, nicht nur aus dem Römer, sondern auch von den Menschen auf der Straße. Ich weiß die Liebe, die ich hier bekomme, sehr zu schätzen.


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