Auf dieser magischen Insel scheint der Name Programm, denn hier vereinen sich schroffe Vulkanlandschaften und sattgrüne Wälder, französischer Charme und kreolische Lebensfreude, atemberaubende Natur und Multikultur, koloniale Architektur und traumhafte Strände. Bienvenue à l‘île de La Réunion! Von Natalie Rosini.

La Réunion - Bonzour au Paradis
La Réunion – Bonzour au Paradis

Bereits kurz nach der Ankunft auf der Insel im Indischen Ozean wird uns klar: Dieser knapp 800 km östlich von Madagaskar und neben Mauritius und Rodrigues zur Inselgruppe der Maskarenen gehörende Flecken Erde steckt voller Magie, die erkundet werden will. Und das, so unser Guide, am besten auf mehreren Wegen: Zu Lande, zu Wasser und in der Luft… Für Jean-Claude, der vor 15 Jahren eigentlich nur für einen bestimmten Zeitraum hierherkam, ist La Réunion längst zur Heimat geworden. „Eine Heimat, die mich jeden Tag aufs Neue überrascht“, sagt der Zoreil, wie man die Franzosen aus dem Mutterland in kreolischer Sprache nennt. „Hier ist alles authentisch: die ursprüngliche Natur, der lebendige Vulkan, die traumhaften Strände, die atemberaubende Unterwasserwelt. Und natürlich die Menschen!“ Auf der Terrasse unseres Hotels nahe Saint-Gilles-Les- Bains an der Westküste blicken wir auf den mittlerweile im Mondlicht schimmernden Ozean, atmen die salzige Luft und genießen einen mit Vanille aromatisierten Rum. Die Entdeckung des Paradieses hat begonnen…

Die Schätze des Grand Ouest

Plage Saint Gilles
Plage Saint Gilles

Der Westen ist die Hochburg des Tourismus auf La Réunion: Über 25 Kilometer erstrecken sich hier atemberaubende Strände, mal mit leuchtend puderzuckerweißem, mal mit vulkanisch schwarzem Sand, mal am offenen Meer, mal an malerischen Lagunen. Doch nicht allein die Tatsache, dass man hier den perfekten Beach-Urlaub und eine unvergleichlich artenreiche Unterwasserwelt erleben kann, macht die Westküste zum optimalen Ausgangspunkt, um den ökologischen und kulturellen Reichtum der Insel kennenzulernen, weiß unser Guide. „Der Westen ist quasi das Tor zur Insel, hier kamen im 17. Jahrhundert die ersten Siedler an. Bis heute sind die Zeugnisse unserer bewegten Geschichte hier im Westen am vielfältigsten.“ Beispielweise auf dem Seefahrerfriedhof in Saint Paul, im Museum „Stella Matutina“ in Piton Saint-Leu, das sich in einer ehemaligen Zuckerfabrik befindet, oder im Tempel „Chapelle la Misère“ in Saint-Gilles-les-Hauts, dem vermutlich ersten hinduistischen Tempel der Insel. Schnell wird klar: La Réunion ist ein Mosaik der Religionen und Kulturen. Und wie bunt und farbenfroh dieses friedliche Miteinander sich hier gestaltet, so Jean-Claude, kann man nirgendwo eindrucksvoller erleben als auf den Märkten.

Bunt, bunter, Kreol

Cari de poulet
Cari de poulet

Es duftet nach frischen Kräutern, Gewürzen und reifem Obst. Bunt leuchten Blumen, Früchte und Gemüse mit den farbenfrohen Sonnenschirmen und den Saris einer indischstämmigen Gruppe von Gewürzverkäuferinnen um die Wette. Wie Musik legt sich das laute, fröhliche Stimmgewirr über das Marktgeschehen und übertönt das Rauschen der Wellen. Wir lassen uns treiben im melodischen Singsang des weichen Kreolisch, das so gar nichts von der harten Betonung des europäischen Französisch hat. Der Wochenmarkt von Saint-Paul ist einer der bedeutendsten auf La Réunion, findet freitags und samstags vormittags, herrlich gelegen an der Uferpromenade, statt und bietet einen perfekten Einblick in die gelebte Multikultur der Insel. Wir stöbern im reichhaltigen Angebot der Stände, probieren reife Mangos und andere himmlisch süße Früchte, berauschen uns am Duft der Gewürze, erkunden die Gesichter der Menschen, deren Züge von der multiethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung zeugen und solch faszinierende Mischungen wie helle Augen und afrikanisch krauses oder indisch blauschwarzes Haar hervorbringen, lauschen der Musik, die jedem hier im Blut zu stecken scheint, und den einladenden Stimmen der Verkäufer, die uns immer wieder mit einem herzlichen kreolischen „Bonzour“ begrüßen. Jean-Claude hatte Recht: Es gibt wohl keinen besseren Ort, um mit La Réunion Freundschaft zu schließen. „Und spätestens wenn der Gaumen ebenfalls Bekanntschaft mit dieser faszinierenden Mischung der Kulturen gemacht hat, bleibt man dieser Insel wohl für immer verbunden.“

L‘île délicieuse

Plage Boucan
Plage Boucan

„Wer kein Cari probiert hat, hat La Réunion nicht wirklich probiert“, heißt es, und so machen wir uns nach dem Marktbesuch auf in den Norden nach Saint-Denis. Die Kapitale der Insel ist die größte französische Überseestadt. Hier findet man nicht bloß die erste Moschee Frankreichs, den faszinierenden chinesischen Tempel „La Traversée Heureuse“ (glückliche Überfahrt) und den farbenprächtigen tamilischen Tempel „Shri Kali Kambal“ als Zeug- nisse gelebter Multikultur, auch kann man hier die volle Pracht kolonialer und kreolischer Bauten erleben. Die Rue de Paris ist ein Must für jeden, der die verspielte pastellfarbene Architektur zwischen Palmen, Orchideen und Bougainvillea sowie das bunte Treiben auf den Straßen erleben möchte. Zurück zum Cari: Nach unserer kleinen Zeitreise durch das bezaubernde Saint-Denis besuchen wir das „Le Reflet des îles“. Dort wird das kreolische Gericht, das im Grunde wie ein Eintopf aus Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln und inseltypischen Gewürzen sowie geschmortem Fleisch oder Fisch besteht, „par excellence“ zubereitet, verrät Jean-Claude. In dem charmanten, familiären Restaurant heißt uns Alain herzlich willkommen, um uns in die Prozedur eines echten Cari réunionnais einzuweihen. Regel Nummer eins: Das Fleisch spielt nicht die Hauptrolle, wie es das bei uns Europäern so häufig tut: „Man bedient sich zuerst am Reis, legt dann mit Hülsenfrüchten wie Linsen oder Bohnen nach, und krönt das Ganze dann erst mit Fleisch oder Fisch“, sagt Alain und serviert uns zwei duftende Caris, das eine mit zartem Hühnchen, das andere mit fangfrischen Langusten. Dazu erhalten wir eine bunte Auswahl an Gewürzen sowie den Hinweis, diese sehr vorsichtig zu probieren. „Der Réunionnais liebt es scharf, aber nicht jeder ist so ‚fougueux‘.“ Nach einem Feuerwerk der Geschmäcker gönnen wir uns noch einen Rum und sind uns sicher, dass es das nächste Mal noch etwas schärfer geht: Allmählich fühlen wir uns mehr und mehr „fougueux“ – heißblütig, wie echte Réunionnais…

Eine kleine Mondreise

Trou de Fer
Trou de Fer

Apropos heißblütig: Auf La Réunion gibt es zwei Vulkane: den schlafenden „Le Piton des Neiges“ (er ruht seit ungefähr 20.000 Jahren und ist mit seinen 3.071 Metern der höchste Berg des Indischen Ozeans) und „Le Piton de la Fournaise“, seit 380.000 Jahren einer der aktivsten Vulkane der Welt. „Dabei ist er völlig ungefährlich“, beruhigt uns Jean-Claude. „Bevor der Berg zu spucken anfängt, informiert das vulkanologische Observatorium alle wich- tigen Einrichtungen der Insel, und wenn das Fernsehen einen Aus- bruch ankündigt, wird sogar gefeiert. Die Réunionnais haben ein liebevolles Verhältnis zum Piton de la Fournaise. Wenn er ausbricht sagen sie ‚Volcan i pet‘, was so viel heißt wie ‚Der Vulkan pupst.‘“ Samtiges Licht liegt auf den sattgrünen Wiesen und umhüllt alles mit einem natürlichen Weichzeichner, der einen herrlichen Sonnentag verspricht. Es ist früh am Morgen, als wir die Straße der Hochebenen hinauffahren und staunen, wie bekannt uns alles er- scheint – eine wahres Alpenidyll mit friedlichen weidenden Kühen. Nur die kleinen Vulkankegel ab und an erinnern daran, dass wir uns auf La Réunion befinden. Das ändert sich, je höher wir kom- men: Wir erreichen dichte Tannenwälder und die Berge, die Luft ist merklich kühler. Am Aussichtspunkt „Pas de Bellecombe“ er- öffnet sie sich uns dann voll und ganz: die unwirkliche Schönheit dieser geradezu surrealen Mondlandschaft. Der gewaltige Krater liegt direkt vor uns. Wir steigen hinab in die Lava-Ebene „Enclos“ und machen einen „Moonwalk“ auf der erhärteten Lava. Ein un- glaubliches Gefühl! Zurück geht es über die „Route des Laves“, entlang der Bahnen der Lavaströme, die im Laufe der Zeit ins Meer geflossen sind. An einigen Stellen steigt mit der Gischt Rauch auf. Die Feuerinsel hat uns in ihren Bann gezogen und wir sind bereit für weitere dramatische Naturschauspiele…

Das reiche Erbe der Réunionnais

Cirque de Mafate
Cirque de Mafate

La Réunion ist eine Insel für Entdecker. Und so machen wir uns auf zu einer Wanderung, die sich, so Jean-Claude, kein Besucher entgehen lassen sollte: hinein in den abgelegenen Talkessel Mafate. Er ist wie auch der Wald des Berges Maïdo, der Wald von Trois Bassins und die Hänge des Grand Bénare Teil des Nationalparks von La Réunion, welcher zum UNESCO-Welterbe zählt. Unter diesem Schutz konnten Arten wie der einheimische Greifvogel „Papangue“ und die kleinen „Tec Tec“-Vögel sowie die vielfältige Vegetation mit roten Palmen, Tamarindenwäldern und Kampferbäumen erhalten werden. „Alon bat karé!“ – Lasst uns spazieren gehen! Der unberührteste der drei Talkessel von La Réunion erstreckt sich über 95 km² und bietet rund 100 km Wanderwege, denn bis heute lässt sich dieser unberührte Flecken Erde nur zu Fuß, per Helikopter oder – ganz neu – im Ultraleichtflugzeug (ULM) erkunden. So kann man sich übrigens auch der Lagune nähern, um von oben Wale und Delfine zu beobachten. Und als sich uns der vom Frühnebel mystisch verhüllte Gebirgskessel eröffnet, können wir gar nicht umhin, unseren Schritt zu beschleunigen und weiter eindringen zu wollen in diese magische Welt, deren schroffe Felsen und gewaltige Krater bis heute von der Kraft der Natur zeugen. „In die beiden anderen Talkessel Salazie und Cilaos wurden vor 200 Jahren Zufahrtswege gebaut. Die Bergschlucht von Mafate indes ist nach wie vor isoliert“, sagt Jean-Claude. „Rundherum bilden die Berge und ihre etwa 10 Gipfel über 2.000 m einen regelrechten Schutzwall. Zwischen Wäldern, Schluchten und Felsen liegen kleine Bergdörfer, ‚Ilets‘, und deren Einwohner sind keineswegs Einsiedler: Sie begrüßen jeden Besucher mit einem freundlichen ‚Koman i lé?‘, Wie geht’s?“ Und so werden wir nach unserem etwa dreistündigen Marsch in Mafates „Hauptstadt“ La Nouvelle herzlich willkommen geheißen. Spielende Kinder, ein lachendes Grüppchen junger Mädchen – sie alle winken uns vor der Kulisse bezaubernder kreolischer Häuschen und üppiger Blumenpracht zu. Es ist ein wenig wie im Märchen.

Plaine des Sables
Plaine des Sables

Nach unserer Dorferkundung genießen wir ein sämiges Hühnchen- Cari und ein paar eisgekühlte Dodo (das einheimische Bier, benannt nach dem legendären ausgestorbenen Vogel) und erleben kurz darauf das Highlight dieser Tour: Die Sonne geht unter, recht schnell, doch in den dramatischsten Farben. Kurz darauf legt sich die Nacht über das Dorf, Ruhe kehrt ein und der Himmel hüllt sich in ein Kleid voll funkelnder Sterne. Sicher werden wir uns in Zukunft beim Anblick der Sterne immer an diesen magischen Ort erinnern.
La Réunion – c’est magique…

TRAVEL INFOS La Réunion

Anreise: Ab Deutschland täglich mit Air Austral oder Air France via Paris nach La Réunion. Mit Air Mauritius über Mauritius oder mit Corsair ab mehreren französischen Flughäfen. Die Flugzeit ab Paris beträgt circa 10 Stunden.

Einreise: Die Insel La Réunion ist französisches Staatsgebiet und gehört somit zur Europäischen Union. EU-Bürgern genügt demnach ein gültiger Personalausweis. Ein weiterer Pluspunkt: Die Währung ist der Euro.

Klima: 300 Sonnentage und eine Durchschnittstemperatur von 26°C machen La Réunion zur perfekten Ganzjahres-Destination.

Zeit: MEZ + 3 Stunden, im Sommer + 2 Stunden

Informationen erhalten Sie beim Fremdenverkehrsamt der Insel La Réunion und unter www.insel-la-reunion.com

Weitere Highlights

La Réunion bietet unzählige kulturelle Schätze und Naturreichtümer, die es zu entdecken gibt. Hier finden Sie noch ein paar weitere Empfehlungen von Nicole Anthony, der Leiterin des Fremdenverkehrsamts:

Jardin des Parfums et des Epices: Besuchen Sie einen botanischen Garten mit seinen Düften und Gewürzen.

Vanilleplantage: Ein Besuch in der Welt des Duftes der zauberhaften Orchidee

Marches sur le Feu: Während der Feuerläufe sind die tamilischen Tempel für Besucher geöffnet.

Zuckerfabrik: Besichtigung mit anschließender Verkostung des inseleigenen Rums

Kreolische Dörfer: Hell-Bourg, das Dorf im Talkessel Salazie, zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs.

Grand’Anse: Traumhafter Strand östlich von Saint-Pierre