Schönes Haar – das wünschen sich Frauen und Männer gleichermaßen. Erfahren Sie, was Sie für die Gesundheit Ihres Haars tun können, was Sie beim Frisör beachten sollten und natürlich auch, was man tun kann, wenn’s auf dem Kopf weniger wird.
Text: Natalie Rosini, Fotos: Hartmut Nörenberg

Photo & Retouch: Hartmut Nörenberg Model: Sofia Tsakiridu Make-Up: Fauve Lex Hairstyling: Fauve Lex
© Photo & Retouch: Hartmut Nörenberg
Model: Sofia Tsakiridu
Make-Up: Fauve Lex
Hairstyling: Fauve Lex

Im Grunde sind Haare nichts anderes als lange Hornfäden, die im Wesentlichen aus Keratin bestehen. Sie dienen Säugetieren zum Schutz vor Kälte, Sonne und anderen Umwelteinflüssen. Für uns Menschen, die im Gegensatz zu anderen Säugern übereine relativ geringe und anders aufgeteilte Körperbehaarung verfügen, sind Haare biologisch gesehen nicht überlebenswichtig. Dennoch ist ihre Bedeutung in kultureller sowie psychologischer Hinsicht enorm. Haare, genauer gesagt die circa 100.000 Kopfhaare, die wir haben, sind Ausdruck von Vitalität und Gesundheit, stehen für Schönheit, Kraft und Erotik. Kurzum: Haare sind der vielleicht wichtigste Schmuck, den wir haben. Umso wichtiger also, dass wir wissen, wie wir sie richtig pflegen.

Futter für’s Haar

Wahre Schönheit kommt von innen. Das gilt auch für die Haare. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist demnach das A und O für schönes Haar. Wer ständig auf Diät ist oder aufgrund fraglicher Ernährungstrends zu einseitig isst, geht Gefahr, dass Haare (sowie auch Fingernägel und Haut) darunter leiden. Stumpfes, brüchiges und dünnes Haar ist oft die Folge. Übrigens auch der Verlust des selbigen! Nicht umsonst gehen Magersüchtigen in vielen Fällen die Haare aus. Um gesund und kräftig zu wachsen, braucht das Haar also die richtigen Bausteine – immerhin wächst es ständig, und die Zellen der Haarwurzeln benötigen permanent Nachschub, um sich zu teilen. Grundgerüst aller Zellen ist bekanntlich Eiweiß (Protein), ebenso wie das Keratin, Hauptbestandteil des Haars, ein Eiweißprotein ist. Eiweißreiche Ernährung ist demnach der erste Schritt zu gesundem und kräftigem Haar. Statt jedoch nur auf die „tierischen üblichen Verdächtigen“ wie Fleisch, Eier und Käse zu setzen, sollte man auch öfter mal pflanzliche Eiweiße wie Kartoffeln, Getreide und Soja in den Speiseplan einbauen.

Lecker macht schön!

Photo & Retouch: Hartmut Nörenberg Model: Annabelle Junk Make-Up: Ruben Kasper Hairstyling: Ines Wigger & Nadine Roßkamp
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Model: Annabelle Junk
Make-Up: Ruben Kasper
Hairstyling: Ines Wigger & Nadine Roßkamp
Besonders wichtig für den Zellaufbau ist Vitamin H, auch bekannt als Biotin – das „Schönheits-Vitamin“. Es unterstützt auch die Regeneration von Hautzellen und ist in Eiern, Vollkornprodukten, Hefe, Nüssen und Hülsenfrüchten enthalten. Mit diesem Beauty-Food versorgt man den Körper gleichzeitig mit Zink, welches eine wichtige Rolle für das Wachstum der Haare spielt. Das Spurenelement ist bekanntlich Bestandteil vieler „Wunderwässerchen“ und Shampoos gegen Haarverlust sowie Nahrungsergänzungsmittel. Mit dem Verzehr eines schönen Omeletts oder einer leckeren Linsensuppe jedoch nimmt man es genussvoll zu sich und beugt auf leckere und meist auch kostengünstigere Weise dem Haarausfall und vorzeitigem Ergrauen vor. Ein weiteres wichtiges Spurenelement ist Eisen, das verantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut und vor allem in Fleisch vorhanden ist. Vegetarier und Leute, die an Eisenmangel leiden (was häufig bei Frauen der Fall ist) sollten also eventuelle Mängel ausgleichen, wenn ihnen ihr Haar lieb ist eine Extraportion Pflege in Form einer Kur bekommen. Tipp: Nach Ausspülen der Kur immer Conditioner verwenden, damit die aufgeraute Schuppenschicht sich schließen kann.

Das Richtige für jeden Kopf

Krauses Haar oder glatt wie Schnittlauch? Empfindliche Kopfhaut, Schuppen, Spliss oder fettige Haare? Jeder Kopf ist anders, und so sind auch die Anforderungen an Pflege und Styling ganz unterschiedlich. Wichtig ist, dass man eine Pflegeserie wählt, die diesen entspricht – die Auswahl in Drogerien ist enorm, und nicht immer ist das Luxus-Produkt vom Friseur wirklich das Beste. Noch viel wichtiger ist es zu wissen, wie man sein Haar richtig pflegt. So sollte man die Haare vor dem Waschen immer erst ausbürsten, um Styling-Reste zu entfernen und so den Pflegewirkstoffen freien Lauf zu lassen. Auch sollte man nicht zu viel Shampoo verwenden! Profis verdünnen es mit Wasser und massieren vor allem Kopfhaut und Ansätze damit. In die Spitzen gerät das Shampoo ohnehin beim Ausspülen. Zudem sollte man stets einen Conditioner verwenden – diesen allerdings eher in den Längen und mit nicht mehr als einer Minute Einwirkzeit, damit das Haar nicht zu schwer wird. Tipp: Am Schluss noch einmal mit kaltem Wasser ausspülen. Das sorgt für Glanz und Festigkeit. Und bloß nicht trockenrubbeln! Das Haar ist in nassem Zustand sehr empfindlich, die Schuppenschicht kann dadurch beschädigt werden. Das gilt auch fürs Kämmen. Immer Kämme oder Bürsten mit Naturborsten aus Horn oder Holz verwenden – bloß kein hartes Plastik oder gar Metall! Wer lange Haare hat, sollte auch nicht gleich eine Klammer oder Haargummis verwenden, um die Hornschicht zu schonen. Schonend ist auch, ab und an mal auf das Styling mit Fön und Co. zu verzichten und die Haare an der Luft trocknen zu lassen. Und wenn’s dann doch die volle Styling Maschinerie sein soll, immer auf Geräte setzen, die über einen Hitzeschutz verfügen und niemals zu viel Hitze auf die Haare einwirken lassen. Für Lockenstab, Glätteisen und Heißwickler gilt: Immer nur in trockenem Haar verwenden! Wer’s also morgens eilig hat, sollte die Haare bereits am Vorabend waschen und das Styling auf den nächsten Tag verschieben.

Küchen-Tipps für schönes Haar

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Es muss nicht immer der neuste Conditioner mit Kaviar oder das Shampoo mit Passionsblume sein. In Kühlschrank und Küche findet man viele nützliche Helfer, um die Haare mit Nährstoffen zu versorgen. Platz eins in Sachen Kitchen-Beauty nehmen Eier ein. Einfach je nach Haarlänge und Dichte ein bis zwei Eier in warmem Wasser verquirlen, wie eine Kur im Haar verteilen und 15 bis 20 Minuten einwirken lassen. Beim Ausspülen darauf achten, dass das Wasser nicht zu heiß ist, damit die Eier nicht gerinnen. Das Ergebnis: supergeschmeidiges, glänzendes Haar. Auch Sesamöl ist ein echter Feuchtigkeitsspender: Das Öl erhitzen und wieder erkalten lassen, um es dann ins Haar ¬ vor allem die Längen ¬ einzumassieren. Denselben Effekt erzielt man auch mit Olivenöl, das sich zwischendurch auch bestens für strapazierte Spitzen eignet. Eine Extraportion-Pflege bietet die Avocado: Zerdrückt und vermengt mit Joghurt sollte man sie auf Haare und Kopfhaut massieren, dann 15 bis 20 Minuten unter einem Handtuch einwirken lassen und danach das Haar wie gewohnt waschen und pflegen. Höchste Geschmeidigkeit und Glanz garantiert! Und wer nicht nur einen Glanzbooster braucht, sondern auch einen natürlichen Festiger, sollte als Spülung nach dem Waschen eine kleine Flasche Bier über die Haare kippen. Keine Sorge – es klebt und riecht nicht!

Typfrage

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Frauen mit Locken hätten gerne glattes Haar. Männer mit vielen Wirbeln wünschten sich, ihr Haar falle so geschmeidig wie das von Hugh Grant. Mit dem richtigen Schnitt und Styling ist vieles ¬ wenn auch nicht alles ¬ möglich. Da ist der Rat eines guten Frisörs gefragt, der nicht nur Trends folgt, sondern den Kunden auch dahingehend berät, was seinem Alter und Typ entspricht und nicht zuletzt: was mit den Haaren möglich ist. Denn bekommt man die Frisur nach der ersten Haarwäsche nicht selbst hin, wurde man schlichtweg schlecht beraten. Ein guter Schnitt muss auch im Alltag funktionieren – schließlich kann nicht jeder wie Anna Wintour täglich in den Salon spazieren, um Bob und Pony aufs Akkurateste stylen zu lassen. Ein Frisör muss nicht nur wissen, was mit der Haarstruktur ¬ ob kraus oder glatt, dick oder dünn ¬ möglich ist. Auch muss er erkennen, was zum Gesamtbild des Kunden passt. Nicht jeder Frau steht ein Pixie (der im Übrigen viel Arbeit macht!), und nicht jeder Mann wird mit einem angedeuteten Iro zu David Beckham oder ins Gesicht gekämmtem Deckhaar zu Jogi Löw (der wirklich ausgesprochen schönes und volles Haar hat, was leider nicht jedem Mann vergönnt ist). Nicht zuletzt sollte man selbst wissen, wie viel Zeit man im Bad verbringen möchte, bevor man sich für einen Schnitt entscheidet, und wie oft man zum Nachschneiden oder Färben zum Frisör gehen kann. Das gilt für Männer wie für Frauen! Und ist das Kind dann erst mal in den Brunnen gefallen, keine Panik: Haare wachsen nach…

Lichte Momente

Mit dem Haarausfall – vor allem beim Mann – ist es leider wie mit Cellulitis: Selbst die teuersten Cremes und Elixiere können wenig, im Grunde gar nichts, daran ändern. Oder glauben Sie, dass Bruce Willis und Heiner Lauterbach sich ihrem Schicksal einfach so ergeben hätten, wenn eine Pille, egal wie teuer, ihnen ihr volles Haupthaar hätte bewahren können? Die häufigste Form des Haarausfalls ist die androgenetische Alopezie, der erblich bedingte Haarausfall. 95 Prozent aller Männer, die unter Haarausfall leiden, sind von dieser Form betroffen, welcher ein komplexes Zusammenwirken erblicher Anlagen zu Grunde liegt, die wiederum noch nicht vollends erforscht sind. Ist ein Haarfollikel erst einmal abgestorben, lässt es sich nicht wieder „zum Leben erwecken“. Und auch vorbeugend lässt sich nicht allzu viel machen, um den Haarausfall aufzuhalten – auch wenn natürlich eine gesunde Lebensweise und wenig Stress sowie die richtige Pflege den Prozess verlangsamen können. Wer sich mit Glatze, kahlen Stellen oder lichtem Haupthaar also nicht abfinden möchte, dem bleibt nur eine Haartransplantation beim plastischen Chirurgen.

Juan Carlos Quintero Hair & Make-up Artist, Frankfurt
Juan Carlos Quintero Hair & Make-up Artist, Frankfurt (© Top Magazin Frankfurt)

Tipp von Juan Carlos Quintero

„Ein Top Hair-Styling wird von einer guten Pflegeserie unterstützt. Gerade die Einwirkungen hoher Temperaturen und des Salzwassers vom letzten Strandurlaub strapazieren das Haar. Meinen Kundinnen und Kunden rate ich daher: Fangen Sie frühzeitig mit der Pflege an, nicht erst beim Friseurbesuch. Basisprodukt ist ein hochwertiges Shampoo, das gleichzeitig auch die Kopfhaut pflegt. Danach eine Spülung, die das Haar sanft und geschmeidig werden lässt. Den Abschluss bildet eine Haarkur, die man einmal pro Woche anwenden sollte. Mein Tipp: Benutzen Sie nur Produkte ohne künstliche Zusatzstoffe wie Paraffin oder Silikon. Für ein ultimatives Luxus-Treatment der Haare empfehle ich die Kaviar-Serie von Alterna. Wer eine solche Pflegeserie konsequent anwendet, erleichtert nicht nur dem Stylisten die Arbeit, sondern investiert langfristig in schönes, glänzendes und gesundes Haar.“

Die kunstvollen Fotos für diesen Artikel stammen von Hartmut Nörenberg, freier Fotograf und Bildbearbeiter aus Mülheim an der Ruhr. www.hart-worx.com