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700 Inseln, davon nur 30 bewohnt, kilometerlange Traumstrände mit majestätischen Palmen und roséfarben schimmerndem Puderzuckersand, sattgrüne Natur und kunterbunte Kolonialarchitektur. Wenn es einen Flecken Erde gibt, der dem Paradies nahekommt, dann sind es die Bahamas. Schon Kolumbus und nicht zuletzt Captain Jack Sparrow wussten diesen himmlischen Ort östlich von Florida zu schätzen. Von Nassau machten wir uns auf nach Abaco und schnupperten den Duft von Sonne, Sand und Freiheit, der schon Eroberer, Piraten und bis heute so manchen Individualisten beflügelte…
Text: Natalie Rosini, Fotos: Michael Hohmann (Top Magazin Frankfurt)

Schön anzusehen sind auf den Bahamas nicht nur die Strände.
Schön anzusehen sind auf den Bahamas nicht nur die Strände.

Wir starten im schillernden Shopping- und Zockerparadies Nassau, der quirligen Hauptstadt der Bahamas. Dort steigen wir im Graycliff ab, einem Traditionshaus im Stadtzentrum, das nicht nur von seiner Historie, sondern vor allem vom Charme seines Besitzers lebt, der dort seine ganz eigene Eroberung der Karibik in Jack Sparrow-Manier vollzieht – mit dem Charme englisch überbordender Ästhetik, dem Faible für karibische Zigarren und italienischer Liebe zu kostbaren Weinen: Der gebürtige Italiener Enrico Garzaroli kam 1973 auf die Bahamas, wo er das 260 Jahre alte Herrschaftshaus Graycliff entdeckte und sich auf den ersten Blick verliebte.

Koloniales Flair, beste Weine und feinste Rauchwaren

Enrico „No problem“ Garzaroli kaufte das koloniale Prunkstück von Lord und Lady Dudley und machte daraus ein 5-Sterne-Hotel von weltweitem Renommee. Wenn auch das Interieur etwas antiquiert scheint, so kann man Signor Garzaroli nicht absprechen, dass er sein Haus mit viel Leidenschaft und Charisma führt:

Das Graycliff – ein Schmuckstück im britischen Kolonialstil mitten im Herzen von Nassau
Das Graycliff – ein Schmuckstück im britischen Kolonialstil mitten im Herzen von Nassau
Umgeben von sattgrüner Vegetation speist man auf der Terrasse des Graycliff.
Umgeben von sattgrüner Vegetation speist man auf der Terrasse des Graycliff.
Im Weinkeller des Graycliff lagern über 175.000 der edelsten Tropfen, darunter auch der älteste Wein der Welt, ein 1727er Rüdesheimer Apostelwein „Bremer Ratskeller“. Doch nicht nur Weine haben es dem Karibik-Italiener angetan: Als passionierter Habanos- Raucher hatte Garzaroli auf Kuba einst Avelino Lara kennengelernt, den Direktor der legendären Fabrica El Laguito auf Kuba, Geburtsort der Cohiba. Garzaroli holte den König der Torcedores (Zigarren-Roller) und Hoflieferanten Fidel Castros nach Nassau um für ihn die exklusiven „Graycliff“-Zigarren zu rollen. Die Tabakmischung für die edlen Rauchwaren, die auf rund 600.000 Stück limitiert sind, kennen nur Avelino Lara und Enrico Garzaroli.

Nassau helau!

Üben für die Parade: Die Farben der Flagge symbolisieren übrigens die Strände der Bahamas und das Wasser, das sie umschließt. Das schwarze Dreieck am Fahnenstock symbolisiert die Einheit.
Üben für die Parade: Die Farben der Flagge symbolisieren übrigens die Strände der Bahamas und das Wasser, das sie umschließt. Das schwarze Dreieck am Fahnenstock symbolisiert die Einheit.
In Nassau herrscht Lebensfreude pur. Durch die Altstadt zu schlendern, vorbei an bonbonfarbenen Kolonialhäusern, charmanten Geschäften und hübschen Cafés, mit den scheinbar immer gut gelaunten Einwohnern ein Schwätzchen halten und die Karibiksonne genießen reicht schon aus, um ein wenig glücklicher zu werden. Noch mehr Glück hat man, wenn man wie wir kurz vor Weihnachten hier ist und die Vorbereitungen für Junkanoo, den Karneval auf den Bahamas, miterlebt. Wir werden Zeugen, wie in den „shacks“, den Karnevalswerkstätten, fieberhaft an den prächtigen Kostümen und Pappmache Figuren gearbeitet und auf Sportplätzen und in Gassen fleißig Tänze, Märsche und Musikstücke einstudiert werden. Die Tradition des Junkanoo stammt übrigens aus der Sklavenzeit: Damals, im 18. Jahrhundert, bekamen die Sklaven über Weihnachten frei und so nutzten sie die Gelegenheit, bei der Parade ihren afrikanischen Wurzeln Tribut zu zollen. Und da die Bahamians bekanntlich jede Gelegenheit zum Feiern nutzen, werden die Junkanoo-Paraden, die traditionell am 26. Dezember und 1. Januar stattfinden, nun auch im Juni beim „Junkanoo in June“ abgehalten. Wer nicht zur Festival-Zeit auf den Bahamas ist, kann sich natürlich auch ein Bild davon machen: Im Ivern House in Nassau zeigt eine Dauerausstellung, wie die Kostüme in den „shacks“ hergestellt werden, und man kann sich sogar seine eigene Junkanoo-Maske basteln.

Versailles unter Palmen

Weiter geht es nach Paradise Island, das unmittelbar vor Nassau liegt und über zwei Brücken mit der Hauptstadt verbunden ist. Hierher zieht es uns natürlich auch wegen der traumhaften Strände, doch vor allem wollen wir ein wenig Jetset-Luft schnuppern und uns auf die Spuren von James Bond begeben. „Ich habe keine Reservierung – Es war eine spontane Idee!“ Mit diesen Worten checkte Daniel Craig als Doppelnullagent in „Casino Royale“ in einer der viktorianisch anmutenden Suiten des legendären Ocean Club ein, der exklusivsten Adresse auf den Bahamas. Auch Bestseller-Autor Nicholas Sparks fühlt sich in der Luxusanlage mit ihren prächtigen, den Gärten von Versailles nachempfundenen Grünanlagen, den Wasserfällen, dem Rosengarten und dem bekannten French Cloister wohl. Besagter Mittelalter-Kloster- Kreuzgang ist ein Original aus dem 13. Jahrhundert aus der Nähe von Lourdes. Der einstige Besitzer Huntington Hartford II, Erbe des Lebensmitteldiscounters A&P, ließ es Anfang der 60er Jahre Stein für Stein abbauen, verschiffen und auf Paradise Island wieder aufbauen. Heute danken ihm das vor allem die vielen Hochzeitspaare, die das French Cloister gerne als Hintergrund für ihre Hochzeitsfotos nehmen.

Rendez-vous mit Flipper

„Flipper“ zeigt sein schönstes Hollywood-Lächeln.
„Flipper“ zeigt sein schönstes Hollywood-Lächeln.
Nach luxuriösen Spa- und Gourmetgenüssen machen wir uns weiter auf Spurensuche. Und erneut wollen wir einen echten Megastar treffen – wenn auch keinen menschlichen. Wir besuchen Robert Meisters Dolphin Encounters auf Blue Lagoon Island, um mit Delfinen zu schwimmen und mit Seelöwen zu schmusen. Und natürlich wollen wir dort auch Flipper treffen. Und den gibt es in der hübschen, von Kokospalmen gesäumten Lagune gleich dreifach, denn in der Neuverfilmung von Flipper mit Elijah Wood schlüpften drei der sympathischen Tümmler aus der Dolphin Encounters- Family in die Rolle des wohl berühmtesten Meeressäugers aller Zeiten. Im warmen Wasser der Lagune werden wir von Abaco, einer jungen Delfindame mit charmantem Lächeln, mit einem Küsschen und einer Umarmung begrüßt, lassen uns von den „Senioren“ Jake und McGyver (zwei der Flippers) durch das Wasser ziehen, schwimmen und tauchen mit ihnen. Es wundert uns nicht, dass Delfine immer wieder zu Therapie-Zwecken eingesetzt werden, denn der Kontakt mit ihrer weichen Haut hat etwas so beruhigendes, die Art, wie sie mit den Menschen, und zwar nicht nur mit den Trainern, kommunizieren, ist faszinierend. „Es ist ähnlich wie mit den Begleithunden für Behinderte“, erklärt uns eine der Trainerinnen. „Selbst Menschen, die im Wasser ängstlich sind, überwinden ihre Angst und lassen sich auf diese einzigartigen Tiere ein.“ Unser Fazit: Eine solche Begegnung mit Delfinen ist das wohl schönste, was man erleben kann. Wer auf die Bahamas reist, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen!

Postkartenromantik und schräge Vögel

Unbedingt probieren! Coconut Daiquiri von einer der Strandbuden ist eine echte Offenbarung.
Unbedingt probieren! Coconut Daiquiri von einer der Strandbuden ist eine echte Offenbarung.
Wohnen in der Villa Kunterbunt. Auf den Bahamas ist der bunte Anstrich der Häuser Gesetz.
Wohnen in der Villa Kunterbunt. Auf den Bahamas ist der bunte Anstrich der Häuser Gesetz.
Zum Schluss zieht es uns doch nochmal an den wohl charmantesten Ort auf den Bahamas: Hope Town auf den Abaco-Inseln. Hier schieben die Menschen in ihren idyllischen Holzhäusern inmitten satter Vegetation, atemberaubend schöner Strände und malerischer Buchten eine beneidenswert ruhige Kugel. „Slow down, you’re in Hope Town!“ liest man auf dem Schild am Hafen. Autos gibt es hier kaum, ebenso wenig wie große Hotelanalagen. Das größte Hotel hat gerade mal 95 Zimmer, die meisten Gäste mieten sich in einer der kleinen, feinen familienbetriebenen Pensionen ein, in denen man meist nicht einmal einen Zimmerschlüssel bekommt – Kriminalität ist in Hope Town ebenso selten wie Stress oder Staus. Eines der wenigen Gesetze hier lautet, dass alle Häuser bunt gestrichen sein müssen. Kein Wunder, dass Hope Town immer wieder Künstler und Aussteiger anzieht. Hier gehört man schon nach wenigen Tagen zur Community, wird von Einheimischen, Expats und anderen Urlaubern gegrüßt und lernt so manchen schrägen Vogel kennen. Ein Original etwa ist der Dorfpfarrer Vernon Malone, der nebenbei noch einen kleinen Spezialitätenladen führt. Vernon’s Grocery ist jedoch nicht bloß wegen der leckeren hausgemachten Pies so berühmt, sondern vor allem wegen der markigen Sprüche des charismatischen Bäckers: Auf Schildern im gesamten Laden stehen Ansagen wie „Smokers will be shot“ oder „If you’re looking for Wal Mart it’s 200 miles to the right.“ Noch Fragen? Und auch ein weiterer Bewohner Hope Towns ist nie um einen flotten Spruch oder eine interessante Anekdote verlegen: Dave, der Leuchtturmwärter, der in vierter Generation einen der letzten handbefeuerten Leuchttürme betreibt, erzählt gerne, wie seine Großeltern falsche Leuchtfeuer setzten, um vorbeifahrende Schiffe zum Sinken zu bringen. „Die angeschwemmte Beute wurde natürlich brüderlich unter den Einwohnern aufgeteilt. Ein lukratives Business… wie heute der Tourismus.“ Unser letzter Abend auf den Bahamas. Wir sitzen bei Coconut-Daiquiris auf unserer schneeweißen Veranda mit unseren „Gasteltern“ Henry und Claire, die gemeinsam 175 Jahre alt sind und hier, in ihrem mintgrünen Häuschen mit Blick auf die Bucht „alt werden wollen“ – schließlich, so Henry, sind die beiden „in den besten Jahren, vor allem Claire, die wie keine andere Tango tanzt“. Ob es uns wohl gelingen wird, ein wenig dieser positiven Energie mit nach Hause zu nehmen? „Bestimmt“, meint Claire, „Lebensfreude ist das schönste Souvenir von den Bahamas.“

 

Travel Infos

    Anreise

  • British Airways fliegt täglich ab Frankfurt über London nach Nassau.
    www.britishairways.com
  • Auch Air Berlin und Lufthansa bieten Flüge von Frankfurt nach Miami mit Anschlussflügen von American Airlines und US Airways an.
    www.airberlin.com, www.lufthansa.com
  • Bahamasair fliegt von Nassau viele Ziele auf den Bahamas an. Mit Abaco Air gelangt man von Nassau nach Abaco.
    www.bahamasair.com, www.flyabacoair.com

Übernachten

Auf der Veranda sitzen, die Schiffe vorbeiziehen sehen und einfach entspannen: Slow down, you‘re in Hope Town!
Auf der Veranda sitzen, die Schiffe vorbeiziehen sehen und einfach entspannen: Slow down, you‘re in Hope Town!
Der legendäre Ocean Club mit dem original Mittelalter-Kloster-Kreuzgang aus Frankreich.
Der legendäre Ocean Club mit dem original Mittelalter-Kloster-Kreuzgang aus Frankreich.

In der Hauptstadt Nassau können wir jedem, der charmant und zentral wohnen möchte, das Graycliff Hotel empfehlen. Auch Stars wie Shakira und Nicholas Cage waren schon Gäste bei Enrico „No Problem“ Garzaroli.
www.graycliff.com

Auf Paradise Island muss man zumindest eine Nacht im legendären Ocean Club residieren.
www.oneandonlyresorts.com

Wem allerdings mehr nach der Action einer Riesenanlage samt Poolanlage in der Größe eines Einkaufszentrums, eigenem Casino und Kino sowie Meerwasseraquarium ist, der ist im benachbarten Atlantis Resort richtig. Vor allem Familien kommen dort voll auf ihre Kosten.
www.atlantis.com

In Hope Town sucht man Megaresorts bekanntlich vergebens. Und das ist auch gut so. Die Deutsche Barbara Hagenmaier vermietet viele unterschiedliche Strandvillen auf den Abacos.
www.bahamashideaways.de

    Events

  • National Family Island Regatta: Die große Regatta findet vom 26. bis 30. April auf Great Exuma statt. Die vielen kleinen Cays der Exumas sind das ideale Segelrevier.
  • Abaco Island Roots Heritage Festival: Volksfest vom 6. bis 8. Mai 2011; in New Plymouth auf Green Turtle Cay, Abaco
  • Pineapple Festival: Jedes Jahr im Juni findet in Gregory Town auf Eleuthera das Ananas-Festival statt. 1. bis 5. Juni 2011
  • Junkanoo Summer Festival: Der Bahamaische Karneval den ganzen Juli über auf Harbour Island.
  • Discovery Day: Am 11. Oktober feiert man auf den Bahamas den Tag der Entdeckung durch Christoph Kolumbus.
  • Hope Town Art & Crafts Festival: Am 26. November findet in Hope Town, Elbow Cay, Abaco das jährliche Arts & Crafts Festival statt.

 

Weitere Informationen erhält man beim Bahamas Tourist Office
www.bahamas.de