Die Stadt wird als Schauplatz für Dreharbeiten immer beliebter. Allein fünf Krimi-Serien und -Reihen spielen derzeit im Rhein-Main-Gebiet. Dabei ist es nicht so einfach, hier zu drehen, wie etwa in Berlin. Von Sabine Börchers

Zwei junge Mädchen laufen über den Eisernen Steg und sehen schon von weitem die Filmcrew mit der Kamera hantieren. „Die drehen bestimmt wieder so ein Krimi-Ding“, sind sie sich sofort einig. Frankfurt, seit Jahren als Deutschlands Hauptstadt des Verbrechens verschrieen, macht diesem Namen zumindest im Film alle Ehre. In diesem Jahr wimmelt es in der Stadt nur so von inszenierten Tatorten und Fernsehermittlern, die die Verbrechen in spätestens 45 bis 90 Minuten aufgeklärt haben. Insgesamt sind in Frankfurt noch nie so viele Filme, Serien und Reihen gedreht worden wie derzeit. Und noch nie so viele Krimis. Der erste Tatort mit dem neuen Team um die Schauspieler Margarita Broich und Wolfram Koch ist im Februar und März entstanden, der zweite wird gerade gedreht. Mit Ulrich Tukur als Felix Murot macht noch ein zweiter Hessen-Tatort immer wieder einmal in Frankfurt Station, so wie in dem zuletzt gesendeten Fall in einem Zirkuszelt auf dem Festplatz am Ratsweg. Nachdem Frankfurts älteste Ermittler Claus-Theo Gärtner und Paul Frielinghaus kürzlich in Rente gegangen sind, legte das ZDF die Krimiserie „Ein Fall für Zwei“ mit neuem Personal wieder auf. Frankfurt sei die meist unterschätzte Filmstadt, stellte der neue Privatdetektiv-Darsteller Wanja Mues gleich zu Drehbeginn fest. „Man sieht viel zu wenig. Und wenn, immer das gleiche. Es gibt saubere, reiche, arme Ecken. Das bauen wir alles ein.“ Die ersten vier Folgen sind vor kurzem ausgestrahlt worden. Im nächsten Jahr sollen vier weitere entstehen, die dann im Herbst 2015 gesendet werden. An den Drehbüchern werde bereits gearbeitet, bestätigte das ZDF jetzt. Der Sender aus dem benachbarten Mainz hat am Drehort Frankfurt noch mehr Gefallen gefunden. Dank zweier bekannter Krimiautoren aus dem Rhein-Main-Gebiet entstehen regelmäßig weitere Reihen fürs Abendprogramm in der Stadt und ihrer Umgebung. Fast parallel wurden kürzlich der neueste Fall aus der Feder von Nele Neuhaus mit Felicitas Woll und Tim Bergmann als Ermittler unter dem Titel „Wer Wind sät“ und gleich zwei Verfilmungen der Krimis des Frankfurter Autors Matthias Alternburg alias Jan Seghers, mit Matthias Koeberlin in der Hauptrolle, abgedreht. Und weil regionale Krimis so erfolgreich sind, hat auch der Hessische Rundfunk in diesem Jahr eine Reihe unter dem Titel „Alles Verbrecher“ gestartet. Der erste Film mit Ulrike Krumbiegel als etwas skurrile Hauptkommissarin Herta Frohwitter lief bereits im April im Abendprogramm der ARD. Für diesen Herbst ist ein zweiter in Vorbereitung, erneut umgesetzt von der hier ansässigen U5-Filmproduktion, diesmal unter der Regie des U5-Gesellschafters und bekennenden Frankfurters Rolf Silber.

Mehr Qualität als früher

Wir durften am Filmset von „Alles Verbrecher“ hinter die Kulissen blicken - Kameramann Stephan Wagner (links) und Regisseur Rolf Silber (Mitte)
Wir durften am Filmset von „Alles Verbrecher“ hinter die Kulissen blicken – Kameramann Stephan Wagner (links) und Regisseur Rolf Silber (Mitte)
Wer gerne durch Frankfurt spaziert, trifft deshalb im Sommer gefühlt immer irgendwo auf ein Filmteam bei der Arbeit. Objektiv sei die Zahl der Dreharbeiten am Main zwar nicht dramatisch gestiegen, sagt Cenk Gehlen. Die Begehrlichkeit, in Frankfurt zu drehen, nehme aber zu. Gehlen ist sozusagen der Filmbeauftragte der Stadt Frankfurt. Diese hat mit dem Service Center Veranstaltungen im Ordnungsamt eigens eine Stelle eingerichtet, an die sich Filmschaffende wenden können, um die benötigten Drehgenehmigungen zu erhalten, Straßen sperren oder Halteverbote einrichten zu lassen. Gehlen versucht im Sinne der Stadt, die Filmbranche zu unterstützen, gibt auch schon mal Tipps bei der Hotelauswahl oder bei der Suche nach der richtigen Location. „Die Qualität der Produktionen ist heute höher“, stellt er weiter fest. Das bedeute, dass der Aufwand, die Teams, die Budgets und die Bekanntheit der Schauspieler beim einzelnen Dreh größer geworden seien. Es würden deutlich mehr Spielfilme für öffentlich-rechtliche Sender sowie Privatsender gedreht und es herrsche eine Zunahme an Kinofilmen, die in Frankfurt teilweise oder vollständig produziert werden, während früher häufig nur Sequenzen am Main entstanden. Zu verdanken hat das Frankfurt auch dem Schauspieler und Produzenten Matthias Schweighöfer, der bewies, dass die Stadt durchaus kinotauglich ist. Mit „Schlussmacher“ und „What a Man“ hat er bereits zwei seiner Filme fast ausschließlich am Main gedreht und mit ihnen Frankfurt mit seinen durchaus attraktiven Seiten wie dem Mainufer auch beim deutschen Kinopublikum bekannter gemacht. Die Drehbücher stammen zudem beide aus der Feder eines Frankfurters, dem Autor Doron Wisotzky. Schweighöfers nächstes Projekt, bei dem er wieder die Hauptrolle spielt und gleichzeitig Regie führt, trägt den Titel „Der Nanny“ und wird derzeit in Frankfurt umgesetzt. Das Drehbuch ist diesmal von jemand anderem, an seiner Seite spielt aber erneut sein Freund und Schauspielkollege Milan Peschel.

Erste Garde der Jungschauspieler

Daniel Rodic als Kommissar Marco Petrassi wartet auf seinen Einsatz.
Daniel Rodic als Kommissar Marco Petrassi wartet auf seinen Einsatz.
Zahlreiche weitere Kinofilme entstanden bereits in diesem Jahr am Main, so dass die erste Garde der deutschen Jungschauspieler dabei Bekanntschaft mit Frankfurt machen konnte: Nora Tschirner, Tom Beck, Florian David Fitz, Elyas M’Barek oder Alexander Fehling drehten hier. Derzeit geplant ist zudem ein internationales Kinoprojekt in deutsch-griechischer Koproduktion mit dem Titel „Ein Atem“, bei dem Jördis Triebel und Benjamin Sadler mitspielen. Zu alledem produziert der ortsansässige Hessische Rundfunk (HR) neben den drei fest eingeplanten Tatort-Fällen im Jahr drei bis vier weitere Fernsehfilme für das Hauptprogramm. Zuletzt entstand im August und September der Mittwochsfilm „Jetzt“, in dem ein ehemaliger Chefarzt, der sich vom Leben verabschieden will (gespielt von Horst Sachtleben), und eine junge Taxifahrerin (Katja Studt) aufeinander treffen. Gedreht wurde unter anderem auf dem Eisernen Steg, wo die beiden anfangs erwähnten Passantinnen mit ihrer Annahme, es entstehe der nächste Krimi, ausnahmsweise mal falsch lagen. Mit seinen Produktionen, die häufig mutig und ausgefallen sind, heimst der HR immer wieder namhafte Preise ein. Erst kürzlich wurde die Fernsehspielchefin Liane Jessen für den aktuellen Tukur-Tatort „Im Schmerz geboren“ beim Münchner Filmfest mit dem auf 25.000 Euro dotierten Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis ausgezeichnet.

Ulrich Tukur spielt Grzimek

Ulrich Tukur im Frankfurter Zoo
Ulrich Tukur im Frankfurter Zoo
Ulrich Tukur stand in Frankfurt in diesem Jahr in einer weiteren großen Rolle vor der Kamera. Kürzlich entstanden am Main im Auftrag der ARD-Degeto gleich zwei der derzeit so beliebten Biopics. Zum einen der mit vielen Spielszenen angereicherte Dokumentarfilm über Anne Frank, in dem die Frankfurter Abiturientin Mala Emde das von den Nazis ermordete Mädchen spielt. Einige Szenen seien im Studio in Berlin entstanden, sagt der HR-Sprecher Christian Bender. „Die Außenaufnahmen wurden aber an den Originalschauplätzen in Amsterdam und in Frankfurt gedreht.“ Zum anderen wurde von Deutschlands bekanntestem Produzenten Nico Hoffmann das Leben von Bernhard Grzimek mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle verfilmt (siehe Interview). Einer der wichtigsten Drehorte in Frankfurt war dafür natürlich der Zoo, der noch einige Gebäude vorweisen kann, die aus Grzimeks Zeit stammen. „Die Tradition ist hier sehr präsent, das war eine tolle Chance für uns“, betonte der Regisseur Roland Suso Richter, der zum ersten Mal in Frankfurt drehte. Die Stadt liege nicht so auf der Hand, weil vieles in München und Berlin gedreht würde, stellte der gebürtige Marburger fest.

Es fehlen die freien Filmschaffenden

Im Vergleich zu diesen beiden Großstädten ist Frankfurt noch immer keine typische Filmmetropole. Das beginnt damit, dass am Main nur eine begrenzte Zahl an freien Filmschaffenden wie Kameraleuten oder Maskenbildnern ansässig sind. Auch die namhaften Schauspieler müssen zum Dreh meist eingeflogen oder hergefahren werden, so dass die Produktion die Anreise und eine Unterbringung im Hotel bezahlen muss. All das sind Kosten, die in Berlin nicht anfallen, wo viele ohnehin wohnen. „Wir würden gerne mehr Schauspieler aus der Region besetzen, auch für größere Rollen. Beim Team freuen wir uns ebenfalls über Kollegen von hier und wollen dazu beitragen, dass es für Filmschaffende im Taunus mehr Arbeitsmöglichkeiten gibt“, sagt die Produzentin Annette Reeker, die mit ihrer Firma all-in-production im Rhein-Main-Gebiet die Nele-Neuhaus-Krimis dreht. So hat etwa die aus dem SWR-Tatort bekannte Mimi Fiedler, die in Kronberg wohnt, eine Rolle übernommen und sogar Matthias Knöß, der Lebensgefährte von Nele Neuhaus, spielt einen Psychologen. Besonders schwierig für die Produktionen aber wird es, wenn mehrere Projekte gleichzeitig gedreht werden, was in den Sommermonaten, wo das Wetter am schönsten ist, häufiger vorkommt. „Im vergangenen Jahr hatten wir im September/Oktober zwölf parallele Projekte“, erinnert sich Cenk Gehlen. Die Techniker vor Ort sind dann schnell ausgebucht, selbst das Material wird knapp. „Letztes Jahr war es richtig eng, aber wir müssen eigentlich immer Leute aus Berlin dazuholen“, sagt Annette Reeker. Das ZDF-Team um den Regisseur Lancelot von Naso, das kürzlich die zwei Jan Seghers-Krimis verfilmte, wich daher mit seinen Dreharbeiten auch auf andere Orte aus. So wurde für die aktuellen Filme auch in Berlin und in Stahnsdorf bei Potsdam gedreht. „Ich habe Verständnis dafür, da der größte Teil des Teams in Berlin sitzt und man die Kosten nicht in die Höhe treiben will“, sagt der Krimiautor Matthias Altenburg, der unter dem Pseudonym Jan Seghers schreibt.

Nele Neuhaus setzt auf Authentizität

Am Filmset von „Wer Wind sät“ - Regisseur Marcus O. Rosenmüller bei der Arbeit
Am Filmset von „Wer Wind sät“ – Regisseur Marcus O. Rosenmüller bei der Arbeit
Das Nele Neuhaus-Team setzt dagegen auch auf Wunsch der Autorin auf eine möglichst große Authentizität bei  den Drehorten und führt als Begründung vor allem die Fans der Bücher an. „Nele Neuhaus hat eine sehr treue Leserschaft, auch für sie sind wir dem Taunus verpflichtet“, sagt Reeker. Der Dreh an den Originalschauplätzen sei zudem eine gute Gelegenheit, die Schönheit der Region zu zeigen. Dass dafür häufig ein größerer Aufwand kalkuliert werden muss, nimmt sie in Kauf. Für einen Dreh im hinteren Taunus nehme die An- und Abfahrt für das gesamte Team schon mal eineinhalb Stunden in Anspruch, die dann für die eigentliche Arbeit fehlten. Reeker selbst, deren Firma in München ansässig ist, hat sich vor Ort in Königstein ein Büro eingerichtet und plant dort sogar eine Zweigstelle ihrer Firma. Derzeit ist sie schon wieder auf der Suche nach neuen Motiven für den nächsten Taunuskrimi. Sie schreibt auch die Drehbücher. „Wenn man sich auf die Situation einlässt, kann aus einem mutmaßlichen Nachteil auch ein großer Vorteil werden. Das positive Feedback der Romanautorin auf die letzten drei produzierten Filme zeigt uns, dass dies der richtige Weg ist, dem Bestseller und seiner Regionalität gerecht zu werden.“ Auch das Team fühlt sich in den kleinen Orten nördlich von Frankfurt nicht erst seit dem insgesamt fünften Film der Reihe richtig wohl. „Ich kannte den Taunus vorher nicht und war überrascht und angetan, wie schön es hier ist“, sagt Tim Bergmann, der den Ermittler Oliver von Bodenstein spielt und bei den Dreharbeiten in Königstein wohnt. Seine Kollegin Felicitas Woll, die in Nordhessen lebt, freut sich jedes Mal wieder über die kurze Anreise. „Ich habe hier immer das Gefühl, ich bin zu Hause.“ Die Quoten der Montagabendfilme sprechen ebenfalls für sich. Sie liegen zwischen 6 und 7 Millionen, reichen damit fast an einige Tatort-Folgen heran.

Hausboot und Hotel als Location

Ulrike Krumbiegel als Kommissarin Hertha Frohwitter (Mitte) und Oliver Stokowski (2. v. r.) als Bauunternehmer Raffael Sobocinski warten auf die Anweisung von Regie und Kamera.
Ulrike Krumbiegel als Kommissarin Hertha Frohwitter (Mitte) und Oliver Stokowski (2. v. r.) als Bauunternehmer Raffael Sobocinski warten auf die Anweisung von Regie und Kamera.
Zwei Motive für den aktuellen Film sind diesmal in Frankfurt entstanden, obwohl sie im Roman gar nicht dort spielen. Für das Klimainstitut, das in der Vorlage in Potsdam steht, liefen die Kameras im hiesigen Max-Planck-Institut und die Tiefgarage der Windenergie-Firma, in der der Mord geschieht, steht in der Realität auf dem Uni-Campus Westend. Für das Kommissariat der beiden Ermittler hat das Team bislang keinen festen Sitz im Taunus. „Beim letzten Film waren wir in Königstein, aber diesmal war das Haus dort vermietet. Deshalb haben wir nun die ‚Villa Winter‘ in Kronberg dafür genutzt“, berichtet Reeker. Der bekannteste feste Drehort in Frankfurt dürfte das Nibelungenhochhaus an der Kreuzung Friedberger Landstraße gewesen sein. Dort hatte jahrelang Rechtsanwalt Lessing aus „Ein Fall für Zwei“ sein Büro. Doch der ist mittlerweile ausgezogen. Das neue Team ist auf dem Boden der Stadt angekommen oder vielmehr auf dem Wasser. Denn der neue Privatdetektiv Leo Oswald hat sein Domizil auf einem alten Hausboot. Gedreht wird dafür auf der MS Wodan, einem der beiden Restaurant-Schiffe am Eisernen Steg. Der Drehort auf dem Wasser und mit der Skyline im Hintergrund soll bei den ZDF-Verantwortlichen besonders gut angekommen sein, so dass er auch für künftige Folgen weiter genutzt werden soll. Der Restaurant-Betrieb ruht dann während eines Drehs mehrere Tage lang. Allerdings schränkt die Location die Zeit, in der die Wiesbadener Produktionsfirma Odeon drehen kann, auch ein wenig ein. Denn die MS Wodan wird ab Oktober in den Winterhafen gebracht und steht erst ab März wieder zur Verfügung, wie der Produzent Klaus Laudi berichtet. Die Frankfurter Skyline ist aber bei weitem nicht alles, was die Stadt als Schauplatz zu bieten hat. Sie sei schon genug abgefilmt, findet auch Laudi. Für die neuen Folgen sucht die Produktion nun noch einen geeigneten Ort für das Büro des Rechtsanwalts Benny Hornberg. Die alte Location im Nibelungen-Hochhaus hat ausgedient. „Sie passt nicht zu unserem Anwalt, er hat ja kein Geld, deshalb muss es eher etwas in einem Hinterhof sein.“ Von den Autoren der Serie, die nicht in der Stadt wohnen, wünscht sich die Produktion, dass auch mal die bürgerlichen Ecken der Stadt oder etwa die Museen zum Schauplatz der Serie werden. Besonders beliebt bei den Regisseuren ist derzeit offenbar das neue Einkaufszentrum „MyZeil“, in dem im August kurz nacheinander für die hessisch-türkische Komödie „3 Türken und ein Baby“ und nachts für die neuen Marthaler-Krimis von Jan Seghers gedreht wurde. Das Krimi-Team hatte zudem unweit davon zwei Wochen lang im Grandhotel Frankfurter Hof die Kameras surren lassen, was besonders authentisch ist, denn in der „Akte Rosenherz“ verarbeitete der Krimiautor den in den 50er Jahren tatsächlich verübten Mord an der Prostituierten Helga Matura, die wie Rosemarie Nitribitt sicher im Frankfurter Hof den einen oder anderen Herren besuchte. Ein unbekannter Filmemacher nutzte kürzlich für seinen Star Wars-Videoclip, der im Internet mehr als sechs Millionen Mal angeklickt wurde, den Frankfurter Flughafen als Hintergrund.

Förderung aus Hessen

Hauptdarstellerin Felicitas Woll wird für ihre Rolle als Ermittlerin Pia Kirchhoff in „Wer Wind sät“ in der Maske vorbereitet.
Hauptdarstellerin Felicitas Woll wird für ihre Rolle als Ermittlerin Pia Kirchhoff in „Wer Wind sät“ in der Maske vorbereitet.
Dass Kinofilme wie die von Matthias Schweighöfer in Frankfurt gedreht werden, hat aber noch einen anderen Grund als die Attraktivität der Drehorte – einen finanziellen. Mit einem Gesamtbudget von rund zehn Millionen Euro unterstützt die Hessische Filmförderung Projekte, die im Bundesland realisiert werden. Sie besteht aus zwei Säulen, der kulturellen Förderung sowie der wirtschaftlichen durch die HessenInvestFilm, die Darlehen mit siebenjähriger Laufzeit vergibt. So erhielt Schweighöfer mit seiner in Frankfurt ansässigen Pantaleon Films GmbH für alle drei Projekte eine solche Produktionsförderung, zuletzt für „Der Nanny“ in Höhe von 400.000 Euro. Die Darlehen der ersten beiden Filme konnte die Firma nach den großen Erfolgen umgehend zurückzahlen. Auch der gerade in der Stadt entstandene Film „3 Türken und 1 Baby“ bekam 850.000 Euro Unterstützung von HessenInvestFilm. Bleibt bei einem Projekt der wirtschaftliche Erfolg aus, so kann das Darlehen später gestundet oder die Schuld sogar erlassen werden. Geht es nach Hessens Ministerium für Wissenschaft und Kunst, so soll Hessen als Drehort künftig noch attraktiver werden. „Dazu zählt auch, die Filmförderung serviceorientierter zu strukturieren – das heißt, ein zentraler Ansprechpartner für alle Filmschaffenden“, betont Staatssekretär Ingmar Jung. Geplant ist, die kulturelle und wirtschaftliche Förderung zu verbinden und dafür bereits im nächsten Jahr eine Film und Medien GmbH zu gründen. Sie soll am 1. Januar 2016 an den Start gehen, wie das Ministerium bestätigt. Dafür laufen bereits seit längerem Gespräche mit den Vertretern der unterschiedlichen autonomen Institutionen der hessischen Filmbranche, die in Arbeitsgruppen ihre Ideen und Anforderungen einbringen sollen. Ob mit der neuen Gesellschaft auch eine Erhöhung des Gesamtbudgets einhergehen könnte, sei noch offen, betonte der Sprecher des Ministeriums, Mark Kohlbecher. Um Zahlen zu nennen, sei es noch zu früh. Zudem sei die Förderung gemessen an den in Hessen zu realisierenden Projekten adäquat ausgestattet. Zum Vergleich: Berlin und Bayern verfügen über ein Budget von jeweils an die 30 Millionen Euro für ihre Filmförderung. Es gäbe also durchaus noch Nachholbedarf, um mit Berlin und München zu konkurrieren. Um die Attraktivität Frankfurts als Drehort macht sich Cenk Gehlen keine Sorgen. Durch das seit Jahren steigende Interesse seien gleichzeitig stattfindende Dreharbeiten mittlerweile der Normalzustand. Es gebe auch keine Maximalanzahl an Drehs, die gleichzeitig in der Stadt ausgeführt werden könnten. „Wir prüfen jede Anfrage individuell. Natürlich gibt es Grenzen, wir können nicht die Neue Mainzer Straße in der Hauptverkehrszeit sperren.“ Er versuche aber, so viel wie möglich einzurichten. Filme, die Frankfurt zeigen, steigern schließlich das Image und Ansehen der Stadt. Dabei seien die Genehmigungen immer Abwägungssache. Die Stadt wolle die Filmschaffenden fördern, müsse aber auch an die Bürger denken. „Frankfurt darf nicht nur zur Filmkulisse werden.“

Ulrich Tukur im Frankfurter Zoo
Ulrich Tukur im Frankfurter Zoo

Im Interview mit dem Top Magazin erzählt Ulrich Tukur von den Dreharbeiten für den Fernsehfilm „Grzimek“.

Herr Tukur, wie gefällt Ihnen der Drehort Zoo für Ihren aktuellen Film?

Ich bin in Großkrotzenburg bei Hanau aufgewachsen. Deshalb war ich oft hier im Zoo als Kind. Ich mag ihn. Das Drehen mit Tieren ist allerdings schwierig, auch wenn ich gut mit ihnen umgehen kann, weil ich mit Tieren aufgewachsen bin. Meine Drehpartner waren ein Stachelschwein, eine etwas ältere Tigerdame, ein Stinktier. Vor dem Geparden hatte ich Manschetten, weil er nicht still hielt. Nebenbei gesagt hat er Mundgeruch. Aber als das sehr scheue Okapi zu mir an den Zaun kam und sich von mir streicheln ließ, das war schon ein bewegender Moment.

War es schwierig, sich in die Rolle einzufinden?

Ich bin mit Bernhard Grzimek aufgewachsen. Ich kannte ihn als Tierforscher, aber wusste nichts von seiner abgründigen Familiengeschichte. Sein Charakter ist für mich in der Tat schwer zu fassen. Er war nach außen charmant, nach innen aber auch unleidlich und manchmal hart zu den Menschen, speziell zu seiner Frau. Mit den Tieren konnte er wunderbar umgehen, mit den Menschen hatte er seine Probleme. Wir wollten ihn im Film aber nicht demontieren. Auf der anderen Seite wollten wir auch keine Karikatur von ihm zeigen, wie einst Loriot.

Was ist das Besondere an Frankfurt als Drehort?

Ich mag Frankfurt. Das gastronomische Umfeld ist wunderbar. Ich steige gerne in der Nähe des Hauptbahnhofes ab, da sind die besten Asiaten. Auch sonst gibt es bunte und attraktive Restaurants. Außerdem sind die Menschen hier sehr angenehm und freundlich.

Sie drehen hier regelmäßig für den Hessischen Tatort…

Ja, und mit dem HR habe ich ein Riesenglück. Er ist viel mutiger als andere Sender in Deutschland.

 

Aktuelle Dreharbeiten und Filme

3 Türken und 1 Baby, hessisch-türkisches Remake des französischen Blockbusters mit Kostja Ullmann, Kida Ramadan, dem Rapper Eko Fresh, Bodo Bach, Christoph Maria Herbst und Axel Stein, kommt Anfang 2015 ins Kino.

Alles ist Liebe, Komödie mit Nora Tschirner, Tom Beck und Elmar Wepper, für deren Dreh eigens auf dem Römerberg im Fühjahr Weihnachtsmarktbuden aufgestellt wurden, feiert am 4. Dezember Premiere im Kino.

Hin und Weg, Fahrrad-Road-Movie mit Florian David Fitz, Julia Koschitz, Jürgen Vogel, Hannelore Elsner, produziert von dem Oscar-Preisträger Florian Gallenberger, Filmstart ist am 23. Oktober.

Männerhort, Komödie nach dem gleichnamigen Theaterstück mit Elyas M‘Barek, Christoph Maria Herbst, Detlev Buck, Cosma Shiva Hagen, Jasmin Schwiers, gedreht wurde auf dem Riedberg, Kinostart ist am 2. Oktober.

Im Labyrinth des Schweigens, Spielfilm nach einer wahren Begebenheit über einen Redakteur der Frankfurter Rundschau, der den Auschwitz-Prozess begleitete, mit Alexander Fehling, kommt am 6. November in die Kinos.

Der Nanny wird gerade gedreht und ist Matthias Schweighöfers dritter „Frankfurt-Film“, bei dem er einen Karrierevater spielt, der eine männliche Nanny (Milan Peschel) engagiert. Er führt auch wieder Regie.

Tatort des Hessischen Rundfunks mit dem Titel „Liebe ist kälter als der Tod“ mit Margarita Broich und Wolfram Koch, kommt im 1. Halbjahr 2015 ins Fernsehen, der zweite Film mit ihnen wird derzeit gedreht.

Der neueste Fall der Nele Neuhaus-Krimis mit dem Titel Wer Wind sät für das ZDF mit Felicitas Woll und Tim Bergmann in den Hauptrollen unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller entstand kürzlich im Taunus. Der bereits abgedrehte Film Mordsfreunde läuft am 20. Oktober um 20:15 Uhr im ZDF.

Zwei Filme der Jan Seghers-Reihe als Koproduktion für das ZDF und arte mit dem Titel Akte Rosenherz und Ein allzu schönes Mädchen mit Matthias Koeberlin, Julia Jentsch und Claudio Caiolo entstanden im Sommer.

Der zweite Film der Alles Verbrecher-Reihe mit Ulrike Krumbiegel soll Leiche im Keller heißen und wird von der Frankfurter Firma U5-Filmproduktion für die ARD hergestellt.

Grzimek, Biografie des Tierforschers Bernhard Grzimek mit Ulrich Tukur, Barbara Auer und Katharina Schüttler, soll Anfang 2015 im Ersten ausgestrahlt werden.

Ein Dokumentarfilm mit Spielszenen des Hessischen Rundfunks über Anne Frank, mit der Frankfurterin Mala Emde in der Hauptrolle und Götz Schubert, soll Anfang 2015 im Ersten ausgestrahlt werden.

Testosteron, ein Heimatfilm mit Gangstern, Rockern und Rotlichtgrößen von Sascha Goldberg mit Darstellern wie dem Ex-Profiboxer Willi „de Ox“ Fischer und Pit, dem Türsteher des Pik Dame, soll im Sommer 2015 ins Kino kommen.

Arteholics, ein Film über den „kunstsüchtigen“ Udo Kier, der dafür auch durch das Frankfurter Städel flanierte, kommt im Oktober in die Kinos.

Geplant ist die deutsch-griechische Koproduktion Ein Atem, ein Migrationsdrama mit Jördis Triebel, Vicky Papadopoulou und Benjamin Sadler fürs Kino.

Lost in Frankfurt, Independent-Film über eine schwule Dreiecksbeziehung mit dem polnischen Schauspieler Kris Broda in der Hauptrolle. Für George Dare ist es seine erste Regiearbeit, gedreht wurde Anfang August in der Stadt vor allem mit Laiendarstellern.

Der Abschlussfilm der Hochschule Darmstadt von Alicia Rost mit dem Titel Uranophobie soll im Hessischen Fernsehen gesendet werden.