Detox auf Deutsch

Ayurveda Parkschlösschen Bad Wildstein in Traben-Trabach an der Mosel
Ayurveda Parkschlösschen Bad Wildstein in Traben-Trabach an der Mosel

Für einen Detox-Trip muss es aber nicht unbedingt Thailand oder Indien sein, auch in Deutschland gibt es die Möglichkeit, Körper und Seele zu entgiften. Die wohl renommierteste Adresse hierzulande ist das Fünf Sterne-Hotel Parkschlösschen Bad Wildstein in Traben-Trabach an der Mosel, weltbekannt für seine Ayurveda-Therapie. Eröffnet wurde es 1993 als eines der ersten Häuser weltweit, das ganzheitlich auf die altindische Therapieform setzt. Heute ist das Parkschlösschen das Detox-Top-Ziel schlechthin. Denn hier erlebt der Gast seine Entgiftung mit luxuriösem Komfort, stilvollem Ambiente und exzellentem Service. „Wir bieten unseren Gästen einen Rückzugsort für Körper, Geist und Seele“, sagt Carina Preuß, Tochter der Inhaber Brigitte und Wolfgang Preuß. Natürlich ist auch die Küche ganz nach den ayurvedischen Prinzipien ausgelegt. Chefkoch Eckhard Fischer ist für die energiereichen und leicht verdaulichen Speisen zuständig. „Grundsätzlich gibt’s in der ayurvedischen Küche keine Verbote, sondern Gebote und Empfehlungen, die für jede einzelne Person ganz unterschiedlich sind. Wir haben hier in erster Linie eine Kur-Gourmet-Küche, rein vegetarisch, fast vegan. Detox und Schweinehaxe wären eher kontraproduktiv“, sagt Fischer. In seiner Ayurveda-Küche würde es besonders auf die Kombination der Zutaten ankommen. „Für eine Tafel Schokolade braucht hier aber niemand bestochen zu werden, denn es gehören auch Süßspeisen zur ayurvedischen Entgiftungskur“, so der Herr der Parkschlösschen-Küche.

Mythos Ayurveda

Einzigartig macht das exquisite Parkschlösschen aber vor allem der stilvolle Therapiebereich mit 13 Behandlungs- und elf Ruheräumen. Das hier praktizierte Ayurveda ist aber kein Wellness-Vergnügen, sondern eine Heilkunst. Die angebotenen Kurprogramme und Therapien basieren alle auf den Jahrtausende alten Prinzipien der fernöstlichen Gesundheitslehre. Je nach Saison umsorgt ein bis zu 100-köpfiges Team die Gäste, darunter Ärzte mit ayurvedischer und schulmedizinischer Ausbildung, Therapeuten, Köche und Gästebetreuer. Alle handeln nach dem ganzheitlichen Wissen. Auch die Architektur der 58 Zimmer und die Materialien sind nach den Erkenntnissen des Ayurveda gewählt und verbinden sich zu einem großen heilsamen Ganzen. „Wir sind das einzige Haus der Welt, in dem das ayurvedische Konzept ganzheitlich verwirklicht wurde. Weit abseits von Hektik und Stress sollen die Gäste ihre Akkus wieder auftanken“, sagt die 28-jährige Preuß, die in der Geschätsführung tätig ist. Inmitten des großen Gartens mit den alten Bäumen funktioniere das sehr gut, denn hier sei der perfekte Erholungsort für Körper, Geist und Seele. Und damit nichts die Chakren der gestressten Gäste stört, sind Alkohol, Zigaretten, Handy, TV und sogar Grün- und Schwarztee im Haus verboten. „Es gab schon Gäste, die sich weigerten, zu kommen, weil wir keine Fernseher haben. Nur wenige brechen die Kur ab. Unsere Gäste kommen aus Eigeninitiative. Der ein oder andere büxt aber schon mal aus und sitzt dann im Restaurant im Ort. Das können wir nicht verhindern, wir wollen ja niemanden einsperren “, sagt Carina Preuß.

 

Auf Om-Wegen

Im Parkschlösschen wird auf Geschmacksverstärker verzichtet.
Im Parkschlösschen wird auf Geschmacksverstärker verzichtet.

Im Zentrum der individuell abgestimmten und ausgeklügelten Detox-Kuren und -Therapien steht die ganzheitliche Entgiftung, tiefgreifende Regeneration und  Vermittlung eines gesunden Lebensstils – mit dem Ziel von Wohlergehen, neuer Lebensenergie und Gesundheit. Panchakarma-Kur wird das im Parkschlösschen genannt. Am Beginn jeder Entgiftungstherapie steht jedoch etwas äußerst unangenehmes, intimes, jedoch durchaus Menschliches: abführen. Im Parkschlösschen bekommt man dazu einen Einlauf. Und danach erst mal keine feste Nahrung. Doch im großen Wellness-Bereich mit Thermalbad, Sauna, Fitness- und Kosmetikstudio lässt es sich dafür stilvoll entspannen. Insgesamt beinhaltet der Jungbrunnen, der das biologische Alter angeblich um Jahre senken soll, rund 25 Therapieformen. Oft sind es Einzelgäste, die sich den ganz besonderen Luxus einer Panchakarma-Reinigungs-Kur gönnen. Sie kommen dafür aus ganz Europa angereist. „Der Januar ist die beliebteste Zeit für Kuren. Viele Gäste bezeichnen den Aufenthalt bei uns als jährlichen Ölwechsel.“ Die Exklusivität und Qualität der Detox-Anwendungen zeigt sich natürlich auch in der prominenten Gästeliste. „Zu uns kommen ganz verschiedene Menschen. Vom Yogalehrer bis hin zum Schauspieler“, so Preuß. Und weil alles sehr diskret abläuft, dringt nur selten nach außen, welche Berühmtheit sich gerade im Städtchen an der Mosel aufhält. Iris Berben, Prinz Ernst August von Hannover und Caroline von Monaco wurden aber schon gesichtet.

Zwischen Exzess und Askese

Ayurveda statt Amphetamine heißt es seit Jahren auch bei Sven Väth. Der aus Obertshausen stammende weltberühmte Techno-DJ schwört auf die Ayurveda-Kur an der Mosel. Er ist Stammgast im Parkschlösschen in Traben-Trabach. Jedes Jahr im Herbst, sobald die Clubs in Ibiza schließen, ist bei dem Techno-Pionier Detox angesagt. Dann nimmt sich der vielbeschäftigte Väth, der in einem Jahr mehrmals um den Globus fliegt und rund 120 Gigs spielt, eine körperliche Auszeit und macht eine Ayurveda-Kur in der rheinland-pfälzischen Provinz. Seine „ayurvedische Phase“ dauere in jedem Jahr von Oktober bis Januar. In dieser Zeit tankt der mittlerweile 50-Jährige Kraft für die arbeitsintensiven Sommermonate. Anfang der 90er Jahre machte er auf Goa Bekanntschaft mit fernöstlichen Entspannungstechniken. Seitdem nimmt der hessische DJ die Dienste des Parkschlösschens gerne in Anspruch. „In Indien lernte ich Ayurveda schon vor 20 Jahren lieben. Aber jedes Jahr dorthin fliegen? Das ist mir zu aufwendig. Ich will meine Ruhe und ich mag deutsches Herbstwetter. Allein die Fahrt durch den Wald mit all seinen Farben und den Wildsäuen am Straßenrand. Ich gehe spazieren, denke nach, lese Bücher japanischer Schriftsteller. Danach trinke ich drei, vier Monate keinen Alkohol, esse kein Fleisch und höre sogar sechs Wochen keine Dance-Musik“, erklärte Sven Väth der Nachrichtenagentur dpa. Für ihn sei das Wechselspiel aus Arbeit, Exzess und fernöstlicher Tiefenentspannung wichtig, denn er wisse, dass es die größte Aufgabe im Leben sei, seine Balance zu finden.

Simplify your life

Dr. Stefanie Grabhorn ©Farideh Fotografie
Dr. Stefanie Grabhorn ©Farideh Fotografie

Entgiftungskuren haben eine lange Tradition, ihre Wirkung ist allerdings nicht wissenschaftlich bewiesen. „Die Maßnahmen oder Lebensmittel, die unter Detox zusammengefasst werden, sind für sich genommen nicht schlecht. Leider werden aber auch oft unwissenschaftliche Halbwahrheiten zusammengewürfelt, die keine medizinische Grundlage haben“, sagt Dr. Stephanie Grabhorn. Die Frankfurter Ärztin gilt als erfahrene Ernährungsmedizinerin, ihr Experten-Wissen ist in Büchern, Funk und Fernsehen gefragt. Die Existenz der verachtenswerten Schlacken, die oft im Zusammenhang mit Detox genannt werden, kann sie nicht bestätigen. Auch könne man mit einer Detox-Behandlung keine Vergiftung des Körpers kurieren. Denn für die Wirksamkeit einer Detox-Kur gäbe es keine Beweise. „Ein gesunder Körper ist in der Lage, über Leber und Niere Giftstoffe auszuscheiden. Das Trinken von Säften, Saunabesuche, Yoga oder Salzbäder sind keine Maßnahmen, die Giftstoffe aus dem Körper zu leiten. Gegen ein zeitlich begrenztes Trinken von Säften und ein Auslassen von Genussmitteln ist jedoch nichts einzuwenden. Eine kurze Detox-Auszeit von maximal zwei Wochen ist natürlich nicht schädlich und kann sogar ein motivierender Start für eine generelle Umstellung zu einer gesünderen Lebensweise sein. Bei dieser einseitigen Ernährung fehlen dem Körper allerdings irgendwann gesunde Fette und Eiweiße“, erklärt Dr. Grabhorn. Für den Frühjahrsputz des Körpers braucht es jedenfalls keine Woche im Luxus-Wellnesshotel oder auf der Ayurveda-Farm mit speziellem Kurprogramm. Auch zu Hause ist die innere Reinigung möglich. Dass man dabei allerdings zu den zahlreichen Hilfsmitteln der Schönheitsindustrie, wie Pulver-Drinks, Entschlackungskuren und Pillen greifen sollte, hält Grabhorn für unnötig. Sie warnt sogar vor dem besseren Lebensgefühl aus der Pillendose. „In einem vor kurzem durchgeführten Produkttest an Detox-Kosmetikprodukten wurde festgestellt, dass alle Produkte als wirkungslos eingestuft werden können.“ Die Wundermittelchen seien verschwendetes Geld. In jedem Fall sollte vor jeder Detox-Kur ein Arzt konsultiert werden, um eventuelle Risiken auszuschließen und abzuklären, ob der eigene Körper die Belastung, die das Entgiften mit sich bringt, überhaupt verträgt. Ob der Traum von der inneren Reinigung, neuer Energie und einem Körper und Geist in Balance dann wahr wird, erfährt nur, wer es wie Ardi Goldman, Irena Brncic, KP Kofler und Sven Väth selbst ausprobiert.

 

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