Kostbare Uhren und Juwelen – der Inbegriff des Luxus. Doch ist es allein der Preis, der ausschlaggebend dafür ist, was es als wahre Schätze zu erachten gilt? Sicher nicht. Die Liebe zum Handwerk, die Präzision, die Hingabe für erlesene Materialien und Tradition, die unermüdliche Suche nach Schönheit und Perfektion machen die Faszination für die edlen Stücke aus. Und natürlich die Sehnsüchte, Träume und Erinnerungen, die sie in uns wecken… Von Natalie Rosini

„Wenn ich verzweifelt bin, blicke ich von oben auf Paris und stelle mir manchmal vor, die ganze Welt sei eine einzige, riesige Maschine.“ Dieser Satz stammt vom kleinen Hugo Cabret, der sich im gleichnamigen Film von Martin Scorsese der Faszination für Mechanik und Handwerk hingibt. Und das tut auch Top Magazin Frankfurt auf den folgenden Seiten.
„Wenn ich verzweifelt bin, blicke ich von oben auf Paris und stelle mir manchmal vor, die ganze Welt sei eine einzige, riesige Maschine.“ Dieser Satz stammt vom kleinen Hugo Cabret, der sich im gleichnamigen Film von Martin Scorsese der Faszination für Mechanik und Handwerk hingibt.

Wenn ich an Uhren denke, kommt mir stets eine bestimmte Werbekampagne in den Sinn: Vater und Sohn und der Claim, eine Uhr dieser Marke gehöre einem nie ganz allein. „Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation“. In der Mutter-Tochter-Variante heißt es, man trage diese Uhr nicht einfach. „Man beginnt eine lebenslange Liebesbeziehung.“ Keine Rede von Exklusivität, Luxus, teurem Gold, Platin und Brillanten. Es sind Emotionen, die den Wert definieren und die wahrlich nicht geringen Preise der Schweizer Uhrenmanufaktur rechtfertigen sollen. Mit Erfolg.

Investitionen fürs Leben

Selbst in Krisenzeiten steht es um die Luxusuhrenindustrie alles andere als schlecht. Während noble Automarken daran arbeiten müssen, das Umweltsünder- und Protzimage hinter sich zu lassen, werden teure Chronographen mehr denn je als Investitionen fürs Leben erachtet. Als Gegenstände von dauerhaftem Wert. Kaum einer Branche gelingt es besser, den Mythos des im Grunde „Unnötigen, Überflüssigen“, mit einem Wort Luxuriösen, aufrecht zu erhalten. Denn, mal ehrlich: Wer braucht schon eine Uhr zum Preis eines vollausgestatteten Mittelklassewagens? Der Chef einer der zurzeit erfolgreichsten Schweizer Luxusuhrenmanufakturen sagte es im Interview mit Top Magazin selbst: „Die Uhrzeit kann ich auch auf meinem Handy ablesen.“ Und der Chefdesigner einer anderen Premiummarke erklärt: „Es sind nicht die technischen Feinheiten oder die Frage, wie tief man mit einer Uhr tauchen kann, die das Begehren wecken. Vielmehr ist es das Zusammenspiel von Produktgeschichte und Exklusivität.“ Das bestätigt auch der Frankfurter Uhrenexperte Samuel H. Kahn. „Je geheimnisvoller und interessanter die Herkunft – am besten mit einem prominenten Vorbesitzer – desto besser.“ Sein Unternehmen Times Value handelt mit hochwertigen Vintage- Uhren. Mit großem Erfolg, denn „gute Uhren können innerhalb weniger Jahre eine Wertsteigerung von mehreren hundert Prozent erzielen.“ Sein Tipp: „Komplikationen machen die Uhr sammelwürdig und somit wertvoll. Dazu gehören Mondphasen, eine zweite oder mehrere Zeitzonen, ein ewiger Kalender, ein Wecker oder ein Tourbillon.“

Nicht leicht zu haben

Es geht also um Dinge mit Herkunft. Die eingangs erwähnte Manufaktur wirbt nicht bloß mit dem Familienimage, sie verkörpert es auch selbst, ist sie doch seit 1839 unabhängig und familiengeführt. Und es geht natürlich darum, Begehrlichkeiten zu wecken. Auch diesen Aspekt der Exklusivität durch Verknappung bringt das Familienunternehmen auf den Punkt: Bestimmte Uhren bekommt man nicht einfach so, sondern nur, wenn es der Firmenchef nach gründlicher Prüfung des Antrags bewilligt. Das klingt schon ein wenig hochtrabend, doch Interessenten, die brav ihr Curriculum einreichen und bereit sind, mehrere Jahre auf die Auslieferung zu warten, gibt es zu genüge.

Teure Leidenschaft

Welch hohen Wert kostbare Uhren haben können, beweist der Erlös aus der Versteigerung der Sammlung von George Daniels bei Sotheby’s. Die Schätze des britischen Uhrmachers und Sammlers übertrafen alle Erwartungen. Das teuerste Stück der Auktion sollte eine von Daniels selbst gefertigte Taschenuhr sein, deren Erlös zwischen 600.000 und 750.000 Euro geschätzt worden war. Tatsächlich kam die Space Traveller´s Watch für mehr als 1.660.000 Euro unter den Hammer.
Welch hohen Wert kostbare Uhren haben können, beweist der Erlös aus der Versteigerung der Sammlung von George Daniels bei Sotheby’s. Die Schätze des britischen Uhrmachers und Sammlers übertrafen alle Erwartungen. Das teuerste Stück der Auktion sollte eine von Daniels selbst gefertigte Taschenuhr sein, deren Erlös zwischen 600.000 und 750.000 Euro geschätzt worden war. Tatsächlich kam die Space Traveller´s Watch für mehr als 1.660.000 Euro unter den Hammer.

115 Millionen Dollar. So der Erlös der wertvollsten privaten Juwelensammlung, die in den letzten zehn Jahren in den USA versteigert wurde. Das war Ende 2011 und die Besitzerin keine Geringere als Elizabeth Taylor. Die zweitwertvollste Sammlung gehörte der vor einem Jahr verstorbenen USMillionenerbin Huguette Clark und brachte bei Christie’s 20,8 Millionen – für 17 Stücke. Doch sicher ist es nicht allein der monetäre Wert, der die Faszination für kostbaren Schmuck und Edelsteine ausmacht. „Diamonds are a girl’s best friend.“ – ein Satz, der vor allem eins ausdrückt: Leidenschaft.

Liebe mit Fassung

Wenn eine Frau von ihrem Verlobungsring schwärmt, erzählt sie ihren Freundinnen dann, was er gekostet hat? Sicher gibt es das, doch in der Regel geht es doch darum, was er verkörpert: Wertschätzung, Verbundenheit, Liebe. Der Diamant-Solitär als Versprechen. Das Collier als Zeichen der Anerkennung. „Was ein Mann wirklich von einer Frau hält, erkennt man an den Ohrringen, die er ihr schenkt.“ Ein weiteres Filmzitat – Audrey Hepburn in „Breakfast at Tiffany’s“ -, welches verdeutlicht, dass edler Schmuck viel mehr ist als Zierde oder Statussymbol. Ein kostbares Schmuckstück schafft ab dem Moment, in dem man es das erste Mal anlegt, Erinnerungen. Der eigentliche Wert liegt im Gefühl, das es verursacht. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um ein Geschenk von einem geliebten Menschen handelt, um die Perlen der Mutter, oder um den goldenen Armreif, den man sich selbst gegönnt hat.

Funkelnde Träume

Gefühle verursacht natürlich auch der Schmuck, den man nicht besitzt: Einmal über einen Roten Teppich schreiten und die heiß ersehnten Chandelier-Ohrringe tragen. Einmal den traumhaften Cocktailring über den Zeigefinger streifen. Einmal eine brillantbesetzte Tiara aufsetzen. Um bei Hollywood zu bleiben: Was gibt es schöneres als Träume? Und um bei Holly Golightly zu bleiben: Allein die Verpackung der von ihr so begehrten Pretiosen sorgt bis heute für Herzklopfen – weltweit und kulturübergreifend. 1906 eingeführt, dem Farbton von Rotkehlchen-Eiern nachempfunden und mittlerweile als „Tiffany Blue“ bekannt, verheißt die türkisfarbene Schachtel wahre Liebe.

Forever

Das Leben nimmt seinen Lauf. Zeiten ändern sich. Nicht alle verheißungsvollen Verbindungen haben Bestand. Wege trennen sich. Leben enden… Edelmetalle und Steine indes überdauern Jahrtausende. Und auch das traditionelle Handwerk der Schmuck-und Uhrmacher besteht als kulturelles Erbe fort. Die kostbaren Kreationen stecken voller Geschichte und werden zugleich zum Teil unserer eigenen Geschichte. Die Hochzeitsperlen der Mutter, die goldene Uhr des Urgroßvaters – sie schlagen eine Brücke zwischen vergangenen und zukünftigen Generationen und werden somit zu Schätzen für die Ewigkeit…