Seit dem 1. Februar ist Dr. Miguel Casares neuer Direktor des Frankfurter Zoos. Fast 30 Jahre ist es her, dass der gebürtige Spanier dort sein erstes Praktikum absolvierte. Heute hat er viele Pläne, wie er den Zoo für Besucher und Tiere attraktiver machen will. Wir haben ihn getroffen.

In der einen Ecke seines Büros steht ein Reisigbesen. Den hat der Zoodirektor Miguel Casares von den Mitarbeitern der Zoo-Werkstatt zum Einstand geschenkt bekommen. „Neue Besen kehren gut“, haben sie draufgeschrieben.

Doch so ganz neu ist Miguel Casares im Frankfurter Zoo nicht. Seit September 2016 war er bereits Stellvertreter seines Vorgängers Prof. Dr. Manfred Niekisch. Das habe viele Vorteile, stellt Casares fest. Er kennt das Gelände, die Mitarbeiter, muss nicht überall bei Null anfangen.

„In spanien waren Praktika nicht üblich, also bewarb ich mich in Deutschland.“ – Dr. Miguel Casares

Einigen der Zooangestellten begegnete er sogar schon viel früher. Sein erstes Praktikum überhaupt absolvierte der 1966 in Madrid geborene Casares, der in seiner Heimat Tiermedizin studierte, nämlich im Frankfurter Zoo. „Ich wollte schon immer mit Wildtieren im Zoo arbeiten und dafür unbedingt praktische Erfahrungen sammeln. In Spanien waren Praktika damals nicht üblich, also habe ich mich in Deutschland beworben“, berichtet er.

Die erste Zusage sei aus Frankfurt gekommen. Das traf sich gut, denn seine Schwester, die einen Deutschen geheiratet hatte, lebte damals in der Stadt. Bei ihr konnte er wohnen. Also packte er 1990 seine Sachen und zog für drei Monate an den Main.

Ein Jahr später kehrte er noch einmal für drei Monate zurück. Noch heute erinnert er sich an diese Zeit, beispielsweise an eine besondere Begegnung mit den Orang-Utans in Frankfurt. Ein Jungtier habe im Gehege mit einer Schraube gespielt und er habe versucht, ihm diese wegzunehmen, weil er die Sorge hatte, es könne sich daran verletzen, erzählt er. Doch das Tier gab die Schraube nicht her. Der Vater des kleinen Menschenaffen beobachtete die Szene, nahm diesem schließlich die Schraube ab und gab sie dem Praktikanten. „Diese Empathie zwischen Mensch und Tier hat mich total beeindruckt.“

Ein neuer Masterplan

Seit dieser Zeit habe sich im Zoo viel verändert, stellt er aber auch fest. „Ich habe damals noch die alte Menschenaffenanlage und die Bärenanlage erlebt, da ist vieles besser geworden.“ Einiges sei allerdings auch noch genau so wie damals, räumt er mit einem besorgten Blick weiter ein.

Mit der Auffassung, es habe jahrelang Stillstand im Zoo gegeben, bevor in den vergangenen Jahren unter Prof. Niekisch einige Anlagen erneuert worden seien, läuft er bei Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig offene Türen ein. Auch sie beklagte diesen Umstand kürzlich öffentlich.

Ein Weißkopfsaki
Ein Weißkopfsaki

Geht es nach Casares, soll sich das möglichst bald ändern. Den Zoo weiter zu modernisieren und das Tiermanagement zu verbessern, das sind die wichtigsten Aufgaben, die für den neuen Zoochef nun anstehen. Dafür will er mit seinen Mitarbeitern einen Masterplan aufstellen, der die Entwicklung der Einrichtung für die kommenden 15 Jahre umfasst. Erfahrung mit einer solchen Arbeit hat er bereits. Für den 2008 eröffneten privaten „Bioparc“ im spanischen Valencia entwickelte er das Konzept mit.

Dabei gelang es ihm, auf dem zehn Hektar großen Gelände die Grenzen zwischen Mensch und Tier optisch aufzulösen. Der Besucher hat damit den Eindruck, sich mitten im natürlichen Lebensraum der Tiere zu befinden und dass die unterschiedlichen Arten in Wohngemeinschaften leben. Ein ähnliches Konzept kann er sich auch für den Frankfurter Zoo vorstellen. „Wir können nicht alles neu gestalten, aber das neue Ukumari-Land für die Brillenbären und Brüllaffen geht ja schon in die Richtung.“

Miguel Casares will größer denken

In Frankfurt muss Casares mit seinen Planungen nicht ganz von vorne anfangen. In den Jahren 2010/2011 hätten rund 35 Mitarbeiter bereits sehr intensiv an einem Strategieplan gearbeitet, berichtet er. „Der ist zum Teil sehr gut, einige Dinge davon würde ich gerne verwirklichen.“ Der neue Zoochef möchte aber größer denken.

Wichtig ist ihm, dass große Areale des Geländes als Ganzes betrachtet und modernisiert werden. Bislang habe es viele einzelne Eingriffe gegeben, wie den Neubau der Bären- oder aktuell der Pinguin-Anlage, die noch in diesem Jahr fertig werden soll. „Das war sinnvoll, aber wenn wir jetzt größere Flächen bearbeiten, können wir die Tieranlagen, die Besucherwege und den Service gleichzeitig modernisieren.“

Das Gastronomieangebot etwa müsse in jedem Fall verbessert werden. Auch das Zusammenbringen von unterschiedlichen Tierarten, das, was die Zoologen „Vergesellschaftung“ nennen, könne nur funktionieren, wenn es beim Bau einer Anlage von Anfang an mitgedacht werde, stellt er fest.

In einem gerade einmal elf Hektar großen Innenstadtzoo wie Frankfurt ist das ein wichtiges Thema, weil es erlaubt, mehr Tierarten zu zeigen, den Tieren mehr Abwechslung bringt und auch für die Besucher spannender ist.

Einmalige Verbindung

Ganz konkret würde er sich gerne – sobald alle laufenden Projekte wie das neue Dach fürs Exotarium und die Pinguin-Anlage abgeschlossen sind – den südwestlichen Teil des Geländes mit den Huftieren, dem Giraffen- und dem Nashornhaus vornehmen, alles Anlagen, die 50 bis 60 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig sind. Aber auch der nordöstliche Teil des Zoos mit den Vogelhallen aus den 1960er Jahren sei so ein Areal, das einen Umbau vertragen könnte. Solche Projekte erfordern allerdings entsprechende finanzielle Mittel.

Eine Australische Wasseragame
Eine Australische Wasseragame

Der Umgang mit der Politik, bei der er um die Finanzierung werben muss, ist noch neu für den Zoodirektor. Er habe bislang immer für private Zoos gearbeitet, räumt er ein. Doch er ist optimistisch, wenn er mit seinen Mitarbeitern ein gutes Konzept erarbeite, damit auch Gehör zu finden.

Um den Besuchern insgesamt mehr zu bieten, plant Casares bei der Gestaltung neuer Areale eine enge Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), einst Gründungsgesellschaft des Zoos und heute international tätigte Naturschutzorganisation, die aktuell rund 70 Projekte in 30 Ländern fördert und betreut.

„Eine Zusammenarbeit zwischen einem Zoo und einer weltweit tätigen Organisation wie der ZGF ist einmalig in Europa“, betont er und erläutert weiter: Ein Zoo solle die Haltung von bedrohten Tierarten immer auch mit dem Schutz ihres natürlichen Lebensraumes verknüpfen.

Er würde daher gerne die Besucher mehr über die Projekte der ZGF informieren und diese im Zoo präsenter machen. „Sie verfolgt viele Projekte, die erfolgreich sind, solche Erfolgsgeschichten müssen wir auch erzählen.“ Ein Beispiel hat er auch parat. Sofort berichtet er von der Wiederansiedlung von Orang-Utans auf Sumatra, die dafür einzeln für die Auswilderung trainiert werden. Die Begeisterung für diese Arbeit ist ihm dabei anzumerken.

Pendeln am Wochenende

Aber nicht nur die Menschenaffen faszinieren ihn. Eine besondere Beziehung hat der Spanier zu den Galapagos-Schildkröten, über die er seine Doktorarbeit an der Universität Zürich geschrieben hat. Später betreute er auf der Insel im Pazifik noch ein Schildkröten-Projekt. Nach der Promotion war er als Wissenschaftler und Veterinär vor allem in der Schweiz und in Spanien tätig. Unter anderem war er Tierarzt im „Loro-Park“ auf Teneriffa. Die Promotion verfasste er übrigens auf Deutsch und Englisch, wie er in aller Bescheidenheit erst auf Nachfrage bestätigt.

Deutsch habe er in der Schule gelernt und durch seine Aufenthalte in Deutschland und der Schweiz, erzählt er in so gut wie fehlerfreier Rede. Doch das genügt ihm offenbar nicht: „Es ist mein persönliches Ziel, die Sprache zu verbessern.“ Einen Sprachkurs am Goethe-Institut-Frankfurt besucht er bereits. Sich Ziele setzen, Selbstdisziplin üben, das sind Eigenschaften, die man bei allem Klischee eher von einem Deutschen als von einem Spanier erwarten würde. Casares lacht darüber. Er sei auch gerne pünktlich. „Ich habe drei Jahre in der Schweiz gelebt, das hat mich offenbar geprägt.“

„Ein Zoo ohne Tiere ist kein Zoo, aber ohne Besucher ist er es auch nicht.“ – Dr. Miguel Casares

Den Kontakt zu seiner Heimat Spanien hat er dennoch nicht verloren. Seine Frau und seine beiden Töchter, die eine 21, die andere 10 Jahre alt, leben nach wie vor in Madrid. Am Wochenende pendelt er. Das habe er auch von Valencia aus gemacht, wo er 15 Jahre lang tätig war. Es sei für ihn also nichts Neues. „Es steht aber auf meiner Wunschliste, dass meine Familie nach Deutschland kommt“, sagt er vorsichtig. Und ergänzt: „Ich arbeite daran. Das muss sich langsam entwickeln.“

Mit dieser Umsicht und Gelassenheit will er auch den Frankfurter Zoo nach vorne bringen. Der Beitrag der Zoos zum Naturschutz werde immer wichtiger, betont er dabei. Es sei daher entscheidend, die Besucher für die Tiere zu begeistern, denn: „Ein Zoo ohne Tiere ist kein Zoo, aber ohne Besucher ist er es auch nicht.“


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